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Chancengleichheit?

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Holzklotz
Alt 05.11.2008, 20:09   #1
Standard Chancengleichheit?

Hallo,

ich muss mal was loswerden was mich ständig beschäftigt. Ich habe das Gymnasium verlassen und meinen Realschulabschluss gemacht, dann ein recht gutes Fachabi und nun stehe ich im Zivildienst.
Von Familienmitgliedern werde ich ständig gelobt das ich mich trotzdem gefangen habe, ich hatte in der Pubertät ne Zeit wo mir alles scheißegal war. Nach dem Zivildienst will ich ein Work&Travel Jahr machen und anschließend studieren, auch wenn ich noch nicht weiß was.
Ich halte mich für nicht unbedingt sehr intelligent, jedoch für aufgeweckt und aufgeklärt. Ich beobachte und analysiere vieles um mich herum. Und solangsam fehlt mir jegliche Motivation weiterzumachen, weil ich bisher nix geleistet habe. Ich hab mich durch die Schule geschlängelt ohne jemals wirklich dafür gelernt zu haben. Eigentlich habe ich nur gekifft und alles irgendwie geschehen lassen, und das seit mehreren Jahren. Worauf ich hinaus will, ist das Chancengleichheit in unserer Gesellschaft nicht existiert. Ich lese nur, weil meine Mum mich dazu "gezwungen" hat, und ich bin so ein Filmfreak weil mein Dad mir Filme empfohlen hat. Das ich mal Geld verdienen und mehr oder weniger Erfolgreich werden werde (Es sei denn Schicksalsschlag, Drogensucht, Krankheit) steht für mich genau so fest wie das ein armes Schwein dessen Eltern schon verdummte Idioten waren auch ein verdummter Idiot wird. Das ein Junge mit Heroinsüchtigen Eltern auf einmal das Lesen für sich entdeckt und sich in die Bibliothek flüchtet um dem schrecklichen Alltag zu entfliehen halte ich für Hollywoodscheiße, so etwas passiert im wirklichem Leben nicht, zumindest nich um mich herum. Nur ungewöhnliches Glück kann hier helfen.

Seht ihr das ähnlich? Gibt es für euch Chancengleichheit in dieser Welt, oder existiert diese nur auf dem Papier. Mir ist egal ob jeder in der Grundschule startet, meine Eltern haben mir den Arsch gerettet, sonst wär ich wie ein Kumpel von mir der Zeitgleich vom Gymnasium musste auf der Hautpschule gelandet, und hätte diese Hoffnungslose unwissenheit in mir vereint. All den "Versagern" hat doch nie jemand empfohlen mal etwas zu hinterfragen, hat nie jemand ein Buch in die Hand gedrückt oder sich für sie eingesetzt.

Is doch alles Scheiße, und alles schon vorbestimmt. Ichfinde es Schade das es so ist, einfach Schade. Grade weil ich so viel potenzial sehe, helle Kids, deren Eltern leider nicht mal Deutsch sprechen können, saufen, oder einfach nur verdummt sind, weil ihre Eltern es waren, und deren Eltern.
 
 
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Alt 05.11.2008, 20:16   #2
Standard

es hat halt ned jeder dieselben chancen, weil nicht jeder gleich ist und andere wiederum nehmen die chancen, die sich ihnen bieten würden, nicht wahr. es will halt nicht jeder denselben weg gehen und es gibt menschen, die sind "glücklich" damit in der scheiße zu hocken und jeden tag darüber jammern zu können. das ist einfacher als z.b. das risiko eines neue weges einzugehen, es ist einfacher, als sein leben selbst in die hand zu nehmen. und das kann absolut jeder, der volljährig und gesund ist.

dass ein sonderschüler nie gymnasiallehrer wird, ist klar... aber der sonderschüler wird auch ganz andere ziele haben, die sich für ihn persönlich dann nach erfolg anfühlen, ihn glücklich und zufrieden machen. nur weil dieser nun kein gymnasiallehrer werden kann (was zumindest zu meiner schulzeit ein relativ angesehener beruf war ), ist er nicht benachteiligt. er ist glücklich... alles andere ist unwichtig.

blos nicht von dir auf andere schließen.

dann und wann finde ich es aber auch ziemlich schade, wenn eltern selbst noch kleinkinder sind und mit ihren kindern überhaupt nicht umgehen können. trotzdem sind die kinder irgendwann erwachsen und fähig ihren eigenen weg zu gehen. es muss ja ned jeder das ding der eltern weiterdrehen.

finde ich!

