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Mein Glaube (oder das was davon (nicht mehr) übrig ist)

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Anarchnophobia
Alt 10.09.2004, 16:37   #1
Standard Mein Glaube (oder das was davon (nicht mehr) übrig ist)

Hallo erstmal

Habe dieses Thema in einem anderem Forum verfaßt, aber warum nicht auch hier. Wobei es ein etwas „persönlicheres“ Thema (für mich ist) ist hat der ein oder andere Punkt bestimmt auch seine Daseinsberechtigung zum diskutieren hier

Zum Thema „glauben“ erstmal zu mir selbst, obwohl die alten hasen hier mich da ja auch noch zu genüge kennen: ich bin seeeehr konservativ christlich aufgewachsen und erzogen worden, bis ich mich über die Jahre hinweg mehr und mehr davon gelöst habe und mich über die Zeit hinweg doch recht schwarz entwickelt habe (was meinen Ellies sorge bereitete, für mich aber gar nicht im Widerspruch zum Glauben stand – und viele in der sogenannten „Gothic-Szene“ stammen auch aus dem christlichen ursprung ab bzw sind immer noch Christen). Mittlerweile weiss ich aber selber gar nicht mehr so recht wo ich stehe, bzw mir ist der Glaube etwas verloren gegangen so das ichh gar nicht mehr richtig glauben "kann", selbst wenn ich es wollte. Trotzdem versuche ich die meisten „positiven Werte“ der Bibel/des Glaubens für mich "mitzunehmen" in mein Leben.

soviel als kurze Einleitung dazu

Mein Gottesbild hat sich in dieser ganzen Zeit etwas gewandelt. Ich glaube nach wie vor an den Wahrheitsgehalt der Bibel, glaube daran das Gott zumindest mal existiert hat und die Welt mit einem „Plan“ geschaffen hat und das hier alles nicht aus Zufall entstanden ist… aber das wars auch schon.

Mittlerweile ist Gott für mich nicht mehr als eine „Macht“, die ihre Macht zum handeln aus dem Glauben bezieht. Nicht mehr als ein Stein oder ein Baum es auch sein könnte. Gebete sind für mich nicht mehr als ein „mit-sich-selber-auseinandersetzen“, diese gedanken in Worte zu fassen und „abzugeben“, wohin auch immer. Bzw sie kommen nirgendwo an, aber allein das Gefühl das sie irgendwo ankommen (wenn man glaubt) läßt etwas positives draus entstehen. Genausogut könnte man das aber auch seinem Hund erzählen… oder einem Freund, und es geht einem besser, ohne das daraufhin von dem freund nun irgendeine Handlung kommen müßte…

Ergo: Gott ist tot. Die einzige Macht die er bekommt bezieht er aus dem Rest-Glauben seiner Jünger – und das ist nicht mehr viel. In extremen „Zeiten“ hatte Gott durch intensiven Glauben auch wesentlich mehr Macht, die ausgenutzt wurde zur Legitimation von Kriegen (wobei Bush das ja auch wieder recht geschickt hat versucht einzusetzen… aber Gott wirkt da mittlerweile weniger als eine „internationale-terror-Bekämpfung, aber das ist nun wieder ein anderes Thema), durch Machtmißbrauch durch/in der Kirche, zu Geldzwecken… alles im namen des Herrn. Sicherlich durch Menschenhand mißbraucht – aber Gott selber greift nicht mehr ein. Früher wollte er es nicht, heute kann er es nicht mehr, weil er tot ist. Und wir haben ihn getötet. Durch unsere Gedanken und durch unser Handeln. Das einzige was übrigbleibt sind die Reste von uns und der Welt, die er hier vergessen hat. Oder er hat uns vergessen und sich neuen „Projekten“ gewidmet

