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Elternbindung

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Reh
Alt 14.07.2007, 18:30   #1
Standard Elternbindung

Teil 1 – Was ist Elternbindung?

Ein Thema, das vielen nicht geläufig ist, das in den Massenmedien keine Beachtung findet, das gleichzeitig jeden Menschen im Laufe seines Lebens betrifft und sehr viele Menschen über das „natürliche“ Maß hinaus betrifft und beeinträchtigt. Die Elternbindung.
Der Text wird lang, weil sich das Phänomen nicht in Kürze vermitteln lässt.

Wie alle Tiere besitzt auch der Mensch eine Reihe von Instinkten und Trieben, die dabei helfen, das Überleben der Art zu sichern. Sie sind angeboren, müssen also nicht erlernt werden. Aggressivitäts- und Fortpflanzungstrieb gehören zum Beispiel dazu. Oder der Mutterinstinkt. Das sind Antriebe in unserem Unbewussten, die unser Verhalten ganz erheblich steuern.

[FONT=&quot][FONT=Verdana]Um das Überleben des Nachwuchses zu sichern, haben sich im Laufe der Evolution entsprechende Mechanismen gebildet. So entwickelt sich zum Beispiel eine Bindung zwischen Mutter und Kind. Von Seiten der Mutter wird diese Bindung ganz oder teilweise vom Mutterinstinkt angekurbelt. Die Mutter hat das Bedürfnis, ihren Säugling bei sich zu haben und zu umsorgen und das Kleinkind sucht instinktiv die Nähe zur Mutter. Das ist ein simpler Schutzmechanismus, der Mutter und Kind aneinander kettet, damit das Kind möglichst nie unbeaufsichtigt und immer von der Mutter beschützt ist. Solche Eltern-Kind-Bindungen findet man im gesamten Tierreich, nicht nur bei Säugetieren, sondern auch bei Reptilien, Vögeln, Fischen. Die Bindung ist am Anfang sehr stark und schwächt sich umso mehr ab, je erwachsener und selbstständiger das Kind wird. Irgendwann ist das Kind selbstständig genug und an der Bindung besteht kein Bedarf mehr.[/FONT]

[/FONT] Die Grafik zeigt vereinfacht den Zusammenhang. Eine Schwächung der Bindung geht einher mit einem Zuwachs an Selbstständigkeit.

Die beschriebene Bindung, die zwischen Mutter und Kind auf unbewusster Ebene geknüpft wird und dem Schutz des Kindes dient, darf nicht mit einer sozialen Bindung verwechselt werden. Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen und knüpfen vielfältige soziale Beziehungen zu Familie, Freunden, Bekannten, Kollegen usw. Das ist ein anderes Thema, hier soll es nur um die instinktive Eltern-Kind-Bindung gehen.

Beim Menschen ist in der Regel die Mutter für die Bindung verantwortlich. Das hat sich im Laufe der Evolution mit der Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau so ergeben. Frauen können von Natur aus sehr viel besser mit Kindern umgehen. Sie haben sich jahrtausendelang auf Erziehung und Soziales spezialisiert, während der Mann sich auf die materielle Versorgung der Sippe und die damit verbundenen Aufgaben ausgerichtet hat. Diese arbeitsteilige Spezialisierung erklärt die körperlichen und psycho-sozialen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Man hatte verschiedene Aufgaben zu erfüllen und man hat sich genau an diese Aufgaben angepasst.
Die Bindung des Kindes kann zwar auch an den Vater erfolgen, aber das passiert weit seltener, weil die Voraussetzungen dafür bei weitem nicht so günstig sind. Es gibt keine oder nur eine geringere genetische Veranlagung dafür, eine Vaterbindung muss durch bestimmtes Verhalten initiiert werden.

Die Bindung ist keine statische ja/nein – Bindung. Es ist keine unveränderliche Variable x, die bis zum Tag y fortbesteht und dann nicht mehr da ist. Die Bindung ist ein veränderliches Kontinuum. Ihre Größe ist variabel und verändert sich mit der Zeit, möglicherweise verschwindet die Bindung nie ganz, sondern wird lediglich so weit reduziert, dass sie zwar in minimalem Ausmaß vorhanden, aber im Regelfall praktisch ohne Bedeutung ist.

Im Idealfall reduziert sich die Bindung im Lebenslauf des Kindes. Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Pubertät, in der aus dem Kind ein Erwachsener wird. Die Heranwachsenden versuchen sich von den Eltern zu lösen und Selbstständigkeit zu erlangen. Sie versuchen die Bindung aus der Kindheit abzustreifen und das machen sie mitunter sehr aggressiv, insbesondere wenn sich die Eltern gegen diesen Prozess auflehnen. Pubertierende „machen Stress“, sind „schwierig“, bereiten den Eltern Sorgen. Mit einer Vielzahl von Methoden und Handlungen versuchen sie sich zu entreißen. Diese Erscheinungen, die jedem bekannt sind, sind nichts anderes als der Versuch, das Kindsein abzuschütteln und ins Erwachsenensein überzugehen. Erwachsen sein bedeutet Entscheidungen treffen. Für Kinder treffen die Eltern die Entscheidungen. Erwachsene entscheiden über sich selbst. Pubertierende haben den inneren Drang erwachsen zu werden. Sie möchten selbst über sich bestimmen.

Kinder brauchen zwei Dinge:
1. Liebe, Fürsorge und Geborgenheit.
2. Grenzen. Grenzen bezüglich des Verhaltens (moralische Vorstellungen, Manieren, Anstand, Ehrlichkeit, Ordnung usw.), aber auch eine Abgrenzung zu ihren Eltern.

Wenn eines oder gar beides nicht gegeben ist, verläuft die Entwicklung nicht optimal und das Kind entwickelt psychische Auffälligkeiten und Störungen, die schon im Kindesalter, aber auch und gerade später im Erwachsenenalter die Lebensqualität einschränken.
Wenn dem Kind Liebe und Fürsorglichkeit verweigert werden, entwickelt das Kind seine sozialen Fähigkeiten nur unzureichend. Es wird unfähig sein zu lieben und positive soziale Kontakte aufzubauen und zu erhalten. Das müssen die Kinder lernen und das lernen sie hauptsächlich von ihren Eltern.
Wenn ein Kind keine Grenzen erfährt, wenn es von Liebe überschüttet wird, jeden Wunsch und jede Forderung erfüllt bekommt, dann entwickelt sich keine Selbstständigkeit und das Kind bleibt an die Eltern gebunden. Es lernt nicht auf eigenen Beinen zu stehen, die Eltern erledigen alles. Eine allmächtige, verschlingende, grenzenlose Bindung der Eltern zu ihren Kindern ist schädlich, sie behindert die Entwicklung, das Selbstständigwerden der Kinder. Im schlimmsten Fall geht die Grenzlosigkeit so weit, dass Eltern die Kinder in ihre privaten Probleme einbeziehen, sich bei Kindern über Beziehungsprobleme „ausweinen“, ihr Sexualleben nicht ausreichend von den Kindern abgrenzen usw. Damit ist ein Kind vollkommen überfordert, die sich erst entwickelnde Psyche kann das alles nicht verarbeiten. Das Kind wird bewusst oder unbewusst in die Rolle eines Helfers gedrängt, die es unmöglich erfüllen kann. Das Ergebnis sind Schuldgefühle beim Kind, die eine normale psychosoziale Entwicklung beeinträchtigen.
 
 
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Reh
Alt 14.07.2007, 18:30   #2
Standard

Teil 2 – Folgen und Kennzeichen der ungelösten Bindung

Ich möchte näher auf das Phänomen der ungelösten Elternbindung eingehen. Wie bereits beschrieben, findet der Höhepunkt des Loslösungsprozesses in der Pubertät statt. Eltern neigen oft dazu, diesen Prozess zu behindern. Sie klammern sich regelrecht an die Kinder, erlauben ihnen nicht die Selbstständigkeit und fördern die Abhängigkeit der Kinder durch Verwöhnung. Innerhalb der heimischen vier Wände erfüllen sie jeden Wunsch, behüten ihr Kind wie ein hilfloses Kücken und lassen ihm eine Fürsorge angedeihen, die nicht mehr dem Alter entsprechend ist. Sie erkennen nicht das Bedürfnis des Heranwachsenden, selbstständig zu werden und das Heim zu verlassen. Sie halten es fest. Statt das Kind in die Selbstständigkeit zu führen, es in die Welt außerhalb des Elterhauses hinauszugeleiten, klammern sie und behindern so die Entwicklung. Sie halten die Eltern-Kind-Bindung aufrecht. Das verhindert die innere Reifung des Heranwachsenden. Die nicht gelöste Elternbindung signalisiert aus dem Unbewussten, dass man noch ein Kind ist, dass man noch unreif ist, dass man noch zu seinen Eltern gehört.

Wenn ein Jugendlicher den Loslösungskampf in der Pubertät nicht gewinnt und die Elternbindung nicht auflösen kann, weil er dabei nicht unterstützt wird oder die Eltern sogar dagegen arbeiten, dann hat das schwerwiegende Folgen für die Psyche.
Im Unbewussten bleibt die Bindung erhalten und sie signalisiert, dass man noch ein Kind ist. Dass man nicht zu weit von der Mutter weg darf. Dass man immer zu ihr zurückkehren soll. Dass man sich bei Problemen an die Eltern wenden soll, statt sie selbst zu lösen. Dass man noch nicht reif für ein eigenes Leben ist. Das ist alles unbewusst. Der Gebundene merkt das nicht und würde das vermutlich abstreiten, wenn man ihm das erzählt.

Wie kann sich eine ungelöste Elternbindung äußern? In einer Vielzahl von neurotischen Erkrankungen, psychischen Auffälligkeiten, sowie in zahlreichen mehr oder weniger offensichtlichen Verhaltensweisen und Merkmalen. Ich fasse das unter dem Begriff der Symptomatik zusammen.

