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Thaiger
Alt 19.03.2004, 12:21   #1
Standard Deine Story

Hat nicht mal jemand Lust, eine eigene Geschichte zu erzählen.
Probiert euer Literarisches können doch mal aus.
Muß ja nicht alles an einem Stück sein.
Jeden 2. oder 3. Tag ein Kapitel mit Fortstzung, wobei der Verlauf der Geschichte durch Beiträge verändert werden könnte.
 
 
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JamCheck
Alt 26.03.2004, 23:01   #2
Standard Titel: Mrs. Blackbird und kein Ende

Es war gerade Montagabend, aber ich fühlte mich schon wie Freitag abends. Kein Wunder, bei der Nacht! Ich hatte kein Auge zugetan, weil ich wieder einmal eine der unangenehmen Auseinandersetzungen mit meiner Mutter gehabt hatte... Und wieder einmal ging es um Vater. Ich war und bin der Meinung, jetzt, wo es ihm so schlecht geht, braucht er die Unterstützung meiner Mutter mehr denn je, aber sie denkt nur an sich selbst - an ihren verdammten Ökoladen, an ihr beschissenes Yoga, an ihre quakenden, schnatternden Freundinnen. Ich wollte ihr das nur ansatzweise klarmachen, da wurde es auf einmal ganz still am anderen Ende der Leitung und dann ging es los: Was ich mir eigentlich einbilde, wer ich sei, schrie sie mich an, was mir denn einfalle, so mit ihr zu reden, und überhaupt, ich hätte ja keine Ahnung, wie es sei, mit Vater ständig zusammen leben zu müssen. Und dann brach sie in ihr berühmt-berüchtigtes Schluchzen aus, bei dem den meisten ganz anders zumute wird, ich hingegen laufe meistens Gefahr, auszurasten ob des geheuchelten, gehechelten Selbstmitleids. Um dem vorzubeugen legte ich unvermittelt auf. Das war dann auch der Grund, weshalb ich nicht einschlafen konnte: Ich hätte das nicht tun dürfen, hätte nicht einfach - so wie Vater immer - dem Konflikt ausweichen dürfen.
Und dann noch der heutige Tag. Alles begann damit, das die sonst so zuverlässige Kaffee-Maschine streikte. Sie war einfach nicht zum Laufen zu bringen. Und als dann endlich das Wasser gurgelte, war es kein delikater Kaffee, der aus dem Filter tropfte, sondern eine lauwarme ungenießbare Drecksbrühe. Natürlich schaffte ich es nicht mehr rechtszeitig ins Büro und holte mir einen Rüffel beim Chef ab. In meiner Abteilung angekommen, holte ich erst einmal meine MidiRillos heraus, angelte mein Feurzeug aus der Hosentasche und wollte mir mal was gutes gönnen. aber wie das so ist an solchen Tagen - das knallgrüne Einwegfeuerzeug, das erst zwei Tage alt war, versagte mir den Dienst. Wütend schleuderte ich es in die Ecke und machte mich auf die Suche nach den Streichhölzern, die ich irgendwo in einer meiner Schreibtischschubladen deponiert hatte...

Fortsetzung folgt (von Euch?!)
 
 
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Filmazoid
Alt 27.03.2004, 22:12   #3
Standard

Das glaubte ich zumindest, aber wieso sollte mir das Glück beistehen. Als ich blindlings in etwas undefinierbaren griff, beschloss ich die Suche aufzugeben und eine neue Packung Krebsbeschwörer unten bei Lidl zu kaufen. Mir war klar, dass eins von zehn Stück nur funktionieren und auch dies mir irgendwann in der Hand zerbrechen würde. Scheinbar hat nichts auf dieser Welt bestand. Die Ehe meiner Eltern auf keinen Fall, das stand fest.
Völlig geschafft vom gestrigen Telefonat mit Mutter, trottete ich die Stufen hinab und verließ die Gemäuer meiner ungeschätzten Ausbildung. "Assistent für Datenverarbeitung…" oder so quatschte mir damals ein Sachbearbeiter des Arbeitsamtes auf. Hätte ich nicht so unter dem Druck meiner Mutter gestanden, endlich meinen faulen Hintern zu bewegen, ich hätte ihm die Prospekte um die Ohren gehauen.
"Das macht 3,99 €!" Eine unfreundliche Stimme zerrte mich aus meiner Gedankenwelt. "DAS MACHT 3,99 €!" Eine zappelnde Kundenschlange bildete sich hinter mir. Ich hielt der Kassiererin einen 5 Euro Schein entgegen und nahm wenige Sekunden später das Restgeld entgegen, die meckernde Kundschaft ließ ich schweigend hinter mir.
Gedankenverloren stieg ich wieder die Treppen meiner Firma „Inside Technic“ hinauf und spendete meinem derzeit besten Freund Licht, um dem blauen Qualm einatmen zu können. Natürlich dauert es nur einen Zeigerschlag lang bis mein Chef mit vor wutzblitzenden Augen auf mich zukam. Wo ich denn war, wieso ich so unzuverlässig bin und warum ich sowieso nichts begriff… . Ja das war mein tägliches Brot auf Arbeit, ich verdammte dieses verschimmelte etwas. Nachdem die Standpauke an mir vorbeizog nahm ich wieder an meinem geliebten Arbeitsgerät, dem Computer, platz. „Dingdong“ klang es aus dem Boxen. Ich klicke auf das E-Mailicon und erhoffte, dass wieder von Ihr eine E-Mail dabei war. Mit einem angespannten Gesicht schob ich den Spam und „Inside Technic“ Mails direkt in Richtung Papierkorb….“sex for free“, “Anfrage für PC System“….“Hi Greeby…“. Sie hatte tatsächlich zurück geschrieben. Ich führte mir die wenigen Zeilen zu Gemüte und….
 
 
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dare
Alt 31.03.2004, 22:06   #4
Standard

rofl, denkt ihr euch das alles aus? naja schreibt mal weiter
 
 
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francis
Alt 31.03.2004, 22:34   #5
Standard

es war der übliche Kram "wie gehts dir was machst du, blabla"
dabei kenne ich sie doch est seit 2 wochen, da muss doch noch mehr drin sein als solche standard floskeln, aber gut um mir die zeit zu vertreiben bei meiner langweiligen computerarbeitantworte ich auch auf die langweiligsten mails.vielleicht sollte ich ich sie einmal um ein treffen bitten, wäre doch ganz nett, ich meine mittlerweile kenne ich sie ja schon ganz gut,mehr oder weniger.
wieso mache ich diesen job hier eigentlich?schlechte bezahlung, unfreundlicher chef und die technik ist auch aus einem anderen jahrhundert!Bei mir passt auch gar nichts, wenn ich nur an meine mutter denke was sie wieder zu schimpfen weis, ich bin überzeugt davon das macht sie aus langeweile, aber gegen sie anzukämpfen wäre das sinnlosere von beiden optionen. ich glaube ich werde heute vater im krankenhaus besuchen, er war eitgentlich immer der einzige der zu mir gehalten hat wenn es mal hart auf hart kam!
ich gehe zur straßenbahn, und schon wieder kann ich mein sauer verdientes geld in sinnlosigkeiten wie einen völlig überteuerten fahrschein investieren, aber nach den ereignissen vom lezten monat lasse ich das schwarzfahren lieber...
 
 
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Master Baumbart
Alt 07.04.2004, 01:01   #6
Standard

Schlimm genug, dass mich die Jungs in grün mit Alkohol am Steuer erwischt haben und ich nun auf diese verhassten öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bin. Gott, hat sich schon mal jemand die Gestalten dort genauer angeschaut? Ein Sammelbecken für gescheiterte Existenzen. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass der Mann mit der freundlichen Bierfahne aufsteht und sich mit den Worten vorstellt: "Hallo, ich bin der Günther. Ich lebe seit drei Jahren auf der Strasse und bin Alkoholiker."
Aber nein, dies blieb mir erspart. Missmutig schaute ich aus dem Fenster und sah die Strassen und Häuser an mir vorbeiziehen. Ich hasste diese Stadt, doch ich wusste, dass ich sie wohl nicht all zu schnell verlassen würde, wenn überhaupt jemals. Irgendwann hielt die Bahn an. Ich wurde nicht kontrolliert, super, dachte ich mir, da hat sich der Fahrschein echt gelohnt.
Ich stolperte aus der Bahn und schenkte dem Himmel für einen kurzen Moment meine Aufmerksamkeit, tristes Grau, wie sollte es auch anders sein. Also machte ich mich auf zum Krankenhaus...
 