„Projekten“… so erscheint mir das ganze hier auch. Der Gott, wie er in der Bibel wiedergegeben wird, ist für mich ein unfairer und inkonsequenter Gott der mit uns ein Spielchen spielt. Er schickt uns eine Sintflut die die gesamte Menschheit ausrottet – schickt einen Regenbogen als entschuldigung das er nieeee wieder die Erde mit Wasser zerstören wird… und in der offenbarung wird die Welt dann wieder in einem riesigem Feuerball untergehen?!? Ja hallo? Was kommt dann nach dem Feuerball? Warum nicht erst das Feuer, dann das wasser um es direkt wieder zu löschen? Sorry, so was KANN man doch nicht mehr ernst nehmen. Überhaupt ergibt der ganze Plan keinen Sinn. Er erschafft Adam und Eva (für sich selber als Langeweilezeitvertreib?) mit einem eigentlich guten Zweck: den menschen soll es gut gehen hier. Aber er denkt weiter und stellt sie/uns vor die Wahl das sie sich selber aussuchen können ob sie seinen Plan annehmen wollen oder nicht. Aber er denkt nicht weit genug. Adam und Eva essen von der Frucht, und Gott WEISS das schon im Vorraus. Dadurch das er es weiß, steuert er es auch – den anderes wären die Folgen fatal gewesen. Was wäre gewesen wenn Adam und Eva NICHT von dem „Baum der Erkenntnis“ genascht hätten, und erst einer der nachfolgenden Generationen auf die Idee gekommen wäre? Die „guten“ hätten weiter im Paradies gelebt, die „bösen“ wären verstoßen worden und hätten in Angst, schmerz und leid ihrer Arbeit nachgehen müssen um etwas zu essen zu haben? Das ganze bis heute weitergespinnt und aufgeteilt in „die guten und die bösen“, die guten die immer noch im Schlaraffenland leben und dabei nichtmal sterben können (ach herrje, die Überbevölkerung... ) und die ungläubigen, die wie Mutanten einem tristen, traurigen leben nachgehen wie wir heute halt? Gott HAT es also gewußt das ehh die ersten Menschen sich anders entscheiden würden – und hat damit das Böse SELBER in die Welt gesetzt. Er hätte es anders haben können – aber eine gute Welt wäre ihm wohl selber beim zuguggn zu langweilig gewesen.

Überhaupt scheint das ganze für ihn wirklich nur ein Spiel zu sein… erinnert ein bischen an ein Computerspiel. Sein Gegner: Satan (den er ja auch selber „programmiert“ hat in seiner allwissenheit – auch hier zeigt sich wieder das auch das „Böse“ von Gott selber kommt). Jedenfalls läßt er seinen Gegner Satan seine Basis aufbauen - dann irgendwann schlägt Gott zu und vernichtet Satan. Halb besiegt zieht Gott sich wieder zurück und läßt Satan noch mal walten und stark werden (1000-jähriges-Reich), um ihn dann wieder zu besiegen. Das ganze erinnert wirklich an eine Partie Command & Conquer wo man, wenn einem langweilig ist, dem Computer nach dem ersten großen zerstörerischem Angriff noch ein paar Ressourcen und Mittel läßt um zuzuguggn wie er sich wieder aufbaut, um dann wieder zuzuschlagen in einem Finalem Gefecht. Kann man das ernstnehmen? Als einen „ernsthaften, positiven“ Plan mit uns? Das glaube ich nicht, Tim… ich zumindest nicht mehr.

Daran ändert dann auch nichts seinen Sohn auf die Erde zu schicken, als „Entschuldigung“ und Friedensangebot an uns Menschen für die Scheiße in die er uns gebracht hat. Um sich ein ruhiges Gewissen zu verschaffen? Meint ihr er hat Jesus gefragt ob er überhaupt gehen und sterben will? Hmm, mal abgesehen davon das ich von der Mythologie das Jesus Gottes Sohn ist mittlerweile auch etwas anders denke ist der Gedanke das Jesus vllt nicht für uns gestorben wäre, wenn er nicht gewußt hätte das er 3 Tage später ehh wieder aufersteht auch ganz „witzig“. Sooooo groß ist das Opfer ja dann nun wirklich nicht gewesen oder? Er hat seinen Sohn ja einfach wieder aufgeweckt und zu sich zurückgeholt – also kein Verlust für Gott und ein eigentlich mageres Geschenk, mal abgesehen von den Leiden die Jesus durchgemacht hat. Aber über das ähnliche Leid was der Glaube und Gott über all die Millionen Menschen gebracht hat die für ihn oder durch Folgen des Glaubens gestorben sind – da muß man sich als Christ keine Gedanken drum machen?

