von
www.the-pit.de Mindcrime: Strandead
Release am 05.05.2006 durch Black Bards Entertainment
Bewertung: 5 von 10 Punkten

Mindcrime sind kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mir selber ist der Bandname ein Begriff, obwohl ich mich nicht an deren Mucke erinnern kann. Soviel zum Thema Gedächtnis.
Bereits mit ihrer Eigenproduktion aus dem Jahre 2001 und dem Labeldebüt „Tourniquet Sleep“ von 2005 (Black Bards Entertainment) konnten sie so manchen Schwermetaller zum Mattekreisen überreden. Den Brandbeschleuniger für das lodernde Feuer gab es dann auch noch…in Form einer Tour 2005 im Vorprogramm von Morgana Lefay. So konnte sich die bereits seit fünf Jahren existierende Band eine gewisse Fanbasis erspielen und bringt im Mai ihr zweites Album „Strandead“ auf den Markt. „Dark Melodic Power Metal“, so die selbst gewählte Bezeichnung ihres Sounds. Da kann man sich wohl drüber streiten, denn solche Titulierungen sagen zum einen alles und zum anderen überhaupt nichts aus. Für mich klingt „Strandead“ wie eine Kreuzung aus Power Metal, Gothic Metal (Rock) und ein klein wenig Metalcore. Bands wie Darkseed, Cemetary, Sentenced und ab und zu auch In Flames geisterten mit beim Hören durch das Hirn. Nicht nur bezogen auf den eigentlichen Sound sondern auch auf den Gesang.
Der Fokus des Albums liegt hauptsächlich auf straighten Rocknummern und dem Gesang von Sänger Christoph. Nur ab und an wird auf das Organ von Basser Mario zurückgegriffen, der dann auch ordentlich in Mikrofon brüllt. Aber genau beim Gesang liegt für mich der größte Schwachpunkt der Platte. Größtenteils zu monoton werden die Gesangslinien vom Sänger dargeboten. Außerdem glänzen die Gesangsmelodien nicht gerade vor Einfallsreichtum. Manchmal habe ich beim Hören auch das Gefühl gehabt, dass bestimmte Tonlagen für die Sangeskünste nicht gerade förderlich sind. Aber dass es auf dem Album auch ab und zu Lichtblicke gerade beim Gesang gibt, beweist mir doch, dass es ja eigentlich geht. Schade. Dagegen können mit den geshouteten Vocals richtig gute Akzente gesetzt werden. Wie z.B. in „Soil For Growing“, dem ersten Song nach einem kurzen Intro. Da geht es auch gleich richtig schön nach vorne. Treibende Drums, punktiertes Riffing und ein starker Refrain. Nach hinten raus wird das Energielevel noch mal geschickt heraufgesetzt mit einer fetten Gitarrenfigur und harschen Drums. Für mich insgesamt ein Highlight, bezogen auf den Rest des Albums.
Bei „Forsaken Smile” wird dann zu Beginn richtig schön drauf los geholzt. Kurzzeitig schwingt ein Blasthammer durch den sonst melodischen Raum. Die vermehrt eingesetzten Death-Growls verleihen dem Song zusätzlich eine aggressivere Note. Ansonsten klingen die unverzerrten Gesänge phasenweise wie ein gewisser Mister Hetfield von Metallica, nur 15 Jahre in der Zeit zurück. Mal abgesehen vom nervenden, mehrfach übereinandergelegten, Gesang kann der Track mit einer schönen Gitarrenfigur glänzen. Feiner Bangerstoff.
Ein weiterer Lichtblick kommt in Form von „Final Stage“ auf den geneigten Hörer zugerauscht. Ein wirklich geiles Gitarrenriff schiebt sich, unterlegt mit einem mächtigen Groove, Richtung Großhirn. Im weiteren Verlauf bekommt der Song einen Charakter, welcher auch Kapellen wie den Deathstars anhaftet. Nicht schlecht gemacht. Was aber die monotone Gesangsmelodie im Refrain soll, ist mir ein Rätsel. Macht einen sonst richtig starken Song ansatzweise zunichte.
Nicht nur die Bühne haben sich Mindcrime mit Morgana Lefay geteilt, sondern auch die Vocals. Nein, nicht auf dem ganzen Album. Im Infozettel des Labels steht zwar, dass Charles Rytkönen auf zwei neuen Stücken zu hören ist, ich selber konnte ihn aber nur bei „Deadwalk Scenery“ raushören. Und das ist ja auch kein Wunder bei diesem unvergleichlichen Organ. Der genannte Song ist dann beileibe auch kein schlechtes Teil. Schön fett und heavy geht es da durch die Metal-Botanik.
Beim abschließenden „Tearworks” wird es balladesk. Eine dichte und melancholische Atmosphäre prägt die Erscheinung des starken Teils. Mal abgesehen vom Beginn, mit der irgendwie sehr schräg klingenden Gesangslinie, entwickelt sich der Track zu einem richtigen Smasher. Ich habe so den Eindruck, dass Sänger Christoph endlich seine optimale Stimmlage gefunden hat. Denn hier klingt sein Organ richtig angenehm und braucht sich hinter Szenegrößen nicht zu verstecken. So eine Leistung auf dem ganzen Album und die Sache wäre rund gewesen. Ein Ausrufezeichen zum Schluss. Fein, fein.
Und was bleibt dem Heavy Metal verbundenen Musikkonsumenten unterm Strich? Ein Album, welches einfach zu glatt wirkt und mit zu wenig richtig guten Songs daherkommt. Und leider auch ohne Ecken und Kanten. Der Silberling ist zu gefällig und tut nicht weh, verleitet aber gleichzeitig auch nicht dazu, sich in das Album zu verlieben. Angesichts der in nächster Zeit zu erwartenden starken Veröffentlichungen, besteht aus meiner Sicht die große Gefahr, dass Mindcrime mit dem Album weitestgehend auf der Strecke bleiben.
Anspieltipps: Soil For Growing, Deadwalk Scenery, Tearworks
Tracklist:
1. Strandead
2. Soil For Growing
3. Lines In The Sand
4. Forsaken Smile
5. Subdivided
6. Fourty Eight
7. Final Stage
8. Monument In Sleep – Enter The Scenery
9. Deadwalk Scenery
10. Digging The Grace
11. Tearworks
Bewertung: 5 von 10 Punkten
Spielzeit: 41:16 Minuten
Anzahl Songs: 11
Label: Black Bards Entertainment
Release: 05.05.2006
Danny Hoff