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Feindesliebe in die Realität umsetzen?

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kRu3m31
Alt 03.12.2007, 17:14   #1
Standard Feindesliebe in die Realität umsetzen?

Mh, habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wenn man gegen seinen eigenen Willen versucht, seine Feinde zu lieben? Also das religiöse "lieben", ich denke dabei eher an Toleranz und Akzeptanz.
Wie wäre es, wenn niemand Waffen herstellt um sich zu verteidigen, weil er weis, dass jeder so denkt und ihn also niemand angreifen würde?

Natürlich alles nur Theorie, ist klar

Was haltet ihr davon?
 
 
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Dakame
Alt 03.12.2007, 18:44   #2
Standard

das ist der richtige weg zur nächsten zivilationsstufe. diesen gedanken habe ich schon öfters gehegt. man müsste nur dem wahlspruch folgen: der klügere gibt nach. selbst wenn man am anfang nicht jeden auf seine seite ziehen kann, dann ist es egal, irgendwer muss schließlich mal anfangen, sonst würde sich nie was verändern und angst vor feindlichen übergriffen muss man auch nur bedingt haben, was will irgendeine macht erstmal dagegen machen, wenn zB ganz europa ohne waffengewalt lebt und sich einig ist. jeden menschen erschießen? bewachen? foltern?
 
 
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Reh
Alt 03.12.2007, 19:12   #3
Standard

Die Idee ist nett, aber was tut man gegen Ausreißer, die sich nicht daran halten? Gib ihnen nach, dann bringen sie dich um. Den einfachsten Naturgesetzen folgend werden die überleben, die vor Gewalt nicht zurückscheuen.
 
 
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kRu3m31
Alt 03.12.2007, 19:40   #4
Standard

Ja, genau das ist das Problem der ganzen Sache. Der Selbsterhaltungstrieb ist heutzutage, na ja war ja noch nie anders, größer als der Respekt vor dem Gesetz "Tu, so lange du keinem anderen Schaden zufügst" (Grundgesetz!?).
 
 
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Alt 03.12.2007, 21:03   #5
Standard

Der Selbsterhaltungstrieb ist heute größer als der Respekt vor dem Gesetz? In der zivilisierten Gesellschaft brauchen wir uns doch gerade des Rechts wegen um unsere Selbsterhaltung gar nicht mehr kümmern, ums nackte überleben muss hier nicht gekämpft werden.
 
 
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Reh
Alt 03.12.2007, 21:25   #6
Standard

Wenn man auf Gewalt verzichten will, muss man eine andere Form der Macht anwenden.

Machtformen lassen sich in drei Kategorien einteilen:
1. Zwang (Tu das / unterlasse das, sonst füge ich dir Schaden zu)
2. Belohnung (Tu das / unterlasse das, dann belohne ich dich)
3. Überzeugung (Tu das / unterlasse das, davon profitierst du auch)

Die ursprünglichste und "sicherste" Machtform ist wohl Zwang. Gewalt ist nur eine Form davon.
Wenn wir um jeden Preis auf Gewalt verzichten wollen, müssen wir die verbleibenden Formen der Macht unbedingt ausbauen. Das Problem dabei ist, dass Zwang auch und gerade in Extremsituationen funktioniert, während Belohnung und Überzeugung versagen, wenn das gesellschaftliche Gleichgewicht kippt.

Wir Menschen sind noch nicht so weit, auf Gewalt verzichten zu können. Vielleicht werden wir diese Stufe irgendwann erreichen, aber es spricht nichts dafür, dass es in absehbarer Zeit geschieht.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 06.12.2007, 17:46   #7
Standard

Feinde lieben ist unrealistisch. Wird nie funktionieren. Das hat mit der heutigen Gesellschaft wenig zu tun.
Vor allem deswegen, weil jeder meint, der Feind ist immer der andere.