Vielleicht ist es also ganz gut das Gott tot ist und nur als kleine Pfütze übriggeblieben ist. Vllt ist es ganz gut so, das ein Gott der selber genug „dreck am Stecken hat“ kein Recht hat über uns zu richten… denn in einem unserer leben KANN man gar nicht soviel leid/unrecht tun, wie Gott es getan hat (wenn man nicht grade Hitler mit Nachnamen heisst…)

Es gäbe noch einiges mehr, aber ich belaß es nun erstmal dabei, wahrscheinlich hat ehh keiner bis hier hin gelesen

Grüssels
Anarch
 
 
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raffis
Alt 10.09.2004, 16:56   #2
Standard

Hmm, es scheint mir, als ob viele Atheisten bzw. Ex-Christen als ihr oberstes Argument anführen "Gott ist tot" bzw. "Wenn es GOtt geben würde, dann wäre er ziemlich unfair und lausig den Menschen gegenüber" bzw. "Wieso tut Gott nicht etwas gegen die Armut in der Welt?"
Aus christlicher Sicht gibt es ja nur ein Leben, demnach ist es berechtigt zu sagen "Gott ist unfair gegenüber den Menschen, denn den einen gewährt er ein schönes Leben (zb. wir selbst) und den anderen nicht (z.b. Hungernde in Afrika)". Mit der starken dualen Prägung von Gut gegen Böse und dem personifizierten Gott scheint das Christentum Probleme zu bekommen, wenn Schreie nach "Fairness" laut werden.

Ich bin selbst kein Christ (bitte nicht falsch verstehen), aber was ich zu deinem Topic und deinen Ansichten sagen kann ist nur:
Letzen Endes musst du deinen eigenen Glauben finden (und ihn nicht aufgedrückt bekommen wie bei dir von den Eltern in der Kindheit), ob monotheistisch, polytheistisch, atheistisch, etc.
Lass dir durch niemanden etwas vorschreiben bezüglich deines Glaubens. Hege keine Schuldgefühle, wenn dir dein Innerstes sagt, dass dies nicht deine eigene Wahrheit sein kann, sondern suche weiter und erforsche deine wahre Natur.
Dass du dich mit diesem Thema auseinandersetzt ist schonmal die Voraussetzung zu grösserer Weisheit.

Gruss Raffis
 
 
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Anarchnophobia
Alt 10.09.2004, 17:04   #3
Standard

bzw. "Wieso tut Gott nicht etwas gegen die Armut in der Welt?"
diese frage stelle ich mir so gar nicht. Eben weil WIR MENSCHEN selber für das Leid verantwortlich sind - weil wir es eben anders nicht besser können und von Macht- & geldgeilheit bestimmt werden. ABER, das wusste gott vorher. Er wusste wie es werden würde wenn er uns einen freien willen gibt - und er hat es trotzdem getan, damit er sich einerseits drüber belustigen und anderseits drüber beschweren kann. Wenn Gott wirklich eine positive Welt gewollt hätte - hätte er sie auch so erschaffen können das es erst gar keine negativen Gedanken gibt. Wäre vllt ein bischen langweilig für uns gewesen - aber was es nicht gibt wäre uns ja auch gar nicht aufgefallen
 
 
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WildWeasel
Alt 10.09.2004, 17:08   #4
Standard