Ungelöste Elternbindung äußert sich in Unselbstständigkeit. In Ängsten. Immer dann, wenn ein Gebundener wichtige Entscheidungen treffen muss, hat er Angst. Denn er ist innerlich noch ein Kind und nicht reif dafür, Entscheidungen zu treffen. Das überlässt er lieber jemand anderem. Immer dann, wenn ein Gebundener vor einer Entwicklung steht, einen neuen Lebensabschnitt beginnt, wenn er die Schule beendet, einen neuen Beruf ergreift, einen neuen Partner findet, hat er Angst. Die Bindung im Unbewussten hindert ihn an der Entwicklung, sie versucht sich selbst zu erhalten und jeder Schritt hinaus in die Welt, jede persönliche Weiterentwicklung bedeutet einen drohenden Abbruch der Bindung. Davor hat der Gebundene Angst. Alles, was die Bindung bedroht, löst Angst aus und wird abgewiesen. Man kann sich nicht völlig auf den Partner einlassen oder man schafft es überhaupt nicht, eine Partnerschaft einzugehen, man zieht nicht aus dem Elternhaus aus, obwohl man schon 20 Jahre alt oder noch älter ist, man scheut sich, einen neuen Beruf zu ergreifen, man scheut sich vor jedem Schritt nach vorne in seinem Leben. In schweren Fällen treten die Ängste offenbar grundlos auf, sie sind einfach da und man kann nichts dagegen tun. Dabei greift das Gehirn oft zu einem Schutzmechanismus und projiziert diese Ängste auf Objekte oder Situationen, es entstehen Phobien.
Eng mit den Ängsten verbunden sind die Zweifel. Man zweifelt an sich selbst und an seinen Fähigkeiten. Man beginnt etwas und redet sich ein, dass man es eigentlich gar nicht kann. Oder man lässt gleich die Finger von wichtigen Aufgaben und widmet sich lieber Unwichtigerem und räumt sein Zimmer auf oder sieht fern.

Der Gebundene schützt seine Elternbindung, indem er seine Entwicklung behindert. Das macht er nicht aus freiem Willen, dazu wird er vom seinem Unbewussten gezwungen. Er verliert bei Prüfungen die Leistungsfähigkeit, ihm wird regelrecht schlecht dabei. Er meidet tiefe Bindungen. Seine Partnerschaften sind oberflächlich und wenn sie tiefer und inniger werden, wehrt er sie ab, indem er Streit wegen belangloser Kleinigkeiten anfängt, über den Partner meckert, Affären eingeht, die Lust am Sex verliert oder den Sex aus vorgeschobenen Gründen verweigert, aus unersichtlichen Gründen blockt und sich zurückzieht. Das destruktive Verhalten soll andere Bindungen zerstören, damit die Urbindung, die zu der Mutter, aufrecht erhalten werden kann.
Den Gedanken an Heirat und Familie wehrt der Gebundene ab, denn das erfordert enorme Selbstständigkeit und Erwachsenwerden, aber dazu ist der Gebundene nicht bereit, seine Bindung lässt ihn nicht.
Die Ursachen sind dem Gebundenen dabei nicht bewusst und er wird die Gründe überall suchen, nur nicht bei sich. Immer wird er einen Schuldigen finden, immer eine passende Ausrede zurechtlegen.

Gebundene haben oft Schuldgefühle. Sie fühlen sich unbewusst oder bewusst den Eltern verpflichtet und haben immer dann Schuldgefühle und Gewissensbisse, wenn sie etwas machen, was der Auflösung der Bindung dienen könnte oder wenn sie etwas unterlassen, was dem Erhalt der Bindung dient. Sie fühlen sich schuldig, wenn sie nicht regelmäßig nach Hause telefonieren und die Eltern nicht regelmäßig besuchen. Sie fühlen sich schuldig, wenn sie im Urlaub oder mit dem Partner schöne Momente erleben. Sie fühlen sich schuldig, wenn sie nicht das Verhalten an den Tag legen, das die Eltern ihnen beigebracht haben, z.B. nicht jede Woche aufräumen oder nicht in die Kirche gehen. Die Schuldgefühle können als solche bewusst erlebt werden oder bleiben unbewusst und zeigen sich nur im veränderten Verhalten und einem schwer definierbaren mulmigen Gefühl.

Gebundene können sich nicht abgrenzen. Sie haben es nicht von ihren Eltern gelernt. Ihr eigenes Ich, ihre Persönlichkeit, konnte sich nicht genügend entwickeln und festigen, weil die Eltern grenzüberschreitend waren und die Entwicklung bremsten. Gebundene sind psychisch labil, nehmen alles persönlich, sie vertragen keine Kritik. Bei jeder Kleinigkeit sind sie beleidigt und ziehen sich schmollend zurück. In Beziehungen sind sie grenzüberschreitend und klammernd. Sie kennen nur die klammernde Art der Beziehung, die geprägt ist von ihrer unbewussten Elternbindung und praktizieren diese Art der Bindung auch mit dem Partner. Sie lassen ihm keinen Freiraum, wollen alles gemeinsam machen, sind grundlos eifersüchtig. Sie ersticken den Partner mit zu viel Nähe und zerstören so die Beziehung. Sie können sich nicht abgrenzen.

Menschen mit ungelöster Elternbindung leiden oft an Depressionen. Ursache dafür ist die Unfähigkeit, ein eigenständiges und erfülltes Leben zu führen. Sie sind physisch erwachsen und wissen, dass sie eigentlich ihr Leben in die Hand nehmen müssen, aber sie schaffen es nicht. Depression ist das Ergebnis von permanent auftretendem Stress, der nicht mehr kompensiert werden kann. Stressauslösende Situationen sind – im Falle einer ungelösten Elternbindung – die bereits weiter oben aufgeführten Ängste, Zweifel, Schuldgefühle usw. und die weiter unten aufgezählten Symptome. Der Konflikt zwischen Erhalt der Bindung und dem Wunsch nach Loslösung nagt an der Psyche.

Gebundene neigen zu Suchtverhalten. Wenn die Loslösung nicht klappt, erleiden sie einen Rückfall und suchen nach der Verschmelzung mit der Mutter, nach dem Primärzustand, von dem sie sich eigentlich trennen wollen. Die angestrebte Verschmelzung wird in Form einer Sucht ausgelebt. Man sucht sich etwas, mit dem man verschmelzen, mit dem man eine dauerhafte, anhaltende Bindung eingehen kann. Spielsucht, Alkoholsucht, Magersucht, Esssucht, Putzsucht, die Liste ist beliebig lang, jeder sucht sich sein eigenes Suchtobjekt.

Die Aggression gegenüber den Eltern, die dazu dienen soll, die Bindung aufzulösen, wird oft aus Schuldgefühlen auf andere Sachen projiziert und führt zu Hass oder Selbsthass. Ein Beispiel: Die Eltern klammern sich an ihr heranwachsendes Kind, machen ihm Vorwürfe und zeigen sich gekränkt, wenn das Kind, der Heranwachsende mittlerweile, eigene Wege geht. Sie lösen damit Schuldgefühle beim Heranwachsenden aus und dieser projiziert die natürliche Aggression gegenüber den Eltern, die der Loslösung dient, auf sich selbst oder andere. Man sucht die Schuldigen außerhalb der Familie, ist anfällig für extreme Ideologien, Feindbilder und Fanatismus.
Oder man richtet die Aggression gegen sich selbst. Das kann durch bewusste Handlungen geschehen: Ritzen, Magersucht, willentlich herbeigeführte Schmerzerfahrungen aller Art, Unterlassung von gesundheitserhaltenden oder -fördernden Maßnahmen. Oder – noch tückischer – die Zerstörung des eigenen Körpers wird komplett unbewusst gesteuert und kommt von innen. Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Übelkeit, Allergien und sehr viele andere körperliche Erkrankungen und Beschwerden haben ihre Ursache oft in der Psyche. Der unbewusste oder bewusste Selbsthass führt zur Selbstzerstörung. Löst man den psychischen Konflikt, verschwinden auch die körperlichen Symptome.
Die Aggressionen können natürlich auch ihrer eigentlichen Bestimmung entsprechend gegen die Eltern gewandt werden. Dann gibt es immer wieder Streit mit den Eltern. Nicht selten kommt es zu einem regelrechten Hass, der auf der einen Seite nicht unterdrückt werden kann, weil ihn die Aggressionen verursachen, der auf der anderen Seite aber auch Schuldgefühle und Scham auslöst, weil auch die Bindung ihr Werk verrichtet.

Gebundene verhalten sich infantil (=kindlich). Sie sind schnell beleidigt, sie schmollen, wenn etwas nicht nach ihren Wünschen läuft, sie sprechen oft mit kindlich verstellter Stimme, sie lesen gern Kinderbücher, sie schlafen noch immer mit Kuscheltieren, haben ein kindlich dekoriertes Zimmer, wollen dauernd in den Arm genommen werden, rollen sich beim Liegen oft zu einer Kugel zusammen wie Kinder das tun, ziehen einen Schmollmund, sind übermäßig verspielt, tragen Spielzeuge an ihrem Rucksack usw. Sie verhalten sich einfach in vielen Situationen kindlich.
Infantilität zeigt sich erstaunlich häufig sehr direkt in Aussagen wie „Ich fühle mich noch wie ein Kind“, „Ich fühle mich noch nicht erwachsen“, „Ich bin noch nicht reif dafür“. Noch direktere Hinweise auf Unreife kann es nicht mehr geben, aber man stellt sich gern blind dafür, tut es als Floskeln ab, als Spaß. Man wehrt die Erkenntnis ab, um die Bindung zu erhalten.
Zum infantilen Verhalten gehört auch die Unselbstständigkeit. Wenn es ernst wird und Entscheidungen getroffen werden müssen, drückt sich der Gebundene, flüchtet vor dem Problem.
Es sollte nicht zu Missverständnissen kommen – nicht jeder, der mal einen Schmollmund zieht oder sich in ein Kinderbuch vertieft, ist gleich ein Mensch mit ungelöster Elternbindung. Tritt kindliches Verhalten aber regelmäßig und mit einer für das Erwachsenenalter unangemessener Intensität auf, ist es ein deutliches Indiz.