Geändert von mizue (05.11.2008 um 20:31 Uhr).
 
 
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Alt 05.11.2008, 20:40   #3
Standard

Du hast schon teilweise Recht, aber ich will nicht sagen, dass man direkt dumm ist, wenn die Eltern dumm sind.
Viele übernehmen das zwar, aber meistens wissen sie ab einem gewissen Alter, dass es kacke ist, was sie da gerade machen (nehmen wir mal einen Hauptschüler, der schon öfter sitzen geblieben ist, mit 12 angefangen hat zu Rauchen usw.....). Da kommt es auf das Selbstwertgefühl an. Man muss auch bereit dafür sein sich vom Dreck des Lebens abzuwenden.
Aber ich stimme dir da schon zu, dass die Eltern da zB. eine sehr große Rolle spielen. Es sind die ersten Menschen in deinem Leben, die du kennenlernst und diese prägen dich.
Dass man also kein gesundes Selbstbewusstsein und so hat, ist oft auch den Eltern zuzuschreiben.

Aber was soll man machen?
 
 
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distressed
Alt 05.11.2008, 21:04   #4
Standard

Das ist mir auch schon aufgefallen.

Wenn ich mich mit anderen Leuten in der Uni unterhalte, erfährt man immer wieder, was deren Eltern machen. Die meisten haben dann studiert oder einen recht "hohen" Beruf. Ich dagegen bin die erste in meiner Familie, die überhaupt Abitur hat - da zieht dann wieder die Strenge meiner Mutter, die mich zum lernen angehalten hat.
Ich habe bisher nur diese Richtung entdeckt - die andere, dass Kinder studierter Eltern nur Hauptschulabschluss machen, ist mir noch nie vorgekommen.

Machen kann man dagegen eigentlich nicht viel mehr, als jetzt schon... das Schulsystem ausbauen und so.
 
 
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Alt 08.11.2008, 19:42   #5
Standard

Es gibt gerade in Deutschland sehr viele Aspekte, die eine Chancengleichheit nahezu unmöglich machen. Es ist nämlich leider so, dass der soziale Aspekt, obwohl es die meisten leugnen würden, sehr ausschlaggebend für den Erfolg eines Menschen ist. Kinder kultivierter, reicherer Eltern kriegen in der Schule mehr Aufmerksamkeit und so bessere Noten. Genauso ist es mit Ausländern. Wieder würde es jeder leugnen, aber Ausländer werden immer benachteiligt und vor Allem anders behandelt. Die deutschen unter uns würden jetzt sagen, dass das nicht stimmt, aber ich als ''Russlanddeutscher'' habe das schon viel zu oft selbst erlebt, obwohl ich mich in meinem Verhalten nicht von meinen Mitschülern/ deutschen Altersgenossen unterscheide. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber solche Ungerechtigkeiten kommen zu oft vor!
Unterm Strich wird Erfolg maßgeblich von der Herkunft und dem Einkommen der Eltern beeinflusst. Mit Herkunft ist nicht unbedingt ein anderes Land, sondern z.B. auch ein ärmeres Viertel in einer Stadt gemeint.
Eine Zeit in der es Chancengleichheit geben, wird es wahrscheinlich niemals geben, dennoch dürfen wir niemals aufhören danach zu Streben Chancengleichheit zu erreichen, so kann es nur besser werden. Denkt drüber nach

mfg
 
 
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Alt 08.11.2008, 22:17   #6
Standard

Zitat von distressed Beitrag anzeigen
Das ist mir auch schon aufgefallen.

