Durch OrionX´ Thread "Jugendschutz weiter verschärft" bin ich auf den Indizierungsantrag des Ferkelbuches aufmerksam geworden und finde das so ungeheuerlich, daß ich einen Thread darüber eröffnen will:
Es geht um das religionskritische Kinderbuch: „Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" von Michael Schmidt-Salomon.
Ursula von der Leyens Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beantragte am 21.12.2007 die Indizierung des Kinderbuchs als jugendgefährdende Schrift. „In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Peter Riedesser urteilte, das Buch sei „als Gegengift zu religiöser Indoktrination von Kindern pädagogisch besonders wertvoll".
Ich möchte euch kurz erzählen, worum es in diesem umstrittenen Buch geht:
Ein Ferkel und ein Igel entdecken ein Plakat auf dem steht: “Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!” Die beiden erschraken und wollen sofort auf den Tempelberg gehen, um einen Rabbi, einen Priester und einen Mufti nach Gott zu befragen.
Ferkel und Igel finden es nicht nett, vom Rabbi nicht in den israelitischen Tempel gelassen werden, weil sie keine Juden sind. Dieser antwortet, der Allmächtige ist auch gar nicht nett, sondern allmächtig und allwissend, und könne ganz schön zornig werden, wenn man seine Gebote nicht einhalte und erzählt die Geschichte von der Sintflut. Die beiden sind entsetzt, daß während der Sintflut viele Omas, Babys und Meerschweinchen ertrinken.
Nachdem sie beim Bischof und beim Mufti ähnlich enttäuschende Gespräche hatten, vom letzteren wurden sie als gottverdammte Ungläubige beschimpft, flüchten die beiden vom Tempelberg.
Zuhause sehen sie wieder das Plakat “Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!” und sie merken was ihnen zuvor gefehlt hat: Ohne Gott hatten sie keine Angst. Daraufhin streicht das Ferkel das Wort "nicht" durch.
Zitat von „Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" Wer Gott kennt, dem fehlt etwas! „Nämlich hier oben…“, sagt das Ferkel und tippt sich lachend an die Stirn.
Sie zerrissen das Plakat und freuten sich von Herzen.
Zitat von „Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" „Die Moral von der Geschicht’: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!“
Letztendlich benimmt sich das Ferkel wie das Kind im Märchen "Des Kaisers neue Kleider", weil es sich nichts vormachen läßt. Diese Anspielung findet sich auf der letzten Seite des Buches.
So, zur Argumentation des Familienministeriums:
Zitat von Rettet das kleine Ferkel Im ministerialen Indizierungsantrag wird behauptet, das Buch sei „geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer (sic!) eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden". Jugendgefährdend seien Medien, „wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen". Dass ausgerechnet die niedlich illustrierte Geschichte vom kleinen Ferkel zu solcher „Verrohung" beitragen könne, wird damit begründet, dass in dem Buch „die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht" und „die Besonderheiten jeder Religion (...) der Lächerlichkeit preisgegeben" würden. Nach Ansicht des Ministeriums werde dabei insbesondere das Judentum auf diffamierende Weise angegriffen, so dass „Text und Abbildung mithin antisemitische Tendenzen" aufweise.
Wie die Sache nun ausgegangen ist? Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Bonn hat nach anderthalbstündiger Verhandlung entschieden, daß das umstrittene Buch nicht auf den Index für jugendgefährdende Schriften gehört. Die Zweidrittelmehrheit, die für eine Indizierung des Buches nötig gewesen wäre, kam nicht zustande.
So, die Frage an euch, was haltet ihr vom Indizierungsantrag, haltet ihr das Buch auch für antisemitisch, wie es dem Autor vorgeworfen wurde?
Hier noch die Hauptseite mit interressanten Links:
Rettet das kleine Ferkel
Abschließend noch zwei passende Sprüche:
"Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?" Georg Christoph Lichtenberg
"Denken Sie an den betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen. Wäre es so ganz unmöglich, dass gerade die religiöse Erziehung ein großes Teil Schuld an dieser relativen Verkümmerung trägt?" Sigmund Freud