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Schreibwettbewerb 2- das Voting!


Umfrageergebnis anzeigen: Die beste Geschichte?
#1 9 56,25%
#2 2 12,50%
#3 3 18,75%
#4 2 12,50%
Teilnehmer: 16. Diese Umfrage ist geschlossen

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Raubtier
Alt 18.11.2006, 00:59   #1
Ausrufezeichen Schreibwettbewerb 2- das Voting!

So, hier könnt ihr die eingesendeten Geschichten Lesen und für euren Liebling voten. Ich lass das Voting 1 1/2 Wochen laufen.
Konstruktive Kritik, Lob etc. könnt ihr hier ruhig posten. *g*

Bitte nicht verraten von wem die Geschichten sind.

Viel Spaß!

#1


Ohne Titel

Der Mann trat aus dem Schatten in das fahle Licht der einzigen Neonlampe, die sich beharrlich dem Zahn der Zeit in der verlassenen Lagerhalle widersetzte. Er ging auf den Gefangenen zu und starrte ihn verächtlich von oben herab an. Irgendetwas schien noch in seinem Blick zu liegen, doch Adam konnte es nicht genau fassen. Es kam ihm vor, als würde der Schlag, den er vor einiger Zeit auf den Hinterkopf erhalten hatte, immer noch in seinem Schädel nachhallen.
„Ich sehe du bist wach. Unterhalten wir uns ein wenig.“
-„Was wollen sie von mir?“
„Nun, ich werde dich umbringen – daran besteht kein Zweifel – doch vorher möchte ich mit dir reden.“
-„Wieso wollen sie mich umbringen?“
„Weil das mein Job ist.“ Während er sprach verzog er keine Miene. Immer noch sah sich Adam außer Stande seinen Blick zu interpretieren.
„Normalerweise warte ich nicht so lange, bis meine Opfer wach sind und die Sache miterleben. Du bist eine Ausnahme, aber ich habe meine Gründe dafür: Erstens bist du heute mein einziger Auftrag. Das geschieht recht selten, da ich ein sehr gefragter Mann für sehr viele Aufgaben bin. Zweitens sollst du mir bei der Überprüfung einer, nun, sagen wir: Theorie helfen.
-„Was soll ich?“
„Wie ich bereits sagte, sollst du mir bei der Überprüfung einer Theorie helfen Adam.“
Er schlug ihn hart mit der flachen Hand ins Gesicht. Seine Lippe platze auf.
„Ich kann es nicht leiden, wenn ich mich wiederholen muss. Also lass mich meine Geschichte erzählen. Ich fasse mich kurz:
Als ich vor ungefähr zwanzig Jahren mit meiner Tätigkeit anfing, brauchte ich Geld.
Meine Freundin war schwanger und ich nur ein niederer Angestellter.
Der Beruf gefiel mir nicht sonderlich, aber er reichte zum Leben.
Allerdings nur für mich und sie.
Ich liebte diese Frau und das Kind, unser Kind, das in ihr heranwuchs, wirklich. Also überlegte ich Nächte lang wie ich ihnen mehr bieten könnte.
Eines Abends traf ich in einer Bar einen Mann.
Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte ihm von meinen Sorgen. Bevor ich nach Hause ging, bot er mir einen Job an und sagte mir, dass ich darüber nachdenken solle.
Die Lösung aller Probleme lag in diesem Angebot.
Ich wog alle Vor- und Nachteile ab und ging dann darauf ein.
Genau wie du saß der Mann hier vor mir. Im Gegenteil zu dir war er bewusstlos.
Ich weiß nicht mehr wie lange ich vor ihm stand und mir immer wieder dieselbe Frage stellte: Kann ich einen Menschen wirklich töten?“ Er machte eine Pause.
„Ich konnte es.
Es war nur eine kleine Bewegung. Ich musste nur den Abzug dieser Waffe betätigen.“
Erst jetzt sah Adam die 45er in seiner Hand.
„Als ich das Geld für meinen Auftrag entgegen nahm, fragte mich der Mann, ob ich weiterhin für ihn arbeiten wolle. Ich wundere mich immer noch darüber, dass ich keinen Moment zögerte und einwilligte.“ Er starrte für einige Sekunden stumm auf den Boden.
