Jeder weiß, dass aus christlicher Sicht, Satan der Gegenspieler Gottes ist. Nur wird vergessen, dass es eine Zeit vor der christlichen Kirche gab. Wortgeschichtlich stammt das Wort Satan von Shaitan ab; und Shaitan von Seth. Seth ist uns aus der ägyptischen Mythologie ein Begriff.
Seth war der Bruder von Osiris, er ermordete ihn, was ihm das Adjektiv ´böse´ eingebracht hat. Man darf aber nicht vergessen, dass er immer noch ein Gott war, der in Ägypten sehr verehrt wurde. Er hat zwar seinen Bruder Osiris getötet, aber dadurch wurde Osiris zum Herrscher der Unterwelt und spendete somit denen Trost, die kurz vor ihrem Übergang zu dieser Unterwelt standen. Die Tat von Seth war also ´böse´, seine Auswirkung aber nicht unbedingt. Wie in nahezu jeder Mythologie gibt es auch in der ägyptischen nicht nur gut oder böse, schwarz oder weiß, sondern gut und böse, schwarz und weiß. Das ist für uns schwer nachzuvollziehen, da wir eher christlich geprägt sind und nicht heidnisch wie unsere Vorfahren. In jeder Naturreligion finden wir viele Götter. Aber keiner dieser Götter ist nur gut oder nur böse, sondern jeder Gott kann beides sein.
(vgl. Roskoff 2001.Band1. S. 65 ff).
Shaitan ist eine arabische Gottheit. Die Araber, welche im Mittelalter eine neue Kultur und Herrschaft gründeten, nachdem die großen Reiche ihrer Stammesverwandten längst vom Schauplatz der Geschichte abgetreten waren, werden schon im höchsten Altertum bemerkbar. Obwohl von der Religion der alten Araber zu wenig bekannt ist, um eine genaue Gesamtvorstellung zu bieten, so ist die Annahme des Dualismus guter und böser Wesen in derselben sichergestellt durch den alten Glauben an die Dschinnen, d.h. Dämonen, den Mohamed bei seinem Volk vorfand, in den Islam aufnahm und durch den Koran bekräftigte. Shaitan als Gottheit, wovon es übrigens mehrere gibt, dann Shaitin genannt, lehrte die Menschen Zauberei und Verführung. Shaitin sind nicht wie im Christentum gefallene Engel, sondern Söhne von Dschinns, welche, wie die christlichen Engel, auch höhere Wesen sind.
Das Judentum übernahm diese arabische Vorstellung von Dämonen, benannte sie um in gefallene Engel und setzte für Shaitan den hebräischen Begriff Satan ein, was übersetzt ´der Widersacher´ bedeutet.
(vgl. Roskoff 2001. S. 82 ff)
"Die Bedeutung des Wortes Satan ist ´Gegner´ oder ´Widersacher´ oder ´Ankläger´. Das englische Wort ´devil ´ stammt vom indischen Wort ´Devi´ ab und heißt soviel wie ´Gott´.
Satan bedeutet Widerstand gegen alle Religionen, die den Menschen frustrieren und wegen seiner natürlichen Instinkte verurteilen. Ihm wurde nur deshalb die Rolle des Bösen zugeteilt, weil er die fleischlichen, weltlichen und profanen Aspekte des Lebens verkörpert. Satan, der Oberteufel der westlichen Welt, war anfangs ein Engel, dessen Aufgabe es war, menschliche Straftaten Gott vorzutragen. Erst im 14. Jahrhundert wurde er als eine böse Gottheit dargestellt, die halb Mensch und halb Tier war, mit bocksartigen Hörnern und Hufen. Bevor das Christentum ihm den Namen Satan, Luzifer etc. gab, wurde die fleischliche Seite des Menschen von einem Gott beherrscht, der von den Griechen Dionysos(1) oder Pan(2) genannt wurde und als Satyr(3) oder Faun(4) dargestellt wurde. Pan war ursprünglich der ´nette Kerl´ und symbolisierte Fruchtbarkeit und Befruchtung.
Immer wenn ein Land eine neue Regierung bekommt, werden aus den Helden der Vergangenheit die Schurken der Gegenwart. Ebenso ist es mit der Religion. Die ersten Christen glaubten, dass die Götter der Heiden Teufel waren und es war schwarze Magie, sich ihrer zu bedienen. Wundersame himmlische Ereignisse nannten sie weiße Magie, das war der einzige Unterschied zwischen den beiden.