Zitat von Reh Was macht einen Menschen zum Menschen? Ist es das freie Denken, die Fähigkeit der Abstraktion, das Ich-Bewusstsein, Benutzung von Feuer, Herstellung von Werkzeugen, aufrechter Gang? All solche Dinge werden diskutiert und nichts davon trifft auf einen Fötus zu.
Das alles trifft auf ein Baby aber auch nicht zu, und trotzdem ist die Hemmschwelle, es umzubringen, da erheblich höher.
Die ganze Diskussion ist in aller Welt sehr widersprüchlich. In einem Fötus ist zweifellos der ganze Mensch angelegt, den man nicht töten soll. Trotzdem machen auch starke Abtreibungsgegner bei Vergewaltigung eine Ausnahme, was den Verdacht nahelegt, dass der Komplex Schwangerschaft mit einem enormen Maß an Moral - und zwar nur Sexualmoral - belastet ist. (Btw: Die Kirchen meinen fast ausnahmslos Sexualmoral, wenn sie von Moral reden.) Unter dem Motto: Selbst
schuld, wenn Du schwanger wirst. Die Schwangerschaft als Schuldfrage.
Zitat von Reh Sind Menschen, die Abtreibung kategorisch aus ethischen Gründen ablehnen, grundsätzlich Pazifisten?
Wohl eher im Gegenteil. In den meisten Ländern sind gerade die Gruppen/Parteien, die Abtreibung kategorisch ablehnen (bis hin zu militanten Einsätzen bei Kliniken), genau die, die Kriegseinsätze eher befürworten. In Amerika sind die striktesten Abtreibungsgegner die, die gegen jede Verschärfung des Waffenrechts sind und Bushs Kriege richtig finden. Auch das läßt sich meines Erachtens auf die Verbindung von "Moral" und Schwangerschaft zurückführen, denn es sind auch gleichzeitig die Gruppen, die ein konventionelles Familienbild mit der Frau&Mutter am Herd pflegen.