„Als ich zu meiner Freundin zurückkehrte, wollte sie wissen, woher das Geld kommt. Erst zögerte ich, wich ihr aus, erfand Ausreden, aber ich konnte dieser Frau nichts vormachen und so verriet ich es ihr.
In all den Jahren habe ich nie ihren Blick vergessen. Sie war enttäuscht, wütend und verletzt. Es war ein Desaster.“
Adam wunderte sich, dass sein Gegenüber diese Worte ohne jegliche Gefühlsregung sprach. Im Gesicht dieses Mannes war rein gar nichts zu lesen. Er fuhr fort:
„Noch am selben Abend verließ sie mich. Sie sagte sie wolle nicht mit einem Mörder zusammen leben und ihr Kind solle das auch nicht.
Ich ließ sie gehen, versuchte nicht sie aufzuhalten. Ich wusste in diesem Moment, dass ich sie verloren hatte, dass ich alles verloren hatte, was mir jemals etwas bedeuten würde.“
Er machte eine erneute Pause, legte die Waffe auf den Boden, holte eine Zigarette aus dem Päckchen in seiner Jackentasche und zündete sie an. Er inhalierte tief und blies den Rauch an die Decke der Lagerhalle.
„Obwohl ich das Geld nun nicht mehr brauchte, fuhr ich dennoch mit meiner Arbeit fort.
Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr erledigte ich diverse Aufträge. Mein Geschick sprach sich schnell herum und so arbeitete ich bald auch für andere.
Ich weiß nicht wie viele Menschen ich in all den Jahren umgebracht oder bedroht oder misshandelt habe. Es war mein Job und ich hatte nichts wofür ich sonst lebte.“
Er nahm wieder einen Zug von seiner Zigarette.
„Vor einigen Tagen stieß ich zufällig auf einen interessanten Satz: Als wesentliches Kennzeichen von Psychopathie ist die fehlende Fähigkeit zum Nachempfinden der Gefühle anderer anzusehen. Dieser Satz, seine Botschaft, so nüchtern sie auch klingen mag, ließ mich nicht mehr los. Ich stellte mir die Frage, ob ich in all den Jahren ein Psychopath geworden bin ohne es zu merken.
Hier nun kommst du ins Spiel, Adam.“
-„Was haben sie mir mit vor? Was soll ich tun?“
Wieder schlug ihn der Mann mit der flachen Hand ins Gesicht. Dieses Mal noch härter.
„Ich sagte dir doch, dass ich es nicht leiden kann mich zu wiederholen.“
Abermals zog er an seiner Zigarette.
„Du wirst heute Nacht hier sterben und du sollst gar nichts dabei tun.
Deine Aufgabe besteht nur darin hier zu sitzen und auf deinen Tod zu warten. Indem ich deinem Leben ein Ende setze, möchte ich überprüfen, ob ich noch ein Gewissen habe, ob ich Mitleid empfinden kann.“
-„Aber wenn sie so viel vor mir getötet haben, warum sollte es dann bei mir anders sein?“
„Adam, ich habe dir nicht die ganze Wahrheit gesagt.
Du bist nicht mein heutiger Auftrag.
Ich habe diesen Satz nicht vor ein paar Tagen gelesen. Das war vor drei Jahren.
Du bist mein Sohn.
Ich habe dich gesucht in all der Zeit und nun sitzt du vor mir.
Jetzt werde ich endlich Gewissheit erlangen.“
Der Mann warf die Zigarette weg, hob die Waffe vom Boden auf und richtete sie auf sein Opfer. Adam wusste nun, was es war, das er in seinem Gesicht gesehen hatte: Der Mann, der behauptete sein Vater zu sein, der jetzt eine Waffe auf ihn richtete, hatte absolute Leere in seinen Augen. Genau das war es, was er gesehen hatte und ihm wurde klar, dass sein Leben in wenigen Sekunden vorbei sein würde.
Der Mann drückte ohne zu zögern ab.

Der Körper seines toten Sohnes sackte in sich zusammen. Sein Blut floss über den Boden der Lagerhalle. Er blickte auf die Leiche und er fühlte absolut gar nichts.

