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Buridans Esel

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ShoAn
Alt 11.09.2005, 18:50   #1
Standard Buridans Esel

Hi,

mir war mal wieder so richtig langweilig. Ich hab mich durchs WorldWideWeb geklickt und bin auf ne ziehmlich interessante Seite [1] gestoßen. Da wurde der Begriff "Buridans Esel" erklärt. Es geht darum, dass man einem Esel zwei genau gleich große Heuhaufen hinstellt, die absolut identisch sind. Und auch der Abstand zwischen Esel und dern beiden Heuhaufen sind gleich. Der Esel kann sich nicht entscheiden, welchen er fressen soll und verhungert. Der arme.
Ob man sowas auf Menschen übtragen kann? Was denkt ihr darüber?

[1] http://www.textlog.de/1016.html
 
 
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Raubtier
Alt 11.09.2005, 21:07   #2
Standard

und Aristoteles (de caelo II, 13 p. 295b 32) weist schon wie auf ein bekanntes Beispiel und Bild auf den »heftig Hungernden und Dürstenden hin, der gleich weit von Speise und Trank entfernt ist und der in Ruhe verharren muß«.
Ähm,eine Frage...
Also verhungert der Mensch,weil er sich nicht entscheiden kann welches Gefühl (hunger o. durst) schlimmer ist,
also weil er nicht weiss was er zuerst stillen soll?

Edit:
Ich versteh das nich ganz,weil ich das nicht nachvollziehen kann.
^^"
 
 
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Sivar
Alt 12.09.2005, 03:00   #3
Standard

Für mich kann so etwas nur jemand behaupten, der ziemlich geistesgestört ist. Ich betrachte die ganze Philosophie in dieser Buridan-Richtung als verzweifelte Versuche frustrierter Menschen, sich dafür zu rechtfertigen, dass sie nicht in der Lage sind, ihrem eigenen Leben einen Sinn zu entnehmen.

Wer sich schon den Überlebensdrang (der ja nun wirklich zu den wichtigsten Antrieben gehört) abschreibt für einen Fall, in dem er sich nicht entscheiden können soll, der tickt nicht mehr ganz richtig . Und auf Hunger und Durst trifft das alles noch viel weniger zu, weil der Durst spätestens nach einigen Tagen größer ist als der Hunger.

Bleibt zu hoffen, dass die Situation mit dem Essen nur Symbolgehalt hat und auf Entscheidungen für Lebenswege bezogen ist. Dann wäre der Urheber dieser These nicht ganz so bescheuert. Denn auch für Lebenswege gilt meiner Ansicht nach: Der Mensch hat von Grund auf das Bedürfnis, sein Leben in bestimmter Weise zu gestalten und kann garnicht in eine Situation kommen, bei der er auf ewig stagniert. Dass sich viele Leute trotzdem so entscheidungsunfähig FÜHLEN, hängt damit zusammen, dass sie kein Vertrauen in sich und ihre Entwicklung haben und Veränderungen an sich und ihrem Leben vor lauter depressivem Tunnelblick garnicht mehr zur Kenntnis nehmen (können).
 
 
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ShoAn
Alt 12.09.2005, 19:15   #4
Standard

Hm, jetzt sagt gleich bestimmt einer "Ahh, scheiß Trecki" aber ..
Es gab mal eine Voyager-Folge, in der sich der Doc zwischen zwei Patienten entscheiden musste. Beide hatten die selben Verletzungen und könnten gerettet werden, aber leider nicht gleichzeitig, denn die Operation war sehr zeitaufwändig. Er hat sich schließlich für den Patienten entschieden, den er persönlich besser kannte (was ich moralisch gesehn für fragwürdig halte).
Hätte er sich nicht schnell entscheiden können, wären sogar beide gestorben.

Ok, er konnte sich entscheiden. Was wäre aber gewesen, wenn er beide nicht gekannt hätte? Welchen Patienten hätte er wohl das Leben und welchen den Tod "geschenkt"? Soll er ne Münze werfen?
 
 
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Sivar
Alt 12.09.2005, 19:23   #5
Standard

Wenn ich mich richtig erinnere, konnte sich der Doktor erst nicht entscheiden, hat dann einen gerettet, und aufgrund irgendeines Moral- und Ethik-Algorithmus, welcher ihm eigentlich verboten hat, einen von beiden zu bevorzugen, eine Fehlfunktion bekommen. Sein Programm hätte sich dann glaube ích selbst zerstört oder so.

Hervorragendes Beispiel dafür, dass mit keiner Technik der Welt die Seele zu ersetzen ist .
 
 
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raffis
Alt 12.09.2005, 19:55   #6
Standard

"Bleibt zu hoffen, dass die Situation mit dem Essen nur Symbolgehalt hat und auf Entscheidungen für Lebenswege bezogen ist."

Ich denke es ist wohl offensichtlich, dass Aristoteles' Beispiel rein symbolischen Gehalts ist.

Was wäre Philosophie ohne Symbolik?

Gruss Raffis
 
 
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Sivar
Alt 16.09.2005, 17:28   #7
Standard

Was ist denn los mit euch? Jetzt ist mal endlich wieder eine wirklich philosophische Diskussion aktuell, und keiner hat ne Meinung?

Oder interessiert ihr euch heutzutage fast nur noch für Ritzen, Bibelcode, Christen und Geister?

Ich denke es ist wohl offensichtlich, dass Aristoteles' Beispiel rein symbolischen Gehalts ist.
Da bin ich mir nicht so sicher bei vielen alten Philosophen, da sie oft sehr streng in ihrer Auslegung waren, muss aber zugeben, dass ich mich nicht besonders mit Aristoteles beschäftigt habe.
 
 
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Morris
Alt 17.09.2005, 00:12   #8
Standard

Hm, hab ich jetzt ganz vergessen, diesen verrückten Esel, klingt mir auch etwas weltfremd, nach Gedankenspielerei, aber ok.

Kurz: Ich mag diesen Esel nicht besonders .

Ich versteh das nicht, was soll das *g*? Wieso soll der Mensch oder der Esel denn so sein? In einer wichtigen, entscheidenden Situation denk ich schon, dass man sich für eins der beiden entscheidet. Und wieso sollte der Esel dies nicht tun?
 
 
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Bi-Zar
Alt 17.09.2005, 13:23   #9
Standard

Diese Sache ist natürlich nur ein Gedankenexperiment, irgendwo wird es dabei immer nen Haken geben.

Dieses Beispiel soll uns darüber nachdenken lassen ob es die Willensfreiheit gibt.

Zu der Zeit als es entstand herrschte die Meinung vor, die Welt sei deterministisch.
Dies bedeutet, dass alles was passiert genau eine Ursache hat. Alles was in der Welt passiert gleicht einer Dominoschlange. Kein Stein kann sich dagegen wehren dass er umfällt. Mit dem ersten umfallenden Stein ist bereits das Schicksal aller anderen Steine bestimmt.

Und wenn wir davon ausgehen, dass der Mensch(oder hier der Esel) keine übernatürliche Seele besitzt, also ein vollständig naturwissenschaftlich beschreibbares Objekt ist, dann kann auch er keinen freien Willen haben, sondern tut nur das was er tun muss, so wie es ihm die äußeren Umstände vorgeben.

Und in diesem Fall hat er für beide Optionen exakt die gleichen Bedingungen. Es gibt keinen "Grung" warum er eine Möglichkeit bevorzugen sollte. Und deswegen handelt er auch nicht.
 
 
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