 
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k. l. e. e.
Alt 07.04.2004, 16:10   #7
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jeder findet ja was anderes schlimm an krankenhäusern. die einen den geruch, die anderen die unfreundlichen hilfskräfte, etc. was mich am meisten auf die palme bringt ist die optik. ich persönlich hab noch kein krankenhaus gesehn in dem ich mich wohl gefühlt hätte. wissen die nicht was farben sind? bunt ist hier ein fremdwort. die halten hier lieber alles in grau und trist, oder wie? und die im porno propagierte darstellung von sexy nachtschwestern die dich ans bett fesseln und dir's gehirn rausfüggn scheint irgendwie noch nicht seinen weg in die realität gefunden haben. leider. ah, ok, zimmer 223, also auf in den aufzug. so. "halten sie mir bitte die türe auf" krächzt es. klaro oma, für dich doch immer. "naa? jemanden besuchen oder selber krank?" "besuchen" "wen denn?" "meinen vater" "aha - soso.." ich hab ja nicht wirklich was gegen die alten leute, sie tun mir schon irgendwo leid. das ganze leben fürs system geschafft, mann im krieg verloren oder auch nicht, geschuftet und geackert, und jetzt mit 80 in ein krankenhaus um noch die letzten paar tage mehr rausgekitzelt zu kriegen. dabei wollen die das glaub ich größtenteils garnich! alles was die wollen ist ein ohr das zuhört. aber nicht mit mir! "ich muss hier raus" "ach ja? schade! dann sagen sie ihrem vater noch gute.." die aufzugtüren schneiden ihr das wort ab.
auch egal, also los zu zimmer 223...

klee
 
 
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michaelg
Alt 08.04.2004, 21:29   #8
Standard

Ich betrete also Zimmer 223. Ein karger, aber nicht haesslicher, nur langweiliger Raum. Auf einmal bin ich wie betäubt. Bleibe stehen und bin nicht in Stande auch nur ein Wort zu sagen. Es handelt sich um ein Zweibettzimmer. Ich sehe einen greisen Mann und eine Krankenschwester, die gerade ein Bett neu bezieht. Ich kannte diese Situation aus Filmen, aber ich war mir nicht bewusst, ob es wirklich zwingend war, dass... ich stehe mehrere Minuten sprachlos herum, so kommt es mir jedenfalls vor, und kriege mit wie die Krankenschwester mehrmals versucht mich anzusprechen.
Auf einmal finde ich mich in einem anderen Raum wieder auf einer Liege. Ich weiss nicht wo ich bin und wundere mich warum mich jemand versucht durch Wangen-tätscheln zu wecken. Ich merke, dass ein Arzt bei mir ist, und nachdem er einen Satz gesprochen hat weiß ich wieder alles.
"Es tut mir leid, ihr Vater ist heute nachmittag verstorben. Wir konnten nichts mehr für ihn tun". Irgendwie erinnere ich mich daran, dass ich das schon wusste, obwohl ich es nicht wusste. Traumatisiert schrecke ich hoch und stehe sofort auf. Der Arzt möchte mich zurückhalten, er hat mir ein Beruhigungsmittel gespritzt, nach dem ich in Ohnmacht fiel, wie ich nun erfahre. Mir gelingt es die erbärmlichen Versuche des Arztes mich psachologisch in irgendeiner Art und Weise zu stärken abzublocken und mich auf den Weg zu meiner Mutter zu machen. Ich breche nicht einmal in Traenen aus; es liegt am Schock. Es wird noch passieren, das weiß ich genau. Mir schwant schlimmes, wenn ich meiner Mutter das mitteilen muss. Viel trauriger ist, dass ich jetzt alleine bin. Familär-parteiisch habe ich wohl heute mein Fundament verloren.
Die Reaktion meiner Mutter weicht nur schwach von dem was ich erwartet habe ab. Ich breche schließlich in Traenen aus, weil ich so langsam doch realisiere, was passiert ist und weil meine Mutter so pragmatisch ist. Ich will ihr in die Arme fallen, doch sie verschränkt sie und spricht den Quatsch "Lass den Quatsch!".
Sie zu verstehen fällt mir schwer. Es ist nahezu unmöglich. Sie hat mir nur lakonisch mitgeteilt, dass sie mir die Lasten der Begräbniskosten abnehmen wird. Aber sie hat ja das notwendige Kapital.
Die Beerdigung findet in 5 Tagen statt, ich beschließe nahezu nicht hinzugehen. Schlafmittel lassen mich zwei Tage lang durchschlafen, danach klingelt meine Cousine. Eine der wenigen meines "Clans", wo ich mich wirklich freue, sie zu sehen. Sie kümmert sich ruehrend um mich, ich fuehle mich beinahe noch schlechter deswegen. Immerhin gelingt es ihr, mich zu ueberreden, doch meinem Vater die letzte Ehre zu erweisen.
Mein Chef hat meine "Krankscheidung" nur für zwei Tage akzeptiert. Danach solle ich bitte wieder fit sein und vor allem hunderprozent tatkäftig. Ich bleibe einen Tag länger zu Hause, das gibt auf jeden Fall schonmal Ärger...
 
 
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mika_tuk
Alt 21.04.2004, 13:57   #9
Standard

Langsam aber sicher hatte ich es wirklich einfach nur mehr satt. Meinen Chef, mit dem ich mich eigentlich immer verstanden hatte.. naja verstanden ist gut. Außer einem versucht freundlichen "Hallo" in der Früh am Gang genuschelt gab es zwischen uns keine Kommunikation. Was an "Befehlen" von ihm kam, wurde mir von seiner hübschen jungen Sekretärin ausgerichtet. Wie dem auch sei. Auf jeden Fall stand ich vor meinem Auto und starrte die Krankenscheidung an. Zwei Tage.. zwei Tage! Das war viel zu wenig. Mein Vater wurde in seiner Heimatstadt beerdigt, zu der die Fahrt allein mindestens fünf Stunden in Anspruch nahm. Das ganze zurück musste auch nochmal drin sein, einmal würde ch dort wohl übernachten und..
Ich stieg in mein Auto, stellte aber nicht sofort den Motor an. Mein Kopf sank gegen das Lenkrad und ich seufzte laut. Auf einmal hatte ich das Bild meiner weinenden Mutter und das meiner sich um mich kümmernden Kusine vor Augen. Warum dachte ich jetzt an sie?

Als ich am offenen Grab stand, überkam mich eine fürchterliche Gänsehaut. Meinen nicht mehr lebenden Vater da liegen zu sehen, tat irgendwo weh. Das einstmals dunkle Haar lag nun zerzaust, grau und struppig auf seinem eingefallenen Schädel. Die Haut war grau und spannte sich wie Pergament über den Knochen. Auf einmal spürte ich einen Druck in meiner Kehle und rannte hinaus.

passt das? ^_^
 
 
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michaelg
Alt 21.04.2004, 16:27   #10
Standard

Wieso sollte es nicht?

ABer wieso hast du meinen Rechtschreibefhler übernommen`? sollte Krankschreibung heissen.
 
 
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mika_tuk
Alt 21.04.2004, 16:42   #11
Standard

ich konnte mit dem wort allgemein nichts anfangen, darum hab ichs einfach abgeschrieben
außerdem is es mir nicht mal richtig aufgefallen
 
 
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Goldmund
Alt 22.06.2004, 10:54   #12
Standard

Mal ein Ausschnitt von dem wad ich in mein Büchlein so reinschreib

"[...] Wie es mir beigebracht wurde, sprach ich zu meinem Herzen, welches mir von einer anderen Welt erzählte. Eine Welt in der wir uns bereits befinden und bewegen, sie aber nicht sehen können, weil die Blender uns das Augenlicht genommen haben. Sie nennen es "Erwachsen" werden. [...]"

hi, ich schreib nicht alles am Stück sondern nur so text-fetzen, darum haben meine anderen texte keinen zusammenhang aber bald jop

Goldmund
 
 
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oraider
Alt 24.08.2004, 12:14   #13
Standard

...nachdem ich mich meines frühstücks entledigt hatte, setzte ich mich vor der kapelle auf eine bank, und ließ die letzten wochen revue passieren. man konnte wohl nicht von einem gelungenem lebensabschnitt reden. ich merkte wie verzweiflung in mir empor stieg, doch ich sagte mir, was ich immer in solchen situationen sagte:
-bleib locker, mann-
und genau das lies mich aufspringen und wild schreiend auf die parkbank eintreten. was sagte ich als ich trotz versprechen nach der ausbildung nicht übernommen wurde?
-bleib locker, mann-
als mir meine olle offenbarte, dass sie seit einigen wochen die pille nicht mehr nahm?
-bleib locker, mann-
bei der darauf folgenden verkündung einer schwangerschaft?
-bleib locker, mann-
als sich rausstellte, dass mein neuer chef ein verdammtes arschloch ist?
-komm schon kumpel, kein grund sich aufzuregen. einfach locker bleiben-
mit jedem tritt gegen die sitzhölzer entlud sich die wut, die sich urplötzlich nach der erkenntnis aufgebaut hatte, dass ich immer alles über mich ergehen lasse, keinen funken selbstachtung mehr in mir trage....
 
