Brauchen wir so viele Stil Definitionen?
In letzter Zeit werden wir mit einer Flutwelle von neu kreierten Musikgenre Definitionen überschwemmt. Jüngstes und meiner Meinung nach lächerlichstes Beispiel hierfür, ist mir von einer unbekannten Band auf dem Kölner Ringfest zu Ohren gekommen. „Erotik Rock“ haben die ihre Musik bezeichnet. Wie kann Musik überhaupt erotisch sein? Die Musiker vielleicht in ihre Ausstrahlung und ihrem Aussehen, in ihrer Gestik oder Mimik nicht aber Musik. Musik kann Stimmungen vermitteln wie Melancholie zum Beispiel, sie wird aber nie destruktiv, aggressive oder gar erotisch sein. Musik als solche, besitzt keine Seele die wir als aggressiv oder erotisch definieren könnten, sie wird ihr erst durch den aktiv einwirkenden, Musiker oder dem Empfindungsvermögen des passiven, manchmal auch aktiven Zuhörers eingehaucht. Die Aussage: „Diese Musik ist aggressiv.“ Ist falsch besser wäre: „Die Musik macht mich aggressiv.“ Obwohl diese Aussage auch nicht lange stand hält, da das Ergebnis dieser subjektiven Einschätzung, von mehreren Faktoren abhängt, die in dieser Aussage aber nicht weiter verfolgt und zum Ausdruck gebracht werden. Zum einen die persönliche Einstellung zur Natur der „aggressiven“ Musik, zum anderen die Persönliche Grundstimmung des Hörers wären zwei gravierende Faktoren hierfür.
Es ist wohl jedem bekannt das umso mehr Hörer Musik verfolgen, umso mehr unterschiedliche Meinungen und eindrücke gewonnen werden. Nach welchem Kriterium soll man nun Musik beschreiben und zuordnen, wenn das gleiche Stück/Song/Lied so unterschiedliche eindrücke hinterlässt und die Grenzen zwischen Aggression und Entspannung, Freude und Trauer... bei vielen Zuhörern verschwimmen?
Der zu Zeit am häufigsten debattierte Begriff „EMO“, abgeleitet von Emotion, führt uns wieder diese alte Problematik vor Augen. Wir dürfen nicht verschweigen das dieser aus der aus der HC und Punk Szene stammende Begriff momentan, durch Bands wie Jimmy eat world, Hot water music, Pale ... nicht nur Salonfähig sondern auch zum Vermarktungsstempel avanciert ist und durch seinen kommerziellen Eigenschaften zur Zeit häufig missbraucht wird.
Doch was passiert wenn ihr euch an dieser Bezeichnung orientiert? Fragt man in einem gut sortierten Plattenladen nach fünf der meistverkauften EMO-Platten, wird man höchstwahrscheinlich mit fünf der unterschiedlichsten Musikarten konfrontiert.
Denken wir einen Schritt weiter so wird uns klar, das dies Zwangsläufig dazu führen musste, da jede dieser fünf uns vorliegenden Platten mit „EMO“ voll gestopft ist. Das heißt das jede Band ihre meist sehr unterschiedlichen Emotionen, in ihre Musik hat einfließen lassen. Diese Erkenntnis mag ja ganz schön sein, bringt uns aber nicht weiter, da wir nachdem, was „EMO“ für uns bedeutet, wonach wir ja suchten, nicht eindeutig fündig geworden sind.
Wir stellen also fest das „EMO“ zwar ein Gutklingender Begriff ist, der uns aber durch seine Oberflächlichkeit nur in die Irre führt.
Jede Musik Szene, nicht nur die des Punk und HC, hat mit dieser Problematik zu kämpfen. Vielleicht können wir an dieser Stelle weitere Irreführende Begriffe zusammentragen um so zu einem besseren, klar strukturierten Musikverständnis zu gelangen.
Musik ist immer ein Spiegelbild des Musikers, der ihr leben einhauchte, in der kurzen symbiotischen Beziehung zum Zuhörer.
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