Wenn ich mich mit anderen Leuten in der Uni unterhalte, erfährt man immer wieder, was deren Eltern machen. Die meisten haben dann studiert oder einen recht "hohen" Beruf. Ich dagegen bin die erste in meiner Familie, die überhaupt Abitur hat - da zieht dann wieder die Strenge meiner Mutter, die mich zum lernen angehalten hat.
Ich habe bisher nur diese Richtung entdeckt - die andere, dass Kinder studierter Eltern nur Hauptschulabschluss machen, ist mir noch nie vorgekommen.
Wie viele Hauptschüler hast du denn gefragt, was ihre Eltern machen? Aber dass dieser Weg der unwahrscheinlichere ist, lässt sich wohl folgendermaßen erklären: Akademiker haben ein höheres frei verfügbares Einkommen und leichteren Zugang zu Bildung. Dementsprechend fällt es leichter für den Sohnemann (warum heißt es eigentlich nicht Tocherfrau?) Nachhilfeunterricht oder andere Hilfen einzukaufen...



Hmm... Pisa, Iglu & Co. zeigen ja, dass es im deutschen Bildungssystem in Bezug auf die Chancengleicheit hakt.
Trotzdem glaube ich schon, dass jeder Mensch etwas aus seinem Leben machen kann, dass wirklich jeder erfolgreich sein kann. Natürlich kann nicht jeder studieren, nicht jeder Arzt, Astronaut oder DAX30-Vorstand werden. Warum auch? Was sollte Deutschland mit 80.000.000 Astronauten?

Die Frage ist also, wie ich Erfolg definiere. Will ich wirklich den Fokus auf wirtschaftlichen oder beruflichen Erfolg legen? Ist nicht jemand der ein Musikinstrument virtuos beherschht auch erfolgreich? Bin ich nicht erfolgreich wenn ich als Hausfrau und Mutter dafür sorge trage das meine Kinder ein glückliches, erfülltes Leben führen können, in welchem sie sich selbst verwicklichen können? Ist es kein Erfolg wenn ich durch mein ehrenamtliches Engagement dazu beitrage die Umwelt zu schützen, die Menschenrechte zu verteidigen oder die Welt friedlicher zu gestalten?
 
 
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Alt 09.11.2008, 13:51   #7
Standard

@IceBaer
Die Frage ist eben NICHT wie jemand Erfolg definiert. Natürlich gibt es Leute, die als Musiker oder Hausfrau glücklich sind. Das Problem ist doch wenn jemand etwas erreichen will/ glücklich sein will und es aufgrund von, wie du auch erwähnt hast, mangelndem Einkommen der Eltern nicht erreichen kann. Stell dir vor dein absoluter Traum ist es Arzt zu werden, du hast die nötigen Vorraussetzungen und es ist für dich trotzdem unmöglich es zu werden, weil irgendeine Sache, die mit deinem Traum garnichts zu Tun hat dir einfach im Weg steht. Denkt drüber nach

mfg
 
 
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Alt 09.11.2008, 20:24   #8
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Natürlich geht es um die Definition von Erfolg. Ich habe in dem Post nicht gefragt ob die Leute glücklich sind, ich habe -bewußt- gefragt ob sie erfolgreich sind.

Außerdem ist es doch so, dass das Einkommen meiner Eltern keine Rolle dabei spielt, ob ich Arzt werde oder nicht. Wer hat behauptet, dass es nur die Eltern sind, die ein Studium finanzieren können? Was ist mit Stipendienprogrammen, Studienkrediten, Nebenjobs,...? Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Studium elternunabhängig zu gestalten...

Wenn ich wirklich einen Traum habe, dann kann ich es das auch schaffen. Wenn ich davon träume Arzt zu sein, dann strenge ich mich an, dass ich gute Noten bekomme. Rutsche ich trotzdem durch den NC, dann erfülle ich die Wartezeit. Wenn meine Eltern mich nicht unterstützen, dann nutze ich andere Finanzierungsquellen,...

Wenn ich wirklich einen Traum habe, dann lasse ich mich durch nichts aufhalten und löse die Probleme die sich auf dem Weg zu seiner Erfüllung ergeben...
 
 
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Holzklotz
Alt 10.11.2008, 16:52   #9
Standard

Zitat von IceBaer Beitrag anzeigen
Natürlich geht es um die Definition von Erfolg. Ich habe in dem Post nicht gefragt ob die Leute glücklich sind, ich habe -bewußt- gefragt ob sie erfolgreich sind.

Außerdem ist es doch so, dass das Einkommen meiner Eltern keine Rolle dabei spielt, ob ich Arzt werde oder nicht. Wer hat behauptet, dass es nur die Eltern sind, die ein Studium finanzieren können? Was ist mit Stipendienprogrammen, Studienkrediten, Nebenjobs,...? Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Studium elternunabhängig zu gestalten...

