Viele setzen die Freiheit des eigenen Denkens einfach vorraus. Nach Meinung vieler ein Fehler..
Freier Wille ist die Bezeichnung für die philosophische Auffassung, dass unsere Handlungen letztlich uns selbst zuzuschreiben sind. Daraus folgt, dass unfreie Handlungen in irgendeiner Weise jemandem oder etwas anderem zuzuschreiben sind. Der Begriff "zuzuschreiben" ist unbestimmt, und lässt, wie der Begriff des freien Willens selbst, eine Vielzahl von Interpretationen zu. Wegen dieser Unbestimmtheit wird die Brauchbarkeit des Konzeptes freier Wille teilweise in Frage gestellt. (Defintion nach Wikipedia)
In anbetracht der kommenden Revolution der Neurowissenschaften, steht auch vermehrt der freie Wille zur Debatte. Erstmals meinen Wissenschaftler angebliche Beweise dafür gefunden zu haben, dass der Mensch willentlich ganz und gar nicht frei sei. Was dies in letzter Konsequenz nun bedeutet - darüber machen diese Leute sich wahrscheinlich eher weniger Gedanken. In den Zeiten der Wissenschaften, wie wir sie heutzutage erleben, ist es schwer Menschen von Tatsachen zu überzeugen, welche gegen die wissenschaftliche Auffassung sprechen.
Aber die Wissenschaftler waren nicht die ersten die den freien Willen in Frage stellten. So gab es auch früher die Anhänger des Determinismus. Sowohl in der Physik als auch der Philosophie. Der Determinismus wäre unvereinbar mit einem freien Willen.
Es gab die Auffassung, dass bei genügend ausreichender Information die Zukunft beliebig genau vorhergesagt werden kann und alles bereits vorherbestimmt ist.
In der Physik wurde diese Theorie mittlerweile zumindest in der Quantenmechanik widerlegt (Chaostheorie). So ist es nicht möglich mit ausreichend genauen und präzisen Informationen Vorgänge vorherzusagen. Das Naturgeschehen unterliegt teilweise Zufällen oder kreativen Prozessen, die nicht durch äussere Umstände beeinflusst werden können. Gleiches gilt für das menschliche Bewusstsein. Ob nun aber aus derlei kreativen Prozessen folgt, dass die Natur ihrer Existenz ebenfalls bewusst ist, lässt sich zwar daher vermuten aber sicher nicht belegen (Achung Spekulation!

).
Vom philosophischen Standpunkt aus, lässt sich keine wahr/unwahr Aussage treffen.
Wahrnehmen tut der Mensch eine indeterministische Welt. Ob sie in Wahrheit allerdings deterministisch ist, wird sich nie mit Bestimmtheit sagen lassen.
Gerade, dass man manchmal "Blind vor Hass/Liebe" ist Beleg dafür, dass es einen freien Willen gibt. Wie könnten Emotionen jemanden blenden, wenn das ganze Bewusstsein sowieso nur eine Illusion ist?
Die Frage, ob sich der freie Wille durch das Erleben emotionaler Extremsituation widerlegen lässt, ist meiner Meinung nach doch eindeutig zu verneinen.
Gerade, dass man manchmal "Blind vor Hass/Liebe" ist Beleg dafür, dass es einen freien Willen gibt. Wie könnten Emotionen jemanden blenden, wenn das ganze Bewusstsein sowieso nur eine Illusion ist?
Dass eben diese extremen Gefühle den Menschen von einer Handlung abringen, welche ursprünglich geplant war, ist doch mindestens ein Indiz welches gegen die "Illusionstheorie" spricht.
Ein anderer Aspekt:
Die Erfahrung lehrt, dass die Natur immer den besten und passensten Weg aussucht. Ob man nun der Evolutiontstheorie glauben schenkt oder nicht ist davon unabhängig.
