Zitat von Fränze Woher weißt Du, wie Gott beschaffen ist, so dass Du davon ableiten kannst, der Mensch sei sein Ebenbild?
Es gibt für mich ja auch nicht DEN Gott, sondern nur Teile. Manche Teile Gottes stehen für Naturgesetze im Universum, andere beschreiben für mich psychische Gesetze. Und letztere sind die interressanteren für mich (denn es ist mir relativ schnuppe ob es mal einen Urknall gab oder nicht), und interressant für deine Frage nach der Änderung der Lebensführung, deshalb habe ich so einen psychischen Teil bei der Adam&Eva-Interpretation versucht zu beschreiben.
Der Grund, warum ich in Gott auch psychische Gesetze (=Ebenbild) sehe ist, weil Gott in mehreren Religionen vermenschlicht wird. U.a in der Bibel.
Und auf Bali zB. haben Götter nicht nur menschliche Eigenschaften, sondern müssen sogar essen und trinken. Menschenähnliche Götter finden wir auch beim griechischen Polytheismus.
Übrigens paßt es in diesem Zusammenhang zu erwähnen, daß Gott und Teufel für mich das Selbe sind (bzw. verschiedene Symbole der Naturgesetze oder psychologischen Gesetzmäßigkeiten). Später mehr.
Zitat von Fränze Die Menschen sind das Ebenbild von Naturgesetzen ^^?
Einerseits ist/sind Gott die Naturgesetze (ähnlich dem Tao). Andererseits, wenn man eine Gesetzmäßigkeit beschreibt, bekommt man ein
Bild von eben dieser (vergleichbar mit einem Atom-Modell). Abgesehen davon, daß ein Bild nicht 100% genau das Gesetz aufzeigen kann, sondern nur eine Teilwahrheit ist. (Das Tao über das man spricht, ist nicht das eigentliche Tao.)
Es geht um das Ebenbild im biblischen Sinn. Da ist von mir Gott als Bild von dem Gesetz gemeint. Gott ist ein Symbol bzw. eine Gottes-Geschichte ist eine Metapher. In unserem Fall also:
Ein Bild zur Beschreibung der Gesetze im Menschen. Somit ist Gott ein Abbild der Natur des Menschen. Abbild = meine Interpretation für Ebenbild.
Vielleicht etwas crazy, aber
mir gefällts, und ich kenne die Übersetzungsfehler nicht, wer weiß, wie es ursprünglich gemeint sein sollte.
(Eine Fabel ist ein besseres Bsp für ein Spiegelbild menschlicher Verhaltens"gesetze".)
Zitat von Fränze Im Sinne der Bibel hat es aber sehr wohl geschadet, denn es folgte die Vertreibung aus dem Paradies. Aber warum durften sie nicht vom Baum der Erkenntnis essen?
Deine Interpretation der Adam&Eva-Straf-Story ist gut und könnte von den Bibel-Story-
Auswählern so interpretiert und deshalb in die Bibel aufgenommen worden sein. Die Schreiber der Geschichten sind aber andere, als diejenigen die später die gefundenen Schriften zur Bibel zusammenfaßten! Das ist gerade das Verwirrende, die Bibel ist eine
Sammlung von historischen Überlieferungen und phantasievollen Dichtungen zwischen 100% erfunden und 100% wahr, von verschiedenen Autoren, aus verschiedenen Zeiten, und beinhalten verschiedene Götter(!) zB. Elohim und Jahwe.
Meine Interpretation der Adam&Eva-Straf-Story ist psychologischer (nicht religiös-pädagogischer) Art:
Zitat von Fränze Im Sinne der Bibel hat es aber sehr wohl geschadet, denn es folgte die Vertreibung aus dem Paradies. Aber warum durften sie nicht vom Baum der Erkenntnis essen?
