""Die Personifikation, Bewertung von *Gott* ist illusionär, da wir
nicht ermitteln können was *Gott* ist."
Das stimmt nur halbwegs. Dass Gott in seiner essenziellen Form nicht
definierbar ist, wird von keiner Religion bestritten. Die Frage des
WAS ist von diesem Standpunkt aus gesehen nicht beantwortbar, wie du
schon selbst gesagt hast.
Auf der anderen Seite kann Gott durch die Manifestationen, die aus
ihm hervor gehen, erfasst werden. Natürlich ist eine Manifestation
eine Manifestation, und damit nicht die essenzielle Form dieser
Kraft, aber eine Manifestation ist nun mal, wie es die Definition
verrät, eine Erschaffung aus dem Unerschaffenen Einen, das ohne
Definition bleibt.
Wieso manifestiert Gott sich selbst als Materie, der daraus
resultierenden Wissenschaft, Religionen, etc.?
Um sich selbst zu erkennen.
Wenn wir uns also selbst erkennen, erkennt Gott durch uns sich
selbst. Wir erkennen unsere göttliche Natur, und diese Natur erkennt
sich selbst als diese eine Kraft, dieses eine Bewusstsein, das sich
Gott nennt. "Das bin ich".
Dieses Bewusstsein oder diese Kraft kann nicht definiert werden,
richtig, aber sie kann durch Manifestationen erkannt werden.
Eine Personifizierung ist demnach in meinen Augen keine Illusion,
denn dieses Unerfassbare Eine manifestiert sich durch viele Götter,
Propheten und dergleichen. Diese sind erfass- und definierbar, denn
sie repräsentieren verschiedene Aspekte der einen Wahrheit.
Dies sind Aspekte auf menschlicher Ebene, durch die der Mensch erst
fähig ist, diese Kraft zu interpretieren.
Die Kraft, aus der sie sich manifestieren, mag ohne Definition sein,
aber die Manifestation ermöglicht es, mit dieser nicht definierbaren
Essenz aller Dinge in Verbindung zu treten (sei es Gebet, Meditation, etc.).
Dies resultiert in Erfahrungen, im Spüren dieser undefinierbaren
Einheit, durch die man zumindest Umschreiben bzw. andeuten kann, wie
diese Kraft agiert bzw. was sie verkörpert.
Unterschiedliche Erfahrungen führen demnach zu unterschiedlichen
Interpretationen dieser Kraft, unterschiedliche Interpretationen
führen zu unterschiedlichen Dogmas bzw. Religionen.
Wenn also indische Vedantins sagen, Gott sei Sat-Chit-Ananda (Das
Seiende-absolutes Bewusstsein-Glückseligkeit), dann basiert diese
Definition auf individuellen Erfahrungen in der Stille der
Versenkung bzw. des Eins werden mit Gott.
Wenn Lao-Tse diese Kraft mit Wasser vergleicht, dann basiert das auf
Erfahrungen dieser undefinierbaren Wahrheit, die sich mit der
menschlichen Kenntnis von Wasser vergleichen lassen.
Mag sein dass wie es die Vedantins sagen, von einem erleuchteten
Standpunkt aus Gott alleine real, und alles andere weder noch ist.
Aber das können wir nicht wissen bzw. nachvollziehen da wir nun mal
auf einem anderen Standpunkt sind.
Man kann also sagen, Gott sei in seiner reinen, ursprünglichen,
unmanifestieren Form nicht ermittelbar, (wo ich dir vollkommen recht
gebe) und es dabei belassen.
Aber das bedeutet nicht, dass seine Manifestationen wertlos sind
bzw. dass durch seine Manifestationen keine Interpretationen dieses
Definitionslosen gemacht werden können.
Wäre dem so, wären sich die Menschen nicht mal einem Gott bewusst
bzw. hätten gar nicht die Möglichkeit dazu, da dieses Unermittelbare ohne seine Manifestation(en) gar nicht erkennbar wäre.
"Wissen muss unabhängig von Erfahrungen gelten."
Das Wissen, das aus Meditations- und anderen "Gottes"erfahrungen
gemacht wird, baut aber auf individuellen Erfahrungen auf.
Ob solche Erfahrungen angezweifelt werden können kommt auf den
Erfahrenden drauf an.
Wenn ein mit Drogen vollgestopfter Guru in der Meditation meint,
Gott zu spüren, dann hast du recht, kann die Authentität dieser
"Gottes"-Erfahrung angezweifelt werden, denn seine Erfahrung baut
auf äusseren Einwirkungen (in diesem Fall Drogen) auf, welche die
Authentität einer "Gottes"-Erfahrung anzweifelbar machen.
Nun gut, "Ich weiss nicht ob ich es weiss", und "Ich denke also bin
ich" sind zwei Aussagen, die dich ansprechen und mit Hilfe derer du deine Sicht der Dinge u.a. festlegst.
Ich würde "Ich denke also bin ich" z.b. so interpretieren, dass wenn
ich denke, ich bin. Wenn mein Gehirn beim Tod nicht mehr zum Denken
fähig ist, ich damit nicht mehr bin. Das wäre dann wieder ein
Widerspruch zu meinem Glauben und meiner Interpretation der Dinge.
Was ich damit andeuten will ist, dass diese Zitate von dir subjektiv
sehr hoch gewertet werden - schön und gut, aber andere setzen die
Werte von solchen Zitaten dann wieder unterschiedlich hoch bzw.
tief.
"Wissen muss unabhängig von Erfahrungen gelten."
Dann könnte man ja ohne eigene Erfahrungen alles wissen. Dem kann ich nicht zustimmen - Wissen basiert auf Erfahrungen, die wissenschaftlich bewiesen bzw. "reproduziert" werden können. Glauben basiert auf Erfahrungen, die individuell und subjektiv sind und damit nicht wissenschaftlich bewiesen bzw. reproduziert werden können.
Gruss Raffis