
02.11.2005, 18:55
# 9 Hallo,
das "Ganze", das du ansprichst, ist erst einmal sicherlich eine Definitionssache. Was kann im philosophischen, universellen Sinne als "Ganzes" verstanden werden? Ich habe mir mal einige Gedanken gemacht.
A)
Das Ganze kann als die Summe bzw. die Totalität aller Teile verstanden werden; es ist die Gesamtheit aller miteinander in Beziehung stehenden Einheiten.
Folglich ist das Ganze die Summe aller Teile. Das Teil ist nicht ganz, weil es (logischerweise) nur teil des Ganzen ist und damit die Vollständigkeit des Ganzen nicht teilt. Die existierenden Dinge sind Teile, und alle zusammengerechnet bzw. alle nebeneinander gelegt bilden das Ganze.
Wie ich aber vernommen habe, sprichst du mit dem Ganzen vor allem das an, "was ist". Kurzum: Das Seiende.
Wie du gesagt hast:
"das Ganze... ich meinte damit "Alles was ist""
Dies führt uns zu einer alternativen Definition des Ganzen.
B)
Das Ganze ist alles das, was ist. Es ist das Seiende.
Das, von dem gesagt werden kann, es ist. In dieser Hinsicht ist auch eine Illusion oder ein "Nichts" etwas Seiendes, denn auch von solch "negativen" Elementen kann bzw. muss gesagt werden, dass sie sind, oder wir wären uns ihrer nicht bewusst.
Du wächst am Morgen auf, erinnerst dich, dass du "gut geschlafen hast", obwohl sich im Moment des Tiefschlafs ein Schleier der Unbewusstheit über dich gelegt hat, ein "Nichts" im übertragenen Sinn. Dein Erinnern am Morgen schliesst jedoch darauf, dass auch dieser Zustand "war" bzw. ist.
Wenn das Ganze somit das Seiende ist, ist jeder Teil das Ganze. Ein Stein ist. Das Sein des Steins ist offensichtlich. Er ist. Folglich ist jedes Ding, jedes Teil und jedes Element der Existenz das Ganze, insofern als dass "es ist" und als dass es von uns "als seiend" wahrgenommen bzw. erkannt wird.
Dies würde bedeuten, dass eine Identität zwischen dem Teil und dem Ganzen existiert, weil das Teil ist, und das was ist, ist das seiende Ganze.
Um das Ganze zu kennen, müsste man demnach nur ein Teil des Ganzen kennen.
C)
Oder man kann es auch im Lichte einer Vermischung der beiden obigen Definitionen vom Ganzen betrachten: Das Ganze ist die Gesamtheit bzw. Summe aller Teile, und die Teile sind selbst das Ganze bzw. jedes Teil ist selbst die Totalität aller anderen Teile.
Folglich existierte "nichts", was nicht ganz wäre, denn alles Existente ist TEIL des Seienden wie auch das SEIENDE selbst.
Gruss Raffis |