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Freundschaft

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MonoMan
Alt 16.05.2001, 22:23   #1
Beitrag Freundschaft

Ich glaube zwar das dieses Forum meinen
momentanen Massenoutput nicht bewältigen
kann(verdient hat) aber was solls....

„Man sieht nur mit dem Herzen gut...“
Ja, da ist wohl was dran. Ich kann da jetzt natürlich nur von mir sprechen. Wie das bei anderen ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Sehen wollte ich schon immer... Zuerst hab ich es vor allem mit den Augen versucht, doch alles was ich sah, war ein unbedeutendes, vergängliches Leben, in dem ich nie mehr als ein
Statist sein würde...
Dann versuchte ich, mit meinem Verstand zu sehen. Aber ich sah nur einen Raum mit hunderten von Türen, die alle in den Abgrund führten. Verschlungene Pfade... ein Irrgarten voller mathematischer Gleichungen, deren Bedeutung sich mir einfach nicht erschließen wollte... Bis ich darüber nachzudenken begann, was mir wirklich etwas bedeutete und wie ich dies erlangen konnte.

Ich wollte Bestätigung... wollte die Gewissheit, das mein Leben sinnvoll ist und nicht nur ein Zufallsprodukt der Evolution.
Vielleicht sollte ich in der Schule besser aufpassen, damit ich später mal eine Führungsposition in der Wirtschaft bekomme und Verantwortung übernehmen kann... vielleicht sollte ich auch zu Greenpeace gehen und ein paar gestrandete Buckelwale retten. Dann wäre meine Existenz nicht ohne Bedeutung gewesen.

Aber ich wollte nicht nur Bestätigung... Ich wollte auch Geborgenheit.
Ich wollte behütet sein wie ein Baby im Schoß seiner Mutter. Ich wollte Trost und Zuflucht
finden vor der kalten Welt da draußen... und mir nicht andauernd komplizierte Gedanken machen müssen.
Wäre ich ein Manager oder ein Umweltschutzaktivist, müsste ich immer nur kämpfen und stark sein.. und das konnte ich nicht. Vielleicht sollte ich mich einfach umbringen... Der Tod würde mir Geborgenheit geben. Im Tod hat man vermutlich keine Angst und keine Schmerzen mehr...

Aber ich wollte nicht nur Geborgenheit... Ich wollte auch Vergnügen haben.
Ich wollte tanzen, spielen, lachen... unbeschwert meine Sexualität genießen... einfach eine gute Zeit haben und so.
Vielleicht sollte ich nach Mallorca gehen... Sangria saufen bis zum Erbrechen, wilde Orgien feiern und meinen Verstand und alles andere vergessen.

Aber ich wollte nicht nur Vergnügen... Ich wollte nicht rumlaufen wie eine prollige Witzfigur... Nein, ich wollte auch ernstgenommen werden.

Ja, da stand ich nun mit meinen Wünschen...
Bestätigung erfahren, mich dabei geborgen fühlen, Spaß haben und trotzdem auch noch ernstgenommen werden... und möglichst von jedem das Bestmögliche... bloß keine Kompromisse eingehen, denn sonst hätte ich wieder nix anderes gehabt als mein früheres unbedeutendes Scheißleben.
Und wieder hab ich nur mit den Augen und dem Verstand gesehen... nicht mit dem Herz. Ich will keiner von den kalten Maschinenmenschen da draußen sein... aber dennoch folge ich
ihren Denkmustern und ihrer Logik.

Wer zum Teufel sagt denn eigentlich, daß ich mich unbedingt in die Gesellschaft einbringen muss, um Bestätigung zu erfahren???
Wenn ich einen Freund habe, der mir sagt, daß er ohne mich nicht mehr leben wollte... ist das nicht Bestätigung genug???

Wieso muss ich sterben oder ein kleines Kind sein, um mich geborgen zu fühlen???
Wenn ich einen Freund habe, der immer für mich da ist... der weiß, was ich fühle, ohne daß ich es aussprechen muss.. der mich in den Arm nimmt und tröstet... ist das nicht Geborgenheit genug???

