bedeutet in dem fall, dass du wieder von deinen freunden erwartest, dass sie von selbst drauf kommen
Ja, das ist aus meiner Sicht keine neue Erkenntnis - das schreib ich ja schon im Eingangsposting. Da leg ich viel Wert drauf bei den Menschen, mit denen ich mich umgebe.
Ich versuch die Frage noch mal umzuformulieren: Wie bringe ich meine Mitmenschen, außer durch eine "Vorbildfunktion", dazu, in solchen Situationen eigenständig zu reagieren/handeln? In der Literatur liest man zu dem Thema, dass man sowas (fällt da immer unter soziales Engagement) lernen kann. Ich hab schon in Gesprächen öfter mal Sachen wie "mir ist es auch sehr wichtig - nicht nur bei mir selber - dass man, wenn man mit den nöten/problemen anderer konfrontiert wird, dann auch entsprechend die initative ergreift blablablub".
Und wenn man die Leute nach so einer Situation drauf anspricht, kommt höchstens "Oh, hättest ja was sagen können." "Hätteste aber auch von allein drauf kommen können, haben ja oft genug über die Sache geredet, oder?" "Jo...stimmt auch wieder...sorry."
Ok, allgemein hat sich bei mir, wie schon mehrfach gesagt, nicht das Bild einer bösen Absicht breitgemacht sondern einfach das Bild der Unfähigkeit, in diesem Maße weiterzudenken. Keiner is perfekt, keine Frage. Aber irgendwann sprichst Du die Leute eben nicht mehr drauf an, dass Du in bestimmten Punkten Hilfe erwartet hättest. Du weißt, dass Du Ihnen gesagt hast, dass Du dir beim Xten mal blöd dabei vorkommst, um Hilfe zu bitten.
Triviales aber aktuelles Beispiel, was auch verdeutlicht, wie hochfequent dieses Problem auftritt, dass es auch mehrdimensional ist und mich schon bei alltagsklamotten tierisch nerven kann:
Gestern Abend, Freund kommt zu Besuch. Beide Hunger. Beide arme Studenten. Mein Vorschlag: Selber kochen. Nudeln mit Gorgonzolasauce (mjam). Alles im Haus? Yap! Aber: Kein ungespülter Topf/Teller/Etc in der Wohnung. Spülen angesagt. Ich spüle. Freund sitzt am PC, guckt Musikarchive durch. Ich trockne ab. Freund sitzt am PC, guckt Videoarchive durch...
Sprich: Absolute Alltagssituation, ohne wirkliches "Problem". Trotzdem wär Hilfe klasse, ich würd auch lieber Filme gucken statt spülen - und vom Essen wollen ja hinterher beide profitieren. Aber Du kommst Dir vor wie sone Mutti, wenn Du dann jedes mal irgendwas in Richtung "Hilfste mir mal bidde hier mit dem Scheiß?" etc vom Stapel lässt.
geht doch mal bitte hierauf ein:
enn mich ein freund besucht und mir erzählt, sein auto sei kaputt, was besonders scheisse sei, da er am samstag abend aus nem mehr oder minder wichtigen grund nach...duisburg...müsse. so, in dem moment wo er, als mein freund, mir das erzählt, will ich ihm, als meinem freund, ja auch bei seinem problem helfen. und in dem moment, wo ich mir über problemlösungen gedanken mache, wird mir wohl auffallen, dass ich selbst ein auto habe und ihn also ggf. fahren könnte. so, und da er ja mein freund ist, werde ich ihm das dann natürlich auch offerieren, wos mir schon in den sinn gekommen ist.
so und ich finde das ist doch eigentlich nur ein logischer ablauf im kopf, der einfach passieren sollte, wenn man von freunden ausgeht. macht ihr, die meine position so überhaupt nicht nachvollziehen könnt, euch keine ernsthaften Gedanken, wenn euch freunde sowas erzählen? wird das für euch nicht ein thema?
Mal salopp gesagt: Wenn man selbst das Problem hätte, würde man vermutlich Stunden darüber brüten und es würden einem vermutlich auch diverse Ideen kommen. Logisch. Und wenns um die Probleme eines Freundes geht, dann tut man das einfach nicht mehr, oder was? (Oh ja, das is scheiße - aber...is ja Dein Problem, ne?)
Ist das annormal, dass man sich über das Leben und die Probleme nahestehender Mitmenschen Gedanken macht? Ich hoffe nicht. Denn wenn ja, erklärt mir doch mal bitte, an welcher Stelle ein reflektierter Mensch einen anderen Gedankenweg einschlagen könnte, der dann nicht dazu führt, Hilfe anzubieten. Gleicher Ausgangspunkt: Ein Freund erzählt vom Problem mit Auto und dass er womöglich sein Vorstellungsgespräch verpasst blablub. Ihr seid natürlich betroffen und denkt über das Problem nach. So...ich höre.
In dem Punkt um Hilfe bitten sind sich meine Freunde übrigens untereinander relativ ähnlich: Jeder gibt jedem Hilfe, wenn er explizit gefragt wird - auch absolut selbstverständlich - aber man bittet allgemein nur um Hilfe, wenns anders echt nicht machbar ist (bezogen auf Arbeiten etc, bei "psychischen Problemen" sieht die Welt anders aus). Einfach, um andere Menschen nicht mit den eigenen Problemen zu belasten. Gerade mit diesem Wissen und den Gesprächen, die wir über das Thema hatten (siehe oben), bestätigt sich das Bild, dass die meisten Menschen leider in der konkreten Situation unfähig sind, soweit zu denken ---
oder sollte man sagen, unfähig, sich in andere Menschen hineinzuversetzen?