stellen sie sich vor, sie hätten vor langer zeit jemanden gekannt. sie teilen vieles miteinander, sie lernen sich von vielen seiten kennen. dann bewegen sie sich voneinander fort, das leben treibt sie in unterschiedliche richtungen davon; die bande zwischen ihnen sind nicht stark genug. oder sie werden durch äussere umstände auseinander gerissen. jahre später treffen sie diese person wieder, und sie machen das alles noch einmal durch. worin liegt der reiz?
ist es überhaupt noch diesselbe person? sie trägt wahrscheinlich noch denselben namen und hat ungefähr dasselbe körperliche aussehen, aber ist es deshalb dieselbe person?
und wenn nicht, werden dadurch die dinge, die sich verändert haben, unwichtig oder nebensächlich?
menschen verändern sich, aber in welchem ausmass?
als kind hatte ich daran geglaubt, dass es so etwas wie eine essentielle persönlichkeit gibt, um die herum sich oberflächliche faktoren entwickeln und verändern, ohne die integrität der person zu beschädigen. später erkannte ich, dass das ein wahrnehmungsfehler ist, der durch die metaphern erzeugt wird, mit denen wir uns beschreiben.
was wir für eine persönlichkeit halten, ist nicht mehr als eine der wellen, die in veränderlicher gestalt an mir vorbeiziehen. oder wenn man es auf eine angemessenere geschwindigkeit reduzieren will, kann man es mit der gestalt einer sanddüne vergleichen. der reiz bestimmt die form. sie reagiert auf wind, gravitation, erziehung, die anordnung der gene. alles unterliegt der erosion und veränderung. dem kann man sich nur entziehen, wenn man tot ist.
genauso wie ien primitiver sextant mittels der illusion funktioniert, dass die sonne und die sterne um den planeten rotieren, auf dem man sich befindet, vermitteln unsere sinne uns die illusion eines stabilen universums. und wir akzeptieren sie, denn ohne diese akzeptanz könnten wir gar nichts bewirken.
doch die tatsache, dass man mit einem sextanten akkurat auf einem ozean navigieren kann, bedeutet nicht, das sich die sonne und die sterne wirklich um uns drehen. trotz allem, was wir als zivilisation und als individuen geleistet haben, ist das universum oder irgendeiner seiner faktoren nicht stabil. sterne verbrauchen ihren brennstoff, das universum selbst treibt auseinander, und wir bestehen nur aus materie, die sich im ständigen fluss befindet. eine zellkolonie, die sich für eine gewisse zeitdauer zusammengefunden hat. die einzelzellen teilen sich und sterben ab, angetrieben von einer glühenden wolke aus elektrischen impulsen und einem auf prekäre weise gespeicherten code aus kohlenstoffatomen. das ist die realität, das ist selbsterkenntnis, und die erfahrung lässt natürlich jeden schwindeln.
alles, was ihr leistet, muss auf basis der erkenntnis stehen, dass sich alles im fluss befindet.