Es hat nicht "geschadet" (im Sinne von Schaden). Paradies = tierisches Dasein: stumpfsinniges Fressen, Ficken, Schlafen. Der Mensch wird aber damit nicht glücklich. Er will aktiv etwas tun, mitwirken, teilhaben, Feedback bekommen. Dabei stößt er an Grenzen bzw. muß diese hin und wieder übertreten. Das Nicht-Vom-Baum-Essen-Dürfen ist kein Verbot vom bösen Gott, sondern eine Hürde / eine Lektion. Ein Weg zu Erkenntnis. Und der kann manchmal schmerzhaft sein. Das schwere Ackern auf dem Felde, oder wie Gott das in der Bibel sagte, und andere Schmerzen, sind das, was ich im vorherigen Post lapidar als Bauchschmerzen vom sauren Apfel beschrieb.
Mir ist aufgefallen, daß das Verbot eigentlich klein und unbedeutend war. Ich interpretiere das so:
Adam und Eva verhielten sich im Großen und Ganzen schon angepaßt und übertraten nur eine kleine pissige und unsinnig scheinende Grenze. Ich sehe dieses Früchte-Baum-Gesetz also nicht als Verbot, sondern als
kleine Grenze im Sinne von Hürde. Da bei dieser Übertretung niemand ernsthaft geschadet wird und deswegen auch leichtfertig überschritten werden kann. (Sie haben keine große Atombombe geschmissen oder ähnliche Katastrophe ausgelöst und das ganze Paradies in Gefahr gebracht.)
Das heißt also, selber (maßvoll) seine
eigenen Grenzen ausloten, heißt Gut und Böse für sich zu erkennen (was ein Tier nicht kann), das kann aber auch schmerzhaft sein. Deswegen mein vorheriges Palaver über die Schmerzen und das Kind-Verhalten.
Wir wurden also nicht aus irgendwas vertrieben und sitzen nun eine Strafe ab, sondern wir haben eine tatkräftige und neugierige Natur - mehr als jedes Tier - und müssen im Gegenzug Schmerzen in Kauf nehmen, wie ein Kind beim Laufenlernen sich eine Beule holen oder sich den Kopp aufhauen kann, oder die Finger an einer Flamme verbrennt. Sonst gibt es kein Erkennen. Also nix mit Paradiesvertreibung.
Übrigens ist auch die Schlange interressant, die die beiden Ureinwohner zum Naschen verführt hat. Irgendwo wurde die Schlange mit dem Teufel gleich gesetzt. Daraus ergibt sich die eine Interpretation, daß der Teufel schurkengleich die Menschen gegen Gottes Interressen aufstachelt.
In vielen Geschichten unterschiedlichster Glaubensrichtungen stehen Teufel aber oft als Gottes Mitarbeiter, nicht als Gegner. Sondern der Teufel als ein Gottesdiener der im Auftrag Gottes handelt, ja sogar als Lichtbringer (Luzifer) der den Menschen zu Erkenntnis und persönlichem Wachstum verhilft. Ach guck an, da haben wirs wieder. (Viele ehemalige Götter wurden von späteren Glaubensgegenern zu bösen Gottwidersachern erklärt.)
Das wäre dann auch meine Interpretation: Die Schlange im Auftrag Gottes, als Lehrer / Hinweisgeber / Prüfungsabnemer. Oder mal ohne symbolisches Geschwafel: Die Schlange verkörpert die psychischen Gesetzmäßigkeiten Neugier und Tatendrang.
Und jetzt noch eine andere Interpretation von der Paradiesvertreibung. Als Paradiesvogel lebt man glücklich und zufrieden im Himmel. Aber man wird bestraft: Man wird als Mensch auf die Erde geschickt, wo man ackern und Schmerzen erleiden muß.
Also eine Geschichte über Tod, Geburt und Dasein jedes einzelnen Menschen. Kommt der fernöstlichen Sicht etwas näher, wo man solange auf Erden wiedergeboren wird, bis man (wieder zurück?) ins himmlische Nirvana darf.
Vielleicht gefällt uns diese pessimistische Interpretation lieber?
