#1
Die Sünde
Da liegt sie. Unschuldig, ganz ruhig, auffordernd ihr Blick. Ihr zartes Antlitz, der schimmernde Teint. Ihr ist warm. Sie trägt ein mattes Oberkleid, darunter schimmert es verführerisch glänzend. Sie liebt dieses glänzende Unterkleid, trägt es oft. Ihr Oberkleid wechselt, aber sie hat Geschmack.
Sie ist umstritten. Sie ist die Aglaopheme unter den Huren, wunderschön und tödlich zu gleich. Wer ihrem Rufen erliegt, kann sich schaden, kann sich töten. Sie verführt wie keine andere.
Zum wiederholten Male frage ich mich, wie sie es immer und immer wieder schafft mich so in ihren Bann zu ziehen. Ich kann den Blick kaum von ihr wenden. Wohlgeformt und leicht gebräunt. Sie ist nicht wie die anderen, sie ist markant, fast eckig, die weiblichen Rundungen fehlen ihr ganz und gar. Das fasziniert.
Ich versuche meinen Blick zu lösen, versuche sie zu ignorieren. Immer wieder schweift mein Blick auf ihren Körper. Die Lust steigt, ich will sie berühren. Will sie fühlen, will mit meinen Lippen ganz nah bei ihr sein, meine Zunge kreisend über ihren Körper gleiten lassen. Ich will sie spüren und schmecken. Will sehen wie sie unter meinen Händen dahin schmilzt.
Sie fesselt mich seit Jahren. Wenn sie ihre Kleider nach oben schiebt, vergesse ich wer ich bin. Will nur noch sie. Sofort. Sie spielt mit mir und meiner Lust. Ich bin ihr ergeben und würde alles für sie tun.
Oft habe ich in den letzten Jahren versucht mich abzulenken, habe mir andere angesehen, andere probiert. Die Huren standen vor mir, präsentierten sich, warben mit niedrigen Preisen um meine Gunst. Unzählige Male berührte ich eine andere, ließ meine Zunge über ihren Körper kreisen. Versuchte ihr ganz nah zu sein, sie zu schmecken, sie zu spüren, doch nie kam eine an sie heran.
Sie nimmt es mir nicht übel, wohlwissend, dass ich immer zu ihr zurückkehren werde. Triumphierend blickt sie mich an wenn ich wieder bei ihr bin. Sie erwartet mich.
Wenn wir zusammen sind geht es mir gut. Sorgen und Stress verschwinden, es gibt nur noch sie und mich. Mir wird warm, ich fühle mich wohl, kann mit ihr entspannen. Mag das allabendliche Ritual nicht mehr missen, brauche es, bin davon abhängig.
Ich kann mich nicht mehr beherrschen. Vorsichtig nähern sich meine Finger ihrem vor Wärme schimmernden Körper. Meine Augen fixieren sie und die Zeit scheint still zu stehen, wie jedes mal wenn wir zusammen sind. Ich halte sie fest, ziehe sie zu mir und berühre sanft ihren Körper mit meinen Lippen. Sie fühlt sich so weich und zart an, so zerbrechlich, aber nichts ist stärker als sie es ist, nichts schafft es mich so zu fesseln.
Meine Gier wächst, ich will sie jetzt und sofort. Sie soll unter meinen Händen zerfließen, soll sich meinen Berührungen hingeben, soll sich mir ergeben.
Sie wird feucht unter meinen Berührungen, ihre Feuchte bleibt an meinen Lippen hängen, verschmiert mir das Gesicht. Ich lege sie vorsichtig zurück. Lasse die Zunge über meine Lippen gleiten um alles von ihr in mir aufzunehmen, nichts von ihr zu verschenken.
Mein Blick fixiert sie. Jegliche Zurückhaltung weicht und ich nehme sie diesmal grob und fordernd. Sie weiß was ich will und schenkt sich mir.