Wenn ich wirklich einen Traum habe, dann kann ich es das auch schaffen. Wenn ich davon träume Arzt zu sein, dann strenge ich mich an, dass ich gute Noten bekomme. Rutsche ich trotzdem durch den NC, dann erfülle ich die Wartezeit. Wenn meine Eltern mich nicht unterstützen, dann nutze ich andere Finanzierungsquellen,...

Wenn ich wirklich einen Traum habe, dann lasse ich mich durch nichts aufhalten und löse die Probleme die sich auf dem Weg zu seiner Erfüllung ergeben...
Es ist genau diese Kurzsichtigkeit die ich nie begreifen werde. Sind deine Eltern eher ungebildet, also meine sinds nicht und deshalb bin ich es auch nicht. Es geht hier sowieso nicht um Reichtum, Stipendien oder Finanzierung, sondern schlichtweg um Intellekt und Bildung.
Ich glaube kaum das jemand der niemals Bildung von seinen Eltern mitbekommen hat, den Wunsch äußern wird Schriftsteller zu werden. Wie denn auch wnen er nie ein Buch gelesen hat, für ihn wird die Existenssicherung das Ziel sein, und er wird leider sehr viel verpassen. Es geht hier nicht um Geld, auf dem Papier kann hier jeder nach der Grundschule aufs Gymnasium, n 1er Abi machen und Jura studieren.
 
 
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Alt 10.11.2008, 21:43   #10
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Natürlichg sind meine Eltern nicht ungebildet. Wer würde das auch schon von seinen Eltern behaupten? Tatsache ist, dass mein Vater kaufmännischer Angestellter, meine Mutter Hausfrau war. Ich bin das erste Kind meiner Familie, welches an einer Uni studiert hat.

Und um jetzt auf den Schriftsteller-Sohn zu sprechen zu kommen: Wahrscheinlich hast du recht, dieser Sohn wird nicht den Wunsch äußern Schriftsteller zu werden. Um in den üblichen Stereotypen zu bleiben: Er wird sich irgendeine Karre kaufen und solange dran rumschrauben, bis er auch das letzte versteckte PS gefunden hat. Warum auch nicht? Auch das ist Erfolg...
 
 
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Alt 10.11.2008, 22:28   #11
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Meiner Meinung nach verstricken wir uns an dieser Stelle zu sehr in Beispielen und Definitionen. Außerdem müssen wir uns von dem ''Kindern studierter und unstudierter Eltern''-Thema entfernen.
Um nocheinmal auf die Sache mit dem '''Ärztetraum'' zurückzukommen:
IceBaer hat Recht, denn wenn man einen Traun hat lässt man sich nicht davon abbringen. Also in diesem Fall Chancengleichheit. Um mich jetzt tatsächlich von allen Beispielen zu lösen:
Gibt es nur DIE Chance, für die sich ein jedes Individuum anders anstrengt, oder gibt es die CHANCEN im Leben, die je nach dem, ob ein Individuum besser gestellt ist, dazu führen ob das Individuum DIE chance hat? Denkt drüber nach

mfg
 
 
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Alt 10.11.2008, 22:50   #12
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Ich würde behaupten jeder hat mehrere Chancen, die er nach indiviudellen Wünschen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnissen, Erfahrungen,... nach ihrem "Traumfaktor" ("Das wäre ein Traum wenn das in Erfüllung gehen würde") gewichtet. Die Stellung des Individuuums in der Gesellschaft hat Einfluss darauf, wie geichtet wird, aber nicht, ob die Chancen genutzt werden können oder nicht.
 
 
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Alt 11.11.2008, 13:01   #13
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@IceBaer
Ist es denn so schwer zu verstehen? Oder reden wir einfach nur an einander vorbei? Was ich dir versuche klarzumachen ist: Ein Kind das soziale Vorteile genießt (z.B. Herkunft, Einkommen der Eltern) hat es im Leben deutlich einfacher erfolgreich zu sein, weil deutlich weniger Aspekte für dieses Kind existieren, die ihm etwas erschweren. Und genau das sollte es nicht geben und genau das ist die Art wie ich Chancengleichheit in diesem Zusammenhang ''meine''. Von mir aus könnte man es auch ''Erschwernisfaktor'' oder ''Leichtigkeitgleichheit'' nennen. Oder willst du mir tatsächlich weißmachen, das so etwas wie Geld hier keine Rolle spielt? Ich sage nämlich das es das immer tut.
Denkt drüber nach

mfg
 
 
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Stelo
Alt 11.11.2008, 18:38   #14
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Ich mische mich jetzt mal nicht in die laufende Diskussion ein sonder gebe einfach mal so meinen Senf dazu.