Gebundene zeigen grandioses und abwertendes Verhalten. Grandiosität zeigt sich in solchen Aussagen: „Es wird nie was“, „Ich habe schon alles versucht“, „Es wird nie klappen“, „Keiner liebt mich“, „Ich werde es nie zu etwas bringen“, „Du hörst mir nie zu“, „Das werde ich nie tun“, „Ich interessiere mich für nichts“. „Das Leben ist doch sinnlos“. Grandiosität ist gekennzeichnet durch großspuriges, arrogantes Auftreten, durch überzogene und unverrückbare Aussagen. Auch das dient dem Erhalt der Elternbindung, denn man grenzt sich durch Arroganz und Unantastbarkeit von Veränderungen ab, man schließt sie kategorisch aus, indem man „nie“ sagt. Sag niemals nie, lass Veränderungen zu.
Abwertendes Verhalten bedarf keiner großer Erläuterung – man redet sich selbst und andere schlecht und flüchtet sich übermäßig in Zynismus. Das zerstört die Nähe zum anderen und hält die Bindung aufrecht.

Gebundene haben Fantasien, die von der Urbindung zur Mutter geprägt sind. Die Urbindung entsteht bereits im Mutterleib, wo das Ungeborene verschlungen ist von der Mutter und sich in einem Paradies befindet, ständig mit Nahrung versorgt, von Wärme umgeben und von jeglichen Sorgen befreit. Gebundene träumen und fantasieren von Verschmelzung mit verschlingenden Elementen. Wasser und Feuer ziehen sie magisch an. Bei Problemen verkriechen und verstecken sich Gebundene gerne, statt an einer Lösung zu arbeiten. Es ist ein symbolischer Akt, der Wunsch zurück in den Mutterleib zu kommen, in das sorgenfreie Paradies, wo sie das Leben nicht mit seinen Problemen behelligt. Es ist der Sog der unbewussten Elternbindung, die das Kind zur Mutter ruft, falls es Schwierigkeiten gibt. Diese Fantasien sind kontraproduktiv. Ein Teil des Unbewussten betrügt den Betroffenen und verleitet ihn auf eine falsche Fährte, suggeriert eine Lösung, wo es keine gibt, treibt in die Sackgasse.

Nicht zuletzt sei die Suizidalität erwähnt. Selbstmordgedanken und Selbstmord treten bei Gebundenen häufig auf. Sie sind so sehr mit dem Leben überfordert, sträuben sich so sehr vor dem Selbstständigwerden, dass ihnen der Tod als guter Ausweg erscheint. Man erkennt daran die unglaubliche Macht der elterlichen Bindung, sie kann bis in den Tod treiben. Wenn jemand regelmäßig Selbstmordgedanken hat oder sogar schon Selbstmordversuche unternommen hat, ist eine Therapie Pflicht!

Es gibt zahlreiche weitere Symptome: Passivität, innere Unruhe und Anspannung, Ungeduld, Kränkbarkeit, Überanpassung, Einsamkeit und weiteres mehr. Ich verzichte auf eine ausführliche Aufzählung und Beschreibung, dafür gibt es Bücher und ich kann nicht ihren gesamten Inhalt hier wiedergeben.
 
 
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Reh
Alt 14.07.2007, 18:31   #3
Standard

Teil 3 – Der innere Konflikt, seine Erkennung und Überwindung

Ein Gebundener befindet sich in einem inneren Konflikt. Auf der einen Seite die Elternbindung, auf der anderen Seite der Drang erwachsen und selbstständig zu werden. Es ist wie ein Tauziehen: an einem Ende die Eltern und der von ihnen beherrschte Teil des Unbewussten, am anderen Ende ein anderer Teil des Unbewussten zusammen mit dem Wunsch erwachsen zu werden. Man selbst ist dazwischen und wird förmlich zerrissen. Zu diesem Tauziehen muss es nicht kommen, wenn die Eltern sich richtig verhalten. Wenn die Eltern aber anfangen zu ziehen, dann kommt es zum Kampf.
Von diesem Tauziehen ist der Gebundene beherrscht. Er versucht teilweise verzweifelt auszubrechen, er streitet sich mit den Eltern, zieht überhastet aus, findet einen Partner, versucht sein eigenes Leben zu führen. Auf der anderen Seite empfindet er Schuldgefühle, schmeißt den Job hin und zieht zurück zu den Eltern, lässt seine Beziehung scheitern.
Sein ganzes Handeln wird von zwei entgegengesetzten Antrieben beherrscht:
1. Grenz dich von der Familie ab und werde selbstständig.
2. Komm zurück zu den Eltern.
Dieser Konflikt erzeugt enormen Stress und wird in den oben beschriebenen Symptomen sichtbar. Er kann bis zum Lebensende andauern. Er kann auch andauern, wenn die Eltern längst tot sind, denn die Bindung bleibt im Unbewussten erhalten. Die Lösung besteht darin, diese Bindung aufzulösen. Und zwar im Kopf! Eine räumliche Trennung von den Eltern bringt nichts, wenn die Bindung im Kopf bestehen bleibt. Nur im Kopf löst man die Elternbindung, alles andere sind nur Hilfen.

Die Zusammenhänge sind am Anfang vielleicht nicht leicht zu verstehen. Das liegt nicht unbedingt daran, dass die Zusammenhänge so schwer sind. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Ursachen unbewusst sind. Man sieht sie nicht direkt, man muss sie anhand der Symptome erkennen. Es bedarf einer Übersetzungsarbeit, aber das notwendige Wissen dazu gibt es nur in der Fachliteratur. Die breite Masse kommt nicht daran und die Medien klären nicht über die Problematik auf, sondern verstärken sie, indem sie infantiles und gestörtes Verhalten breitspurig beleuchten und verherrlichen. Infantilität wird zum gesellschaftlichen Vorbild. Die intuitive Erkennung und Lösung des Problems funktioniert deswegen nicht mehr. Es bedarf daher einer Bewusstmachung der Problematik. Denn unzählige Menschen führen einen Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner und weil sie den Gegner nicht erkennen, kämpfen sie gegen sich selbst oder gegen andere, nur nicht gegen das wirkliche Problem.

Elternbindung betrifft ausnahmslos jeden Menschen. Jeder muss durch. Die Loslösung ist der zentrale Konflikt im Leben eines heranwachsenden Menschen. Im günstigen Fall verläuft die Geschichte positiv, aber das ist zunehmend nicht der Fall und das führt zu einer Fülle von oben beschriebenen Problemen. Überprüft euch selbst und andere auf dieses Problem. Überprüft insbesondere euch selbst. Seid ihr so erwachsen, wie ihr in eurem Alter sein solltet? Viele werden bei sich selbst und bei Freunden und Bekannten eine Vielzahl der oben dargestellten Symptome erkennen. Diejenigen, die sie nicht mehr aufweisen, werden sich mit großer Sicherheit erinnern, dass sie eine Phase in ihrem Leben durchgemacht haben, in der sie der dargestellten Symptomatik, zumindest einem Teil davon, unterlagen. Jeder Mensch muss durch.

Je stärker die Bindung ist, desto mehr und desto schwerwiegender werden die Symptome auftreten. Es können nur ganz wenige sein oder die gesamte Bandbreite. Nicht jeder Teil der Persönlichkeit muss betroffen sein. Viele Menschen sind im Beruf selbstständig und zielstrebig, dafür sind die privaten Probleme groß. Prüft euch selbst und wenn ihr das Problem erkannt habt, arbeitet an einer Lösung. Eine ungelöste Elternbindung im Erwachsenenalter ist Ursache vieler physischer und psychischer Leiden. Bekämpft das Problem an der Wurzel, spart euch das Leiden. Wer wirklich tiefes Glück und echte seelische Ausgeglichenheit empfinden möchte, wird die Elternbindung als Erwachsener auflösen müssen.

Die einzelnen Symptome können natürlich auch andere Ursachen haben. Ungelöste Elternbindung ist nicht die einzige Ursache, ich habe sie herausgegriffen, weil sie weit verbreitet ist, jeden im Verlauf des Lebens betrifft und sehr häufig genau die Ursache der beschriebenen Probleme ist. Wenn ihr die beschriebenen Symptome erkennt, wenn gleich mehrere davon zutreffen, prüft das Verhältnis zu eurer Familie. Die Psyche des Menschen wird im Kindesalter von der Familie geformt und die Ursache der meisten Störungen ist logischerweise in der Kindheit und in der Familie zu suchen. Sucht einen Zugang zu eurem Unbewussten, zu der Tiefe eurer Seele. Dort sind alle Wurzeln unseres Handelns versteckt.
Lernt die an der Oberfläche sichtbaren Symbole zu deuten und mit ihrer Hilfe in die Tiefe zu schauen. Informiert euch. Die Symbole sind unverkennbar. Wer die Anzeichen erkennt, hat keinen Grund zur Panik. Die Bindung und die Loslösung sind natürliche Phänomene, die jeder Mensch im Leben durchmacht. Wer diese Phänomene bewusst erkennt, kann gezielt darauf reagieren. Wer noch jung ist, weiß, was er zu tun hat, um erwachsen zu werden. Wer biologisch schon erwachsen ist, weiß, was er nachzuholen hat.

Was die Symbole des Unbewussten angeht, gibt es vielleicht nichts besseres als die Traumdeutung. Durch Träume kann man direkt in das Unbewusste reinschauen, kann sehen, was den Menschen im Unbewussten beschäftigt. Das Bewusstsein schläft in dieser Zeit, es kann nicht verfälschen, verdecken, verzerren, schön- oder schlechtreden. Träume lügen nicht, sie zeigen das Innerste des Menschen. Die Traumberichte hier im Forum erzählen bewegende Geschichten, derer sich die Erzähler selbst gar nicht bewusst sind.
Wenn ihr euch mit den äußeren Symptomen noch nicht sicher seid, schaut in die Träume, dort findet ihr den endgültigen Hinweis darauf, wo ihr euch in der Entwicklung befindet. Aber auch hier gilt: die Symbole der Träume muss man erst kennenlernen, muss sie übersetzen können. Wer sie nicht kennt, hat keinen Nutzen davon. Träume haben eine klare Sprache und es gibt Bücher, die diese Sprache lehren. Verlasst euch dabei nicht auf Esoterik, sucht die Werke von Psychologen und Psychiatern.