#2

Es war soweit, halb 6 und der Wecker tönte laut, sodass er aufschreckte, wie fast jeden Morgen!
Das Piepsen, es war schrecklich und seit einiger Zeit noch schrecklicher, es bedeutete aufstehen und das tun, was er musste!
Also blieb ihm nicht's anderes mehr übrig, er stand auf und ging in's Bad. Sein Spiegelbild zeigte ihm wieder das, worauf er seit Wochen Zorn hegte.
Er dachte sich jedesmal, warum war es so schwer?
Er seufzte und wand sich ab...
Nachdem er sich fertig gemacht hatte, war er in der Küche, die ihm leer vorkam und der Kaffee, den er trank schmeckte bitter. Ihm wurde klar, dass dies wieder ein harter Tag werden würde und entschloss sich endlich, es zu tun, er musste es sagen sonst würde jeder Morgen ein grausames Spektakel werden, indem er sich selbst verfluchte.
Er machte sich also auf den Weg, setzte sich in's Auto und das Radio erschallte, er machte es lauter, doch was er hörte brachte ihn keineswegs von seinen Gedanken ab..Es war dieses Lied, dieses eine, wo sie drauf getanzt hatten und wie sie getanzt hatten. Dieses Prickeln, er fühlte es auf seiner Haut und seine Augen füllten sich mit Tränen...
Er fragte sich selbst, wie er nur so dumm sein konnte...Warum hatte er nicht den Mut dazu, fragte er sich? Waren es seine früheren Erfahrungen oder einfach, dass was er gehört hatte?
Dieses Durcheinander in seinem Kopf konnte er nicht begreifen, es war alles da,was er sich wünschte, warum konnte er es nicht einfach greifen,sein Glück?
Die Autofahrt zog sich hin...Heute war er nicht in der Stimmung sich mit den anderen zu unterhalten. Er arbeitete in einem recht großen Büro und verdiente gutes Geld, dass war nicht sein Problem auch nicht die Atmosphere sondern nur er selbst und seine Zweifel...
Er war erst an der zweiten Kreuzung und er fühlte sich schlecht! Sie kannten sich schon länger und immer besser. Wenn es ihm schlecht ging, dann brachte sie ihn zum lachen, durch irgendwas verrücktes. So ein Mensch, so eine Frau, so eine wundervolle Frau war ihm noch nie begegnet!
Sie brachte ihm diese Leichtigkeit und sie steckte ihn an, einfach damit,dass sie sich an sovielen Dingen erfreute, die vorher für ihn unsichtbar schienen!
Er träumte vor sich hin, als ihn ein lautes Hupen erwachen ließ, es kam von hinten, es war grün geworden!
Noch ein paar Straßen weiter, über eine Brücke und er war da!
Als er oben ankam, stieg im der Duft von Kaffee, Parfüm und Papier in die Nase. So unwohl fühlte er sich hier nicht, das wurde ihm in diesem Moment klar. Es war gut zu sehen, dass Leute da waren die auf ihn mit Kaffee warteten ohne das es irgendwie erzwungen wäre! Sein Büro erschien ihm trotzdem trist und farblos. Es fehlte eine frische Blume, die sie ihm manchmal vorbei gebracht hatte, an den anfänglichen Treffen.
Er konnte nicht mehr, nein und er wollte es auch nicht!
So, Schluss jetzt, dachte er sich!
Sie war es, das was er wollte, wonach er sich sehnte, die ihm das Gefühl gab, dass er einfach er selbst sein kann...Warum warten? Warum sollte er ihr nicht eine Chance geben...Ja,dachte er sich: Ich Liebe Sie!
Sowas war vorher noch nicht da.
Er ließ alles stehen und liegen, schnappte sich nicht mal seine Jacke sondern lief einfach los. Er konnte nicht auf den Aufzug warten und sprang schon fast die Treppen runter. Der Ausgang, die Tür ging auf und ein leichter Wind kam ihm entgegen. Er fühlte sich frei und wollte sein leben neu ordnen, er war bereit. Für einen neuen Anfang , für alles das was ihn erwarten sollte!
Er atmete tief durch, lächelte und stieg in sein Auto ein. Er fuhr los und war sich sicher. Auf zu ihrer Wohnung, er wollte nur noch schnell da sein, außerdem hatte er nur noch vor Augen, wie schön sie aussah in ihrem Abendkleid. Um die Ecke und
Da, er klingelte, rannte zwei Stockwerke hoch und stand vor ihr...Sein Atem stockte und er beruhigte sich langsam.
Sie war vor ihm , strahlte so sehr von ihnen heraus und sah auch so nur in Boxershorts und t-shirt wie auch ein wenig verschlafen, natürlich und wunderschön aus!
Er umarmte sie feste: "Es tut mir leid, aber ich konnte nicht mehr, Hör zu Ich war ein Idiot zu zweifeln! Ich Liebe dich! "
Ihr Augen verrieten was sie dachte, sie strahlten, denn beide wussten, dass dies die Nähe war nach der sie solange gesucht hatten! Sie küssten sich, eine Ewigkeit!