So, ich hab alles durchgelesen Ich poste einfach mal meinen Glauben... (wird vermutlich ein interessanter Thread)

Mein Glaube:

Ich glaube nicht an Gott und die Bibel, ich glaube größtenteils an wissenschaftliche Erkenntnisse.
Dennoch bin ich überzeugt davon, dass es eine höhere Macht gibt. Diese Macht ist das Leben in seiner reinsten Form, welches in jeder organischen Lebensform steckt. Wenn jemand/etwas stirbt, stirbt nur der Organismus, das Leben welches aus diesem Organismus entweicht wird wieder Teil der Macht/des Lebensstroms.
 
 
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Bi-Zar
Alt 10.09.2004, 17:15   #5
Standard

Wenn ein Glaube den Menschen nichts sexuelles vorschreibt, ihnen kein Geld abknöpft, nicht zu Kriegen aufruft und seine Anhänger immer noch autonom handeln, dann ist er schon okay.
 
 
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nephthys
Alt 10.09.2004, 17:26   #6
Standard

Original geschrieben von Anarchnophobia
Wenn Gott wirklich eine positive Welt gewollt hätte - hätte er sie auch so erschaffen können das es erst gar keine negativen Gedanken gibt. Wäre vllt ein bischen langweilig für uns gewesen - aber was es nicht gibt wäre uns ja auch gar nicht aufgefallen
das wäre nicht nur langweilig, dann hätten wir auch gar nichts zu tun(was wir sowieso nicht haben). und der mensch an sich würde noch nicht mal bemerken, dass es ihm gut geht. es muss -immer- ein gegenteil geben, anders geht es garnicht. und dadurch muss es eben auch negative gefühle/gedanken geben. sonst kann der mensch garkeine freude empfinden. wenn man das weiterspinnt hätten alle menschen keine gefühle mehr.
ich wurde auch ziemlich christlich aufgezogen allerdings weniger konservativ, denk ich mal. zur zeit hab ich auch keine ahnung mehr was ich überhaupt noch glauben soll, denn es gibt ja eh für nichts nen großen grund. an die bibel hab ich noch nie stark geglaubt, das ist eben ne geschichte die moral predigt. ob da was wahres dran ist, ist ne andere sache.
 
 
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Bi-Zar
Alt 10.09.2004, 17:37   #7
Standard

Original geschrieben von nephthys

das wäre nicht nur langweilig, dann hätten wir auch gar nichts zu tun(was wir sowieso nicht haben). und der mensch an sich würde noch nicht mal bemerken, dass es ihm gut geht. es muss -immer- ein gegenteil geben, anders geht es garnicht. und dadurch muss es eben auch negative gefühle/gedanken geben. sonst kann der mensch garkeine freude empfinden. wenn man das weiterspinnt hätten alle menschen keine gefühle mehr.
Gott hätte es so einrichten können, dass wir auch ohne die Erkenntnis von Leid in der Lage sind Freude zu empfinden, schließlich sit er Gott.

Und was ist mit nem Kind in Afrika, das Seuchen, Hunger, AIDS nen Bürgerkrieg und Landminen miterlebt? Wo ist da die Freude? Man könnte schon mit erheblich weniger Leid genug Bewusstsein für die Freude aufkommen lassen. Ein Hausbrand kann ne ganze Existenz ruinieren. Ein gebrochenes Bein amg kurzzeitig schmerzhaft sein, aber ein Sportler sich umsomehr über seine Genesung freuen.
 
 
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Tyler
Alt 10.09.2004, 18:06   #8
Standard

Bei Leuten mit starkem Glauben an einen Gott, kann ich mir gut vorstellen, dass sie Fehler nur bei sich zu suchen und alles Glück das ihnen wiederfährt auf Gotteswunsch beruhrt.
Got it ?

Da ja ein Gott eine Unfehlbarkeit voraussetzen würde, kann ich gar nicht an eine Existenz eines solchen glauben.
Eine höhere Macht in reinster Form wäre ein angemehrer Gedanke als ein Gott der uns und den restlichen scheiß in 7 Tagen geschaffen hat und seit dem in Rente ist.