 
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Kitty-Kat
Alt 06.09.2004, 00:00   #14
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Beisetzung nach dem Tod

„Beisetzung um vierzehn Uhr“, dies ein Eintrag in meinem heutigen Kalender. In zehn Minuten ist es so weit. Mir bleibt genügend Zeit, mich in dunkle Kleidung zu stürzen und zum Friedhof zu fahren. Doch ich bewege mich nicht. Statt dessen lasse ich die Zeit verstreichen und versuche, mich an damals zu erinnern. Es ist über zwanzig Jahre her. Ich kann mich an einzelne Begebenheiten erinnern, an sein Gesicht, an seinen Dialekt. Aber mir fehlt das Gesamtbild. Es war einer meiner Schullehrer und heute findet sein Begräbnis statt. Als ich vor ein paar Tagen von seinem Tod erfahren habe, war der Beisetzungstermin schnell in meiner Agenda eingetragen. Heute ist dieser Zeitpunkt gekommen und ich komme nicht von meinem Stuhl hoch.

Kürzlich gehörte Worte fallen mir wieder ein. Diese meinten, dass das Begräbnis ein wichtiger Teil des Loslassens für die Angehörigen ist. Für Menschen, welche ihm nahe gestanden haben, beginnt nun der schmerzliche aber notwendige Prozess der Trennung. Notwendig für die Angehörigen. Aber gehöre ich zu denen?

Ich hatte mich an meinem letzten Schultag von ihm verabschiedet. Das ist viele Jahre her und seither hatte ich keinen Kontakt mehr mit ihm. Ohne es zu ahnen, habe ich mich damals für immer von ihm verabschiedet. Abschiede finden immer wieder
statt. Dem einen Abschied sind wir uns wohl bewusst, dem anderen nicht.

Meine Abschiede in unserem sozialen Gefüge sind immer sehr definitiv. Wenn selbst der Mensch, von dem ich mich verabschiede, sein Leben vielleicht noch weiterführen wird, so halte ich doch keinen Kontakt mehr mit dieser Person. „Natürlich können wir Freunde bleiben“, aber lassen wir erst mal ein paar Jahre ins Land streichen und sehen dann, ob wir danach Freude und Lust verspüren, eine neue Beziehung aufzubauen. Vielleicht sogar eine freundschaftliche.

Einem Kunden habe ich kürzlich geraten, sich von bestimmten Projekten zu trennen. Diese Trennung sei notwendig um Platz für neue Ideen und Projekte zu schaffen. Ich glaube, dieser Ansatz gilt auch im persönlichen Umfeld. Wir brauchen hin und wieder eine Trennung von bestehenden Dingen, um uns neuen persönlichen Herausforderungen stellen zu können.

Für die einen ist dies ein fast nicht zu verkraftender, schmerzlicher Prozess. Für die anderen Menschen ist dies eine Geburt auf einen Weg, das Leben neu auszurichten und damit auf einem anderen Wege zu starten. Und auch dieser neue Weg wird von vielen Abschieden begleitet sein.
 
 
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Thaiger
Alt 20.12.2004, 17:38   #15
Standard

Gestern saß ich beim Burger-King auf dem stillen Örtchen, als ich eine Stimme durch die Trennwand hörte: "Hi, wie gehts?" Normalerweise bin ich ja nicht der Typ, der auf Konversation im Herrenklo steht, aber trotzdem antwortete ich: "Schon okay, danke." Und die Stimme sagte: "Was machst du gerade?" Was für eine Frage? An diesem Ort? Ich dachte es wäre vielleicht unpassend in die Details zu gehen, und meinte: "Na ja. Das Übliche halt!" Als die Stimme plötzlich fragte: "Kann ich für ne Weile rüberkommen?" Völlig irritiert flüsterte ich: "Warum denn rüberkommen?" Schien ein Perverser zu sein weil die Stimme antwortete: "Ich könnte es dir so richtig besorgen!" Mich packte die Panik, ich sparte mir das Papier, zog schnellstens meine Hose hoch, stotterte ich hätte noch einen dringenden Termin und stürzte nach draußen. Kurz vor der Tür hörte ich dann noch, wie der Typ sagte: "Hör zu! Ich ruf später zurück, irgend ein Idiot quatscht mir ständig dazwischen..."
 
