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Erich Fried: Ich träume

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Sunshine
Alt 18.09.2002, 18:34   #1
Lächeln Erich Fried: Ich träume

Ich träume

Ich träume daß ich lebe
Ich träume daß ich dich kennengelernt habe
(ganz plötzlich ganz unerwartet als wäre das möglich)
Ich träume daß wir uns lieben

Ich träume daß wir uns noch immer lieben
Ich träume daß du einen anderen Mann kennenlernst
Ich träume daß du ihn liebst aber daß du ihm sagst
daß du auch mich weiter liebhaben willst
Ich träume daß er sagt er versteht das
und wir können uns weiterhin lieben
(als wäre das möglich)

Ich träume daß er sagt er erträgt das nicht gut
(nicht ganz plötzlich und nicht ganz unerwartet)
Ich träume daß du sagst du willst versuchen
unsere Liebe in bloße Freundschaft zu verwandeln
aber daß du die Freundschaft weiterhin haben willst
Ich träume er sagt er versteht das
(als wäre das möglich)

Ich träume daß ich mich damit abgefunden habe
Ich träume daß das Leben weitergeht und die Arbeit
Ich träume daß du mit ihm über alles sprichst
und er mit dir über alles so wie du es haben wolltest
Ich träume daß er unsere Freundschaft gut erträgt
und daß wir alle wenn wir nicht gestorben sind
noch heute so weiterleben
(als wäre das möglich)


(c) Erich Fried

[aus Liebesgedichte, Verlag: Wagenbach]
 
 
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FrancesBean
Alt 18.09.2002, 19:59   #2
Standard

Angel (7:53 PM) :
.... liebe... ist liebe.... so sollte es auch immer sein... und zu versuchen sowas in freundschaft umzubauen geht nicht... vorallem nicht... allein wegen dem schmerz...
Mich persönlich hat der Text zum denken gebracht... Aber ich sage dazu vorerst nichts. Er gefällt mir aber irgendwie, auch wenn er mir traurig erscheint...
 
 
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Spiderboy
Alt 18.09.2002, 20:18   #3
Standard

Gut das es nur Träume sind!
 
 
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FrancesBean
Alt 18.09.2002, 20:20   #4
Standard

Können Träume nicht auch Wirklichkeit werden?
 
 
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Spiderboy
Alt 18.09.2002, 20:22   #5
Standard

Ja stimmt wenn man fest dran glaubt und sich darum bemüht.
 
 
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FrancesBean
Alt 18.09.2002, 20:30   #6
Standard

Ebendt... so nach dem Motto "make your dreams come true" Bloß muss man reichlich was dafür tun
 
 
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Spiderboy
Alt 18.09.2002, 20:33   #7
Standard

Ja aber das Gedicht macht nicht gerade einem Hoffnung und solche Träume sollte man lassen.
 
 
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FrancesBean
Alt 18.09.2002, 20:40   #8
Standard

Ja, ich weiß. Ich find das traurig... muss darüber zu viel nachdenken. Ich sage ja auch nichts wirkliches dazu. Aber eigentlich ist es doch nur so eine Angst vor dem Verlust, wenn man sich die Person, die man liebt als Freund hält, weil man ihn/sie ansonsten verlieren würde *schulterzuck*
 
 
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Sunshine
Alt 26.09.2002, 13:29   #9
Pfeil Hans Kruppa: Wie kannst du?

Wie kannst du?

Wie kannst du
einen anderen lieben
und so offen zu mir sein,
dich so gut mit mir fühlen,
mich so tief berühren -
um mich dann so kühl
zu behandeln?
Wie kannst du?

Weil du einen anderen liebst.

(c) Hans Kruppa

[aus "Für Immer Du", Verlag: Herder]
 
 
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Sunshine
Alt 26.09.2002, 13:52   #10
Standard Hans Kruppa: Manchmal fast glücklich

Manchmal fast glücklich

Manchmal war ich
fast glücklich
in deiner Nähe,
obwohl ich ahnte,
daß ein Abgrund uns trennte,
der im Grunde nicht
zu überbrücken war.

Doch ich verdrängte meine Ahnung,
um manchmal fast glücklich zu sein,
bis sie sich über Nacht
in Gewißheit verwandelte -
und ich erkennen mußte,
daß eine Gewißheit
sich nicht verdrängen läßt.

