Zu Beginn dieser These ein Zitat aus einer von mir immer gern gelesenen Internetseite. Die Worte stammen nicht von mir, wenngleich die Quelle mir durchaus bekannt ist. Ich nenne sie nicht, da ich die Diskussion hier im Forum behalten möchte. Wer weiteres wissen will kann sich ja Google bedienen...
Foren sind tot, lautet ein häufig gehörter Spruch in den letzten Monaten. Dem ist zuzustimmen, allerdings nur als feste Größe des Internets, als Wissensquelle, als Quelle gegenseitiger Hilfe. Als Nachmittags-Talkshow der Deppen der Nation, des Intrigantenstadl jedoch werden sie noch lange überleben - Brot und Spiele halt für die geistige Unterschicht.
Warum ich diese Kritik in die Höhle des Löwen trage? Ich habe auch im ersten Augenblick abgewunken, doch triffts aber in einer Weise meine eigenen Gedanken der letzten Zeit.
Ich bin nun hier im PP und seinem Vorgängerforum als User, Mod, Boardmod, Sysadmin, Freund und Kollege weitaus länger als 7 Jahre unterwegs. Vorallem dieses Forum hat, neben IRC und den wirklich gänzlich anderen Zeiten zu Beginn des heutigen Internetlebens, einen großteil meiner
Onlineerfahrung bereichert.
Nur diesen positiven Erfahrungen ist es zu verdanken, dass ich auch heute immer noch täglich
reinschaue und aktiv teilhaben möchte.
Allerdings hat sich für mich schon vor längerer Zeit ein Wechsel abgezeichnet. Früher hieß Internet noch Investition. Es war nicht einfach
da, man musste wirklich etwas dafür blechen, man wählte sich mit quietschenden 33.6er Modems ein, man wartete auf den Seitenaufbau... Und wenn man dann alle Hürden genommen hatte wurde man belohnt. Da gab es Ironie, Anekdoten und vorallem seitenlange Diskussionen. Auch damals hat man schon über Ausländer geredet oder die Bibel diskutiert. Das Niveau war aber ein gänzlich anderes.
Warum stellt sich das für mich so dar? Ich vermute ein Großteil der heutigen Internetnutzer ist lediglich nur noch Konsument. Die Leute kommen
her und wollen unterhalten werden. Wo man sich früher noch aktiv um einen Standpunkt in einer Diskussion bemüht hat, da ist heute nur noch das übliche Geplänkel. Heute reissen sich wenige User den sprichwörtlichen
Arsch auf um das Maß an Unterhaltung zu bieten, das der Großteil erwartet. Und am Ende erhascht derjenige am meisten Aufmerksamkeit, der die neuesten Youtube-Videos verlinkt.
Auch gab es lange Zeit kein Wikipedia oder vergleichbare Wissensquellen im Netz. Sogar Google war vor Jahren noch nicht so erfolgreich wie heute. Man konnte also nicht sagen "google doch mal" oder schnell nen Quote aus Wiki setzen. Wer diskutieren wollte, musste bemüht sein einen nachvollziehbaren Standpunkt zu bieten.
Als ein Beobachter dieser Kultur der Diskussionsforen, allen vorran der PP mit seinem alleinstellenden Merkmal jegliche Themen gleichwertig behandeln zu wollen, stellt sich für mich nun langsam die Sinnfrage. Ist es heute noch sinnvoll Foren zu führen? Stehe ich denn wirklich so alleine mit meiner Suche nach mehr als dem kurzweiligen Zeitvertreib?
Den dialektischen Umgang mit Themen und die Gliederung der eigenen Argumentation in Thesen und Antithesen lernen wir doch alle spätestens in der Oberstufe, weshalb stösst dann schon ein simpler Aufruf zu sinnvollerer Ausdrucksweise und Interpunktion auf so unglaublich taube Ohren?
Das ist was ich mich und vorallem euch, liebe Forengemeinschaft, frage.