 
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Jazhara
Alt 20.12.2004, 21:23   #16
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Mit eiserner Hand hielt sie den Griff ihres Schwertes umfasst, ihr Atem raste und sie spürte ihren Puls im Hinterkopf wummern... leise zischelte die Worte: "immer das Genick durchtrennen... immer... oder den Rückgrad.. Den gottverdammten Rückgrad..." vor sich hin und stürzte sich dann mit einem Aufschrei auf die verdammte Gestalt die sich vor ihr aufbaute, die Gestalt, die ihr schartiges Schwert über seinen Kopf emporiss und sie aus leeren schwarzen Augenhöhlen dabei anstarrte. Wieder spürte sie den eisigen Schauder, doch ihre Entschlossenheit war stärker und ehe die knochige Gestalt zum vernichtenden Hieb ausholen konnte tat Jazhara das was sie ständig predigte indem sie mit einem gezielten vertikalen Schwertstreich den Untoten um einen Kopf kürzer machte...
„Siebenundzwanzig..." zählte sie trocken mit und warf dem in sich zusammenfallenden Seelenlosen aus dem Augenwinkel noch einen kühlen Blick zu, ehe sie sich auf den nächsten Gegner stürzte...
Doch Jazhara war nicht die einzige die so beherzt, dass es schon fast an Übermut grenzte, in diese Schlacht zog! Sie selbst diente unter dem Banner des Shagrath, dem treuesten Gefolgsmann von König Lyle, dem Herrscher des Reiches Vacaan. Shagrath führte die erste Legion des roten Lichtes an, eine glorreiche, vielgerühmte und obendrein ungeschlagene Streitmacht von zehntausend wackeren Kämpen. Diese Legion nun stellte die letzte Bastion, das letzte Hindernis, welches der Herr der rastlosen Seelen Yex`Vrangor auf seinem alles vernichtenden und verwüstenden Streifzug des Hasses überbrücken musste. Dieser nämlich wollte ein so gewaltiges Reich der Lebenden nicht dulden und fasste kurzerhand den Entschluss den Entschluss, dieses Königreich auszulöschen, nicht zuletzt da jede gefallene Seele, dieser Krieg fordern würde, seine eigene Macht mehren würde. Waffenklirren! Schlachtenlärm! Die Schreie sterbender Soldaten vermischten sich mit dem aufgewirbelten Staub, die Sonne brannte gnadenlos, was den Untoten nichts anhaben konnte, wohl aber den Menschen, die unter Aufbringen all ihrer Kräfte bis an ihre Grenzen kämpften und zahlenmäßig auf einen Lebenden zwei Untote kamen.
Shagrath kämpfte wie immer in der ersten Reihe und Jazhara, welche nicht nur ihm eine Schülerin sondern auch über die Jahre eine treue Freundin geworden war, kämpfte an seiner Seite.
Das Licht, welches gleißend von seiner rotgolden glänzenden Rüstung reflektiert wurde, erfüllte stets alle mit Wärme und Mut, er erschien wie das einzige Licht in einer dunklen Welt und unter seiner Führung zu kämpfen war für jeden einzelnen eine Ehre. Jazhara lächelte kurz in seine Richtung, suchte seinen Blick. Ihr stand die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben, als Shagrath den Blick erwiderte, als er ihr matt zulächelte und sie die von seinen Lippen die Worte "Gib niemals auf!" ablesen konnte. All das erfüllte sie mit neuer Kraft. Es war jedoch dieser kurze Augenblick der Unachtsamkeit, nicht kürzer als ein Wimpernschlag, nicht länger als ein Atemzug, der ihm zum Verhängnis wurde. Mit einem Ohr nahm er ein leises Surren wahr, fast ging es unter im Schlachtenlärm. Von einer bösen Vorahnung getrieben drehte er rasch den Kopf in die Richtung aus der er das Geräusch vernahm. Sekundenbruchteile später durchfuhr ein eisiger Schmerz seinen Körper. Er zuckte zusammen, der Pfeil hatte ihn in die rechte Schulter getroffen. Kurz wurde ihm schwarz vor Augen und kaum war dies wieder vorüber sah er ihn vor sich.. eine dieser untoten Mistkröten wie er sie heute schon zu Dutzenden niedergestreckt hatte, sah wie er das Schwert mit seinen knochigen Fingern umfasste, es über den Kopf gehoben hatte... und noch bevor er irgendetwas tun konnte spürte er wie die Klinge seinen Brustkorb durchstieß und sich tief in sein Fleisch bohrte. Er fühlte keinen Schmerz, die Klinge war einem eisigen Dorn gleich... es fröstelte ihn, sein Atem ging mit einem Mal schwer und gepresst. er konnte sich nicht Bewegen und alles was um ihn herum geschah erschien ihm als würde es Ewigkeiten dauern. Mit geweiteten Augen sah er in die ausdruckslosen Schädelhöhlen seines Gegenübers, welches ihn an sich heranzog und den Kopf schräg legte, als würde es über ihn spotten. Daraufhin ging alles blitzschnell, Shagrath bekam einen festen Tritt gegen die Brust und wurde dadurch zu Boden gestoßen. Da ihm dabei das Schwert aus dem Körper gezogen wurde entfuhr ihm ein lautloser Aufschrei des Schmerzes und sein ganzer Körper wurde von heftigem Schütteln gepackt. Sein treues Schwert entglitt seinen Fingern und er ließ den Hinterkopf kraftlos auf den unter den Stiefeln unzähliger Soldaten plattgestampften sandig-trockenen Boden sinken. Jazhara hielt mitten im Kampf inne, die Ahnung eilte der Gewissheit voraus, die sie erlangte als sie zu Shagrath herübersah. Doch sie wollte es nicht wahrhaben. Sie wusste, als sie Shagrath dort auf dem Boden des Schlachtfeldes liegen sah, dass ihm niemand mehr helfen konnte. Wut und Trauer mischten sich in ihr und Tränen schossen ihr in die Augen. Mit verschleiertem Blick kämpfte sie sich ihren Weg zu Shagrath und kniete neben ihm nieder. Ein dünner Faden Blut floss aus seinen Mundwinkeln und seine Augen waren geschlossen. Jazhara zog den leblosen Körper in ihre Arme und drückte ihn an sich, Bittere Tränen rannen ihre Wangen herab. Bilder tauchten vor ihrem inneren Auge auf, Bilder von ihr und Shagrath auf dem Übungsplatz, wie sie unbeholfen das Schwert hielt und Shagrath lachend daneben stand und ihr versuchte zu erklären, wie man mit einem Schwert umgeht - Bilder, von vielen gemeinsamen Momenten mit ihrem Lehrer und gleichzeitig auch gutem Freund. Und nun sollte er sterben? Shagraths Brustkorb hob und senkte sich mit jedem Atemzug und mit jedem Mal schien es, als würde ihm das atmen schwerer fallen. Dennoch zeigte sich auf seinen Lippen ein Lächeln als er Jazhara vor sich erkannte. Mit zittriger Hand stricht er ihr die Tränen von den Wangen... öffnete die Lippen dabei leicht.. sie spürte seinen warmen Atem. Seine Stimme war kaum mehr als ein flüstern als er sprach: "Jaz... " er lächelte matt.. "Hör mir bitte gut zu.." er legte ihr seine Hand, die früher Sanftmut und Stärke in sich vereinte kraftlos auf die Schulter "Du.. du wirst sie zum Sieg führen.. versprich es mir..." Jazhara schüttelte ununterbrochen kaum merklich den Kopf "n.. nein du musst es tun, all die Männer und Frauen hier zählen auf dich!" letzteres Wort betonte sie sehr eindringlich, sah ihn dabei direkt an doch er drückte nur leicht ihre Schulter "bitte, du.. musst es für mich.. tun.. All diese tapferen und treuen Kämpen kämpfen nicht für mich, sondern... sondern für das Leben derer, die ihnen wertvoll sind... sie kennen dich.. sie lieben dich..." seine Stimme wurde mit jedem Wort leiser, sodass es Jazhara nunmehr kaum möglich wahr ihn zu verstehen "und... und d.. d.. du bist die... die die Fähigkeit.. hat.. sie zu führen.. an... meiner... Statt.."
Wenige Augenblicke später erschlaffte die Hand, die er ihr auf die Schulter gelegt hatte und sank zu Boden... Shagrath schloss die Augen und atmete einige letzte Male schwer und langsam... dann bäumte er sich unter ihr auf und rief mit klarer Stimme "Ihr werdet siegen meine Brüder und Schwestern"... das letzte Aufbäumen des Recken war genauso schnell wieder vergangen wie es gekommen war. Wieder sank er zurück doch diesmal blieb er regungslos liegen... Shagrath war tot.
Jazhara schloss die Augen und schluckte:“Ich verspreche es" flüsterte sie mit gepresster Stimme.
Jazhara sah nicht auf als sie Shagrath ihren Händen entgleiten ließ, sah nicht auf als er dort vor ihr lag, sah nicht auf als sie sich langsam erhob... als die Zeit in diesen Augenblicken hundert mal so langsam zu verstreichen schien. Und da war es wieder, dieses Gefühl, diese Vorahnung! Sie war sich sicher, dass gleich etwas Furchtbares geschehen würde doch Zeit war ihr nicht gegeben zu reagieren denn mit einem Mal ging alles ganz schnell, als sie sich reflexartig umwendete. Da nämlich stand schon einer der Untoten mit erhobenem Schwert. Jazhara stand da wie gelähmt und ihre Hand, ja ihr ganzer Schwertarm zitterte. "Heb den Arm! Verflucht.. verteidige dich!", hörte sie sich innerlich murmeln doch es war unmöglich! Das Schwert schien hundert Mal so schwer wie sonst - eine einzige Last - und unwillkürlich machte sie einen Schritt rückwärts. Dann sah sie das Schwert näherkommen - die Bewegung erschien ihr wieder unendlich langsam - ja, man könnte sagen sie hörte es kommen, wie es die Luft teilte, sich seinen unheilvollen Weg bahnte. Die Wucht würde ausreichen ihr den Schädel zu spalten doch immer noch rührte sich nichts an ihr. Sie stürzte unsanft zu Boden aber das Schwert hatte sie knapp verfehlt. Ehe sie sich besinnen konnte und nachsehen konnte wer sie da eigentlich gerade gerettet hatte fühlte sie, wie sie etwas am Oberam packte und hochriss sodass sie im Nu wieder auf beiden Beinen stand.. "Nicht einschlafen jetzt" Ledolin grinste auf die gewohnt freche Art und Weise "ja?" auf seine Lippen trat nun ein kurzes Lächeln. Jazhara’s entgeisterten Blick sah er nicht mehr, denn er hatte sich schon wieder abgewendet und ins Gefecht gestürzt. Jazhara sah ihm noch einen kurzen Augenblick nach, dann wurde ihre Aufmerksamkeit wieder auf einen der heranstürmenden Knochenmänner gezogen, dem sie mit einem eleganten horizontalen Hieb den Kopf von den Schultern schlug. Die Dämmerung brach herein und noch immer kämpfte die Armee der Menschen tapfer und das schon den ganzen Tag lang als würden sie keine Erschöpfung kennen. Sie durften auch keine Erschöpfung kennen denn die Armee der Untoten kannte sie auch nicht. Nun aber da die Nacht hereinbrach musste endlich eine Entscheidung fallen, denn wenn es erst stockfinster werden würde, dann hätten die Menschen einen unausgleichbaren Nachteil, denn im Gegensatz zu ihren Widersachen sehen sie mit den Augen. In einem günstigen Moment eilte Jazhara zu Ledolin herüber und bedeutete ihm, mit ihr zu kommen, denn sie wollte sich über die Situation mit ihren Generälen kurz beraten. Am Beraterzelt angekommen, ließ sie nach Carlammoth schicken, dem zweiten General. Jazhara betrat daraufhin mit Ledolin das Zelt, in dem sich eine Art Tisch befand auf dem viele Karten der Region ausgebreitet waren. Sie drehte sich schließlich nachdem sie einmal um den Tisch gegangen war zu ihm um und grinste, fast sie wie er sie vorhin angegrinst hatte und meinte „Du bist wohl immer im richtigen Augenblick zur Stelle, was?" Ledolin sah einen Moment auf den Tisch, lächelte, dann wanderte sein Blick zu Jazhara. "Kennst mich doch" antwortete er und ein Schmunzeln huschte ihm über die Lippen. Jazhara nickte kurz, schwieg einige Augenblicke "ich konnte einfach nicht reagieren... ich.." "Schon gut" unterbrach sie Ledolin und lächelte "ist doch Ehrensache". Wieder nickte Jazhara stumm, schluckte als sie die Bilder des Schlachtfeldes wieder einholten. Sie sah sich, wie sie Shagrath in den Armen hielt, sah ihn ein zweites Mal sterben. Jazhara ging weiter um den Tisch herum.. hielt neben Ledolin inne und sah ihn von der Seite an... "Shagrath ist tot.." flüsterte sie, während ihr eine einsame Träne über die Wange lief. Ledolin senkte den Blick "ich weiß..." antwortete er und sah Jazhara an, die ganz leicht ungläubig den Kopf schüttelte. Jazhara biss sich auf die Unterlippe und schloss dann die Augen. "Ach Ledolin wie konnte das passieren..." wieder war ein leises Beben in ihrer Stimme zu hören und sie schloss ihn ohne weiter darüber nachzudenken in ihre Arme, um sich an seiner Schulter auszuweinen. In just diesem Moment betrat General Carlammoth das Zelt "Ihr ließet mich rufen?" fragte er mit militärisch fester Stimme, neigte kurz das Haupt zum Gruße als er Ledolin und Jazhara im Zelt stehen sah. "Die Untoten zerschlagen unsere Linien" fuhr er fort als ihm im ersten Moment nur Schweigen entgegnet wird wobei er etwas mehr in das Zelt eintrat. Jazhara ließ Ledolin los, atmete kurz hörbar durch die Nase ein und aus und ging dann einen Schritt zurück. Daraufhin wendete sie sich Carlammoth zu und nickte "Ja deswegen habe ich Euch rufen lassen" sprach sie leise. Jazhara ging mit langsamen Schritten neben dem Tisch auf und ab und strich mit der Hand dabei über die glattpolierte Tischplatte. "nun, was können wir tun... wir haben zu wenige Männer um eine offene Schlacht noch zu gewinnen... soviel ist gewiss..". Ledolin nickte zustimmend "Ja wir sollten uns vielleicht an einen strategisch günstigeren Ort zurückziehen?" dabei wanderte sein Blick zu Carlammoth, dem diese Idee sicher nicht gefallen dürfte, das war er von ihm gewohnt - und prompt kam die Antwort die er erwartet hatte: "Auf keinen Fall" entgegnete Carlammoth und runzelte die Stirn "damit würden wir nur etwas Zeit gewinnen und überhaupt, wie stellt ihr Euch in dieser Situation einen geordneten Rückzug vor?" Ledolin musste zugeben, dass Carlammoth recht hatte, an Rückzug war nicht zu denken. Er schwieg, Jazhara schwieg ebenfalls und Carlammoth, in dessen Augen ein stilles Feuer zu lodern schien, sah die beiden abwechselnd mit seinem festen Blick an, woraufhin er mit der Faust auf den Tisch schlug. Jazhara sowie Ledolin zuckten leicht zusammen. "Ich sage wir machen genau das Gegenteil, wir schlagen uns durch zu ihrem Anführer Yex`Vrangor". „Aber wir können doch nicht einfach..." warf Jazhara plötzlich ein "nein wir haben dafür zu wenig Leute..." sie schüttelte ungläubig den Kopf. „Hört meinen Plan. wir drei nehmen jeweils ein drittel unserer Truppen..." inzwischen erschien einem das Feuer in seinen Augen wie ein Flammenmeer "...Ledolin und ich, wir werden jeweils von einer Flanke angreifen, du dagegen Jazhara wirst warten bis die Mitte von unseren Feinden völlig vernachlässigt wird und DANN" wieder schlug er mit der geballten Faust auf den Tisch "dann wirst du zuschlagen.." In Jazharas Augen zeigten sich Zweifel. „as würde vielen Männern und Frauen das Leben kosten! Außerdem glaube ich nicht, dass bei dieser gewaltigen Zahl unserer Feinde die Mitte stark genug vernachlässigt werden wird!