Wie jeden Abend, ist es auch diesen Abend viel zu schnell vorbei. Unsere gemeinsame Zeit scheint rückblickend wie ein Traum, verschleiert. Ihre Kleider liegen auf dem Boden zerstreut. Mit Sehnsucht erwarte ich den nächsten Tag. Wie jeden Tag werde ich bei ihnen vorbei gehen, nach Ihr Ausschau halten, und werde bezahlen was sie verlangt. Sie ist die schönste aller Huren und ich bin ihr erlegen.
Vollmilchschokolade! Du bist Sünde, ich liebe dich.
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#2
Kann Liebe eine Sünde sein ?
Ja!
Liebe kann eine Sünde sein, so geschehen bei Mira und Wan.
Die beiden lernten sich in einem Restaurant in ihrer Heimatstadt kennen. Mira war dort Köchin, Wan ihr Kunde, doch was die beiden noch erwartete, das konnte kaum jemand erahnen, bis auf Lee Jun, seines Zeichens Student.
Doch beginnt die Geschichte der Drei 13 Jahre zuvor. In einer regnerischen Nacht verschlug es Wan nach einem Abend mit Freunden in eine kleine Seitenstraße, den Ort, an dem sich sein Leben drastisch verändern sollte. Ein Mann kam auf ihn zu und trunken wir Wan war dachte er sich nichts dabei, als der Mann mit dem purpurnen Schirm einige Meter vor ihm stehen blieb. Als Wan an dem Mann vorbei gehen wollte spürte er nur einen dumpfen Schlag auf den Hinterkopf, er sank zu Boden und fiel in Ohnmacht.
Als er wieder aufwachte war er in einem kleinen Raum, ohne Fenster und mit Tapeten, die an ein Zimmer für kleine Kinder erinnerte. Wan fühlte eine kleine Beule am Hinterkopf, die allem Anschein nach jedoch versorgt wurde. Nachdem er sich kurz orientiert hatte begann er von innen an die Tür zu klopfen und nach irgendwem zu rufen, egal wer, irgendjemand sollte ihn rauslassen.
Wan wollte Antworten auf seine Fragen, wie er dorthin gekommen sei und was das Ganze solle, doch niemand antwortete, es regte sich nichts.
Schnell hatte Wan begriffen, dass er ein Gefangener war, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wan verzweifelte an seiner Situation und er begann in Wahnsinn zu verfallen. Er wusste, dass er wohl nicht frei kommen würde und seine Peiniger bekam er nie zu Gesicht. Die spärlichen Rationen, die Wan zum Überleben bekam, wurden durch eine kleine Öffnung in der Tür ins Zimmer geschoben. So verstrichen die Jahre, ohne dass Wan wusste, warum dies alles geschieht. Für jedes Jahr zierte Wan seine Hand mit einem selbst tattoowierten Strich und als er den 13ten Strich geritzt hatte, war plötzlich alles anders.
Wan wachte an einem Morgen auf, aber er war nicht mehr in diesem Zimmer, er war frei. Gut gekleidet und mit einem Mobiltelefon ausgestattet erwachte Wan auf dem Dach eines Hauses seiner Heimatstadt. Was war geschehen ? Wan war das in diesem Augenblick fast egal, er war frei und er hatte Hunger.
Er begab sich zu einem Restaurant, wo ihn eine wunderschöne Köchin erwartete, Mira, wie sich später herausstellte. Wan bestellte und fing an zu schlingen, doch bekam ihm das Essen scheinbar nicht. Wie auf Knopfdruck wurde Wan erneut ohnmächtig.
Erneut erwachte Wan an einem anderen Orte. Wo war er ? Die Antwort liefert ihm Mira, die ihn zu sich genommen hatte. Wan erzählte ihr seine Geschichte, die er selbst kaum glauben konnte. Doch je mehr Wan erzählte, desto mehr wollte er wissen, wem er 13 Jahre Gefangenschaft zu verdanken hatte. Just in diesem Moment klingelte das Handy, welches er bei sich hatte. Eine merkwürdige Stimme begrüßte Wan und korrigierte seine Frage, wer ihn anruft. Es müsse heißen "Warum rufe ich gerade dich an?". Die Antwort auf diese Frage werde Wan bald erhalten, wenn er dafür bereit ist.