Ich komme langsam zum Abschluss und hoffe, einen Einblick in eine weitgehend unbekannte und doch so verbreitete Problematik gegeben zu haben. Es ist trotz der Textlänge wirklich nur ein sehr knapper und unvollständiger Einblick. Lösungsmöglichkeiten sind noch gänzlich außen vor geblieben, aber Lösungen kommen auch erst nach der Problemerkennung. Man muss wissen, was man lösen muss und nur für diesen ersten Schritt möchte ich hier den ersten Stein pflastern.

Für die Leute, die das geschriebene überprüfen oder mehr über das Thema wissen wollen, gibt es noch ein paar Literaturquellen und Links, die sich mehr oder weniger direkt mit der beschriebenen Thematik befassen:

H. B. Flöttmann – Angst. Ursprung und Überwindung. Ein Buch, das ich jedem ans Herz legen kann. Es beschreibt die Elternbindung, ihre Ursachen und Folgen und gibt Hinweise auf Lösungsmöglichkeiten.
H. B. Flöttmann – Steuerrecht des Lebens.
http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/388.html?p=1 Ein guter Artikel, der mit anderen Worten und aus anderer Perspektive die gleiche Problematik beschreibt, auf die ich eingegangen bin. Teilweise werden von mir nicht beschriebene Aspekte angesprochen, wie z.B. die Übertragung von Konflikten von einer Generation zur nächsten. Am Ende gibt es eine Literaturliste, die der kritische Leser auch nutzen sollte. Zusammenhänge werden oft klarer, wenn sie auf verschiedene Weise erklärt werden, deswegen ist der Beitrag zu empfehlen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie Eine knappe Übersicht über empirische Erkenntnisse bezüglich der Eltern-Kind-Bindung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Unterbewusstsein Knapper Überblick über das Unbewusste. Seine Bedeutung wird allgemein stark unterschätzt.
http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/683.html Ein weiterer Hinweis auf die enorme Macht des Unbewussten.

Selbstverständlich findet man nach dem Schneeballprinzip weitere unzählige Literaturhinweise aus den genannten Quellen. Oder auch bei eigenständiger Recherche.
 
 
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meth
Alt 15.07.2007, 01:04   #4
Standard

du hast dir verdammt viel mühe gemacht, ich bin grad bei dem zweiten schritt, les morgen weiter
respekt
 
 
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Reh
Alt 17.07.2007, 21:39   #5
Standard Warum devotes Sexualverhalten ein Zeichen von ungelöster Elternbindung ist.

Dominas, die ihre Sklaven züchtigen, sind längst kein Tabu mehr. Dokumentationen in Öffentlich-rechtlichen geben Einblick in die Welt von Dominanz und Unterwerfung und plädieren für mehr Akzeptanz für besondere sexuelle Vorlieben. Zahlreiche Filme befassen sich am Rande oder hauptsächlich mit dem Thema und das Internet quillt ohnehin über von frei verfügbarem pornografischem Material jeglicher Geschmacksrichtung.

Der Devote will beim Sex unterworfen, bestraft, gepeinigt werden. Das regt ihn sexuell an. Bei manchen ist es die einzige Möglichkeit, echte sexuelle Lust zu verspüren.
Der Devote ist sich nicht bewusst, dass er an einer zu starken Elternbindung leidet. Er kann seine Sexualität nicht frei und vollends entfalten, unbewusste Schuldgefühle hindern ihn daran. Frei ausgelebte Sexualität ist eine Bedrohung für die Bindung, denn der Gebundene könnte sich dadurch weiterentwickeln, könnte sich lösen und statt seiner Eltern einen neuen Partner finden. Deswegen fühlt er sich schuldig, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Den mächtigen Sexualtrieb kann er aber nicht ohne weiteres unterdrücken. Zwei Antriebe aus dem Unbewussten prallen gegeneinander. Der Devote löst das Problem mit einem Kompromiss. Er signalisiert seiner unbewussten Elternbindung, dass der Sex keine Gefahr für sie ist. Er lässt sich für das Ausleben der Sexualität bestrafen. Er lässt sich Halsband und Ketten anlegen, er lässt sich demütigen. Er verhält sich besonders passiv und befolgt Befehle. Er demonstriert offen seine Schuld, lässt sich fesseln, er holt die Symtome und Symbole der Elternbindung offen hervor, damit sie gleichwertig mit dem Sex sind und ihn überwachen und kontrollieren, damit er ja nicht entflieht. Seine Domina ist Sinnbild der strengen, im wörtlichen und übertragenen Sinn bindenden Mutter, die den Gebundenen bestraft für seinen Sexualtrieb. Der Sexualtrieb trägt zur Loslösung bei, dafür bestraft die Domina - die Mutter.

Wenn dich dominant-devote Sexspiele in besonderer Weise erregen, prüfe ob du innerlich erwachsen und selbstständig genug bist und ob du das werden willst.
 
 
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Reh
Alt 17.07.2007, 22:28   #6
Standard

Es wurde bemängelt, dass den Beiträgen der Diskussionscharakter fehlt. Das stimmt in der Tat und das ist bewusst so gehalten von mir. Ich bin der Meinung, dass Diskussionen viel nützlicher sind, wenn man weiss, worüber man diskutiert. Daher mein Versuch, am Anfang zu erklären, um eine Wissensbasis auf diesem weitgehend unbekannten Gebiet zu schaffen, auf der dann konstruktive Diskussionen aufbauen können.

Fühlt euch einfach frei zu kommentieren, kritisch zu hinterfragen, weitere Erklärungen einzufordern, eigene Erfahrungen mitzuteilen, offene Fragen zur Thematik zu stellen, Gegenmeinungen und Kritik einzubringen usw.

Ich habe vor, weitere kürzere Texte folgen zu lassen, die einzelne Aspekte der Thematik aufgreifen und etwas näher beleuchten. Vielleicht ergibt sich aus dem ein oder anderen Beitrag mehr Diskussionsbedarf.
 
 
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Squdus
Alt 17.07.2007, 22:57   #7
Standard

Na ja, das mit dem Devot finde ich ein wenig zu monokausal. Ich streite jetzt nicht ab das es tatsächlich so ist, nur glaube ich das in den Charakter mehr einfliesst wie nur die elterliche Bindung, gerade bei der sexualität. Weil der Mensch eben viel zu komplex ist.
Ich sehe halt nicht wo nur eine starke Bindung ein schlechts Bild auf die Sexualität werfen soll. Ist es denn irgendwo statistisch erfasst, das Gebundene Sex mit Weiterentwicklung und Entfernung der Eltern verbinden? Viel eher ist es doch möglich, das ihm von klein auf gesagt wurde das Sex etwas sündiges ist und es bestraft gehört. Oder aber der Reiz des nicht alltäglichen.
Klar könnte man jetzt sagen, das wenn er nich so gebunden wäre sich sein eigenes unbelastetes Bild von der Sache machen würde. Nur dann wäre die ganze Erzieherei ja irgendwie sinnlos, wenn wir alles was wir damals gelernt haben immer über board werden würden, bzw. uns ohne eigenen Antrieb dazu zwingen.
Na ja, mich stört daran halt nur das "ist" am Ende der Überschrift, viel eher gehört da meiner Meinung nach ein "kann" hin.

Ansonsten, erstaunlich viel Mühe haste Dir dafür gegeben. Und Informativ ist es auch.
 
 
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Felicitas
Alt 18.07.2007, 11:24   #8
Standard

ich bin noch nicht dazu gekommen die oberen größeren teile zu lesen, das wird auch erst in 1- 2 wochen was, aber den kleinen teil, den letzten hab ich mal gelesen und hab da spontan ein paar fragen: sind das deine eigenen überlegungen, deine beobachtung (weil du zB kontakt zu solchen Menschen hast, oder selbst in der Szene aktiv bist) und wenn das deine eigenen überlegungen sind, bzw. die these die daraus folgt die deinige ist, hast dich mal dran gemacht das wirklich zu "beweisen"? also zu erforschen (und erforschen ist nicht einfach nur "nachdenken") ob das denn so stimmt? menschen befragt zb usw.?

oder ist diese meinung resultat aus verschiedenen berichten die du gelesen hast, wenn ja welche?

ne meinung dazu mag ich mir spontan nicht bilden (wie gesagt, wenn ich mehr zeit habe kommt dann vllt was dazu), aber für den ersten eindruck hab ich das gefühl dass mir diese these oder beobachtung (was auch immer) zu steif ist, zu unflexibel und irgendwie auch zu einseitig.

achja, eine frage fällt mir noch ein:

es gibt ja diesen diagnoseschlüssel vom deutschen institut für medizinische dokumentation und information. im kapitel 5 geht es um psychische und verhaltenstörungen. F65 spricht dann von störungen der sexualpräferenz. da steht dann zum beispiel pädophilie (F65.4), aber auch fetischismus (F65.0) und weiter unten dann bei F65.5 auch sadomasochismus. dabei wird (zumindest lt. diesem institut und diesem diagnoseschlüssel) nicht zwischen dominant und devot und sadistisch und masochristisch unterschieden - das ist "alles das gleiche". wie auch immer. das Sadomasochismus in einer solchen auflistung auftaucht zeigt ja, dass sich mehrere wissenschaftler des DIMDI darüber einig sind, dass es eine "krankheit" ist, bzw. ein krankheitsbild. was wiederrum heißt dass man das therapieren kann, vllt sogar muss. weil "krankheiten sind ja dafür da um geheilt zu werden" (platt ausgedrückt).

in dänemark btw, gibts diesen punkt F65.5 seit 1995 nicht mehr.

homosexualität stand bis 1990 im diagnoseschlüssel der weltgesundheitsorganisation (in deutschland wurde homosexualität glaube ich 98 oder 2000 gestrichen). BVSM e.V. reicht immer wieder erneut Anträge bei der DIMDI ein um den punkt F65.0, F65.1 und F65.5 aus dem Diagnoseschlüssel zu streichen. Auch Ärzteverbände und Verbraucherschützer stehen den F65.0 .1 und .5 Punkten kritisch gegenüber. Im DSM-VI (einem anderen (amerikanischem) Diagnoseschlüssel, der auch in anderen Ländern/ Sprachen übernommen wurde) taucht Sadomasochismus btw nicht mehr auf, bzw. wird nicht mehr automatisch als krankhaft angenommen und das schon seit 1994.

wie stehst du dazu? stimmst du dem DIMDI zu, dass devot und dominant, masochistisch und sadistisch krankhaft sind? wie urteilst du darüber das homosexualität als sexuelle präferenz (also neigung) nicht mehr in den gängigen diagnoseschlüsseln steht? kann man für homosexualität auch ursachen im elternhaus/ bei der elternbindung/ der kindlichen entwicklung finden?