“ Carlammoth wog den Kopf von einer Seite auf die andere "nun... wenn wir nichts tun verlieren wir ALLE unser Leben und wenn ihr eine bessere Idee habt so lasst es mich hören".
Er sah Jazhara noch einen Moment lang an, doch eine Antwort bekam er nicht. Bis sie schließlich lächelte. „Wann geht’s los?“
Nur wenige Zeit später war es vollbracht. Mittels großer Fackeln, deren Licht in der Dämmerung weithin zu sehen war wurden die Truppenbewegungen rasch vollzogen und bald hatten Ledolin, Carlammoth und Jazhara je ein Drittel der verbleibenden Kämpen hinter sich. Nun galt es zu hoffen dass Carlammoth recht behielt und die Untoten tatsächlich die Hauptfront vernachlässigen würden, so man sie von den Flanken her angreifen würde. Ledolin stand auf einer Anhöhe und beobachtete die Fackelzeichen, die ihm Charlammoth von fern geben ließ. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn und er verteilte rasch ein paar Anweisungen und auch sein Fackelträger überbrachte eifrig Nachrichten an die anderen Truppen. Seine Brüder und Schwestern, seine Kampfgenossen, alle sammelten sie sich. Weiterhin war das Waffengeklirre allgegenwärtig, man versuchte die Untoten, die hangaufwärts kämpfen mussten, weiterhin aufzuhalten was auch gut gelang. Ledolin lächelte und schüttelte den Kopf. Er stand einfach nur herum während andere weiter vorne ihr Leben riskierten. Seine Hand wanderte zu seinem Schwertknauf und er schob sich durch die Masse der Kämpfer hindurch bis zur Frontlinie. "Aaaaaaaangriiiiiiiiiiff" Ledolin hob sein Schwert gen Himmel und deutete dann mit der Schwertspitze nach vorne, denn Carlammoth hatte mittels der Fackelzeichen zum gemeinsamen Angriff aufgerufen. Kampfgeschrei erhob sich und die Erde bebte unter den Füßen vieler hundert Soldaten die gleichzeitig den Hügel hinabstürmten, teils ihre Waffe über den Kopf schwingend. Die Frontlinie der Untoten wurde nahezu über den Haufen gewälzt, jeder, wirklich jeder kämpfte mit vollen Einsatz. Doch es war nun schon fast dunkel und außer den großen Fackeln erhellten nur noch die letzten warmen Sonnenstrahlen das Schlachtfeld. Ledolin biss die Zähne zusammen "Hoffentlich klappt es.." wisperte er mehr zu sich selbst, als ihn die schartige Klinge eines Schwertes nur knapp verfehlte.
Jazhara derweil hatte sich mit ihren Truppen zurückgezogen und nur eine geringe Menge der untoten Truppen war ihrer Streitmacht gefolgt. Diese stellten kein großes Problem da und waren rasch überwunden. Nun harrte sie aus, beobachtete besorgt das Kampfgeschehen und wartete den richtigen Moment für einen Sturmangriff ab. Und tatsächlich schien es als würden die feindlichen Truppen sich in ihrer fast willenlosen Blutdurst mehr und mehr auf der linken und rechten Flanke zusammenzurotten. Auuuuuuf geeeeehts!! Stüüüüüüüüürrrrrrmmt" rief Jazhara und rannte als erste los, das Schwert fest umfasst. Ihr folgten fast 1500 Krieger. Unter dem Getrampel ihrer Füße wurde der Staub in den Abendhimmel hinaufgewirbelt und brannte in der Lunge und den Augen. Doch unbeirrt rannten sie weiter. Ihr Ziel war das schwarze Zelt dass auf einer Anhöhe inmitten der untoten Horden stand. Jazharas Truppen stießen weit vor, es brauchte seine Zeit bis die Untoten wieder halbwegs begannen, ernstzunehmenden Widerstand zu leisten doch dann schloss sich die Lücke hinter Jazharas Truppen! Nun gab es kein Zurück mehr. Nur noch zwei Möglichkeiten: Gelingen oder den Tod! Je näher sie den Zelt kamen, desto schwerer wurde das Vorankommen und desto mehr Feinde stellten sich einem einzelnen Kämpfer entgegen. Um jede Fußbreite Platz musste verbissen gekämpft werden aber gleichzeitig kamen die Gegner nicht nur von vorn sondern auch von rechts, links und hinten... ja, von überall!
Bald war Jazharas Stoßtrupp fast vollständig aufgerieben, nur noch wenige hundert Mann waren am Leben und viele zweifelten am Gelingen ihres Vorhabens. Und Zweifel macht schwach. Praktisch jeder der auch nur einen Moment nicht an das Gelingen dieses Mutigen Vorstoßes glaubte wurde ehe er mit der Wimper zucken konnte nieder gemacht. Nie zuvor hatte sich Jazhara so kämpfen gesehen, nie zuvor hatten alle die, die in der ersten Reihe fochten so brüderlich, ehrenhaft und mit ganzen Herzen gekämpft. Jeder achtete auf seinen Nächsten! War bisweilen die Parade eines Schwerthiebes mit der eigenen Waffe nicht möglich konnte man sicher sein dass das ein Mitstreiter übernahm.
Dann war es endlich geschafft! Der Hügel war erreicht doch waren von den einstmals 1500 Kämpen nur noch eine Hand voll, ja nur ein gutes Dutzend übrig. Alle hatten sie ihr Leben gegeben um diesen zwölfen das Durchkommen zu ermöglichen. Sie durften einfach nicht versagen! Wie von einer unsichtbaren Macht beflügelt war der Hügel binnen kürzester Zeit erklommen. Vor dem Zelt stand er, Yex`Vrangor, seine Gestalt fast menschlich, seine Haut jedoch schwarz und glänzend wie Ebenholz und von einem unheilvollen Glanz. Seine Rüstung, aus schwarzem Metall geschmiedet, wie sie es zuvor nie gesehen hatten, war seiner Haut im Glanze gleich. Der sanfte Abendwind, der ihn umwehte spielte mit seinem Umhang aus schwarzer Seide. Seine Augen, ein Meer aus grenzenloser Bosheit, ein Hort verlorener willenloser Seelen, eisig und unendlich wie eine Schneewüste. Sein Blick war ausdruckslos, sein Gesicht ohne jede Regung, kein Lächeln, keine Trauer, keine Wut, kein Hass, seine Mimik völlig entspannt. Jazhara hielt noch einen Moment inne, dann stürmte sie weiter, geradewegs auf Yex zu und alle folgten sie ihr treu auf Schritt und Tritt und stürzten sich mit in dieses alles entscheidende Gefecht. Jazhara wollte den Kampf mit einer Finte eröffnen, indem sie Yex glauben lassen wollte, sie würde ihn mit einem vertikalen Schwerthieb angreifen. Würde er dann parieren wollen, so würde sie sich unter seinem Schwertarm wegducken und er wäre ungedeckt gegen eine weitere Attacke. Doch Yex' Reaktion hätte sie nicht erwartet. Er stand ganz still da, sein Schwert am Knauf umfasst, den Blick ließ er auf Jazhara ruhen. "Er verteidigt sich nicht...", schoss es Jazhara durch den Kopf und so entschloss sie, den Schlag doch nicht zurückzuziehen. Doch damit irrte sie denn mit einem Mal wich ihr Gegner flink zurück, zog sein Schwert mit kaum vorstellbarer Geschwindigkeit und ließ den Hieb an seiner Klinge abgleiten. Nun trafen auch Jazharas Mitstreiter ein, es entbrannte ein Kampf den sie sicher so schnell nicht vergessen würden. Denn Yex schien jeden Angriff vorauszusehen und nahm es so leicht mit einem Dutzend wackerer Streiter auf. Zwei seiner Widersacher hatte Yex bereits niedergestreckt und immer noch zeichnete sich keine Wende ab. Weder schien der Dämon in irgendeiner Weise körperlich müde zu werden, noch änderte sich etwas an seiner seltsamen Gabe, seinen Gegnern scheinbar die Gedanken lesen zu können.
Keiner der Untoten schien sich in diesen Kampf einmischen zu wollen, was sicherlich auch vorteilhaft für Jazhara und ihre Gefährten war, denn mit dem Dämonen hatte man schon genug zu tun. Das Kampfgeschehen zog sich immer mehr in die Länge und immer mehr der tapferen Streiter wurden von Yex´ Hand gefällt. So konnte das nicht weitergehen! Zum Denken blieb ihr kaum Gelegenheit musste sie feststellen, als ihr ein Schwerhieb knapp am Halse vorbeizischte - so knapp dass die dünne Kette, die sie um den Hals hatte, durchtrennt wurde. Der Anhänger der an dieser Kette hing fiel ihr vor die Füße und mit einem Mal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Der Hofmagus und gute Freund ihres Vaters hatte ihr das einst zum Schutz gegen dämonisches Gezücht gegeben. Die Szenerie spielte sich vor ihrem inneren Auge noch einmal ab, er hatte gesagt: "Hier Jazhara, diese Welt ist voller Gefahren. Nimm diesen Anhänger zum Schutz, er wird dich bei einer Begegnung mit einem Dämonen vor diesem beschützen. Du musst ihn nur fest in die Hand nehmen und seine ihm innewohnende Kraft nutzen"... schlagartig warf sie sich auf den Boden und hob den Anhänger auf, umschloss ihn fest mit ihrer Hand. Sie sprach es zwar nicht aus doch mit einem Mal wurden die Bewegungen des Dämonen langsamer, bis er schließlich völlig paralysiert zu sein schien. Noch ehe sie sich versah begann dieser Zustand auch schon wieder nachzulassen, denn dieser Dämon war einfach nur unglaublich mächtig - also musste sie jetzt handeln. Mit einem lauten aggressiven Aufschrei stürmte sie auf Yex zu und rammte ihm ihr Schwert durch den Leib. In diesem Moment sah sie der Dämon regungslos an, dann taumelte er einen Schritt zurück. Dann legte er seine Hand auf die von Jazhara, die immer noch den Schwertknauf umfasst hielt und drückte so fest zu, dass man es knacken hörte. Dann zog er das Schwert heraus. Jazhara wusste, sie musste ihn schwer verwundet haben musste, denn ihr Schwert war nicht irgendein Schwert sondern eine geweihte Waffe die nur von Mitgliedern der Königsfamilie getragen werden durfte. Der Dämon sah sie einige weitere Sekunden regungslos an, dann entglitt ihm seine Waffe und er sank auf die Knie. Doch wider aller erwarten begann er daraufhin zu lachen, die Stimme des Dämonen, wenn man es überhaupt als solche bezeichnen kann, war unglaublich tief und dröhnend und mit jeder Sekunde begann sich sein Körper scheinbar mehr und mehr aufzulösen. Schließlich hörte man ihn in der Stimme der Menschen etwa folgendes sagen "Nun... da ich mein Werk nicht vollenden kann werdet ihr mir dazu als Werkzeug dienen Finsternis über diese Welt zu bringen! Erinnert euch an diese Worte jede Nacht eures kümmerlichen Daseins Sterbliche!! Erinnert euch............!" dann war von der Stimme, die über das ganze Schlachtfeld zu dröhnen schien, nichts mehr zu hören und das Lachen Yex`Vrangors, der sich in seine Sphäre zurückzog, klang aus. Mit einem Mal fielen alle Skelettkrieger in sich zusammen, denn ihr Gebieter war nicht mehr im Diesseits. Hatten sie es wirklich geschafft? Jazhara sah sich um, hatte Ledolin wohl überlebt? Und Carlammoth? In der Ferne wieder die Fackelzeichen... "Sammeln im Lager!", verkündeten sie.
Dort angekommen blieb Jazhara beinahe der Atem stehen "so wenige nur haben es überlebt?" flüsterte sie zu sich selbst und senkte den Blick betroffen. Dann sah sie Ledolin und Carlammoth und eine gewisse Erleichterung machte sich in ihrem Herzen breit, wenngleich ihr bewusst war, dass viele andere hier Freunde, Geschwister, Lebensgefährten und andere Familienangehörige verloren hatten. Der Frieden war hart erkämpft und hat viele Leben gekostet, sie war also fest entschlossen diesen nun bis an ihr Lebensende zu wahren.
Am nächsten Morgen wurde das Lager abgebrochen und man zog Richtung Heimat.