#3

Rum. Aus Zuckerrohr. In Fässern gereift.


Die Blätter gelb, der Himmel Grau und die Glieder schwer.

"Ja, der Herbst ist da",

Stellte Johan trocken fest, einen vor den anderen Fuß setzend, unterwegs zum Getränkemarkt. Es war grade mittags, und wie eigentlich jeden Tag, begrüßte er Pelle, der an der weit offenen Markttür stand. Pelle war ein typischer Plattenbautensäufer und begrusste Johan bei Blickkontakt grinsend seine Flasche in die Luft hebend, als sei es die Olympiafackel. Danach brüllte er seine Lieblingsworte "Mojn mojn" auf dass nun Alle wach sein mussten.
Johan sprach nie mit Pelle. Er grüsste lediglich mit einem freundlichen Lächeln und einem Augenzwinkern zurück. Pelle lachte dann immer laut auf, als hätte er den ganzen lieben Morgen auf nichts anderes als dieses Zwinkern gewartet und vielleicht war es ja auch so.

Im Markt an den Regalen kannte Johan sich aus. Es war Monatsanfang und an der Zeit sich was zu gönnen. Er griff nach der Flasche seines Lieblingsrums und flüsterte liebevoll grinsend vor sich hin:

"Heute den Guten"

Danach ginge er in Richtung Kasse, auf die Flasche schauend und stellte sich Hinter eine Frau mit Kinderwagen, die grade für eine Kiste Mineralwasser bezahlte. Johan las die Etikett auf seiner Buddel. Das tat er immer wenn es den Guten gab.
Aus erlesenem Zuckerrohr in Fässern gereift. Am liebsten hätte er einen kleinen schluck genommen um sich die Wartezeit zu verkürzen. Da fragte ihn der Kassierer:

"Einmal den Rum?"

Johan schreckte kurz aus seinen Gedanken hervor und sagte:

"Ähmm Moment ma, ne ich ich nehme zwei."

Er huschte zügig zum Regal und griff nach einer weiteren Flasche seines Lieblingselexiers aus erlesenem Zuckerrohr und in Fässern gereift. Er bezahlte und sagte:

"Nein Danke, bis dann."

Als ihm der Kassierer einen Kassenbon vor die Nase hielt mit einem Blick im Gesicht, der wahrscheinlich bedeuten sollte: "Kann ich das wegwerfen?"
Johan ging.

An der Markttür nahm Pelle grade einen kräftigen Schluck von seinem Billigbier und wischte sich darauf folgend, mit dem Ärmel seiner lila Weisgestreiften Kunststoffjacke Mund und Nase. Johan ging auf Pelle zu, streckte ihm eine der soeben erworbenen Rumflaschen entgegen und sagte:

"Hier für dich. Rum. Aus Zuckerrohr. In Fässern gereift."

Und bevor Pelle auch nur Danke sagen konnte, fiel ihm Johan ins Wort:

"Muss mich sputen, bis dann."

Pelle war sichtlich überrascht und rief Johan hinterher.

"Das ist aber nett do! Danke Dir! Söööön Tach noch!"

Da war Johan jedoch schon um die Ecke gebogen, einen vor den anderen Fuss setzend.
Erfühlte sich gut. Das graue Wetter, sowie Alles auf der Welt konnte ihm nichts anhaben. Er war ein guter Mensch und das musste gefeiert werden, mit Rum aus erlesenem Zuckerrohn, gereift in Fässern.

Johan verbrachte den restlichen Tag vor dem Fernseher mit seiner Buddel.
Er lachte über die witzigen Sendungen und regte sich über die Politik auf, zappte weg bei Werbung bis er dann irgendwann einschlief........

"So n scheiß Traum"

Nuschelte Johan vor sich hin und rieb sich dabei die Augen. Es war Mittags. Er stand auf schlenderte ins Bad und ließ laufen. Ein Blick in den Spiegel. Johan Zog einige Mienen, einige Witzig andere nachdenklich und einfach nur starrend. Er wusch sich das Gesicht, zog sich an und ging aus der Haustüre. Die Werbung aus dem Briefkasten schmiss er wie üblich weg und machte sich auf den Weg zum Markt.