Es wird von Gläubigen immer schön gegenargumentiert, dass doch uns den freien Willen geschenkt hat - er hat uns fehlbar gemacht, die konsequenz daraus sehen wir ja heute - aber hätte er das nicht voraussehen müssen ?

Wir sind ein Produkt, dass aus der Natur heraus entwickelt. Es ist auch ziemlich dreist und intollerant zu glauben, wir sind die einzige intelligente Form im Universum..

Ich musste früher auch immer zur Kirche, da mein Vater auch sehr konservativ ist und in der Kirche irgendwas gefunden hat, an das er glauben kann. Aber seit dem ich mich frei entscheiden darf, geh ich weder Weihnachten, noch Ostern noch sonst wann in das Haus.. Denn wenn dann gar nicht oder regelmäßig und nicht weil grad Weihnachten ist.

Gott nimmt Dir Freunde, Verwandte, Bekannte etc pp.. und du rennst noch in die Kirche und betest zu ihm und bedankst dich beim essen für seine Gaben.
Nur lächerlich.

... irgendwas ist da oben/draußen.
Ich glaube da aber eher an sowas:
Diese Macht ist das Leben in seiner reinsten Form, welches in jeder organischen Lebensform steckt. Wenn jemand/etwas stirbt, stirbt nur der Organismus, das Leben welches aus diesem Organismus entweicht wird wieder Teil der Macht/des Lebensstroms.
 
 
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raffis
Alt 10.09.2004, 18:13   #9
Standard

zitat:
Diese Macht ist das Leben in seiner reinsten Form, welches in jeder organischen Lebensform steckt. Wenn jemand/etwas stirbt, stirbt nur der Organismus, das Leben welches aus diesem Organismus entweicht wird wieder Teil der Macht/des Lebensstroms.

Tönt stark nach monistisch-hinduistisch bzw. taoistischer Lebensansicht (oder zumindest verwandt damit)! Kann mich damit nur anfreunden.

Gruss Raffis
 
 
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WildWeasel
Alt 10.09.2004, 19:18   #10
Standard

Ja, sind Parallelen zum Hinduismus/Buddhismus vorhanden, von der Grundidee her.

PS: Der Lebensstrom erinnert mich immer an StarWars...
 
 
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mika_tuk
Alt 10.09.2004, 19:37   #11
Standard

um ehrlich zu sein: ich kann verstehen, warum sich viele von der kirche abwenden. immerhin gab es so viele leute, die im namen gottes "gutes" getan haben.

ich finde, glauben ist etwas sehr sehr persönliches. jeder glaubt an etwas anderes und das sollte nicht gewaltsam beeinflusst werden.

ich persönlich glaube an gott oder besser gesagt an eine "Macht", die zwischen himmel und erde existiert. etwas, das mich beeinflusst und zu dem ich bete.
aber ich glaube nicht an die kirche oder besser nicht an die leute, die für die kirche arbeiten. sicher geh ich hin und wieder in den stephansdom und zünde eine kerze an, aber nur für meine ahnen.
ich glaube auch genausowenig an die bibel. für mich (aber das gilt nur für mich, ich möchte niemanden in seinem glauben beeinflussen oder irgendwelche therorien aufstellen) ist die bibel eine erzählung über einen mann, der gelebt hat und von den leuten als heiland angebetet wurde. doch was da drinsteht, ist nichts anderes als übertreibung. von ein paar leuten, die ihn übermäßig geliebt haben und vielleicht sogar homo waren.

ich will jetzt niemanden verurteilen weil er meint "was in der bibel steht ist wahr." jeder interpretiert das anders und ich interpretier es nun mal so.