Jazhara blickte aus dem Fenster hoch im Turm hinaus in die kühle, frische Nacht. Seit langem waren wieder die Sterne zu sehen und seit langem fühlte sich der Wind wieder angenehm auf der Haut an. Die Luft war nicht mehr verpestet vom Gestank der Untoten, der die letzten Monate stetig durch das Lager geweht kam.
Noch lange stand sie am Fenster... und lächelte... Sie dachte an den Sieg, an das Fest, dass den tapferen Krieger wegen gefeiert wurde, an die ausgelassene Stimmung im Festsaal. Alles war wieder so wie früher... nein, nicht ganz. Jazhara musste unwillkürlich an Shagrath denken und das Lächeln verschwand.
So stand sie noch eine ganze Weile am Fenster, in Gedanken versunken. Doch irgendwann merkte sie, dass eine eisige Kälte durch das Zimmer strich. Jazhara schloss das Fenster um sich am Kaminfeuer zu wärmen. Doch warum wurde ihr nicht warm? Sie merkte, dass die Luft um sie herum warm war... doch ihr Körper war kalt... kalt wie der Tod.

Später in der Nacht wachte Jazhara wieder auf, ihr Herz raste... Schmerzen schossen durch ihren Körper und ihr war noch kälter als vor wenigen Stunden. Die Haut wurde weiß und fiel ein, bis irgendwann die Knochen hervorstanden. Überall in der Burg hörte sie Schreie, doch mit der Zeit wanderten auch diese in weite Ferne. Erst als die Schmerzen unerträglich wurden hatte das Schicksal scheinbar Mitleid mit ihr... alles um sie herum wurde schwarz.