(und wer jetzt denkt dass ich mich den lieben langen tag nur damit beschäftigt irrt sich , mir hing nur der begriff diagnoseschlüssel im hinterkopf und das ich beim recherchieren für ein seminar da mal reingeschaut hatte und dabei bin ich auch über diese F65 punkte gestolpert und den rest hab ich ich jetzt recherchiert.)

Geändert von Felicitas (18.07.2007 um 12:36 Uhr).
 
 
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Reh
Alt 18.07.2007, 12:42   #9
Standard

Zitat von felicitas
oder ist diese meinung resultat aus verschiedenen berichten die du gelesen hast, wenn ja welche?
Es ist nicht meine Meinung, es ist die Interpretation der Zusammenhänge um die Elternbindung. Wenn du die einführende Erklärung gelesen hast, verstehst du auch, woher ich meine Annahme habe.

Zitat von felicitas
es gibt ja diesen diagnoseschlüssel vom deutschen institut für medizinische dokumentation und information. im kapitel 5 geht es um psychische und verhaltenstörungen. F65 spricht dann von störungen der sexualpräferenz. da steht dann zum beispiel pädophilie (F65.4), aber auch fetischismus (F65.0) und weiter unten dann bei F65.5 auch sadomasochismus. dabei wird (zumindest lt. diesem institut und diesem diagnoseschlüssel) nicht zwischen dominant und devot und sadistisch und masochristisch unterschieden - das ist "alles das gleiche". wie auch immer. das Sadomasochismus in einer solchen auflistung auftaucht zeigt ja, dass sich mehrere wissenschaftler des DIMDI darüber einig sind, dass es eine "krankheit" ist, bzw. ein krankheitsbild. was wiederrum heißt dass man das therapieren kann, vllt sogar muss. weil "krankheiten sind ja dafür da um geheilt zu werden" (platt ausgedrückt).

in dänemark btw, gibts diesen punkt F65.5 seit 1995 nicht mehr. und im deutschen diagnoseschlüssel stand ne ganze weile (leider find ich da grad keine quellen für) auch homosexualität unter störung sexueller präferenzen.

wie stehst du dazu? stimmst du dem zu?
Den Diagnoseschlüssel selbst kenne ich noch nicht. Zwischen einer Bevorzugung von Dominanz oder Unterwefung würde ich auch nicht scharf trennen. Ich habe die Unterwerfung rausgepickt, weil bei ihr die Zusammenhänge meiner Meinung nach offensichtlicher sind und weil es weit mehr Menschen gibt, die sich unterwerfen lassen wollen als solche, die Dominanz ausüben wollen. Die Unterwerfung ist naheliegender, aber hinter der Dominanz stehen ganz ähnliche oder gleiche Ursachen.

Homosexualität ist in sehr vielen Fällen ebenfalls auf unbewusste Konflikte zurückzuführen. Es gibt etliche Studien, die belegen, dass Homosexuelle weit überdurchschnittlich an Ängsten, Depressionen und anderen neurotischen Symptomen leiden. Bei einer erfolgreichen Behandlung der ursächlichen Symptome verschwindet die Homosexualität oft von selbst.
 
 
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Reh
Alt 18.07.2007, 23:22   #10
Standard Warum Kinder Mutter UND Vater brauchen.

Jeder Mensch hat männliche und weibliche Anteile. Typisch männlich sind Aggression, Stärke, Durchsetzungsvermögen. Typisch weiblich sind Fürsorglichkeit, Zärtlichkeit, Liebe. Der Mann hat die männlichen Eigenschaften stärker ausgeprägt, die Frau die weiblichen. Diese Spezialisierung der Geschlechter auf bestimmte Eigenschaften ist zurückzuführen auf die Arbeitsteilung, die sich im Lauf der Evolution ergeben hat und die ich weiter oben bereits angesprochen habe.

Die Anlagen dazu sind genetisch festgelegt, müssen aber durch Erziehung gefördert und in die richtigen Bahnen gelenkt werden, damit sie sich so entwickeln, dass der Mensch seinen Platz im sozialen Gefüge einnehmen kann. Nur im sozialen Gefüge können wir Menschen überleben, als Einzelgänger sind wir nicht überlebensfähig. Deswegen muss das soziale Gefüge funktionieren, deswegen müssen wir so geformt sein, dass das soziale Gefüge funktioniert.

Wir besitzen also männliche und weibliche Eigenschaften, die von Geburt an da sind, die aber erst aus ihrer triebhaften Form kultiviert werden müssen, damit sie den Anforderungen unseres Sozialgefüges gerecht werden. Für die Kultivierung, die Formung, sind die Eltern verantwortlich. Sie erziehen die Kinder. Sie geben das Vorbild ab, das die Kinder nachahmen.

Weil wir beide Seiten in uns vereinigen, die männliche und die weibliche, brauchen wir auch für beide Seiten ein Vorbild. Von der Mutter lernen wir die Liebe und Fürsorglichkeit kennen. Der Vater gibt Vorbild für die männlichen Eigenschaften ab. Nicht nur der Sohn braucht den Vater, um Stärke und Durchsetzungsfähigkeit zu lernen, das gilt für die Tochter genauso. Sie wird diese Eigenschaften zwar nicht so sehr entwickeln wie die weiblichen, aber ein Vorbild braucht sie dafür trotzdem. Und der Sohn braucht eine Mutter, um die Liebe zu erfahren, die Kinder so sehr brauchen und die ein Vater nicht ersetzen kann.

Es ist die Mutter, die die Familie mit Liebe und Leben füllt, die die Kinder umsorgt und ihnen den Rückhalt bietet, den sie brauchen, um sich nach der Erkundung der Umwelt wieder auszuruhen und Kraft zu tanken für neue Erlebnisse und Entwicklungen.
Der Vater vermittelt Sicherheit und Stärke, schafft mithilfe seiner Autorität innere und äußere Struktur, setzt Regeln und Grenzen. Es ist Aufgabe des Vaters, die Grenzen der Familie abzubauen und die Kinder in die Welt hinaus zu führen, wenn sie erwachsen werden. Er ist es, der Jugendlichen das Ausgehen bis spät in die Nacht erlaubt, er ist es, der die Mutter beruhigt und zurückhält, wenn sie sich zu viele Sorgen macht und aus Sorge um die Kinder an ihnen klammert. So sollte es jedenfalls sein.
So ist die Aufgabenverteilung, die sich in Jahrtausenden herausgebildet hat. Natürlich vermittelt auch die Mutter Autorität und schenkt der Vater seinen Kindern Liebe, aber das geschieht in anderen Maßstäben. Die Natur hat nicht vorgesehen, dass sich Vater und Mutter ersetzen und die Aufgaben des anderen übernehmen. Spezialisierungen sind dafür da, dass man die Aufgaben teilt und nur in seinem eigenen Gebiet ist der Spezialist ein echter Profi.

Die Arbeitsteilung funktioniert heutzutage nicht mehr so, wie sie sollte. Zum einen übernehmen die Eltern häufig nicht die Aufgaben, die sie als Eltern übernehmen müssen. Zum anderen gibt es zu viele alleinerziehende Eltern, zu viele Kinder, die ohne Vater oder ohne Mutter aufwachsen.
Ich breche hier ab. Jeder kann sich selbst überlegen, was das für Folgen für die Entwicklung des Kindes hat.
 
 
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Reh
Alt 24.07.2007, 11:04   #11
Standard

Am Mittwoch, also morgen, kommt um 20:15 auf ard "Muttis Liebling", eine Komödie.
Es geht um einen 38jährigen Muttersöhnchen, der sich verliebt und den Konflikt, der sich daraus ergibt.

Die Story ist nicht neu und wurde schon oft genug verfilmt: eine klammernde Mutter, der schwächliche Sohn, er verliebt sich und will raus aus dem Familiengefängnis. Es gibt ein hin und her und am Ende natürlich ein Happy-End, zumindest wenn der Film eine Komödie ist.
Es dreht sich alles um ungelöste Mutterbindung und um den Loslösungsprozess mit all seinen Schwierigkeiten. Der Film wird sicherlich mit Hilfe des Humors übertreiben, verharmlosen und beschönigen, um aus dem höchst tragischen Thema eine Komödie zu basteln.
Laut TV-Spielfilm Tipp des Tages.
 
 
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Ripper08
Alt 25.07.2007, 17:08   #12
Pfeil

Zitat von Reh
Die Aggression gegenüber den Eltern, die dazu dienen soll, die Bindung aufzulösen, wird oft aus Schuldgefühlen auf andere Sachen projiziert und führt zu Hass oder Selbsthass. [...]

Die Aggressionen können natürlich auch ihrer eigentlichen Bestimmung entsprechend gegen die Eltern gewandt werden. Dann gibt es immer wieder Streit mit den Eltern. Nicht selten kommt es zu einem regelrechten Hass, der auf der einen Seite nicht unterdrückt werden kann, weil ihn die Aggressionen verursachen, der auf der anderen Seite aber auch Schuldgefühle und Scham auslöst, weil auch die Bindung ihr Werk verrichtet.
Das kann ich so nur bestätigen. Ich persönlich habe Aggressionen meiner Mutter gegenüber oft nur schwer unterdrücken können, während diese bei anderen ähnlich fürsorglichen Familienmitgliedern (Stichwort Großeltern) eigentlich niemals auftraten, obwohl diese sogar wesentlich penetranter sein konnten.

Bei anderen Männern (?) in etwa meinem Alter konnte ich diverse Aggressionen ggü. der Mutter auch sehr oft beobachten, während wiederum andere (diejenigen, die scheinbar sogar noch viel stärker "bemuttert" wurden) derart gelassen damit umgingen, dass mir nurnoch die Worte fehlten.

Meiner Meinung nach verbirgt sich hinter diesen Aggressionen der unbewusste Versuch, sich gegenüber der Mutter unattraktiv zu machen, um damit quasi den eigenen "Rauswurf" aus der Familie zu provozieren, was aber nüchtern betrachtet natürlich fast völlig Aussichtslos ist.



