Ich habe es nicht im Hinblick auf den tatsächlichen Verlauf der Geschichte gemeint, nimm von mir aus Schweden oder die Schweiz als Ort des Geschehens.
Eigentlich habe ich auch nur wissen wollen, ob es auch bei anderen so ist, daß sie sich zwar öfters danach sehnen, ein Leben in Liebe und Achtung gegenüber anderen zu führen - was ja dennoch nicht unbedingt ein frommes oder ruhiges sein muß - in der Wirklichkeit aber überhaupt nicht nach dieser Vorstellung leben.
So bin ich schnell sehr wütend, wenn mich etwas ärgert, auch wenn es niemand in dieser Absicht herbeiführt. Zwar schaffe ich es, nicht aggressiv zu sein, wie schon gesagt, aber eine außerordentliche Gehässigkeit ist wohl schon vorhanden.
Ferner freue mich über oder mache Dinge, von denen ich eigentlich weiß, daß sie schlecht sind und die ich in meiner Vorstellung von guter Lebensführung ablehne. Beispielsweise gebe ich mitunter einmal gern das Bild eines verwahrlosten Proleten ab, wenn ich einen trinken gehe, trage vorsätzlich irgendein graues Hemd, weil man daran Schweiß und Bierflecken besonders gut sieht, und - falls ich nicht gerade auf Frauen aus bin - esse ich noch Zwiebeln, damit ich widerlich rülpsen kann.
Ab und an identifiziere ich mich insgeheim auch mit einem Landesfürsten, obgleich ich mittlerweile auch schon erwachsen bin, würde in diesen Momenten etwas dafür geben, willkürlich Recht sprechen zu können und in einem Reiterstandbild verewigt zu werden. Daher liebe ich auch herrschaftliche Bauwerke.
Diese Beispiele der Denk- und Handlungsweise widersprechen, wie ich durchaus bemerke, der eigenen Idealvorstellung sehr. Vielleicht ist diese ja auch keine eigentliche Ideal-, sondern nur eine Ausgleichsvorstellung zur Wirklichkeit. Ich kann es nicht sagen, dafür gibt es ausgebildete Fachleute.
So, bestimmt bin ich ein verlorenes geistiges Wrack.