Zitat von kRu3m31
Wie wäre es, wenn niemand Waffen herstellt um sich zu verteidigen, weil er weis, dass jeder so denkt und ihn also niemand angreifen würde?
Es gibt immer Angriffslustige. Irgendwann fühlt sich jemand bedroht und will sich verteidigen. Man stellt Waffen her unter dem Deckmantel der Verteidigung. Angreifen, kämpfen und siegenwollen ist natürlich. Der Stärkere siegt. Das gilt auch für geistige Stärke. Wer stark ist, will Macht. Und wer Macht hat, bestimmt wo es langgeht. Andere sehen das nicht ein und fühlen sich benachteiligt oder unterdrückt. Schon gibt es Feinde, und der Böse ist selbstverständlich immer der andere. Es gibt kein Recht, das ist immer subjektiv. Also wird es auch immer Feinde geben.

Beispiel: Da existiert ein Land flußaufwärts und baut einen Staudamm um die wachsende Bevölkerung besser zu versorgen. Jetzt bekommt das Land flußabwärts deswegen fast kein Wasser mehr. Die Menschen dort können keine Fische mehr fangen und ihre Felder nicht mehr bewässern und müssen hungern. Das Land flußaufwärts mit dem Staudamm sagt aber: "Was denn? Wir brauchen den Staudamm wegen der wachsenden Bevölkerung und Wasserknappheit. Also ist es unser Recht, damit wir nicht verhungern. Wenn das andere Land hungert, müssen die sich was einfallen lassen."
Schon gibt es Feinde.

Und hier noch ein interressantes Zitat von Niccolo Machiavelli:
"Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt."
Was haltet ihr von diesem Spruch?
 
 
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Fränze
Alt 06.12.2007, 17:52   #8
Standard

"Wir Menschen" ist sowieso der falsche Ansatz, denn alle Gesellschaften stehen auf höchst unterschiedlicher Entwicklungsstufe. Dazu kommt, dass Entwicklungsstufen nicht zwangsläufig progressiv sind. Ein zivilisiertes und kultiviertes Volk kann durch falsche Führung erstaunlich schnell barbarisch werden.
Ich denke, dass Gewaltausübung menschlich ist, und dass wir das Wort "menschlich" in der Regel falsch gebrauchen, denn es ist eher menschlich, mit allen Mitteln, auch Gewalt, für seinen Vorteil oder den seiner Gruppe zu kämpfen.
 
 
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Fränze
Alt 06.12.2007, 17:55   #9
Standard

"Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt."
Was haltet ihr von diesem Spruch?[/quote]

Das war immer schon die beste Ausrede für Angreifer. "Was guckt Du? Guckst Du blöd, hey, kriegst Du auf Maul!"
 
 
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Reh
Alt 06.12.2007, 18:13   #10
Standard

Zitat von Fränze
Das war immer schon die beste Ausrede für Angreifer. "Was guckt Du? Guckst Du blöd, hey, kriegst Du auf Maul!"
Das ist eine willkürliche Fehlinterpretation, die den Sinn des Spruches nicht wiedergibt.

Der Spruch besitzt sicher keine Allgemeingültigkeit, aber für bestimmte Situationen ist er passend.
 
 
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Fränze
Alt 06.12.2007, 18:23   #11
Standard

Jawoll, der Irak hat durch die Herstellung biologischer Waffen die Bush-Leute genötigt, die Waffen zu ergreifen, gell? Der Spruch ist ganz selten passend. Ganz, ganz selten.
 
 
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Reh
Alt 06.12.2007, 19:50   #12
Standard

Die Bush-Leute sehen das so. Und mindestens ein Volk sieht es genauso.

Stell dir eine andere Situation vor. Eine Gruppe Jugendlicher geht einer Frau hinterher und provoziert aus Langeweile mit dämlichen Sprüchen. Es gibt sicher einige Menschen, die bei diesem Anblick den nächstbesten schweren Gegenstand ergreifen und die Veranstaltung auflösen. Und es gibt genug Menschen, die das positiv bewerten würden.

Der Spruch besagt eigentlich nur, dass Gewalt die Reaktion auf bestimmte Umstände ist. Das ist möglich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gewalt nicht nur reaktiv, sondern auch aus eigenem Antrieb ausgeübt wird. Über die Verteilung darf man natürlich spekulieren.
 