"Ja es ist Herbst"

Stellte er lächelnd fest, einen vor den anderen Fuß setzend. Er freute sich auf das "Mojn Mojn" von Pelle und heute würde er ihn fragen. Ein wenig plaudern, wie es ihm geht und wie der Rum gemundet hatte. Eigentlich hätte er Pelle gestern ja auch einladen können anstatt sich von dem ganzen Schwachsinn in der Glotze langweilen zu lassen. Aber heute Würde er Ihn fragen. Wo er denn wohnt, wie er heißt und was er mag.

"Ich frag ihn"

Die Markttür stand wie immer weit offen, und ein Marktmitarbeiter fuhr grade eine Palette mit Bierkisten ins Lagen. Pelle musste drin sein um Bier zu kaufen dachte Johan, oder vielleicht auch Rum, vielleicht ist er ja auf den Geschmack gekommen. Johan drängte sich vorsichtig an dem Verkäufer und seinem Hubwagen vorbei und schaute sich im Markt um. Pelle war nicht da.

Johan dachte sich "Der hat bestimmt einen ordentlichen Kater". Aber Pelle kamm nie wieder nicht heute und auch nicht an den folgenden Tagen . Johan ging öfter am Tage zu Markt aber Pelle blieb fern. Er kam nie wieder.

Johan hatte Gewissensbisse.

Bis er eines Tages trocken feststellte

"Ja es ist Frühling" einen vor den anderen Fuß setzend.


#4

Ein roter Fleck mit schwarzen Beinen

Es ist mittlerweile 3 Uhr nachts. Ich liege da und warte. So ganz weiß ich nicht worauf. Eigentlich wünsche ich mir gerade nichts sehnlicher, als dass diese scheiss kleinen Viecher tot auf den Boden fallen. Ich stelle mir eine himmlische Ruhe als Folge daraus vor. Meine Hand verlässt vorsichtig die schützende Bettdecke und tastet nach dem Lichtschalter. Und als ob sie darauf gewartet haben ungeschützte, reine Haut zu finden, höre ich das penetrante, nervige Gesumme wieder über mir. Ich kann den Lichtschalter meiner IKEA-Nestbautrieb-Nachttischlampe nicht finden und genervt zerre ich die Decke von meinem Kopf, öffne die Augen und erreiche nun endlich den Lichtschalter. Ich blinzle geblendet. Das Summen kommt immer näher und während ich nach ihnen Ausschau halte, betrinkt sich eines dieser widerlichen Viecher mit dem Blut meines noch immer von der Bettdecke nicht geschützten Armes. Ich fluche. Ich setze mich hin und warte. Früher oder später fliegen sie wieder zum Licht, setzen sich an eine Wand. Dick vollgesaugt, wie ich annehme, satt und träge. Ich sitze da und höre entfernt das Summen. Ein kleiner, kaum zu bemerkender Schatten huscht durch das Licht meiner Nachtischlampe. Sie setzt sich genau an die Wand. Mein Blick sucht die Umgebung nach einer Zeitung oder einem Buch ab und findet in der Nähe ein dickes Exemplar. Ich schaue kurz darauf :„Eberhard Schockenhoff – Wie gewiss ist das Gewissen? Eine ethische Orientierung.“. Ein selbstsicheres, fieses Grinsen huscht mir über das Gesicht als das Buch über die Mücke huscht. Es ist ein befriedigendes Gefühl, ein Gefühl der Macht. Ich schaue den roten Fleck mit schwarzen Beinen an der Wand noch eine Weile an. Mittlerweile ist es fast halb 5, aber diese warme Ruhe die sich nun ausgebreitet hat, lässt mich zufrieden in die Kissen zurücksinken. Ich nehme mir vor morgen den roten Fleck an der Wand zu entfernen. Einen Augenblick starre ich noch an die Decke, bevor ich den Schalter der IKEA Nachttischlampe fixiere und ihn dann betätige. Alles um mich herum versinkt im Dunklen und ich kuschle mich tiefer in die Berge aus Federn, Wolle und Garn. Es dauert nicht lange bis mir die Augen zufallen und ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf versinke.