vielleicht kommt mein kirchenmenschenhass daher, dass ich neben einer kirche aufgewachsen bin und mich schon einge geärgert haben mit ihrem "wolle bibel kaufen" oder "möchten sie mit mir über gott und die welt reden?" außerdem sind so viele spinner in wien, ich sag nur kärntnerstraße, da hat mich mal einer angeredet "sex ist schlecht! sex erst nach der ehe! lebt nach der bibel" usw usf..
*seufz*
 
 
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Lupus Silvanus
Alt 11.09.2004, 10:22   #12
Standard Re: Mein Glaube (oder das was davon (nicht mehr) übrig ist)

mika_tuk
aber ich glaube nicht an die kirche
Ich auch nicht, Hilfe!
Kirche ist ja auch ungleich Glaube und hat oft auch garnix mehr damit zu tun.


Original geschrieben von Anarchnophobia
... Was wäre gewesen wenn Adam und Eva NICHT von dem „Baum der Erkenntnis“ genascht hätten, und erst einer der nachfolgenden Generationen auf die Idee gekommen wäre? Die „guten“ hätten weiter im Paradies gelebt, die „bösen“ wären verstoßen worden und hätten in Angst, schmerz und leid ihrer Arbeit nachgehen müssen ...
Ich seh das eher als eine Parabel auf die Menschen. Adam & Eva stehen für die Menschheit und du kannst dich mehr oder weniger "sinnvoll" (nach welchen Maßstäben auch immer) verhalten. Verhältst du dich Scheiße (als Einzelperson, Nation oder ganze Menschheit) musst du die Konsequenzen tragen. Genauso wenn du dich gut verhältst.
Die Story dient meiner Meinung nach dazu um klarzustellen, dass du tun und lassen kannst was du willst, aber niemand, und auch nicht Gott, dich aus deiner Verantwortung entlässt.
Die Bibel ist nun mal vor ein paartausend Jahren entstanden, bei einem Wüstenvolk brauchts halt auch einfache Bilder. Deshalt denke ich nicht dass so wichtig ist, ob Adam oder Eva reingelatscht sind, oder jemand anders, und es geht auch nicht darum die Menschen in "Gut" und "Böse" aufzuspalten
 
 
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Münchner
Alt 11.09.2004, 17:06   #13
Standard

Erstmal vorweg: Ich bin katholischer Christ, bin aber nicht praktizierend. Bezüglich der Existenz eines Gottes bin ich mir nicht wirklich sicher.. aber ich kann nicht leugnen, dass da was dran ist..
Was ich mich aber frage: Jede monotheistische Religion nimmt für sich in Anspruch, dass es nur einen (ihren) Gott geben kann.
Die logische Schlussfolgerung aus dem monotheistischem Weltbild ist aber dann, dass also alle bis auf eine Religion falsch liegen, und einen Gott anbeten, den es nicht gibt..
 
 
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Ripper08
Alt 12.09.2004, 00:14   #14
Standard

Sorry, dass das gleich so viel ist aber ich hoffe ihr lest es trotzdem...

Also, ich habe eigentlich nie so recht an Gott geglaubt wenn ich ehrlich bin... als ich ein kleines Kind war, wurde ich von meiner Großmutter oft zur Bibelstunde geschleift, wo ich mit meiner Kinderbibel die ganzen Geschichten 'verinnerlicht' hab. Aber wenn mich jemand fragt, ob ich damals an Gott geglaubt habe muss ich gestehen, dass ich das wirklich nicht mehr weiß...