Es verstrichen einige Wochen, in denen Wan und Mira sich besser kennen lernten und verliebten, doch beide plagte noch immer die Frage nach dem "Warum". Das Handy klingelte.
Hausnummer 12, Raum 34, hieß es. Wan konnte es nicht fassen, dieses Haus war direkt gegenüber von Miras Wohnung. Er sprintete hinüber zu Zimmer 34 und fand zwei Männer vor. Einer davon war Lee Jun, den Wan sofort zu würgen begann, doch er stoppte, als Lee Jun ihn darauf hinwies, dass die Frage nach dem "Warum" nur von ihm beantwortet werden kann. Schmunzelnd verließ Lee Jun mit seinem Begleiter das Zimmer, während Wan wie angewurzelt stehen blieb.
Wieder einige Tage vergingen, bis erneut das Handy klingelte. Erneut gab es eine Ortsangabe für Wan, eine Suite in einem noblen Hotel. Wan eilte sofort dorthin. Am Aufzug erwartete ihn Lee Jun samt Begleiter und es führte sie in die besagte Suite.
Auf Wans Drängeln hin begann Lee Jun zu erzählen... Er fragte Wan, ob er es sich nicht vielleicht denken könne, warum ihm jemand 13 Jahre Gefangenschaft antun würde, doch Wan konnte sich keinen Grund denken. Es traf ihn wie ein Schlag, als er erfuhr, dass er Lee Jun eigentlich kannte. Er war der Bruder von einer ehemaligen Klassenkameradin Wan's, die allgemein als Flittchen verpönt war. Dieses Mädchen starb an einem Staudamm, als sie ins Wasser fiel, die genauen Umstände waren jedoch nicht geklärt. Nun löste Lee Jun die Frage nach dem "Warum" auf.
Lee Jun liebte seine Schwester und die Schuld für ihren Tod schob er auf Wan, der früher herumerzählt hatte, dass Lee Juns Schwester schwanger sei. Das war sie auch, undzwar von ihrem Bruder!
Mit dieser Belastung konnte Lee Juns Schwester nicht mehr leben und stürzte sich bei einem Spaziergang mit ihrem Bruder vom Damm, ein Erlebnis, das Lee Jun nie mehr loslassen sollte. Aber der größte Eklat sollte noch folgen. Lee Jun wollte Rache, aber die 13 Jahre Gefangenschaft waren nur der Vorgeschmack auf sein wahres Verbrechen.
Er spielte einen Film ab, der ein kleines Mädchen beim Aufwachsen zeigt, umso erstaunter war Wan, als er erkannte, dass dieses Mädchen Mira war. Lee Jun lachte und teilte Wan mit, dass Mira Wan's Tochter sei, die er nach seinem Verschwinden adoptiert hatte und großzog! Bei dieser Nachricht brach Wan zusammen; er war verliebt in seine eigene Tochter und hatte ein Verhältnis mit selbiger. Lee Jun brach in tosendes Gelächter aus und verließ die Suite.
Er hatte sein Ziel erreicht und nahm Rache an Wan, dessen Liebe zu Mira, seiner eigenen Tochter, eine der schlimmsten Sünden unserer Zeit war.
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#3
Zehn Schritte
Jacques betrat an diesem Morgen mit einem leichten Unwohlsein die Strasse vor seinem Haus. So sehr er Gloria auch liebte, kochen war nie ihre stärke gewesen und ihre Pfannkuchen mit Gelee lagen ihm wie Steine im Magen. Wie grauenhaft ihre Kochkünste aber auch waren konnte er sich nichts schöneres vorstellen als heute Abend ein letztes mal mit seiner Frau und seinem Sohn in dem Haus zu essen dass ihnen so lange ein Zuhause war.