Ich kann dir da im Prinzip einfach nur zustimmen. Ich merke das selbst bei mir, zumindestens so ähnlich. Meine Eltern waren beide nie die Hellsten in der Schule, lesen weder großartig Bücher noch würden sie erwarten, dass ich studiere. Sie selbst sind im Moment arbeitslos, bzw. eigtl. schon länger und dementsprechend auch sehr unmotiviert.
Trotzdem war ich schon immer eine 1er Schülerin - ich frag mich, woher das eigtl. kommt. Auf jeden Fall wurde ich auf jeden Fall mehr durch Freunde und Lehrer gefördert und mache mich somit wohl auch ganz gut - denke ich.

Doch bei mir kommt dann da Problem mit dem Studium. Das kostet nun mal alles Geld, und da meine Eltern arbeitslos sind, können sie mir später nicht wirklich unter die Arme greifen. Und das schlimmste - weder meine Eltern noch ich, dürfen Geld zurück legen und es fürs Studium aufheben (zumindestens nicht offiziell) da wir im Monat einen bestimmten Betrag nicht überschreiten dürfen. D.h. ich kann nicht mal arbeiten gehen und das Geld für später sparen, da alles was über 100€ geht, an die ARGE gezahlt werden muss.
Somit wird meine Zukunft ja im Prinzip schon festgeschrieben. Das ich auch nur einen zweitklassischen Beruf erlerne und später Arbeitslos werde.

Aber ich setze alles daran um mein Studium finanzieren zu können!
 
 
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Alt 11.11.2008, 20:15   #15
Standard

Ein Beispiel das zeigt, dass Geld eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
 
 
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Sidolin
Alt 11.11.2008, 21:22   #16
Standard

Wirkliche Chancengleichheit wird es niemals geben, das ist einfach nicht realisierbar. Trotzdem sollte eben möglichst weit gefördert werden, nur weil es schlimmer sein könnte ist das System immer noch lange nicht gut.
Es geht auch weniger um die Finanzierungsmöglichkeiten (die sicher auch verbesserbar wären) als um das soziale Umfeld und die Förderung durch die Eltern. Durch die ganzen Bildungsstudien wurde doch oft genug gezeigt wie extrem die Bildung der Kinder von der der Eltern abhängig ist. Klar, Erfolg ist nicht nur am Bildungsgrad festzustellen, aber doch in einem großen Maß davon abhängig. Die Schule ist nicht nur dazu da, um auf den Beruf vorzubereiten sondern soll eben auch bilden und erziehen.
Durch die Eltern kommt auch viel Motivation sich da durchzubeißen, die viele Kinder die am Ende der 4. Klasse vor der Entscheidung der Schulform stehen selber einfach noch nicht haben. Und wenn dann keine Hilfe von Außen kommt kanns sein dass jemand einfach auf die falsche Schulform geschickt wird. Natürlich kann da auch das eintreten was IceBear vermutlich meint, dass jemand der als Automechaniker sein Lebensglück gefunden hätte aufs Gymnasium geschickt wird weil ihn seine Eltern dazu zwingen. Das ist aber meiner Meinung nach viel seltener als das Gegenteil. Aber wenn jemand nie mit Literatur in Kontakt gekommen ist, wie soll er jemals dazu finden?

Natürlich kann nicht jeder studieren, nicht jeder Arzt, Astronaut oder DAX30-Vorstand werden. Warum auch? Was sollte Deutschland mit 80.000.000 Astronauten?
Ich wage mal zu behaupten dass es Deutschland besser gehen würde wenn jeder Abitur gemacht hätte. Es kann nicht jeder seinen absoluten Traumjob finden, aber wie schon gesagt, es geht bei der Schule nicht nur um den zukünftigen Job.
 
