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19.11.2007, 19:49
# 1 Verarbeitung Kurz und knapp:
Ich hab ne _aufregende_ Beziehung hinter mir.
Ich komm mit deren Ende nicht klar (wird irgendwann in einer Episode erläutert). Hab ich mir also gedacht, machs wie die großen und schreibs nieder und versuch es so zu verarbeiten. Dann kommt das Mitteilungsbedürfnis (und ich schäme mich nich).
Ob das jetzt groß literarisch ist, weiss ich nicht, doch ich bin auf Meinungen gespannt. Jedoch nicht auf Diskussionen über die Sache selbst.
Bis jetzt schreibe ich noch in ungeordneten Episoden, je nach dem, was mir in den Kopf kommt.
---- [...] Da war dieser eine Abend, der für mich der letzte Beweis war; jene unangenehme Ohrfeige die deine rosarote Brille wegschlägt und dich auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Wir hatten uns für das Kino verabredet, nur leider wurde ich am Vormittag in meiner Firma gekündigt. So hatte ich am Spätnachmittag keine Motivation für einen Ausflug inmitten vieler Menschen, sodass wir in meinem kleinen Häuschen blieben und uns noch entscheiden konnten, was wir essen und ob der Pferdemarkt in der Nachbarstadt nicht doch noch eine Alternative darstellte. Der gute alte McDonalds zog uns zu sich, und der Film Titanic sollte unsere Abendunterhaltung werden. Davor saßen wir in meinem Wohn-/Schlafzimmer, sie saß auf dem Bett, ich auf dem Teppichboden, kein großes Zeichen von dem schönen Bedarf nach Nähe zum Partner, der nach zwei Jahren doch noch vorhanden hätte sein können. Wir waren natürlich wieder am Diskutieren, über irgendeine Kleinigkeit, an die ich mich nicht mal mehr erinnern kann.
Vor ein paar Monaten wären wir in diesem Augenblick noch nebeneinander auf dem Bett gesessen, hätten über eine Belanglosigkeit angefangen zu reden, was sich mehr und mehr in anzügliche freche Kommentare über den anderen oder dessen Körperbau gewandelt hätte. Die Spannung wäre immer mehr und mehr gestiegen, die Hände hätten nicht mehr nur über den Kopf oder über die Wangen des anderen gestreichelt, der Augenkontakt wäre so intensiv geworden, dass man das fast schon hörbare Knistern zwischen den beiden Körpern in einem ersten Kuss entladen musste. Nicht immer heftig, sondern zurückhaltend, um die Leidenschaft aufrechtzuerhalten und den Moment der intensivsten Nähe den man zu einem Menschen haben kann als Höhepunkt seiner Ausschüttung an Gefühlen zu erleben.
Aber wir diskutierten kühl. Diskussion bedeutete bei uns: Ich habe Recht, und man suchte nach Argumenten die dies bestätigten, ohne dabei Rücksicht auf die Meinung des anderen zu nehmen.
Doch nach anderthalb Jahren Beziehung und einem dreiviertel Jahr Streit wurden wir des Streitens müde, sodass mitten in einem Wortwechsel die resignierende Frage fiel, ob wir jetzt essen könnten. So wurde gleich ein doppelter Fehler gemacht: Weder der Diskussionsgegenstand wurde gerecht für beendet erklärt, noch hatten wir einen Schritt getan der dafür sorgen sollte, solche Diskussionen, die sich immer mehr verhärteten, zu vermeiden. Allein die Angst trieb uns zu solch einem offenen Schluss zu kommen. Die Angst, dass sich eine Diskussion so entwickelt, dass wieder Tränen getrocknet werden müssen, Türen und andere Gegenstände flogen oder weitere unaussprechliche Dinge geschahen, von denen am Anfang der Beziehung keiner gedacht hätte sie einem Menschen den man liebt anzutun.
So fuhren wir zum McDrive, eine ausgeglichene Stimmung eher vortäuschend als erlebend.
Die Straße führte ihr Auto, dass sie liebevoll „Paul“ genannt hatte, an einer Pferdekoppel vorbei. Dem typisch weiblichen „Oooh“ folgend hielten wir an und stiegen aus, um einen kleinen Spaziergang am Weg zwischen der Schnellstraße und der Koppel zu unternehmen. Es war schon kühl, man vernahm erste Anzeichen der Dämmerung und vor uns lagen Felder und der Horizont einer untergehenden Sonne. Ich liebte es, in dieser Atmosphäre draußen zu laufen und freute mich, auch wenn das Thema Pferde für mich eher uninteressant war. Aber ich war in dem Moment glücklich, dass sie bei mir war. Ich freute mich auf ihre Hand, die die meine bald greifen und umschlingen würde, oder ihren Arm, der sich in meinen einhaken würde wenn meine Hände in den Hosentaschen verschwunden waren. Manchmal fiel ihr Kopf auch auf meine Schulter, sodass ich ihre süßlichen Haare riechen konnte, was mir auch nach mehr als einem Jahr Beziehung noch ein Kribbeln verursachte.
Doch wir liefen ein paar Meter und nichts passierte, ich wartete vergeblich. Ihre Augen waren bei den Pferden, ich war uninteressant. Vielleicht nicht mal mit Absicht, klar, jedoch die Enttäuschung wuchs. Ich hatte nämlich vergessen, dass wir nicht mehr das Paar wie vor einem Jahr sind. Dass sich viel verändert hatte in den Zeiten der großen Streits. Außerdem entdeckte ich, dass ich mir die rosarote Brille unbewusst schnell aufsetzen kann.
Der weitere Abend war nichts als ein getrenntes Schauen des Filmes, bis wir abschalteten weil ich müde würde und schlafen wollte. Der Abend war gelaufen. Die Beziehung wohl schon lange. [...] |