In der Grundschule hab ich dann eben immer mitgespielt, einfach der Tradition wegen und hab auf unbequeme Fragen verzichtet. Ich muss auch sagen, dass mich damals das 'warum' allen Seins nicht wirklich interessiert zu haben scheint und mir meine bloße Existenz schon genug zu sein schien. Ich habe meinen Cousin damals auch immer schief angeschaut, als er vorm Mittagessen am Esstisch kurz betete... er war (und ist) nämlich n Arsch und zwar einer von der ganz üblen Sorte. Eigentlich kaum zu beschreiben -Jetzt ist er 18 und wenn ich schon dran denke mit Leuten wie ihm im Straßenverkehr konfrontioert zu werden...
Wie können solche Penner eigentlich gleichzeitig Arschloch sein und doch an Gott glauben ? Wohl das gleiche wie ''Du sollst keine Menschen töten'' und gleichzeitig ''Alle Andersgläubigen müssen missioniert oder ausgerottet werden''

Naja, egal ich schweife ab
So richtig Gedanken über das alles habe ich mir erst bei meiner Konfirmation gemacht und habe dann eher zum Atheismus geneigt.
Begründet darin, dass ich mir mal die Bibel teilweise ein wenig genauer durchgelesen hab und zu der Schlussfolgerund gekommen bin, dass Gott ein ARSCHLOCH sein muss, wenn er denn der ist wie er in dem Buch dargestellt ist...

Dann habe ich wiederum vor rund 1-2 Jahren nochmal über alles insgesamt nachgedacht und musste meinen Atheistischen Glauben nochmals gründlich über den Haufen werfen und alles neu einordnen...
Mir wurde irgendwie bewusst, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und eben auch die Wiedergeburt und dass ich tief in meinem Inneren immer daran glaubte und genau das der Grund war, warum ich auf Beerdigungen nie weite oder großartig schlecht drauf war...

Man darf sich das eigentlich nicht wie eine langsame 'besinnung' vorstellen sondern eine ganz plötzliche, die einfach dadurch kam dass ich zum ersten Mal wirklich versucht habe, alles vollkommen als Aussenstehender zu betrachten und nicht mehr in die Schulbalden 'gut & böse' zu ordnen und das ging wirklich sehr weit. Ich habe mich zu der Zeit auch viel mit Hitler und der Geschichte besonders um den 2 WK beschäftigt. Mich hat dieser Mensch äußerst fasziniert (nicht falsch zu verstehen), was mich an Menschen wie ihm und Stalin fasziniert hat war die Tatsache, dass sie auf der einen Seite mutwillig abermillionen Menschen brutalst vernichten und ein Terrorregime an der Stange halten aber auf der anderen Seite völlig normale Menschen sind und keine zwielichtigen Psychopaten wie man sie sich vorstellen würde!

Hitler war z.B. Kunstmaler und er war äußerst gut besonders bei archetektonischen Kunstbauten, er hat seine Familie und andere Menschen geliebt und geachtet aber auf der Anderen Seite war er der kalkulierende Massenmörder. Dieses Phänomen hat mich beschäftigt und als ich darüber stieß, dass er versuchte die christliche Kirche 'auszulöschen' bzw. langsam zu verweichlichen wurde mir klar, dass dieser Mensch eigentlich nur so gehandelt haben kann, wenn er an die Wiedergeburt glaubte...

Naja, soviel zu dem seltsamen Mann. Als ich lernte, die Welt als ein Aussenstehender zu betrachten -oder eigentlich falsch- viel eher alles so zu betrachten, dass ich ein kleiner Teil des ganzen hier bin aber alles wiederum in mir ist und alles was existiert eine gemeinsame Quelle hat;
Da habe ich auch gelernt auf meine eigene Intuition zu hören. Denn Gefühle und Sinne lassen sich täuschen aber das einzige was von nichts auf der Welt beeinflusst werden kann ist die Intuition -oder besser noch: Das, was einem die Seele zuflüstert-. Diese kleine 'Stimme' im Hinterkopf, die dir sagt ob du einem Menschen vertrauen solltest oder nicht, die dich vor Unheil bewahrt und die dir sehr helfen kann, wenn du nicht mehr weiter weißt...

Du horchst in dich hinein, hörst dir selbst zu und zwar nicht deinem Gehirn sondern dem Flüstern dahiner, das dir sagt -tus nicht !-. Darauf höre ich... nicht etwa auf Gesetze oder Moral, sondern nur darauf und ich muss ehrlich sagen, dass sie mich noch nie im Stich gelassen hat...