Zitat von Reh
Kinder brauchen zwei Dinge:
1. Liebe, Fürsorge und Geborgenheit.
2. Grenzen. Grenzen bezüglich des Verhaltens (moralische Vorstellungen, Manieren, Anstand, Ehrlichkeit, Ordnung usw.), aber auch eine Abgrenzung zu ihren Eltern.
Hierzu wollte ich noch hinzufügen, dass der 1. Punkt die klassische Mutterrolle ist, während der 2. Punkt vor allem die Aufgabe des Vaters sein sollte, aber das hast du in einem deiner folgengen Beiträge ja bereits wieder aufgenommen.


Jedoch will ich hierzu noch zwei Begriffe anführen, die da lauten: Bedingungslose Liebe und mit Bedingungen verknüpfte Liebe.

Erstere ist im Normalfall die mütterliche Liebe, welche wie der Begriff bereits impliziert natürlich keinen Bedingungen unterliegt und vom Schützling praktisch nicht 'verspielt' werden kann, egal was er auch anstellen mag.

Die bedingte Liebe ist hingegen die "käufliche" Liebe, wenn man so will.
(Man könnte sie vielleicht auch als Lob und Tadel vereinfachen).
Sie sollte im Normalfall die Rolle des Vaters sein, der durch "Entzug der Liebe" oder auch Bestrafung die Grenzen klar umreißt. So lernt das Kind die Erwartungen des Vaters nicht zu enttäuschen, was eine wichtige Vorbereitung auf das später folgende Leben in unserer Gesellschaft darstellt, wo man nach seinen Handlungen bemessen wird und nicht "einfach so" von jedem geliebt und geschätzt wird, sondern sich ebendiese Wertschätzung verdienen muss.

Aufgrund dieser Überlegungen muss ich dir in dem Punkt, dass ein einzelner Elternteil den Anforderungen nicht gewachsen sein kann, ganz klar zustimmen, was sich daraus ergibt, dass beide Formen elterlicher Liebe nicht in einer Person vereinbar sind, da sie sich ja grundsätzlich widersprechen.




Ein anderes Thema, das ich noch anschneiden will ist die Annahme einer Gegenthese zu deiner im Eröffnungspost gezeigten Grafik, die einen im Idealfall linearen Verlauf der Loslösung von der elterlichen Bindung respektive die Zunahme der Selbstständigkeit zeigt.

In sehr vielen Kulturen (auch heute noch) ist es Brauch, dass diverse Initiationsriten praktiziert werden, die den Eintritt eines Kindes ins Erwachsenendasein einläuten. Das geht von der Eigenentjungferung der Mädchen bis zu "gespielten" Entführungen der Jungen in die Wildnis, bei der sie der Mutter "entrissen" werden.

Das bedeutet also es gibt innerhalb dieser Gesellschaften einen klaren Bruch und keine langsame Adaption an die Selbstständigkeit. Sowas wie die Pubertät ist in diesen Kulturkreisen unbekannt, da das typisch pubertäre Verhalten des "westlichen Kulturkreises" dort kaum bis garnicht zum Ausdruck kommt. Festzuhalten ist auch, dass diese Riten meißt in einem Alter stattfinden, in dem wir hier noch längst nicht von erwachsenen Individuen reden würden, da diese Riten in aller Regel mit der Geschlechtsreife einhergehen, die bei uns ja schon weit vor dem 18ten Lebensjahr Einzug hält.

Es wäre also durchaus möglich, dass die Pubertät, die wir inzwischen als natürlichen Zeitabschnitt im Leben eines jeden Menschen betrachten, in Wahrheit nur einen mißverstandenen Schrei nach dem klaren Bruch mit dem Kindsein darstellt.


Leider ist das zugegeben für unsere Zivilisation nicht mehr derartig praktizierbar, da man bis zum Einzug der Geschlechtsreife kaumnoch alle für das Leben in unserer Gesellschaft nötigen Regeln erlernen kann, was sich bei "primitiveren" Kulturen natürlich viel problemloser gestaltet, da sich bis zum Zeitpunkt der Initiation der Kinder bereits das Wichtigste festgesetzt hat bzw. spätestens mit der Initiation vermittelt wird.
Alles Weitere über diesen Punkt hinaus ist nurnoch Erfahrung, die nun durch die Nutzung der Selbstständigkeit gesammelt werden kann.



PS: Ich muss sagen einer der qualitativ besten Threads, die mir hier je untergkommen sind. Hoffentlich wird auch weiter an dem Thema gearbeitet.

MfG, Ripper
 
 
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Reh
Alt 25.07.2007, 20:08   #13
Standard

Zitat von Ripper08
Ein anderes Thema, das ich noch anschneiden will ist die Annahme einer Gegenthese zu deiner im Eröffnungspost gezeigten Grafik, die einen im Idealfall linearen Verlauf der Loslösung von der elterlichen Bindung respektive die Zunahme der Selbstständigkeit zeigt.
Das ist ein Missverständnis. Ich nehme keinesfalls an, dass der Verlauf der Loslösung linear ist. Der Prozess entwickelt sich relativ langsam in der Kindheit und erfährt eine enorme Beschleunigung in der Pubertät. Der Verlauf der Loslösung ist auch keinesfalls einheitlich, sondern bei jedem Menschen anders ausgeprägt, mit teilweise riesigen Unterschieden.
Die Grafik ist vereinfacht und schematisch und sollte nicht "wörtlich" genommen werden. Sie verdeutlicht lediglich das Verhältnis von Selbstständigkeit zu Bindung.
Wenn gewünscht, können wir beispielhaft ein paar Kurven zeichnen, wie der Prozess wirklich aussehen könnte.

Ich möchte noch die Rituale aufgreifen, das ist ein guter Stichpunkt.
Rituale prägen unser aller Leben. Das "Guten Morgen", das "Gute Nacht", das gemeinsame Essen am Tisch, der Ablauf eines Arztbesuches, die Umarmung beim Wiedersehen eines Freundes, der Handschlag zur Begrüßung, die Hymnen und der Fähnchentausch vor einem Fußballspiel, der gemeinsame Kneipenbesuch jeden Freitag, die feierliche Unterzeichnung von Staatsverträgen und vieles vieles mehr sind nichts anderes als Rituale. Wir Menschen brauchen das. Rituale geben Halt, sind eine Stütze im Chaos des Lebens. Viele Menschen sind sich dessen zwar nicht bewusst, aber das ändert nichts an der Tatsache. Ohne Rituale wären wir mit dem Leben komplett überfordert und würden verrückt werden.

Neben den immer wiederkehrenden Ritualen gibt es auch seltene oder einmalige Riten, die uns bestimmte Entwicklungen ermöglichen oder erleichtern. Ein Beispiel dafür ist die Einschulung. Das ganze Trara erleichtert dem Kind den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt. Das Ritual begleitet eine einschneidende Veränderung im Leben und macht die Umstellung möglich und erträglich, erzeugt unter Umständen sogar Glücksgefühle.

Leider hat unsere zivilisierte Gesellschaft viele Rituale aus unserem Leben verbannt.
Rituale sind etwas für die wilden, unzivislisierten Kulturen. Der Jüngling, der beim Mannbarkeitsritual aufs Meer hinausfährt und dort einen Hai fängt, wird doch nicht zum Mann danach. Welch Schwachsinn! So werden sicher viele Menschen denken. Und sich damit gewaltig irren.

Der Jüngling, der ein Mannbarkeitsritual durchführt, wird danach tatsächlich zum Mann. Nicht körperlich, da verändert sich nichts von einem Tag auf den anderen. Aber psychisch und sozial verändert sich dafür umso mehr. Von einem Tag auf den anderen fühlt er sich selbst erwachsen, darf er plötzlich zusammen mit den Männern auf Jagd gehen, darf er sich eine Frau nehmen, muss er sich nichts mehr von seiner Mutter sagen lassen, muss sich bei keinem abmelden, muss keinem Rechenschaft ablegen wie ein Kind, sondern höchstens wie ein Erwachsener für seine Taten stehen. Weil er selbst und sein ganzes Umfeld seine Wandlung zum Mann akzeptieren, wird er wirklich zum Mann. Geistig. Keine Mutter, die klammert, Schuldgefühle einflößt, das Erwachsenwerden behindert. Die Mutter glaubt ebenfalls an das Ritual, und weil sie wirklich daran glaubt, löst sie von ihrer Seite die Bindung auf, muss selbst nicht leiden und hilft gleichzeitig ihrem Sohn. Für die Riten der Frauen gilt das gleiche.

Es ist der Glaube an das Ritual, der eine geradezu magische Wirkung entfaltet. Was die Naturvölker mit einem einzigen Ritual, völlig ungezwungen und natürlich bewerkstelligen, dauert bei uns zivilisierten Menschen Jahre oder Jahrzehnte, kommt häufig nicht zum Abschluss oder klappt überhaupt nicht. Wir lassen den günstigen Augenblick für die Veränderung verstreichen, wir erkennen überhaupt nicht die Notwendigkeit davon, arbeiten häufig dagegen. Dann müssen Psychiater ran, müssen Monate und Jahre aufwenden, um den Betroffenen aus dem Sumpf der ungelösten Bindung rauszuziehen.

Wir haben kein Ritual mehr, das aus einem Kind einen Erwachsenen macht. Wir haben es uns abgewöhnt, es verlernt. Wir lassen ein höchst machtvolles Instrument der psychischen Entwicklung ungenutzt.
 
 
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Reh
Alt 28.07.2007, 16:25   #14
Standard Wie der Feminismus die innere Reifung behindert.

Der Feminismus arbeitet aktiv daran, die Loslösungsproblematik zu verschärfen. Die Familie wird abgewertet, die Hausfrau und Mutter wird abgewertet, die Weiblichkeit allgemein wird abgewertet. Die Frau soll sich männlich verhalten, sie soll Karriere in einer Männerwelt machen, sie soll sich mit Männermitteln in der Welt der Männer behaupten. Karriere ist wichtiger als Kinder.