Er trat vor die Tür und sah Pierre am Wagen stehen. Sein Leibwächter und Fahrer hatte wie jeden Morgen akribisch den ganzen Wagen nach Sprengfallen durchsucht. Wenn man im Diplomatischen Dienst war und derartig bestechlich hatten genug Leute Grund einen in die Luft zu jagen. Aber das war bald egal. Heute würde er seinen Dienst kündigen und mit dem Geld von Glorias Vater die Schulden zurückzahlen die er angesammelt hatte.
Noch zehn Schritte zum Wagen. Er ging seine Liste im Kopf noch einmal durch. Alle Koffer waren gepackt und alle Fenster geputzt. Neun Schritte, Pierre hatte wieder diesen Gesichtsausdruck. Vor einigen Wochen hatte er ihn eingeweiht und seitdem fühlten sich beide nicht mehr wohl in der Gegenwart des anderen. Das würde sich legen. Acht Schritte, er hatte Pierre gebeten mit ihm zu gehen. Er war so lange sein Leibwächter dass er sich nicht vorstellen konnte ihn nicht in seiner Nähe zu haben auch wenn es nicht mehr nötig war. Sieben Schritte, es würde nicht lange dauern bis Ivan Nicola merken würde was er getan hatte aber auch das war bald egal. Sechs Schritte, er musste sich nur in dieses Auto setzen und tun worauf er so viele Monate hingearbeitet hatte. Fünf Schritte, in den letzen zwei Tagen waren genug Bestechungsgelder geflossen um Nicola so lange ruhig zu stellen bis nichts mehr auch nur auf seine Existenz, geschweige denn auf seine Geschäfte hindeutete. Vier Schritte, er musste an das Haus in den Bergen denken und an das kleine Internat auf das sein Sohn gehen würde. Früher hätte er ein solches Leben abgelehnt und es für ein Klischee gehalten aber jetzt war es wie die Verheißung des Himmels. Drei Schritte, er war sehr zufrieden mit sich und der Welt. Die Anspannung würde vergehen und ab morgen ein neues Leben auf ihn warten. Zwei Schritte, ihr Daumen spannte den Abzug und der Schlagbolzen strebte seinem ziel entgegen. Ein Schritt, mit atemberaubender Geschwindigkeit glitt die Kugel ihrer Bestimmung entgegen.
Das Projektil traf Jacques oberhalb des rechten Auges. Mit der Wucht einer Explosion schleuderte es blutige Fragmente von Knochen und Fleisch aus seinem Schädel und Blut ergoss sich in Sturzbächen über die Strasse. Er starb noch ehe sein Körper gänzlich auf dem Pflaster zum Erliegen kam.
Der Schock lähmte Pierre nicht lange. Er warf sich in einem Aufschrei von Entsetzen zur Seite. Zu spät wie sich herausstellen sollte. Nur eine Sekunde nachdem sein Arbeitgeber und Freund das Ziel des unbekannten Schützen wurde bohrte sich ein Geschoss in seinen Hals und ein zweites nur Momente später in seinen Kopf.
Dominique zog das Sichtfernrohr von ihrer Waffe und legte es wie den Schalldämpfer in die entsprechende Vertiefung ihres Koffers. Dann nahm sie das Gewehr in der Mitte auseinander und legte auch dessen Teile an ihren Platz. Mit einem Lächeln stieg sie die Feuerleiter hinunter, es war noch nicht einmal ganz hell und sie hatte genug verdient für einen langen langen Urlaub wo immer sie wollte. Den Fahrer würde sie nicht extra bezahlt bekommen aber irgendwas war ja immer.
Sie hatte Hunger und beschloss beim herabsteigen sich ein Frühstück zu gönnen, Pfannkuchen mit Gelee entschied sie.
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#4
Ich halte es nicht mehr aus. Diese Typen machen mich fertig. Tagein tagaus dasselbe Spiel. „Schuhputzen! Nur zwei Mark!“... Nein Verdammt, lasst meine Schuhe in ruhe. Da vorn steht der nächste und will um mein Geld betteln. Nichts gibt’s. Eure Drogensucht finanziere ich sicher nicht.