Warum in teure Discos gehen, mit oberflächlichen Partygästen Smalltalk betreiben und viel Geld für Vergnügungsparks auszugeben, um Spaß zu haben???
Wenn ich einen Freund habe, der weiß, wie er mich ablenken und aufheitern kann...
einen Freund, mit dem ich stundenlang nur auf einer Wiese liegen und in die Sterne schauen kann und dabei wesentlich mehr Spaß habe als zusammen mit hundert anderen Menschen auf einer inszenierten Massenveranstaltung... ist das nicht Vergnügen genug???

Und auch um ernstgenommen zu werden, reicht es, echte Freunde zu haben.
Ich muss keinen Anzug tragen, grimmig drein schauen und langweilige Reden zur Lage der Nation halten, damit man mir zuhört... Ich muss nicht zu einem Psychiater gehen und mein Innerstes analysieren zu lassen, so , wie man beim Kundendienst ein Auto durchleuchtet...
Wenn ich ein paar Freunde habe, die mich kennen wie sich selbst.... mit denen ich mein Leben und meine Träume teile... dann bin ich stark und gefestigt, und dann kann es mir zur auch Not scheißegal sein, was alle anderen auf der Welt von mir denken.

Erst, wenn wir erkennen, daß wir nicht halb so einzigartig sind, wie wir immer glauben...
wenn wir sehen, daß es andere wie uns gibt, die über das Gleiche lachen können... über das Gleiche weinen... die die selben Sehnsüchte und Träume haben wie wir... die genauso verzweifelt und genauso ohne Hoffnung sind...
Wenn wir erkennen, daß wir aus dem selben Material bestehen, und daß das, was uns angeblich voneinander trennt, meist nur durch die Gesellschaft und falsche Erziehung in unsere Köpfe gebracht wurde...
Erst dann sehen wir mit dem Herzen,
erst dann sehen wir richtig.

Cu MonoMan
 
 
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Alt 16.05.2001, 22:59   #2
Beitrag

Hmm dumm ist nur wenn man keinen (richtigen) Freund hat.....

Sonst ist man so ein Outsider....und sucht eigentlich den Weg in die Disco...
 
 
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xho2
Alt 17.05.2001, 20:35   #3
Beitrag

danke Monoman für den Beitrag...für dieses Forum bist du wirklich eine Bereicherung...ich lese deine Gedanken recht gerne.
Sag mal, hast du philosophische oder psychologische Ambitionen?

Wir sollten mal ein Philosophie-Board eröffnen
 
 
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Alt 17.05.2001, 21:09   #4
Daumen runter

wau, meine absolute bewunderung. mehr kann ich dazu gar nicht sagen. bin echt sprachlos
 
 
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MonoMan
Alt 22.05.2001, 19:11   #5
Beitrag

Das einzige gedicht welches ich auswendig
kann...

1. Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
"Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"
"Das sollst du am Kreuze bereuen."

2. "Ich bin", spricht jener, "zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen."

3. Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
"Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh' du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen."

4. Und er kommt zum Freunde: "Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande."

5. Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

6. Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel herab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Dem Gewölbes krachenden Bogen.

7. Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

8. Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
"O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen."

9. Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinet,
Und Stunde an Stunde ertrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

10. Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

11. "Was wollt ihr?" ruft er vor Schrecken bleich,
"Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!"
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
"Um des Freundes willen erbarmet euch!"
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

12. Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
"O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!"

13. Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

14. Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
"Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen."

15. Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

16. "Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet' er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben."

17. "Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!"

18. Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichter Chor:
"Mich, Henker", ruft er, "erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!"

19. Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Augen tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär';
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,

20. Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!"

*F.Schiller*

[ 23. Mai 2001: Beitrag editiert von: MonoMan ]
 
 
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*viviane*
Alt 22.05.2001, 20:16   #6
Beitrag

wow
net schlecht
glaubst du, ein solcher freund zu sein?
 
 
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FrozenSmile
Alt 23.08.2001, 22:36   #7
Beitrag

ich schließ mich felicitas an:
Saugeil. Perfekt. Keinerlei Einwände. Keine Kritik.
Warum gibt es nicht mehr Menschen wie dich?
Ich hab bis vor 2 oder 3 Wochen nie in dieses Forum hier geguckt - und schon garnicht auf Seite 2 des Forums. Aber ich glaub, ich hab gleich alle Texte durch hier.

Wir teilen echt viel, was die Lebenseinstellung angeht.
Mich würd mal interessieren, wie alt du bist.

[ 23 August 2001: Beitrag editiert von: Dr.Joker ]
 
 
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