Es ist mittlerweile 3 Uhr nachts. Ich liege da und warte. So ganz weiß ich nicht worauf. Eigentlich wünsche ich mir nichts sehnlicher, als die Ursache für diese scheiss undefinierbare Unruhe in mir zu finden. Ich stelle mir eine himmlische Ruhe als Folge daraus vor. Meine Hand verlässt vorsichtig die schützende Decke und tastet nach dem Lichtschalter. Und als ob die Decke meine Seele geschützt hätte, höre ich wieder diese penetrante, nervige Stimme, die sich auf mein Innerstes stürzt und es laut werden lässt. Ich kann den Lichtschalter meiner IKEA-Nestbautrieb-Nachttischlampe nicht finden und genervt zerre ich die Decke von meinem Kopf, öffne die Augen und erreiche endlich den Lichtschalter. Ich blinzle geblendet. Und während ich überlege warum ich nicht schlafen kann, beschleicht mich ein ungutes Gefühl und die Stimme in meinem Kopf wird immer lauter und das drückende Gefühl in meinem Bauch immer stärker. Ich fluche. Ich setze mich hin und warte. Früher oder später wird es ins Licht rücken und ich werde wissen was mich so unruhig macht und nicht schlafen lässt. Ich starre an den Lichtkreis den die Lampe an meine Wand wirft. Ein kurzer Gedanke huscht wie ein Schatten durch mein Hirn. Mein Blick sucht die Umgebung ab nach irgendetwas ab und findet ein dickes Buch. Ich schaue kurz darauf: „Eberhard Schockenhoff – Wie gewiss ist das Gewissen? Eine ethische Orientierung.“. Es scheint mich selbstsicher und fies anzugrinsen, als ich es berühre. Es scheint zu wissen wie mächtig es ist. Ein weiterer Gedanke findet den Weg in meinen Kopf. Ich schaue auf einen roten Fleck mit schwarzen Beinen in meiner Seele. Ihn gefunden zu haben und zu sehen lässt mich erleichtert lächeln. Mittlerweile ist es halb 5, aber diese warme Ruhe, die sich nun in mir ausbreitet, lässt mich zufrieden in die Kissen zurücksinken. Ich nehme mir vor, das Buch morgen dem Besitzer zurückzubringen und den roten Fleck auf meiner Seele zu entfernen. Einen Augenblick schaue ich noch in mich hinein, bevor ich den Schalter der IKEA Nachttischlampe fixiere und ihn dann betätige. Alles um mich herum versinkt im Dunklen und ich kuschle mich tiefer in die Berge aus Federn, Wolle und Garn. Es dauert nicht lange bis mir die Augen zufallen und ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf versinke.

Geändert von Raubtier (18.11.2006 um 01:10 Uhr).
 
 
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heho
Alt 18.11.2006, 11:55   #2
Standard

verdammt geile geschichten,

hab mich dann irgendwie doch für eins entschieden, kann nicht genau sagen warum aber hat ich irgendwie am meiste beeindruckt oder so ...
 
 
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Sivar
Alt 18.11.2006, 12:07   #3
Standard

Bah, schwierige Entscheidung... muss noch ein paarmal lesen, bevor ich vote, glaub ich. Aber schonmal Lob an alle!
 
 
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El Sparko
Alt 18.11.2006, 14:50   #4
Standard

vom hocker hat mich jetzt nichts gerissen... trotzdem sind alle geschichten fast gleichauf mit ein paar schwächen vorallem bei nummer 1 und 3... ich entscheide mich jetzt wohl mal spontan.
 
 
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Mixery
Alt 20.11.2006, 12:38   #5
Standard

also Geschichte 1 fand ich toll. Finde das ist schön geschrieben.
Die anderen Geschichten gefallen mir nicht so gut, wobei ich noch sagen möchte, dass meiner Meinung nach Nr. 2 auch gut geschrieben ist.
 
 
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nives19
Alt 21.11.2006, 00:26   #6
Standard

Ich hab ja früher immer an Schreibwettbewerben teilgenommen und schreibe seit meinem 7 Lebensjahr.

Das größte Talent, hat der Verfasser von Geschichte 1!
Nummer 3 hat auch etwas, obwohl der Höhepunkt fehlt, und viele Rechtschreibfehler zu finden sind.
1 und 3 meine Favouriten
 
 
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Tinwe
Alt 21.11.2006, 16:24   #7
Standard

Hello!

Also mir gefallen auch alle gut
1 find ich richtig krass und hat mir am besten gefallen, bei 3 hab ich intuitiv einen Teil des Ende schon gewusst und mit der 4 konnte ich leider nicht so viel anfangen!
 
 
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Raubtier
Alt 25.11.2006, 09:51   #8
Standard

*erinner*

Noch bis nächste Woche läuft das Voting.
 
 
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