
30.06.2008, 04:45
# 1 Die Frau am Fluß Zwei Mönche waren unterwegs von einem Kloster zu einem anderen. Nach einiger Zeit kamen sie zu einem Fluß. Dort begegneten sie einer jungen Frau, die wie sie an das andere Ufer gelangen mußte. Die junge Frau zögerte jedoch, das Wasser zu betreten, denn sie trug ein sehr schönes Kleid und wollte nicht, daß es naß wurde.
Da sagte der eine Mönch zu ihr: "Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen helfen, über den Fluß zu kommen." Sie war angenehm überrascht und nahm das Angebot an. Da nahm der Mönch die junge Frau in die Arme, trug sie über den Fluß und stellte sie am anderen Ufer wieder ab. Sie bedankte sich, und die beiden Mönche setzten ihren Weg fort.
Nach einem langen Marsch in Schweigen, als sie fast im Kloster angekommen waren, sagte der eine Mönch zum anderen: "Du hast die Frau über den Fluß getragen, aber du weißt doch, daß wir als Mönche das Gelübde abgelegt haben, nie eine Frau zu berühren."
Da antwortete der andere Mönch:"Ich habe die Frau nur über den Fluß getragen, aber du hast sie bis hierher getragen."
Die meisten Menschen sind wie dieser Mönch. Sie tragen Dinge mit sich herum über Vergangenes und Zukünftiges und ihr Kopf wird schwer. In Zazen sitzend ist man hingegen hier und jetzt konzentriert. Erweckung ist, alles loszulassen. Wenn man losläßt, wird man vollkommen frei. Manchmal müssen wir selbst das loslassen, von dem wir denken, daß es richtig ist und einfach in der Realität von Hier und Jetzt leben. Denn wenn man nicht im gegenwärtigen Augenblick lebt und zu viele Vorstellungen hat, kann man nicht mit der jeweiligen Situation übereinstimmen und in Harmonie mit dem Leben sein |