Der Feminismus stellt die Frau als Opfer dar. Die Sklavin der Männer, die Unterdrückte, die Ausgebeutete, die Gebärmaschine und Putzfrau. Die Frau wird abgewertet. Der Mann wird aber genauso abgewertet. Er ist der Despot, der Unterdrücker, der Sklaventreiber, der es sich auf Kosten der Frauen gut gehen lässt.

Die Feministinnen werten alles und jeden ab (zur Symptomatik der Abwertung siehe auch Eingangspost). Sie sind Gebundene, ohne Erlaubnis, ein eigenes, glückliches Leben zu führen. Die innere Elternbindung verbietet es ihnen, glücklich mit einem Mann zusammen zu kommen und Kinder zu kriegen. Um diesem inneren Verbot nachzugehen, werten sie die Frauenrolle ab. Damit reden sie sich selbst ein, dass Frausein und alles, was damit verbunden ist, schlecht ist. So schützt die Bindung sich selbst. Die Schuld für ihr Unglück und Versagen suchen die Feministinnen nicht bei sich, denn damit könnten sie der Ursache auf den Grund gehen und sie beseitigen. Die Ursache wird bei anderen gesucht. Die Männer sind die Sündenböcke. Feministinnen propagieren höchst aggressiv die Schuld der Männer am angeblichen Unglück der Frauen. So lenken sie von den eigenen inneren Konflikten ab und schützen ihre Elternbindung. Im Dienst der Bindung begraben sie ihre innersten Wünsche unter einer dicken Schicht von rhetorisch hochkaretiger Abwertung, einem Märchen über unterdrückte Frauen und despotische Männer.

Die Feminismusbewegung hat mittlerweile die gesamte Gesellschaft durchdrungen. Junge Frauen lesen Bücher, in denen die Frau und der Mann abgewertet werden. Die Identifikation der Frau mit sich selbst wird untergraben. Die Frau soll ein Mann sein. Sie soll beweisen, dass sie ein besserer Mann ist als ein Mann, sie soll männliche Berufe übernehmen. Die Frau kann sich nur mit einer Karriere verwirklichen, das redet uns der Feminismus ein. Kinder sollen Ausdruck der Versklavung sein. Versklavt sind in Wahrheit die Feministinnen von einer ungelösten Bindung. Sie verbieten sich das Frausein und flüchten sich in die Männlichkeit. Tragischerweise geben sie das Vorbild für die Gesellschaft ab, prägen unser Denken.

Eine echte Frauenbewegung sollte für Frauen kämpfen. Sie sollte dafür kämpfen, dass Frauen Frauen sein dürfen. Dafür, dass sich eine junge Frau nicht schämen muss, weil sie sich für Kinder statt Karriere entschieden hat. Dafür, dass die junge Mutter nicht abgewertet und verachtet, sondern akzeptiert und bewundert wird. Dafür, dass der Beruf der Mutter und Hausfrau als solcher anerkannt und gewürdigt wird. Frauen sollen sich als Frauen glücklich fühlen.
Dafür sollte eine Frauenbewegung kämpfen und nicht wie der Feminismus für das Gegenteil.
 
 
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Reh
Alt 31.07.2007, 23:42   #15
Standard Fehlender Kinderwunsch ist ein Zeichen von Unreife.

Der Sinn des Lebens besteht darin zu überleben und den Erhalt der eigenen Art zu sichern. Das gilt für jedes Lebewesen auf unserer Erde und wir Menschen sind keine Ausnahme. Wir sind nur deshalb auf der Welt, weil unsere Vorfahren dem biologischen Sinn des Lebens gefolgt sind.

Wir alle haben in unserem Unbewussten den Fortpflanzungstrieb und damit den Kinderwunsch. Dieser Urinstinkt sichert das Bestehen unserer Art. Jeder hat ihn. Spätestens mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife, der Pubertät, beginnt dieser Instinkt zu wirken. Bei absolut jedem, sofern keine groben Schäden am Gehirn vorliegen.

Wer biologisch erwachsen ist, aber noch keinen Kinderwunsch verspürt, der ist psychisch noch nicht erwachsen, zu einem Teil selbst noch Kind. Denn nur ein Kind braucht sich um die Fortpflanzung noch keine großen Gedanken zu machen. Das Kind ist noch damit beschäftigt, sich selbst zu entwickeln, die eigene Persönlichkeit aufzubauen. Sobald diese Aufgabe erledigt ist, kommt der Kinderwunsch, es ist die nächste Entwicklungsstufe. Dieser Schritt wird immer mehr gehemmt, von klammernden Eltern, von falschen medialen Vorbildern, von Politik, Wirtschaft und Feminismus, die Karriere fordern, auch und besonders für Frauen.

Die Gebundenen erfinden viele Ausreden für fehlenden Kinderwunsch. "In diese grausame Welt setze ich keine Kinder", "Kinder sind nichts für mich", "Für ein Kind fehlen mir die finanziellen Mittel", "Ich will zuerst mein eigenes Leben genießen", "Wir leiden an Überbevölkerung, ich tue etwas dagegen".
Wegen fehlender Reife sucht der Gebundene den Lebenssinn anderswo, nur nicht in der selbst gegründeten Familie und eigenen Kindern. Die Karriere kommt da gerade recht. Oder er philosophiert über den Lebenssinn, um zu dem Schluss zu kommen, dass es keinen gibt. Das beruhigt den Gebundenen, denn ohne Lebenssinn braucht er nicht zu reifen, muss keine Verantwortung übernehmen, darf Kind bleiben.

Es ist schon erstaunlich, welche Macht die Elternbindung ausübt, wenn sie sogar imstande ist, einen der wichtigsten Urinstinkte überhaupt einzudämmen. Das bleibt aber nicht folgenlos. Der Kampf der beiden Instinkte im Unbewussten ist ein brodelnder Vulkan in der Tiefe der Seele. Kein Betroffener wird mit diesem Konflikt inneren Frieden finden. Manche erarbeiten sich starke Schutzmechanismen, mit denen sie eine Schutzschicht über den Vulkan legen und oberflächlich gesund und glücklich sind. Andere schaffen das nicht und leiden ganz offensichtlich. Aber sie alle sitzen auf ihrem inneren Vulkan und je älter sie werden, desto unerträglicher wird es, weil die Zeit vergeht, die Pflicht aufgeschoben wird und der Fortpflanzungstrieb immer lauter Alarm schlägt. Irgendwo in der Tiefe des Unbewussten.
 
 
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Ripper08
Alt 01.08.2007, 01:42   #16
Frage

Du scheinst ja langsam Selbstunterhalter zu werden....

Damit es nicht ganz so weit kommt, mische ich mich einfach wieder ein bisschen ein. Die meißten Thesen deiner ersten Beiträge sind bisher eigentlich sehr schlüssig und ich würde dir zu einem Großteil auch damit recht geben.



Bei deinen letzten beiden Beiträgen, die den Feminismus und den Rückgang des Kinderwunsches als das Resultate einer ungelösten Elternbindung betrachten, muss ich jedoch mit meiner Zustimmung passen.

Ich bin ebenso der Überzeugung, dass der Feminismus keine gute Richtung eingeschlagen hat, da -wie du bereits gesagt hast- die Frauen sich nicht "wirklich" emanzipiert haben, sondern eigentlich lediglich zeigen, dass sie imstande sind alles genausofalsch wie ein Mann zu machen.
Dennnoch glaube ich, dass die Triebfeder des Feminismus keine ungelöste Elternbindung sein kann, zumindest keinefalls die primäre Ursache...


Der Feminismus stellt die Frau als Opfer dar. Die Sklavin der Männer, die Unterdrückte, die Ausgebeutete, die Gebärmaschine und Putzfrau. Die Frau wird abgewertet. Der Mann wird aber genauso abgewertet. Er ist der Despot, der Unterdrücker, der Sklaventreiber, der es sich auf Kosten der Frauen gut gehen lässt.
Stimmt das denn nicht auch? Vor wenigen Jahren war es zumindest noch so... selbst mit dem Einzug der Demokratien hat sich die Gleichberechtigung der Frauen nur mühsam durchringen können und ist ja auch bis heute längst nicht abgeschlossen (von anderen Kulturkreisen mal noch ganz zu schweigen).
Selbst in Zeiten der Marktwirtschaft werden viele Frauen noch völlig degradiert, man denke Mal an die ganzen Werbungen, in denen die Frauen (meißt natürlich Mütter) als "mindless simpletons" dargestellt werden, deren grösste Erfüllung darin besteht, den Fussboden mit einem tolleren Mop zu wischen, die Gläser mit einem noch tolleren Waschpulver zum Glänzen zu bringen und was weiß ich noch alles.

Wie genau sollen sich die Frauen denn sonst auf eine dem Mann sozial gleichgestellte Ebene hieven, wenn nicht mit einer aggressiven Gegenbewegung (dem Feminismus), die uns verdeutlichen soll, dass sie zu den gleichen Leistungen fähig sein können wie ein Mann.

In einer komplett leistungsorientierten Gesellschaft, in der vor Allem das Haben zu zählen scheint und in der nur finanzieller Erfolg als Erfolg gewürdigt wird, werden Dinge wie das Erziehen von Kindern und Hausarbeit nicht mehr honoriert. Ganz im Gegenteil sogar -inzwischen sinkt man als "Hausfrau" doch massiv im sozialen Status, wenn man keine anderen "wichtigen" Tätigkeiten vorweisen kann.
Dass Frauen sich das nicht antun wollen und ist verständlich und dementsprechend resultiert daraus der Spagat zwischen Karriere und Kindern, während manche sich sogar ausschließlich für die Karriere entscheiden.
Das Resultat daraus ist eben die Verteufelung vom Kinderkriegen... die Ursachen dafür bei einer ungelösten Elternbindung zu suchen scheint mir doch ziemlich weit hergeholt, wenn sich auch unbestreitbar ein logischer Zusammenhang herleiten lässt.
Trotzdem muss auch ein in sich logisches Konstrukt noch lange nicht der Wahrheit entsprechen...
 
