Zitat von Fränze @Ripper: Das hört sich nach enorm viel Arbeit an - führt ein Abarbeiten und Abhaken verschiedener Ecken und Kanten zu einem Glücksgefühl, zu Glück?
Deine Frage wuerde ich auf jeden Fall so bestaetigen.
Ich wuerde sagen bewusst oder unbewusst ist es das Ziel so ziemlich aller Menschen ein moeglichst konstantes Gluecksgefuehl zu erleben.
Ich wuerde definitiv sagen, dass der beste Weg, der konstante und regelmaessige Gluecksgefuehle erzeugt die dazu fuehren, dass die eigene Zurfiedenheit im Leben konstant steigt und hoch bleibt, die stetige Verbesserung an sich selbst und der eigenen Umgebung
sein kann. Es ist aber nicht unbedingt der einfachste Weg, dazu gleich mehr...
(Durch den Konsum von Drogen kann man zwar auch konstant Gluecksgefuehle erzeugen, aber die Zufriedenheit im Leben steigt dadurch meist nicht sondern sinkt oft sogar, weil man in Apathie versinkt. Wenn man nurnoch von einem Hoch zum naechsten lebt, dann ist das ganze "Zwischendrin" nicht mehr wirklich zufriedenstellend und nur Schlangestehen vor der Achterbahn.)
In Australien habe ich auch ein wenig die Surferkultur kennengelernt, die mir vor Augen gefuehrt hat, dass es auch eine "chillige" Alternative zu meinem Wachstumswahn gibt. Ich rede nicht von Freizeitsurfern, sondern Menschen die Surfen als Lebensstil und Religion betreiben... und ich muss sagen diese Leute uebertreffen an Zufriedenheit im Leben alles was ich davor gesehen habe. Trotzdem entscheide ich mich fuer die Wachstumsalternative - ein Leben bei dem nichts wirklich so wichtig ist, ist in meinen Augen ein stagniertes Leben.
Die Menschheit waere heute nicht wo sie steht, wenn alle dieses Mindset verinnerlicht haetten. (Und ich bin keiner von denen, die die Menschheit nur einen kleinen Schritt vor dem Abgrund sehen).
Man kann hier sehr gut den Unterschied zwischen Zivilisationswachstum und Stammesleben breitwalzen.
Es gibt diverese Staemme auf dieser Welt, die sich seit Jahrtausenden kaum veraendert bzw. weiterentwickelt haben. Sie leben noch heute wie ihre Vorfahren im Urwald oder auch hier im australischen Outback.
Diese Menschen scheinen sehr zufrieden mit ihrem Leben zu sein.
Vermutlich weil sie ihre Beduerfnisse niedrig stecken und sie dadurch regelmaessig und mit Leichtigkeit erfuellen. Ich denke die Surferkultur hat also in Wahrheit nur einen Schritt "zurueck" in dieses Stammesverhalten gemacht.
Ich weiss nicht wirklich, ob die Surfer "vollkommen" zufrieden und Sorgenfrei leben - ich kann schlecht in ihren Kopf sehen, aber es hat den Anschein, dass sie nicht weit davon entfernt sind. Ein bisschen "Sorgen" muessen auch sie sich letztendlich machen, wenn es darum geht wo sie morgen frueh ihr Essen herkriegen.

Trotzdem kein Vergleich zu der stress- und hektikgeplagten Gesellschaft in der wir leben.
Ob man vollkommene Zufriedenheit mit "meiner Herangehensweise" an die Dinge erreichen kann ist eine Frage, die ich mir noch nicht wirklich beantworten konnte. Letztendlich laeuft es nur darauf hinaus meine Beduerfnisse zu erfuellen - viele Menschen in der westlichen Gesellschaft schaffen das aber nie, weil viele Dinge ausserhalb ihrer Reichweite zu liegen scheinen. Die meisten werden es daher nichtmal versuchen und sich einfach darauf beschraenken Menschen zu beneiden, die es geschafft haben.
Man wird heute durch Magazine und Fernsehen auf Frauen, Schmuck und Autos geil gemacht, die ausserhalb der eigenen Moeglichkeiten zu liegen scheinen - wodurch die Beduerfnisse bewusst oder unbewusst automatisch sehr hoch gesteckt werden. Jedoch gibt es keine Betriebsanleitung, wie das "allgemeine Volk" diese Beduerfnisse befriedigen kann. Daraus resultiert letztendlich wohl diese Unzufriedenheitsmentalitaet, die wir alle erleben.
Mir ist bewusst, dass meine Wachstumsphilosophie letztendlich unaufhoerliche Arbeit bedeutet, denn kein Ziel wird jemals hoch genug gesteckt sein und wenn ich es irgendwann erreiche, dann stecke ich die Messlatte erneut hoeher. Aber das muss ja nicht unaufhoerlichen Stress bedeuten, sondern kann immer wieder aufs neue Spass machen.
Stress ist in Wahrheit nur das Gefuehl machtlos zu sein und Einfluessen zu unterliegen, die ausserhalb der eigenen Kontrolle liegen. Jedoch halte ich mich selbst fuer mein Wachstum verantwortlich und daher habe ich grosse Kontrolle darueber, die Stress letztendlich ueberfluessig macht.
Ich habe mich also fuer einen Lebensstil entschieden. Beide Wege (zumindest kenne ich nur diese beiden, wer mehr zu erkennen glaubt der soll doch bitte bescheid geben) sind potentiell sehr Glueckstraechtig und ich werde mich davor hueten einen als den besseren darzustellen. Dennoch denke ich es ist wichtig seine Entscheidung bewusst zu treffen und seine Handlungen danach auszurichten.
Ebenso muessen beide Richtungen auch nicht zwangsweise vollkommen unvereinbar sein. Ich kann schliesslich Montag bis Freitag arbeiten und am Samstag und Sonntag mit meinem Surfbrett ans Meer fahren und die Welt vergessen.