Als sie wieder zu sich kam war es immer noch kalt und dunkel und der Boden war auf dem sie saß war feucht. Und mit jedem Moment, in dem ihre Benommenheit weiter wich wurde ihr klarer wo sie sich gerade befand: Es war der Kerker des Schlosses. Neben ihr lag Ledolin, in der anderen Ecke Carlammoth. Sie war froh und erschüttert zugleich die beiden hier zu sehen. Dann ließ sie den Blick weiter schweifen und fand viele derjenigen wieder, die noch gestern Seite an Seite mit ihr gekämpft hatten. Ungläubig schüttelte sie den Kopf und schluckte einmal. Vor der Tür der Kammer erblickte sie einen der Wächter, der sie mit angsterfüllten Augen anstarrte. Jazhara lehnte den Kopf zurück an die Wand... es war ein Traum... es MUSSTE ein Traum sein... wie konnte das wahr sein? Wieso sollte sie im Kerker sitzen? Ja, es war ein Traum... aber doch so real? Konnte man in Träumen denken? Konnte man, wenn man träumt, fühlen? Diese Gedanken verwirrten sie, wenn es kein Traum war... wieso war sie dann komplett angekleidet? Sie konnte sich nur daran erinnern, im Bett gelegen zu haben. Doch plötzlich zuckten Bilder für Bruchteile von Sekunden durch ihren Kopf. In diesen sah sie sich selbst von Krämpfen geschüttelt in ihrem Bett herumwälzen. Sie griff herunter an ihren Stiefel, wo sie an der Innenseite immer einen Dolch aufbewahrte. Auch das hatte sie Shagrath gelehrt, nie, NIEMALS waffenlos wegzugehen. Der Dolch war da, sie zog ihn heraus und fuhr mit der Klinge einmal quer über die Handfläche um sich einen Schnitt zuzufügen - wenn es ein Traum wäre, dürfte sie nun keinen Schmerz empfinden. Doch genau den fühlte sie. Sie musste also wach sein! Doch warum war sie hier? Warum lag sie nicht in ihrem Bett? Und warum konnte sie sich nicht daran erinnern hier heruntergekommen zu sein? Und warum waren alle anderen treuen Kämpfer des Königs ebenfalls hier unten? WARUM LIEß IHR EIGENER VATER ZU, DASS SIE HIER UNTEN EINGESPERRT WAR? Was war nur geschehen? Die Stunden verstrichen, ohne dass Jazhara Antworten auf ihre unzähligen Fragen erhielt - sie sprach kein Wort, sah jedoch ab und an zu Ledolin, der dort ebenso regungslos lag, herüber, wechselte den einen oder anderen Blick mit ihm. Schließlich sah sie ihn den Kopf schütteln. An seinem Blick konnte sie erkennen, dass er ebenso wenig begriff was hier vor sich ging wie sie selbst. Dann endlich überkam sie eine befreiende Müdigkeit, all die Strapazen der letzten Wochen und Monate und nun das hier - sie fühlte sich völlig überfordert. Ein unsanfter Ruck riss sie aus ihrem traumlosen Schlaf. Als sie die Augen öffnete fand sie sich über die Schulter eines schwergewichtigen kräftigen Mannes liegen der sie offensichtlich aus der Zelle trug. Es war sonst niemand mehr da, alles völlig leer. Auch Ledolin lag nicht mehr dort wo sie ihn vorhin zuletzt gesehen hatte. Sie wollte etwas sagen, protestieren, schreien doch ihre Kehle war staubtrocken und heraus kam nur ein Röcheln. Ihre Hände waren zusammengekettet, die Füße ebenfalls. Alle Befreiungsversuche halfen nichts, der Mann unter ihr war robust wie ein Fels und all die Schläge und Tritte die sie ihm verpasste schienen ihm nicht das geringste anzuhaben. Irgendwann schlussendlich gab sie es auf. Wo er sie nur hinbringen würde? Sie ahnte es als sie die ersten wütenden Schreie und aufgebrachten Stimmen vernahm und sie erkannte den Gang. Es war der Gang der nach draußen auf den Platz führte auf dem ihr Vater immer öffentliche Hinrichtungen.... - WAS? Nein das konnte nicht DER Gang sein! Wie sie jedoch bald feststellen sollte war es genau der Gang. Sie wurde ins Freie getragen. Dort saßen in einer Art Käfig wie Tiere zusammengepfercht all ihre anderen Kampfgefährten. Wie sie jedoch bald feststellen sollte war es genau der Gang. Sie wurde ins Freie getragen und das erste was sie dort sah war ihr Vater, der erhaben mit ernster Miene das Geschehen von einer Art Loge aus betrachtete. Er schien jedoch dem Blick seiner Tochter auszuweichen. Das zweite noch viel schrecklichere was sie sah war der große Scheiterhaufen auf dem all ihre Gefährten festgebunden waren. Ihre Kleidung war mit schwarzem Pech bestrichen und keiner rührte sich auch nur im Geringsten. Um den Scheiterhaufen stand all der Pöbel, der wütete und tobte. Um den Scheiterhaufen stand all der Pöbel von dem die wütenden und hasserfüllten Rufe ausgingen. Sie wiederum hasste diesen undankbaren Haufen in diesem Augenblick, denn sie hatte doch ihr Leben für ihn riskiert? Warum also forderte man nun ihren Tod wo man sie doch noch am Vortag als Helden gefeiert hatte?