 
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Reh
Alt 01.08.2007, 16:02   #17
Standard

Die Gleichberechtigung der Frauen ist in der Tat nicht abgeschlossen. Das muss auch aufgeholt werden. Was aber passiert in Wirklichkeit? Die Tätigkeiten der Frau werden überhaupt nicht gleichberechtigt, sondern noch mehr abgewertet. Gleichberechtigung soll die Frau darin suchen, dass sie sich männlich verhält.
Wer kämpft bitte dafür, dass die Frau sich auf eine Familie konzentrieren kann und dabei nicht befürchten muss, in finanzielle Armut abzugleiten? Kein Arsch kämpft dafür, die Feministen am allerwenigsten. Gleichberechtigung? Nicht mal ansatzweise.

Zitat von Ripper08
Selbst in Zeiten der Marktwirtschaft werden viele Frauen noch völlig degradiert, man denke Mal an die ganzen Werbungen, in denen die Frauen (meißt natürlich Mütter) als "mindless simpletons" dargestellt werden, deren grösste Erfüllung darin besteht, den Fussboden mit einem tolleren Mop zu wischen, die Gläser mit einem noch tolleren Waschpulver zum Glänzen zu bringen und was weiß ich noch alles.
Das ist der Erfolg der Feministen, dass die Arbeit der Hausfrau als minderwertig angesehen wird. Was ist denn bitte schlecht daran, ein sauberes und gemütliches Heim für eine Familie zu gestalten? Was ist denn besser daran, wie ein Mann in der Metallgießerei zu schuften? Oder wie ein Mann bei der Müllabfuhr täglich stinkenden Abfällen ausgesetzt zu sein? Oder wie ein Mann eine hohe wirtschaftliche Position zu bekleiden, 16 Stunden am Tag im Büro zu arbeiten und seine Angestellten auszubeuten, damit das Unternehmen überlebt? Es ist Quatsch, dass männliche Berufe besser sind. Sie sind anders. Dass sie besser sind, redet uns der Feminismus ein, weil er die Frauenrolle abwertet und der männlichen Rolle nachstrebt.

Zitat von Ripper08
Wie genau sollen sich die Frauen denn sonst auf eine dem Mann sozial gleichgestellte Ebene hieven, wenn nicht mit einer aggressiven Gegenbewegung (dem Feminismus), die uns verdeutlichen soll, dass sie zu den gleichen Leistungen fähig sein können wie ein Mann.
Aggressivität ist die Domäne der Männer. Warum muss die Frau die Leistung der Männer bringen? Woher kommt diese Meinung? Wer bringt dann die Leistung der Frauen? Die Männer etwa? Warum machen wir nicht das, wofür die Natur uns ausgestattet hat?
Woher kommt deine Meinung, dass eine Frau aggresiv wie ein Mann sein muss und männliche Tätigkeiten ausüben muss, um auf die gleiche soziale Ebene zu kommen? Merkst du, wie tief wir bereits die feministischen Leitsätze verinnerlicht haben? Wie idiotisch ist es denn, dass eine Frau Mann spielen muss, um auf die gleiche soziale Stufe zu kommen? Sie sollte das als Frau können. Wer kämpft dafür?

Zitat von Ripper08
In einer komplett leistungsorientierten Gesellschaft, in der vor Allem das Haben zu zählen scheint und in der nur finanzieller Erfolg als Erfolg gewürdigt wird, werden Dinge wie das Erziehen von Kindern und Hausarbeit nicht mehr honoriert. Ganz im Gegenteil sogar -inzwischen sinkt man als "Hausfrau" doch massiv im sozialen Status, wenn man keine anderen "wichtigen" Tätigkeiten vorweisen kann.
Was sind die Ursachen für diese Missstände? Der Mann strebt nach Leistung, das ist seine Berufung. Wo ist das weibliche Gegengewicht geblieben? Es ist Aufgabe der Frauen, den Männern im übetriebenen Leistungsstreben Einhalt zu gebieten, den Mann zu zügeln, seiner Aggressivität und Grausamkeit mit Liebe und sozialen Werten zu begegnen. Diese Aufgaben nehmen die Frauen nicht mehr an. Das ist verpönt, der Feminismus predigt, dass nur männliche Werte zählen.
Die Frau sollte mit den Waffen der Frau kämpfen. Das ist das, was sie kann und das ist das, was die Gesellschaft braucht. Wir haben längst genug von männlicher Verrohung. Die Frauen sollten nicht auf diesen Zug springen, das ist weder für sie noch für die Männer gut.


Zitat von Ripper08
Du scheinst ja langsam Selbstunterhalter zu werden....
Mich würde schon interessieren, was in den Köpfen der Leser vorgeht. Aber mit breiter Resonanz habe ich nicht gerechnet. Das Thema ist schwierig und sehr persönlich. Nicht jeder schafft es, so tief in seine Seele zu blicken und noch weniger Leute wollen das Innerste öffentlich machen.
 
 
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Reh
Alt 04.08.2007, 00:59   #18
Standard

Leider wird hier zu wenig Kritik geäußert, aber neben Ripper wurde mir schon an anderer Stelle mitgeteilt, dass die Beiträge zunehmend unglaubwürdig klingen. Mein Fehler, ich entwickle die Gedankengänge zu schnell und liefere keine Beispiele, die dem Verständnis helfen könnten. Darauf hätte ich auch selbst kommen können, die Fachliteratur macht es doch vor.
Vielleicht gibt es auch Leute, die das Geschriebene von Anfang an schwachsinnig finden, sagt das ruhig.

Jedenfalls fahre ich das Tempo runter und beende vorerst die kleinen Artikel. Vielleicht werde ich ein paar Beispiele bringen, wie sich ungelöste Bindung und Unreife deutlich machen. Wer selbst auf Entdeckungsreise gehen will, braucht nicht weit zu suchen und findet im Postplanet unzählige Beispiele. Ich werde allerdings ungefragt keine Planetarier hier im Thread zerpflücken.
 
 
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Reh
Alt 11.08.2007, 14:59   #19
Standard

Heute im Bus: ein Mann, Alter etwa um die 40, steigt zusammen mit einer älteren Frau, offenbar seine Mutter, ein. Die Frau sucht sich einen Platz, er dicht hinter ihr, setzt sich daneben.
Die Grenzüberschreitungen der Frau machen sich in Körpersprache und Gespräch deutlich. Immer wieder sucht sie engen Körperkontakt zu ihrem Sohn, umfasst seinen Arm, lehnt beim Lachen den Kopf an seine Schulter, klopft ihm auf den Oberschenkel. Sie fragt ihn, was er so lange auf der Toilette gemacht hat. Ganze 10 Minuten habe er gebraucht. Sie mischt sich damit in das Innerste seiner Intimssphäre ein. Ihr Ton ist vorwurfsvoll. Er antwortet etwas, so leise, dass es nicht verständlich ist, obwohl sie nur einen Meter vor mir sitzen. Er antwortet ihr auf alle Fragen und Bemerkungen so leise. Von sich aus sagt er nichts. Er ist völlig passiv, lässt die Grenzüberschreitungen über sich ergehen.

Das ist ein typischer Muttersöhnchen, ein Extrembeispiel der nicht aufgelösten Bindung. Das Festhalten geschieht auf allen Ebenen, körperlich und psychisch. Die Mutter lässt ihrem Sohn keinen Zentimeter Platz, klebt an ihm wie eine Klette. Im Gespräch überschreitet sie alle persönlichen Grenzen, sie beteiligt sich an seinen intimsten Angelegenheiten, die sie überhaupt nichts angehen. Damit erhält sie eine so intensive Bindung aufrecht, wie sie nur im Kleinkindalter angemessen ist. Der Mann ist nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen.

Mir fallen nur zwei Ursachen ein, die für so ein Verhalten einer Mutter in Frage kommen:
- Sie hat als Kind selbst eine solche Bindung erlebt und hat nie erlebt und gelernt, wie man sich abgrenzt.
- Sie hat schwere Schicksalsschläge erlitten, die sie psychisch nicht verarbeiten konnte und vor denen sie sich in die Beziehung zum Kind geflüchtet hat. Das Kind wird in solchen Fällen als psychosoziale Ressource missbraucht und bekommt die psychischen Probleme seiner Eltern aufgebrummt.
In jedem Fall handelt eine Mutter mit solchem Verhalten unbewusst. Sicher will jede Mutter auf der Welt für ihr Kind nur das Beste. Der bewusste Wille und das unbewusst gesteuerte Handeln sind aber oft nicht übereinstimmend.
 
 
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Reh
Alt 12.08.2007, 18:20   #20
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Eine Studentin leidet unter Prüfungsangst. Sie soll bei einer praktischen Prüfung eine seit Monaten bekannte und oft geübte Bewegungsfolge vormachen. Sie kann die Aufgabe perfekt und sie weiss es. Die Prüfungsnote ist eine reine Formalie und hat keine Auswirkung auf die Endnote des Studiums. Absolut kein Grund zur Sorge also, aber der Studentin ist schlecht. Sie klagt über Übelkeit, meint, sie müsse sich erbrechen, wenn es so weiter geht. Sie geht unruhig durch den Raum hin und her. Bei der Prüfung schließlich agiert sie völlig überhastet und unter ihren Möglichkeiten.

Prüfungen sind die Meilensteine unserer Entwicklung. Mit einer Prüfung beenden wir einen kleinen oder großen Lebensabschnitt und treten in einen neuen Abschnitt ein. Viele Gebundene fürchten sich vor Prüfungen, weil sie sich vor ihrer Entwicklung fürchten. Innere Entwicklung geht zwangsweise einher mit einer Reduzierung der inneren Bindung an ein Elternobjekt. Die Bindung versucht sich zu schützen, indem sie die Entwicklung bremst.
Prüfungsangst darf nicht mit der natürlichen Nervosität verwechselt werden, die man vor Prüfungen hat und die dazu dient, die Konzentration auf die Prüfung zu lenken.

Die fehlende Reife der Studentin äußert sich auch in anderen Symptomen. Sie führt eine klammernde Beziehung zu einem ebenfalls noch unreifen Freund. Sie kleben aneinander. Sie suchen grenzenlose Nähe zueinander. Gleichzeitig zerstören sie diese Nähe, indem sie nahezu stündlich über absolute Belanglosigkeiten streiten. Die Studentin ist zickig, sie hat an allem etwas zu meckern. Sie spricht mit hoher kindlicher Stimme.

Ihren Willen zu