 
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Alt 11.11.2008, 22:57   #17
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Also ich versuche nochmal zu erklären was ich meine: Die Leute haben unterschiedliche Ausgangpositionen im Leben. Etwas wass einer Person als ultimativ erstrebenswert erscheint ist für eine andere Person vollkommen uninteressant. Die einen wollen gerne Medizin studieren und Arzt werden und die anderen wollen lieber ihre Finger schmutzig machen und als Mechaniker in den Eingeweiden des PKWs rumwühlen. Beide sind gleichermaßen erfolgreich. Es ist einfach nicht zielführend, aus dem Jahresgehalt eines Berufs den (beruflichen) Erfolg einer Person ableiten zu wollen.

Die jeweilige Lebenswirklichkeit des Individuums legt fest, welcher Vision der Einzelne folgen mag. Und dort sind die Chancen gleich.

Natürlich sind Kinder aus bildungsfernen Schichten in der Schule benachteiligt. Iglu und Pisa zeigen das eindrucksvoll. Und trotzdem: Wenn jemand seinen Traum erfüllen will, dann kann er das tun. Trotz aller Widerstände. Wenn ich studieren will, aber von meinen Eltern nicht gefördert werden kann, dann beantrage ich Bafög, nutze Bildungskredite, besorge mir einen Hiwijob, was auch immer. Wenn es mir wichtig ist zu studieren, dann überwinde ich die Probleme die sich mir in den Weg stellen.

Wir können jetzt natürlich darüber klagen, das Manni Millionärssohn es (vermeintlich?) einfacher hat als Hug Hartz4-Empfänger, aber das verstellt doch den Blick auf das Wesentliche: Jeder kann alles erreichen, wenn es ihm nur wichtig genug ist.

Zitat von Stelo Beitrag anzeigen
Aber ich setze alles daran um mein Studium finanzieren zu können!
q.e.d. Wenn es mir wichtig ist zu studieren überwinde ich Hindernisse, die sich mir in den Weg stellen...

Zitat von Sidolin Beitrag anzeigen
Ich wage mal zu behaupten dass es Deutschland besser gehen würde wenn jeder Abitur gemacht hätte.
Das würde ich so nicht sagen. Es gibt zahlreiche Ausbildungsbetriebe, die Abiturienten gezielt nicht einstellen, sondern bevorzugt Realschüler einstellen. Die Begründung: Abiturienten neigen nach der Ausbildung dazu ein Studium aufzunehmen. Gerade in KMUs mit hoher Übernahmequote gehen dann teuer ausgebildete Fachkräfte verloren...

Geändert von Cobain (12.11.2008 um 23:19 Uhr).
 
 
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Sidolin
Alt 11.11.2008, 23:17   #18
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Dann haben wir etwas unterschiedliche Ansichten von dem was jeder grundsätzlich erreichen will. Ich bin davon ausgegangen dass es jeder in etwa als Ziel hat einen gewissen Einfluss zu haben (sei es irgendeine Macht, Geld oder auch gutes Tun für die Gesamtheit oder auch mal Kinder zu haben und die nach seinen Vorstellungen fördern) und damit seinem Leben einen Sinn zu geben. Um diese Ziele zu erreichen braucht man aber je nachdem mehr oder weniger Bildung, grundsätzlich ist es aber so dass man fast immer besser sein kann je mehr Bildung man hat. Es gibt da natürlich massenhaft andere Faktoren, aber über die geht es hier ja eher am Rande.

Bei der Förderung durch Schulen usw. fehlt wie gesagt auch weniger die finanzielle Förderung als die Motivation. Klar, wer sich ein Ziel gesetzt hat und genug dran Arbeitet hat hier auf jeden Fall eine Chance dieses auch zu erreichen wenn es realistisch ist. Aber die Motivation kommt eben nicht bei allein von selbst, und wenn man dann daheim sieht dass man auch mit Hartz 4 leben kann, in der Schule dauernd schlechte Noten bekommt und als Versager abgestempelt wird wird sich da auch nie ein Streben nach irgendeinem Ziel entwickeln. Und da ist für mich die fehlende Chancengleichheit, nicht bei den Schwierigkeiten der Finanzierung.
Wenn bei den Hausaufgaben die Eltern nicht weiterhelfen und von Anfang an gute Beispiele fehlen hat man es deutlich schwerer, völlig egal welches theoretische Potential ein Kind hätte. Es wird schon ein guter Teil der Zukunft verbaut bevor man überhaupt alt genug ist nachzudenken was man eigentlich mal will.
 