Ihr Herz zog sich vor Bitterkeit zusammen, als sie daran dachte, wie ungerecht die Welt doch eigentlich war. Doch auch dieser Schmerz wurde schnell wieder überschattet von der verdammten sie immer wieder einholenden Frage, was zum Teufel sie denn eigentlich hier zu suchen hatte? Wurde man denn neuerdings dafür verbrannt, dass man seine eigene Heimat verteidigte? Es war ein Traum! Oder? Ja da spielte sie sich mit ihrer blühenden Phantasie selbst einen Streich. Sie wollte gar kurz darüber lachen doch sie konnte nicht... sie fühlte eine einsame Träne ihre Wange hinunterkullern und wusste, es war real - mit diesem Augenblick wusste sie es!
Unsanft warf sie der Mann, der sie herausgetragen hatte zu Boden, um sie gleich darauf wieder hochzureißen und an einen Holzpfahl zu fesseln. Jazhara glaubte immer noch an einen großen Irrtum, keinen Traum aber irgendwas musste man hier ganz fürchterlich missverstehen, denn was hatte sie denn verbrochen? Ihr Vater würde das schon wieder richtig stellen, da war sie sich sicher und dieser Gedanke ließ sie für einen Moment hoffen - ein angenehmes Gefühl der Hoffnung ging von ihrem Herzen aus und durchströmte sie. Dann fiel ihr Blick auch schon auf einen der treuesten Gefolgsmänner ihres Vaters, der in den Hof trat, er würde wohl die Anklageschrift verlesen. Aber irgendwie hatte er es heute sehr eilig, alles hinter sich zu bringen, nichts war zu sehen von seinem stolzen Gang und in einem seltsam zitternden Tonfall fing er an die Zeilen zu verlesen, die man ihm auf das Papyrus geschrieben hatte. Seine sonst so sichere Stimme versage fast völlig. Wiederum einmal mehr zerbrach sich Jazhara den Kopf darüber, was eigentlich los war - Würde sie es jetzt endlich erfahren? Sie zwang sich also der Anklage zu lauschen: „... werden angeklagt wegen blutigen Attentaten von böswilliger und grausamer Natur des Nachts auf wehrlose unschuldige Gefolgsleute, die unter dem Schutz des Bürgerrechts standen, welches von unserem ehrenhaften König Lyle, gepriesen sei sein Name, Herrscher von Vacaan, in Dato 1302 verkündet wurde. Überlebende berichteten übereinstimmend, dass die Opfer auf bestialische Art und Weise mit bloßen Händen getötet und ausgeweidet wurden...“ Bei diesen Worten weiteten sich Jazharas Augen und Übelkeit stieg in ihr auf. Sie konnte nicht glauben was sie da hörte. Fast schon wollte sie den Herold unterbrechen, doch sie besann sich eines Besseren und hört weiterhin zu, auch weil ihre müde krächzende Stimme sowieso kaum vernommen werden würde und dann mit Leichtigkeit überstimmt werden würde - kurzum: Einwände würden nicht auf das nötige Gehör stoßen. Ein kurzer Blick zu Ledolin, den sie glücklicherweise an einem Pfahl neben sich wiederfand, bewies ihr, dass er genauso wenig wusste, von was der Herold da redete. „... verbreiteten Schrecken in der gesamten Feste, Augenzeugen berichten, die Angeklagten hätten fast tierische Laute von sich gegeben und Teile der Leichen verspeist, die Gesichter wären verzerrt und eingefallen...“ Die Stimme des Herolds erzitterte ein weiteres Mal und durch Jazharas Kopf schoss ein vereinzeltes Bild, das Bild einer ausgeweideten Leiche, und über dieser Leiche eine menschliche Gestalt, jedoch vollkommen entstellt - eine Erinnerung? Sie fühlte für eine Sekunde die schrecklichen Schmerzen, die sie in der vergangenen Nacht heimgesucht hatten, die Kälte, die ihr Blut durchflossen hatte... was war nur geschehen?! War es so wie der Herold gesagt hatte? Es klang wie ein Märchen - ihre Mutter hatte ihr viele Märchen erzählt als sie noch jung war! Von Prinzen, Drachen, schönen Maiden, Räubern und großen Abenteuern - doch dies war ein unglaublich grausames Märchen wenn es denn eines war „... diese grauenvolle, abscheuliche Tat, derer sich die hier angeklagten zweifelsfrei schuldig gemacht haben, soll mit dem Feuertod bestraft werden, auf dass Gott ihrer Seele gnädig sei und sie reingewaschen werde...!“ schloss der Gefolgsmann des Königs seine Rede. Die Hand mit der Anklageschrift senkte sich und ein trauriger, ungläubiger Blick flog über die Menschen, für die nun der letzte Morgen gekommen sein sollte. Jazhara suchte den Blick ihres Vaters. Er saß nun nicht mehr, er stand nun am Rande der Loge und schaute ihr direkt in die Augen. Sein Gesicht war bleich wie das eines Toten und seine Augen spiegelten tiefen Schmerz wieder. Glaubte er denn wirklich an die Schuld seiner Tochter? Schon kamen Männer mit Fackeln herbeigelaufen um die Scheiterhaufen in Brand zu stecken. Vor ihr tauchte ein etwa 14-jähriger Junge auf der eine Fackel in der Hand hielt. „Du hast meinen Vater getötet! Dafür sollst du nun sterben!“ schrie er und spuckte sie an.
Zwei Atemzüge später warf er das brennende Holz auf den Scheiterhaufen der auch sofort anfing lichterloh zu brennen. Jazhara schaute noch einmal hoch zur Loge wo ihr Vater stand, doch er war verschwunden. Die ersten Flammen versengten ihre Haut und sie schloss die Augen. Um sie herum war die Luft erfüllt von den Schmerzensschreien der Brennenden und den wütenden Rufen des Volkes. Hitze floss nun anstelle des Blutes durch Jazharas Adern und sie atmete den Rauch, der in der Lunge brannte. Ihr Herz ging rasend, doch sie fühlte keinen Schmerz, bald auch schmeckte sie den bitteren Rauch nicht mehr. Noch einmal öffnete sie die Augen und schaute herüber zu Ledolin, ein letztes Mal trafen sich ihre Blicke, - ein letztes Lächeln schenkte er ihr, ehe die Flammen über seinem Kopf zusammenschwappten wie kochendes Blut und ihn vollständig einhüllten und verschlangen - ehe sie die Augen erneut schloss, ein letztes Mal. Keine Schmerzen, nein wohlige Wärme verspürte sie! Wohlige Wärme und unendlich großen Frieden, der sie überkam als sich das Feuer mit ihrem Herzen vereinte und die Seele den sterblichen Rest des Körpers verlassen wollte. Mit ihrem letzten Atemzug hauchte sie ihr Leben aus...



Doch etwas hielt sie. Sie spürte eine unglaublich starke astrale Aura, die sie hinderte, in die Unendlichkeit zu entfliehen.
Träge stiegen die Rauchschwaden von den völlig niedergebrannten Scheiterhaufen auf, kein Windchen wehte und mit einem mal legte sich eine betroffene Stille über all die Anwesenden. In diesem Moment betrat eine weitere Person die Szenerie: Ein Mann, eingehüllt in eine Robe aus blutrotem Stoff, offensichtlich schon jenseits der 60 Winter, mit einem schlohweißen Vollart und einer ernsten Miene, ging langsam auf die verkohlten Holzreste auf. Er stützte sich beim Gehen auf einen Stab aus edlem Flammeneichenholz, in den ein Bergkristall von wunderbarer Reinheit und Schönheit eingearbeitet war. Alle hier schienen großen geradezu abergläubischen Respekt vor dem Großmeister der arkanen Künste und persönlichen Hofmagus seiner Majestät zu haben. Dieser kniete sich nieder und zerrieb ein wenig Asche zwischen seinen Fingern woraufhin man ihn zufrieden Lächeln sah. Mit einem Wink rief er etwa ein Dutzend seiner jungen Schüler herbei die die Asche der Verbrannten auflasen und in kleinen steinernen Gefäßen verstauten. Was der einfältige Laie nicht erkennen konnte waren die magischen Bannzeichen, die um den Hinrichtungsort herum auf den Boden geschrieben worden waren und die sphärische Wesen wie auch die Geister der Verstorbenen am Entkommen hinderten. Was man ebenfalls nicht auf den ersten Blick sah war, dass neben der Asche nun auch die Seelen aller Verstorbenen in diese Gefäße verbannt wurden. Davon hatte man nichts öffentlich erzählt doch zweifelten viele Magi und Magae, die der König kurz zuvor zu sich berufen hatte, daran dass die bloße Kraft des Feuers ausreichen würde, einen so mächtigen Fluch aufzuheben. Also musste man die Geister irgendwo weit weg an einem geheimen Ort bis in alle Ewigkeit bannen da die Magie dieses dämonischen Fluches von keinem Menschen gebrochen werden konnte. Man hatte sich schon zuvor geeinigt einen verlassenen Schrein nahezu unbekannten Schrein im unwirtlichen und unwegsamen Favaljel-Gebirge dafür zu verwenden. Als man die Asche dorthin gebracht hatte wurde die Tür mit einem Steinschlag verschlossen und die vereinigte Macht von 111 Magiern aus allen Ecken und Enden des Landes schuf einen mächtigen Bannzauber, der für immer halten sollte!
Die Jahre vergingen und was einst ein wohlgehütetes Geheimnis der Magier war wurde bald Legende und viele machten sich auf, den Schrein zu suchen doch dieser wurde nie gefunden. Vergessenheit legte sich über die alte Geschichte und die Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende zogen vorüber. Niemand kümmerte sich darum dass das Favaljel-Gebirge, welches eins voll von grünenden Bergwiesen war, deren Blütenpracht im Frühling manch einen Wanderer, der sich weiter vorgewagt hatte, erfreute, allmählich immer trostloser und finsterer wurde, da dies nur sehr langsam über mehrere Jahrtausende vor sich ging. Doch genau darin äußerte sich ein folgenschwerer Fehler, den damals niemand bedacht hatte, denn um eine solche mächtige Barriere aufrecht zu erhalten wird permanent astrale Energie gebraucht, die zwar jedem Wesen, jeder Pflanze, ja jedem Stein sogar innewohnt aber leider nur in endlicher Menge. Dies war zwar ein sehr langsamer aber unaufhaltsamer Prozess, denn jeder der dem Schrein nun zu nahe kam wurde seiner Lebensgeister beraubt, denen die meiste Energie innewohnte. Äonen später war der Planet nur noch ein Stern der Finsternis, auf dem es kein Leben mehr gab und auf dem auch keines existieren konnte. Und nun war der Zeitpunkt erreicht, da der Bann seine Wirkung verlor, denn der Zauber wurde nicht weiter gespeist. Was über die Zeitalter innerhalb dieses Schreines vor sich ging kann sich kaum ein Sterblicher vorstellen, mit unglaublicher Wucht stießen die gefangenen Seelen immer wieder gegen die Barriere, sodass sich auch von innen heraus eine unglaubliche Spannung aufbaute. Kaum war der Bann aufgehoben sprengte es den gesamten Gebirgszug und die Seelen wurden in die Weiten des Weltraumes verstreut.
 
 
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Jazhara
Alt 20.12.2004, 21:27   #17
Standard

viel spaß beim lesen!
 
 
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francis
Alt 21.12.2004, 00:26   #18
Standard

sicher eine nette story aber was hat die mit dem anfang zu tun?

wieder weglöschen bitte...mach doch einen eigenen thread damit auf!
 
 
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