Ich hab grade das krankeste in meinem Leben gelesen. Durch die Shortnews bin ich auf die Seite der ARBEITSGEMEINSCHAFT HUMANE SEXUALITÄT (AHS) gelangt.
Jezt steht da ein Artikel über Amputiertenfetischismus- ich habe sowas noch nie gehört. Lesst einfach mal selbst!
Jeden Abend parkte Ortwin vor dem Orthopädie-Fachgeschäft. Er hatte gelernt, Leute mit Beinprothese an ihrem Gang zu erkennen. Und eines Abends hatte er Glück. Als Uta aus dem Geschäft kam, fuhr er ihr nach bis zur Haustür und merkte sich ihre Adresse, um ihr eines Tages scheinbar zufällig begegnen zu können. Uta war groß und schlank, hatte langes blondes Haar und einen festen Busen. Sie war perfekt - bis auf das einem Unfall zum Opfer gefallene linke Bein, das in ihren eigenen Augen natürlich ein Makel war, in Ortwins Augen hingegen eine besondere Attraktion.
Ortwin ging die Sache äußerst behutsam an, denn man hatte nicht alle Tage eine solche Chance. Als er zum ersten Mal mit ihr ausging, sprach er über Gott und die Welt, nur nicht über das Bein, und als sie ihm schließlich davon erzählte - in der Absicht, ehrlich zu sein, weil ein normaler Mann ja die Prothese unter der Jeans womöglich gar nicht bemerkte - da erzählte er ihr seinerseits von dem Unfall, wo sein Auto auf dem Kopf gestanden hatte. Das mit dem Bein hätte ihm doch ebenso passieren können, nicht wahr? Er war noch einmal davongekommen, und deshalb war er es dem Schicksal schuldig, ein solches Mädchen nicht stehenzulassen, sondern auch ohne das Bein gernzuhaben!
Uta hatte zwar schon davon gehört, daß es andere Männer - ekelhafte Männer - gab, die sie gerade wegen ihres Beines kennenzulernen wünschten. Aber Ortwin war doch so einer nicht! Davon war sie glücklicherweise leicht zu überzeugen, da sie sich von jenen Männern ganz falsche Vorstellungen machte. Sie glaubte, solche Männer würden sich im Bett dauernd an dem Beinstumpf zu schaffen machen. Ortwin dagegen war im Bett sozusagen ganz unauffällig. Ihm kam es mehr auf das Zuschauen an. Er wollte zuschauen, wie Uta sich zu Hause ohne Kunstbein bewegte, nur auf ihre kräftigen Arme gestützt, wie sie dann in die Krücken griff, wie sie auf einem Bein hüpfte, wie sie sich an den Möbeln entlanghangelte, wie sie sich vorbeugte, um in den Backofen oder in die Spülmaschine zu schauen.... Daß Uta Hausfrau und Mutter werden wollte, zumindest für einige Jahre, das kam Ortwin sehr gelegen. Von einer Frau, die mit Prothese am Schreibtisch saß und Geld verdiente, hätte Ortwin doch gar nichts gehabt. Ortwin genoß das Hochgefühl der Überlebenden und Davongekommenen, und das drückte sich doch viel sinnlicher und sichtbarer aus in einer Frau, die trotz des Beinstumpfes Ball spielte und ein Baby auf dem Schoß hielt und ihrem Mann im eigenen Heim beim Verlegen des Teppichbodens half. Eine solche Behinderte würde jeder bewundern.
Ortwin wollte ein neues Leben anfangen für Uta. Als erstes mußten seine teuer gekauften Fotos von beinamputierten Ladys weg, damit Uta sie nicht fand. Er schickte alle Fotos an Michi, einen Leidensgenossen, der für dieses Thema extra ein Postfach in Stuttgart hatte. Ortwin schrieb an Michi, daß er von nun an keine Fotos mehr wollte und keine Selbsthilfegruppe und auch keine gelehrten Artikel darüber, wie denn die Vorliebe für amputierte Frauen wohl entstanden sei. Er habe jetzt eine Frau gefunden (24 Jahre, Oberschenkel links), und er wolle endlich heiraten und Familie haben. The real thing.
Michi schwieg drei Jahre lang. Dann schrieb er plötzlich: He, Kumpel, ich habe neue Fotos! Ortwin war platt. Hatte Michi denn vergessen, daß er, Ortwin, verheiratet war? Oder vielleicht hatte Michi es ihm einfach nicht abgenommen. Viele von diesen Männern schreiben ja oder rufen dich an und sagen: Mensch, ich habe DIE Frau gefunden... und dabei ist alles nur Phantasie.
Die neuen Fotos gingen Ortwin nicht aus dem Sinn. Das war nämlich so: Uta und die gemeinsame Tochter Sarah, zweieinhalb, das war die eine Sache, und die Fotos waren die andere Sache. Er liebte Uta, er liebte das Kind. Er schlief mit Uta, und es tat gut. Das war nicht das Bein. Das war Uta als Mensch. Er hatte sich an Uta gewöhnt, und er hatte sich an ihren Stumpf gewöhnt. Da war nichts Aufregendes dabei. Das eigentlich Aufregende war nicht der Sex, sondern der Anblick, das FOTO. Denn damals als er ein Junge war und die Sache erst lernen mußte - da hatte er ja keine Frau anfassen dürfen, da hatte er Frauen und vor allem Fotos von Frauen nur angeguckt, und das war aufregend gewesen und war es noch immer, trotz allem.
Ortwin ließ also zu, daß Michi ihm neue Fotos schickte. Sie kamen sogar kostenlos, weil Michi Ortwins großzügige Fotosendung von früher nicht vergessen hatte. Ortwin sättigte sich mehrmals am Anblick der neuen amputierten Ladys. Dann schob er die Fotos im Keller unter die Schraubenschachteln in seinem Werkzeugschrank und vergaß sie bald.
Seit er Frau und Kind hatte, fuhr Ortwin immer vorsichtig. Aber als die kleine Sarah vier wurde, lernte er einen Drachenflieger kennen. Drachenfliegen, das hatte er doch schon lange gewollt! Über die Berge schweben, seine starken Arme in ein Gerüst gespannt (wie Utas Arme in den Krücken, nur viel größer und mächtiger), ein Überwinder sein, ein Davongekommener..... Uta sagte Nein zum Drachenfliegen. Wer ein Kind haben will und eine körperbehinderte Frau, sagte sie schroff, der darf sich eben keine lebensgefährlichen Hobbys zulegen. Entweder oder. Ortwin verschob den Drachenfliegerlehrgang stillschweigend auf nächstes Jahr. Aber vielleicht war sein Ärger über Utas Antwort schuld daran, daß Ortwin die Fotos aus dem Keller holte und in der Wohnung ein anderes Versteck suchte, wo er die amputierten
Ladys näher bei sich hatte. Was war schon dabei, dachte er trotzig. Die Ladys hatten sogar brave einteilige blaue Badeanzüge an. Für das normale Auge doch gar nichts Verbotenes, dachte er.
Uta fand die Fotos und reichte die Scheidung ein. Ortwin versicherte ihr, daß das mit dem Bein gar nicht so wichtig sei, aber sie glaubte ihm nicht mehr. Er sprach mit einem Therapeuten, und der Therapeut sprach mit Uta, aber es half nichts. Ortwin nahm Schlaftabletten, wurde rechtzeitig gefunden. Auch das half nichts. Uta bekam das Sorgerecht für die kleine Tochter. Und Unterhalt bekam sie auch.