 
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Kajo
Alt 12.11.2008, 00:32   #19
Standard Chancengleichheit

Also meine Eltern waren keine Akademiker. Sie haben beide fast meine ganze Kindheit lang gearbeitet und ich war viel allein zuhause. Wenn wir nicht so eine liebe Nachbarin gehabt hätten, hätte sich tagsüber eigentlich niemand um mich gekümmert. Trotzdem haben meine Eltern mir natürlich vorgelebt, dass es selbstverständlich ist, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, und zwar auch mit Engagement. Trotzdem haben sie mir nicht allzu viel zugetraut und mich auf der Hauptschule gelassen. Das war zu meiner Zeit nicht so ein Dilemma, wie heute, da noch wesentlich mehr Kinder mit Potential auf der Hauptschule blieben, einfach, weil sie Arbeiterkinder waren. Trotzdem bin ich inzwischen Akademiker, und zwar weil ich die Möglichkeiten zur Chancengleichheit genutzt und mich abgerackert habe, neben meinem Beruf, den ích als Broterwerb immer ausüben musste, das Fachabi zu machen und zu studieren. Also irgendwas ist da schon dran, an der Chancengleichheit. Ok, wären meine Eltern reich gewesen und selbst Akademiker, hätten sie mich direkt zum Gymnasium geschickt und mein Weg wäre leichter gewesen. Aber wem habe ich es denn zu verdanken, dass ich die Möglichkeit hatte, alles auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen?

Gruß
Kajo
 
 
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Alt 12.11.2008, 19:17   #20
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Frage: Ist es wirklich Chancengleichheit, wenn jemand, in unserer heutigen ''modernen'' Gesellschaft, es schwerer hat etwas zu erreichen als der andere aufgrund von Finanzen und siozialem Stand UND allem, was daraus folgt?
 
 
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Stelo
Alt 12.11.2008, 21:24   #21
Standard

Zitat von IceBaer Beitrag anzeigen
Natürlich sind Kinder aus bildungsfernen Schichten in der Schule benachteiligt. Iglu und Pisa zeigen das eindrucksvoll. Und trotzdem: Wenn jemand seinen Traum erfüllen will, dann kann er das tun. Trotz aller Widerstände. Wenn ich studieren will, aber von meinen Eltern nicht gefördert werden kann, dann beantrage ich Bafög, nutze Bildungskredite, besorge mir einen Hiwijob, was auch immer. Wenn es mir wichtig ist zu studieren, dann überwinde ich die Probleme die sich mir in den Weg stellen.
Ja sicher, da gebe ich dir vollkommen Recht.

Es gibt auch einige Möglichkeiten trotzdem ein Studium absolvieren zu können, keine Frage.
Doch zum Beispiel hier in Sachsen ist es ein Kampf und auch ein bisschen Glückssache ein Stipendium zu geben. Damit will ich den Freistaat auch nicht angreifen - ich denke hier wird sehr viel für Studenten getan, doch leider scheint es immer noch nicht zu reichen.
BaFÖG hat eben immer so einen bitteren Nachgeschmack, da man dann ja gleich nach dem Studium mit einem Berg Schulden belastet ist.
Neben bei Arbeiten kann soweit ich informiert bin, bei einigen Studiengängen nahezu unmöglich werden.

Worauf ich hinaus will ist, dass jemand aus einer Akerdemiker-Familie quasi dazu gedrängt wird zu studieren, mit Geld beworfen wird, obwohl es vllt. noch nicht einmal 100% das ist, was er will.
Jemand, der nun mal arbeitslose Eltern hat und unbedingt studieren will, hat es dafür um so schwerer.
 
 
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Alt 12.11.2008, 23:49   #22
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In Bezug auf die Finanzierung mag das stimmen. Insgesamt glaube ich, sind die Probleme zwar unterschiedliche aber insgesamt bei allen ähnlich stark ausgeprägt...

Unser Akademikersohn soll z.B. in 3. Generation Arzt werden. Also erwartet der Herrr Papa dass er gefälligst nicht irgendwo sondern in Heidelberg studiert weil er und sein Vater da auch schon waren. Außerdem darf er natürlich nicht nur so gerade und eben bestehen sondern soll bitteschön auch summa cum laude abschließen...