(c) Hans Kruppa


[aus "Für Immer DU", Verlag: Herder]
 
 
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kritzi
Alt 26.09.2002, 15:58   #11
Standard

hey sunny, die texte sind super, wenn auch etwas depressiv, passen aber ganz gut zu meiner momentanen stimmung.
wenn du noch ein paar hast, poste sie bitte mal!

ciao
kritzi
 
 
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Sunshine
Alt 26.09.2002, 17:26   #12
Standard Erich Fried: Tagtraum

Tagtraum

Ich bin so müde
daß ich
wenn ich durstig bin
mit geschlossenen Augen
die Tasse neige
und trinke

Denn wenn ich die Augen
aufmache
ist sie nicht da
und ich bin zu müde
um zu gehen
und Tee zu kochen

Ich bin so wach
daß ich dich küsse
und streichle
und daß ich dich höre
und nach jedem Schluck
zu dir spreche

Und ich bin zu wach
um die Augen zu öffnen
und dich sehen zu wollen
und zu sehen
daß du
nicht da bist

(c) Erich Fried


[aus Liebesgedichte, Verlag: Wagenbach]
 
 
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Sunshine
Alt 26.09.2002, 17:43   #13
Standard Hans Kruppa: Das kleinere Übel & Guter Verlierer

Das kleinere Übel

Es ist besser,
dich nicht zu kennen,
als immer aufs neue
von dir verkannt zu werden.

Es ist besser,
dich zu vergessen,
als immer aufs neue von dir
vergessen zu werden.

Es ist besser
etwas zu beenden,
was eigentlich nie begonnen hat.

---

Guter Verlierer

Eines schönen Tages
werde ich wieder glücklich sein,
zufrieden und beschwingt,
und die Trauer wird vergangen sein
wie die sinnlosen Gedanken an dich.

Unser Spiel hatte keinen Sieger.

Ich will ein guter Verlierer sein,
denn ich möchte
meine Lebensfreunde wiedergewinnen.


(c) Hans Kruppa


so, das waren vorerst genug, ich mag nicht alle Bände durchsuchen nach Gedichten die halbwegs zum Thema passen

und Kritzi.. Kopf hoch!
 
 
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Flaus
Alt 26.09.2002, 17:49   #14
Standard

Wir ham in Deutsch vor kurzem erst 4 Seiten mit Liebesgedichten bekommen. Naja ist net so wirklich mein Fall. Aber woher soll man auch wissen können auch welcher Epoche die stammen
Aber wenns jemand intressiert dann poste ich gern mal paar Gedichte rein
 
 
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dare
Alt 26.09.2002, 18:17   #15
Standard

irgendwie find ich die gut! keine ahnung warum, aber ich koennte sowas tage lang lesen...
 
 
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kritzi
Alt 27.09.2002, 14:05   #16
Standard

ja, dann lasst ruhig mal noch ein paar liebesgedichte hier rein, ich hätte da auch selbst noch was:


Vergänglichkeit der Schönheit
von Christian Hofmann von Hofmannswaldau

Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit um deine brüste streichen /
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand /
Der augen süsser blitz / die kräffte deiner hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen /
Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen /
Tilgt endlich tag und jahr als ein gemeines band.
Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden /
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden /
Denn opffert keiner mehr der gottheit deiner pracht.
Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen /
Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen /
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

ist zwar ein bisschen älter, aber ich finds scchön und man beachte vor allem die doppelte betrachtungsweise des herzens als diamant: einerseits wunderschön und strahlend, aber andererseits eiskalt und steinhart!

und dann noch das hier, ist auch gut:


Mit der Zeit

Mit der Zeit lernst Du,
Dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln.
Und dass Liebe nicht anlehnen bedeutet,
Und Begleitung nicht Sicherheit.

Du lernst allmählich,
Dass Küsse keine Verträge sind,
Und Geschenke keine Versprechen.
Und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes
Und mit offenen Augen hinzunehmen;
Mit der Würde eines Erwachsenen,
Nicht maulend wie ein Kind.

Und Du lernst all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen,
Da das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.

Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt,
Wenn man zuviel davon abbekommt.

Also bestell Deinen Garten
Und schmücke selbst Dir die Seele mit Blumen
Statt darauf zu warten,
Dass andere Dir Kränze flechten.

Und bedenke, dass Du wirklich standhalten kannst,
Und wirklich stark bist,
Und dass Du Deinen eigenen Wert hast.

Kelly Priest

so, das wars dann mal wieder
ach ja, sunny: du bist und bleibst einfach mein sonneschein hier! vielen dank noch mal für deine unterstützung! und das mit dem kopf hoch bring ich schon hin!

ciao
kritzi
 
 
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