 
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Fränze
Alt 06.12.2007, 20:04   #13
Standard

Die Bush Leute sehen das so? Die haben ganz bewußt gelogen und das später ja auch zugegeben.

Auch ist ja Machiavelli nicht gerade der beste Anwalt für Gewalt als richtige, bzw. verständliche Reaktion. Er schreibt ja nicht, dass Gewalt manchmal eine Reaktion auf Nötigung ist, sondern er macht eine Regel daraus. "Anstifter des Unheils", das kann jeder von uns sein, und jeder kann behaupten, durch uns zu Gewaltreaktionen genötigt worden zu sein.

Ich glaube, dass Dein schwerer Gegenstand, mit dem Du den dämlichen Sprüchen von ein paar Dumpfbacken ein Ende machen willst, nicht unbedingt angemessen ist. Aber es gibt in der Geschichte genügend Beispiele dafür, dass eine Provokation gern behauptet wurde, um zuschlagen zu können.
 
 
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Reh
Alt 06.12.2007, 20:13   #14
Standard

Du hast schon Recht, der Spruch ist blöd. Er erweckt den Eindruck, dass Gewalt wie eine Form der Selbstverteidigung gegen Provokationen funktioniert und lässt völlig untergehen, dass es die denkbar schlechteste Form der Antwort auf eine Provokation darstellt.

Ich würde dem Spruch trotzdem nicht jeden Sinn absprechen. Er hatte seine größte Aktualität vielleicht im Wettrüsten des Kalten Krieges und wird wieder aktuell in dem erneut einsetzenden Rüstungswettlauf der USA und Russlands. Die Amis bauen ein Raketenabwehrschild direkt vor der Nase der Russen, die sind brüskiert und fangen demonstrativ mit Aufrüstung an, die Amis werden nachlegen, die Russen auch und das kann irgendwann in Gewalt explodieren. Und die Ursache dafür wäre nicht direkte Gewalt, sondern Provokation von Gewalt.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 06.12.2007, 22:54   #15
Standard

Solche Sprüche werden neuerdings auf die Goldwage genommen. Es ist immer so, daß sich zu jedem "weisen" Spruch auch immer ein Gegenbeispiel findet. Ich finde den Spruch deshalb gut, weil er aufmerksam machen soll, daß nicht jeder Angreifer blind zu verurteilen ist. Wie seht ihr das denn bei dem 2Länder-Staudamm-Beispiel? In diesem Fall die andere Backe hinhalten wie es in der Bibel steht?
 
 
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Reh
Alt 07.12.2007, 00:36   #16
Standard

Über den Weisheitsgehalt von weisen Sprüchen haben wir schon an anderer Stelle kritisch diskutiert...

Das Staudamm-Beispiel halte ich für ein gutes Beispiel. Es verdeutlicht, wie die Verfolgung eigener Interessen, völlig ohne böse Absichten anderen gegenüber, Aggressivität provozieren kann.
 
 
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Registrierter PPler
Anonymisierungsmodus aktiv!
Alt 07.12.2007, 11:18   #17
Standard

Zitat von ShakeTheDisease
Feinde lieben ist unrealistisch. Wird nie funktionieren. Das hat mit der heutigen Gesellschaft wenig zu tun.
Vor allem deswegen, weil jeder meint, der Feind ist immer der andere.
Ich glaube beim Gebot der Feindesliebe geht es in erster Linie um den Versuch, das Bemühen darum. Denn gewiss ist Feindesliebe keine menschliche Fähigkeit, aber versuchen sollte man es.

Das Machiavelli-Zitat kann schon zutreffend sein, ich denke da an absolute Menschenrechtsverletzungen. In anderen Fällen aber hält so etwas auch immer gut als Ausrede, also als Vorwand her. Ob der Spruch jetzt so oder so gemeint war ist da doch völlig egal, wobei Machiavelli beides zuzutrauen gewesen wäre.

Zitat von ShakeTheDisease
Wie seht ihr das denn bei dem 2Länder-Staudamm-Beispiel? In diesem Fall die andere Backe hinhalten wie es in der Bibel steht?
Äääh eine friedliche Lösung suchen vielleicht?
 
 
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