Unser Hartz4-Sohn macht seine Eltern schon dadurch stolz, dass er überhaupt zur Uni gehen darf...

Wir können jetzt noch lange hin- und herdiskutieren ob wir diese Belastungen miteinander vergleichen könne,... Tatsache aber bleibt: Jeder hat sein Scherflein zu tragen. Jeder hat seine Probleme auf dem Weg zur Erfüllung des Traums die es zu überwinden gilt. Und zumindest subjektiv dürften diese Lasten ähnlich schwer wiegen...

Und nur als Nebenbemerkung zur Studienfinanzierung: Warum die Gesellschaft dafür zahlt, dass Akademiker, die sich hinterher tendentiell dumm und dämlich verdienen preiswert ausgebildet werden, während schulisch Ausgebildete teures Schulgeld bezahlen, dass entzieht sich meinem Verständnis...

Geändert von IceBaer (12.11.2008 um 23:51 Uhr). Grund: Edit: Um mehrere Zitate reinzueditieren sind Bären zu doof,... Gut, dass es da unsere tollen Mods gibt ;)
 
 
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Alt 13.11.2008, 16:41   #23
Standard

Zitat von IceBaer Beitrag anzeigen
Und nur als Nebenbemerkung zur Studienfinanzierung: Warum die Gesellschaft dafür zahlt, dass Akademiker, die sich hinterher tendentiell dumm und dämlich verdienen preiswert ausgebildet werden, während schulisch Ausgebildete teures Schulgeld bezahlen, dass entzieht sich meinem Verständnis...
Weil man nunmal, je mehr man verdient, umso mehr Steuern zahlen muss, was letztlich wieder dem Staat, beziehungsweise der Gesellschaft zugute kommt. Und ohne Existenzgründer und Firmenchefs gäbe es wohl auch einige Arbeitsplätze weniger...
 
 
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Holzklotz
Alt 13.11.2008, 17:12   #24
Standard

Alle die hier erzählen das es jeder schaffen kann stehen auf der Sonnenseite, ihr scheint es einfach nich mitzubekommen das die schönen Beispiele hier wenige unter tausenden sind.
Mal ganz abgesehen davon, denkt nach. Denkt einfach über euer Leben nach. Nicht nur darüber wie eure Eltern euch gefördert haben. Wenn man genau über sein Leben nachdenkt wird einem klar das es vorgepuzzlet is, so stelle ich das zumindest bei mir fest. Ich kann einfach nich verstehn wieso hier niemand einfach schreibt "Ja du hast recht, ich beobachte es auch und will es ändern" anstatt hier nur scheiß zu schreiben.
 
 
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Alt 13.11.2008, 18:04   #25
Standard

Ich brauche mich nur umzusehen, eine Menge türkischer Familien, in denen die Eltern kaum Deutsch sprechen. Die Kinder sprechen - obwohl sie in Deutschland geboren wurden - mäßig deutsch. Wer glaubt ernsthaft, dass ein intelligentes Kind es da alleine mit Willenskraft schaffen kann, zu studieren oder ähnliches. Natürlich mag es tolle Ausnahmefälle geben, aber die meisten, die in meiner Umgebung leben, werden es bestimmt schwerer haben, als ich es jemals hatte. Das betrifft nicht nur Ausländer, das betrifft bestimmt eine Menge "sozial schwacher" Familien.

Wo soll man da gleiche Chancen sehen? Wie soll jemand seine Begeisterung fürs Lesen entdecken, wenn zuhause keiner vorliest geschweigedenn ein Bücherregal vorhanden ist.?
Wer kommt auf die Idee etwas erreichen, etwas schaffen zu wollen, wenn keiner da ist, der gesunden Ehrgeiz fördert?

Natürlich kann man nicht alle Menschen gleich machen, aber man sollte wenigstens versuchen, allen Menschen dieselbe Ausgangsposition (nur in gewissem Maße möglich) zu verschaffen. Und dazu gehört in meinen Augen vor allem ein bestimmtes Bildungsniveau oder besser ein grundlegendes Interesse an der Welt, der Gesellschaft und seinen Mitmenschen.
 
 
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