Zeitgleich wurden mir noch viele andere Dinge -auch durch Literatur- bewusst, wie z.B. dass es keinen puren Zufall gibt (und geben kann) sondern alles gelenkt wird. Ich wusste garnicht, wie ich so blind sein konnte, dies zu übersehen wo doch eigentlich schon allein meine Existenz (Gesundheitsbedingt) das totale 'Wunder' darstellt...
Und viele, viele weitere ''unglaublichen Zufälle'' haben mich darin bekräftigt, dass es Zufall einfach nicht gibt !

Und ich 'wusste' eigentlich auch schon immer tief in mir, dass es Gott eben doch gibt nur eben anders als in der Bibel und dass der Mensch Fähigkeiten besitzt, die er leider verloren hat, jedoch durchaus wiedererwerben kann und noch einiges mehr...

Mit dem Verständnis dass wir alle nicht nur aus der 'Quelle' Gott kommen sondern eigentlich selber Teil Gottes sind, wird jedwedes huldigen und beten und sonstiger Mist völlig sinnlos.
Wir sind meiner Vermutung nach auf der Erde um einen Sinn zu erfüllen... wir geben uns hier einer völligen Illusion hin, die eigentlich nichts anderes ist als ein 'isoliertes' Experiment, nur ein Versuch indem es gilt etwas zu entdecken und zu ergründen. Etwas was der unpersönliche Gott nicht besitzt und nicht besitzen kann...
Die Liebe (hört sich jetzt etwas kitschig an). Denn ich glaube wenn man sich all das ansieht, was Gott aus sich heraus geschaffen hat und zu dem wir als Teil von ihm geschickt worden (oder freiwillig gegangen ?) sind kann ich beim besten Willen keine Liebe entdecken.

Deswegen womöglich dieser ganze unerträgliche Mist hier ! Wir sollen für ihn herausfinden, was das für ein Gefühl ist und damit ist nicht nur die geschlechtliche Liebe gemeint sondern genauso auch die Nächstenliebe !

Das ist das, woran ich glaube und womit die Welt sehr schnell wieder genesen würde insofern DAS alle akzeptieren könnten und danach handeln würden...

Doch man sollte eben bei sich selbst anfangen und das ist für mich schonmal der schwierigste Schritt ! Viele wollten die Welt verbessern aber sind alle daran gescheitert, weil sie vielleicht besser damit begonnen hätten selbst ein 'besserer Mensch' zu sein, einer der an alle denkt, statt immer nur an sich selbst...

Es ist sehr schwer, diesen Glauben zu leben, das gebe ich zu aber dafür bin ich umso stolzer auf mich selbst, wenn ich es mal geschafft habe irgendweine schlechte Gewohnheit von mir auszumerzen, oder einen sonstigen Schritt richtung 'besserer Mensch' geschafft habe !

MfG, euer zur Weltverbesserung strebender Ripper
 
 
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raffis
Alt 12.09.2004, 12:26   #15
Standard

Zu Münchner:
"Was ich mich aber frage: Jede monotheistische Religion nimmt für sich in Anspruch, dass es nur einen (ihren) Gott geben kann.
Die logische Schlussfolgerung aus dem monotheistischem Weltbild ist aber dann, dass also alle bis auf eine Religion falsch liegen, und einen Gott anbeten, den es nicht gibt.."
Deswegen muss dahinter eine universelle, zentrale Kraft stehen, die von den verschiedenen Religionen unterschiedlich aufgefasst bzw. angesehen wird.

Gruss Raffis
 
 
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raffis
Alt 12.09.2004, 13:16   #16
Standard

Zu Ripper08:

Schöner und einfühlsamer Text! muss ich wirklich sagen =)

Einige Gedankenansätze haben mich wirklich beeindruckt und zeigen, dass du dich diesem Thema wirklich hingibst.
Lebe deinen Glauben !

Gruss Raffis
 
 
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