Klar ich war auch mal so einfältig und habe den Leuten Geld gegeben. Ich war so dumm und naiv zu glauben damit etwas Gutes zu tun. Kann man das überhaupt glauben? Ich dachte wirklich etwas zu bewegen mit meiner baren Zuwendung. Das Ergebnis sieht man ja. Jeden Tag laufe ich hier durch diesen verdammten Bahnhof in mitten einer völlig überfremdeten Metropole.
Hauptstadt nennen sie das, Hauptstadt von was – der Türkei? Können die nicht alle einfach wieder nach Hause gehen und mich meine Arbeit tun lassen. Aber nein so etwas verstehen die feinen Herren ja nicht. Integrieren wollten wir sie und jetzt? Jetzt arbeiten die immer noch nichts und ich komme zu spät weil sie mich ständig aufhalten hier.
So jetzt ist es soweit, ich werde meine U-Bahn verpassen wegen diesen Typen. Aus dem Weg da verdammt. Ja den Ellbogen merk dir, den geb ich dir gern noch mal mit auf den Weg du scheiß Schmarotzer. Oh Mann, gerade noch geschafft. Das hätte mich ganze 10 Minuten gekostet. Diese 10 Minuten hätten sich durch meinen ganzen Tag gezogen und schließlich meinen sauer verdienten Feierabend geschmälert... WEGEN DENEN!
Zum Glück kann ich in zwei Haltestellen schon wieder raus hier. Kommt man doch schließlich nur mal wieder vom Regen in die Traufe. Erst die Assozialen im Bahnhof und jetzt dieses Studentenpack hier. Dass die überhaupt um diese Uhrzeit schon wach sind. Sicher immer noch wach, die haben doch eh nichts zu tun als uns Geld zu kosten. Hängen da rum in den Sitzbänken. Hätte man zu meiner Zeit so rumgehangen? Nein, geschämt hätte ich mich. Wir hatten damals noch Werte, wir wussten was sich gehört und ausserdem hätten wir nie gewagt uns hinzusetzen sondern den alten und Bedürftigen Platz gemacht. Das kann man heute ja eh nicht mehr erwarten. Wie die schon aussehen... Das kommt davon, dass sie noch nie gearbeitet haben in ihrem Leben. 13 Jahre in der Schule schlafen und dann auf die Uni drängen. Ist ja klar dass wir jetzt Studiengebühren einführen müssen, so kann es doch auch nicht weitergehen.
Ich glaube heute werde ich vor Schichtbeginn im Büro sein, das ist gut dann kann ich mir noch was aus der Kantine holen. Ach und da war ja noch das Mittagessen mit der süßen Chari... Wir werden wohl eine halbe Stunde früher losgehen müssen, aber eigentlich müsste mir eh Gleitzeit zustehen, dann gleite ich eben selbst. Die Zeit arbeite ich schon wieder herein. Ach und meine Steuererklärung sollte ich noch abgeben, Ernst hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Mit diesen verklausulierten Sonderausgaben bekomme ich locker meine Steuern komplett zurück. Das eignet sich gut für den geplanten Türkeiurlaub mit meiner Frau. Ich weiß zwar nicht wie ich Chari für die Zeit Stillstellen soll aber mir fällt da schon eine Ausrede ein. Kann denn ein bisschen Spaß Sünde sein? Sie hat mich ja nie gefragt ob ich verheiratet bin, außerdem hab ich mir das in meinem Alter einfach verdient.
Ach heute ist Donnerstag, da sollten wir eigentlich großen Andrang im Amt haben. Weil diese ganzen Typen glauben nicht arbeiten zu müssen, wollen sie natürlich auch möglichst Spät aufs Amt kommen. Aber das sag ich euch, das gibt’s heute nicht. Aufenthaltsgenehmigung? Tja die hättet ihr gestern beantragen können, wir sind doch hier nicht bei WünschDirWas. Überhaupt diese ganzen ausländischen Papiere, die kann ich sowieso nicht lesen. Das muss ich alles erst zur Hauptstelle weiterschicken für die Überprüfung. Soweit kommt es noch, dass ich wegen unehrlichen Leuten wie euch länger hier bleibe. Der Nummernziehapparat ist bereits aus, verlassen sie das Haus, kommen sie morgen wieder.