Der einfachste Weg wäre es im Falle des Menschen ein Individuum zu schaffen, welches nur im konstruktiven handelt. Solch ein Wesen darf überhaupt kein Bewusstsein besitzen. Meiner Meinung verfügt der Mensch nur über solch enorme Intelligenz, weil er sich seiner Existenz tatsächlich auch bewusst ist. Dieses Bewusstsein ist natürlich in den meisten Fällen direkt abhängig von einem möglichen freien Willen. Es ist sogar immer davon abhängig, wenn man körperliche und geistige Behinderungen ausser Acht lässt.
Die Natur hat dem Menschen also das Bewusstsein gegeben. Dieses Bewusstsein ermöglicht es erst dem Menschen seine Umwelt zu zerstören. Solch destruktives Verhalten erwartet man eigentlich nicht von der Natur - nur wenn es ihrer selbst mehr nützt als schadet (wie bei einem Vulkanausbruch). Beim Menschen ist dies aus heutiger Sicht aber ganz und gar nicht der Fall.
Worin läge der Sinn einem Menschen ein Bewusstsein zu geben, aber den freien Willen vorzuenthalten? Abgesehen davon, dass dies laut meinen Aussagen von vorhin auch gar nicht möglich ist.
Das Hauptargument der Wissenschaftler ist, dass jeder Handlung vor der Bewusstwerdung immer eine Unterbewusste Aktion vorraus geht.
Also folgendermaßen:
Unterbewusstsein -> Bewusstsein -> Handlung
Die Handlung kommt also aus dem Unterbewusstsein und würde gar nicht durch unser Bewusstsein herrvorgerufen. Das Bewusstsein wäre also nur noch eine letzte Entscheidungsinstanz.
Für viele mag das schlüssig klingen, vor allen Dingen weil man das ja angeblich so schön nachweisen kann.
Aber vielleicht sollte man auchmal darüber nachdenken, ob zum eigentlichen ICH nicht nochmehr als das bloße Bewusstsein gehört.
Es bleibt noch anzumerken, dass es unendlich viele Beispiele dafür gibt, dass der Mensch nicht nur ein Produkt seiner Umwelt ist. Wie schon bereits erwähnt, gibt es Prozesse die rein kreativ von einem Individuum herrvorgerufen werden. Da spielt kein Faktor wie soziales Umfeld oder Genetik rein. Ob dies allein als Beweis eines freien Willens ausreicht darf zwar bezweifelt werden. Doch in Zusammenhang mit mehreren von mir aufgeführten Punkten ergibt das Ganze schon ein sicher schlüssiges Gesamtbild. Vielleicht schockiert die Leute, die an einen freien Willen glauben (wie ich), auch einfach ein Weltbild in welchem sie nur nicht steuerbare Darsteller sind. Das ganze wäre wie einen Film aus der Ego-Perspektive zu gucken und zu glauben, man sei handelnder Protagonist.
Die Gedanken von Peter Bieri widerlegen aber imho immernoch am besten die Ganzen wissenschaftlichen "Beweise":
"Betrachten wir ein Gemälde. Wir können es als einen physikalischen Gegenstand betrachten. Wir können aber auch vom dargestellten Thema sprechen. Oder es geht uns um Schönheit und Ausdruckskraft. Oder um den Handelswert. Der selbe Gegenstand wird aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Alles, was wir sagen, ist im gleichen Sinne wahr. Es ist wahr, dass das Bild 30kg wiegt und in Öl gemalt ist - und es ist wahr, dass es das Abendmahl darstellt, ein verkitschtes Machwerk ist und einen zu hohen Preis erzielt hat. Keine der Beschreibungen ist näher an der Wirklichkeit oder besitzt einen höheren Grad an Tatsächlichkeiten als die anderen. Wir haben unterschiedliche Systeme der Beschreibung für unterschiedliche Zwecke entwickelt. Keines ist einem anderen ohne Rücksicht auf den Zweck, also absolut überlegen." (Aus dem Spiegel)
Hätte der Mensch tatsächlich keinen freien Willen, wäre unser ganzes Rechtssystem auf den Kopf gestellt. Das geht ja davon aus, dass zB ein Mörder immer die Möglichkeit hatte anders zu handeln. Ohne freien Willen stimmt das aber nicht mehr. Sicherlich eine interessante Überlegung die aber ins Nirgendwo führt