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Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.
#5
Frost
Kälte.
Durchdringendes, weißes Licht.
Eis. Frost. ich
wollte
doch ich
wer bin ich
was tu ich
was ist
das
Ende?
ich will -
nicht.
ich wollte nie.
ich will nicht.
ich werde nie wollen.
Nicht in die Zukunft fragen?
Doch warum nicht in die Zukunft wenn wir in die Vergangenheit schauen was ist falsch in die Zukunft zu fragen ist sie nicht ein Teil von uns wie es auch die Vergangenheit und die Gegenwart sind? Was ist an der Zukunft anders als an der Vergangenheit alles ist Zeit und Zeit ist unsere Konstante. Ewigkeit.
Ein unendlicher Ring ohne Anfang ohne Ende auf dem wir uns befinden. Jeder Augenblick ist schon
vergangen, der Moment ist nicht momentan. Das Gesprochene ist verhallt, der Gedanke verflogen, die Zeit vergessen. Wie das Ticken einer Uhr, das regelmäßig in die Zukunft tickt, so denken wir über die vor uns liegenden Momente.
Du darfst doch nicht in die Zukunft fragen.
ich will in die Zukunft fragen
ich will
ich will
ich will
was wollen wir
was willst du?
Ja, ich will.
ich friere.
Die Kälte durchdringt mich wie ein eisernes Schwert. Durchschneidet meine Haut, zerreißt die Muskeln, schneidet die Sehnen, zerdrückt das Herz. Erfroren in der Hitze des Gefechts. Zu schnell abgebrannt. Die lodernde Flamme verzehrte mich wie Papier. Wie ein Stein leblos und kalt. Der Frost wuchs wie ein wildes Gewächs durch die tiefsten Gründe meiner Seele. Vernebelt wie durch einen Schneesturm der Gedanken sowie niedergedrückt von Schmerz und Kälte. Eine gefrorene Rose liegt dort hinten auf dem Tisch. Blätter so bittersüß und Stacheln so tödlich
spitz. Die Eisdecke erdrückt mich wie ein Gewicht so schwer, dass ich es nicht halten kann. Erstarrt
durch des Winters kalte Blicke und in des Frostes kühle Hand geworfen vergas ich
wer ich bin
was ich wollte
was ich suchte
Diese eine klare Nacht. Getränkt von eisiger Luft, der Sternenhimmel über uns.
Kalt. Eis. Schnee. Frost.
Eine rote Hand zeichnet sich auf ihrer zarten Wange ab.
ich will.
Willst du?
nichtig.
ich will dich.
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.
freier Wille
unerwünscht
Gewalt
Doch was ist ein freier Wille in einer von Regeln und Schranken bestimmten Welt? Ist das Schicksal
nicht die Vernichtung des freien Willens? Was wir wollen und planen ist keine freie Entscheidung des
Geistes, sondern eine vorherbestimmte Verhaltensweise, die unumstößlich vorangetrieben wird durch die Zeit. Eine Verhaltensweise wie die Gewalt, die in der heutigen Zeit eine große Rolle spielt. Angewendet in jungen Tagen, durchgeführt in der Jugend, herabgespielt im Alter und geendet durch diese. Verstärkt durch Waffen, gemildert durch Schutz, doch verursacht durch uns. Ein Schmerz ist das Zeichen für die durchdrungene Verteidigung, ein Symbol für die Niederlage. Sind wir der Gewalt und ihren Verursachern unterlegen? Der freie Wille steht da vorne ganz offen.
ich wollte nur
ich war es nicht
es war
nicht ich
ich wollte es
und doch
nicht
Bist du willig?
Brauch ich Gewalt?
Bis das der Tod euch scheidet.