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17.08.2007, 12:27
# 18 Nyktophobie Alleine sitze ich in der Dunkelheit und fürchte mich.
Umringt von nächtlichen Schatten, wird meiner Atmung die Luft geraubt.
Die Angst macht mich verrückt, alles dreht sich.
Ohnmächtig sacke ich zusammen, doch was dann geschieht hätte ich nie geglaubt.
Ein Alptraum beginnt sich in meinem Kopf abzuspielen.
Vergessenes und Verdrängtes kommt hervor.
Alles dunkle in mir scheint scheint auf mich abzuzielen.
Und so betrete ich diese Traumwelt durch ein schwarzes Tor.
Hinter dem Tor – ein greller Blitz.
Geblendet reibe ich mir die Augen.
Als ich wieder sehen kann, ist da nur ein Sitz.
Mitten im Nichts zieht er mich, scheint mich gar aufzusaugen.
Vorsichtig und zögerlich nehme ich auf dem Stuhl platz.
Doch sobald ich ich dies tat, umschlungen mich Fesseln an Fuss und Hand.
Plötzlich ist ein tiefes Lachen vernehmbar, und folgender Satz:
„Geniesse was Du zu Sehen vermagst, denn es reinigt deinen Verstand.“
An dem diabolischen Lachen erkannte ich jedoch, es wird kein Genuss sein.
Wieder grellte ein Blitz auf, doch danach fand ich mich an einem fremden Ort vor.
Mitten in einem Dornenlabyrinth stand ich nun – verlassen und allein.
Doch in der Ferne war etwas vernehmbar. Leise Singstimmen von einem Chor.
So kämpfte ich mich durch das Labyrinth.
Immer wieder blieb ich jedoch an den Dornen hängen.
Doch plötzlich sah ich wer da singt.
Ausgeweidete Kinderleichen, erhängt an Seilsträngen.
Bei diesem grausamen Bild musste ich meinen Blick abweichen.
Doch die grauenvollen Kinderstimmen lachten mich aus.
So war ich gezwungen meinen Blick aufzurichten, und sah zu den Leichen.
Frech streckten sie mir jedoch die Zunge raus.
„Was mache ich hier?“, fragte ich sie dann.
Und so sagte eines der Kinder: „Mörder!“, zu mir.
„Wieso Mörder?“ entgegnete ich prompt und sah sie an.
Mit kaltem Blick sagten sie zugleich: „Weil wir sind die verlorenen Träume von Dir.“
„Wir waren deine Kinder, doch Du liessest uns nicht groß werden.
Du hast uns schon so jung umgebracht.“
Da wurde mir schwindelig, und ich fiel auf die Knie zu Erden.
Entsetzt sah ich sie an, doch sie haben weiter gelacht.
Ich konnte es nicht begreifen.
War dies ein Sinnbild meiner Selbst?
Ich begann zu verzweifeln.
So fühlt es sich an, wenn Du strauchelst und dann fällst.
„Sag! Erkennst Du Deine Schuld?“, fragte ein Kind.
Doch bevor ich antworten konnte, lachte es und es wurde schwarz um mich.
Wieder totale Finsternis, und das Lachen verhallt im Wind.
Plötzlich sprach die dunkle Stimme wieder zu mir: „War das schön für Dich?“
Diese Frage stellte sie mir im zynischen Ton.
Ich sagte: „Nein, es war furchtbar. Mehr nicht.“
„Das war erst der Anfang!“, antwortete sie voller Hohn.
Erneut grellte ein Blitz auf und blendete mich mit dem Licht.
Als ich wieder sehen konnte, fand ich mich in einem Glaswürfel vor.
Gerade mal gross genug um darin gefesselt zu sitzen
Ausserhalb des Würfels trat eine dunkel gewandte Gestalt durch ein Tor.
Bewaffnet mit einem langen Speer, gar einem sehr spitzen.
Verwundert sah ich zu der Gestalt und fragte mich was nun geschah.
Regungslos stand sie vor mir und starrte mich an.
Eiskalt war der Blick der mich anstarrte – so frostig und doch klar.
Plötzlich sagte die Gestalt: „Spüre nun wie schmerzhaft Schuld sein kann.“
So kletterte sie auf den Würfel und öffnete einen schmalen Spalt.
Noch bevor ich wusste wie mir geschah, stach man mit dem Speer auf mich ein.
Keine Chance auszuweichen. Der Speer bohrte sich ins Fleisch. Die Spitze war kalt.
Doch aus den Wunden pulsierte mein warmes Blut und ließ die Kälte vergessen sein.
Der Speer schneidete sich ins Fleisch. Der Schmerz war gross.
Ich schrie laut auf. Mein Haut hing nur noch in Fetzen an mir.
Mein Blut ergoss sich über den Boden und wurde mehr mit jedem Stoss.
Und erst nach einer Ewigkeit sagte er: „Nun lasse ich ab von Dir.“
Doch nicht um mich vom Schmerz zu erlösen, dass erkannte ich.
Denn er schloss den Würfel und ist ganz rasch verschwunden.
Winselnd lag ich am Boden und krümmte mich.
Den Tod vor Augen ergoss sich mein Blut aus meinen Wunden.
Doch wie ein unrealistisches Bild, stieg der Blutpegel im Würfel an.
Ich verlor mehr Blut als ich haben konnte und ich schien nicht mein Leben zu lassen.
Viel mehr drohte ich an meinem Blut zu ertrinken, da es nicht ewig ansteigen kann.
Und so füllte sich der Würfel immer weiter, mit meinem Blut in Unmaßen.
Erst als er ganz gefüllt war, rang ich mit meiner Atemnot.
Das Blut nahm mir die Atemluft, und so färbte sich das Rot bald in ein schwarz.
Da plötzlich auch der Schmerz von mir fiel, dachte ich, ich sei tot.
Doch in der Dunkelheit sprach die dunkle Stimme: „Ist Schmerz nicht eine Farce?“
„Was hast Du aus der Lektion gelernt?“, sprach sie weiter.
Noch durcheinander vom gerade erlebten, fragte ich: „Warum lässt Du mich leiden?“
Doch die Stimme blieb stumm, lachte dann aber heiter.
Darauf sagte sie: „Damit wollte ich Dir nur etwas zeigen. Es liess sich leider nicht vermeiden.“
„Was war es, was Du mir damit zeigen wolltest?“
Neugierig stellte ich diese Frage, denn das alles verwirrte mich.
„Eigentlich war es so gedacht, dass Du es erkennen solltest.
Dein Blut war die deine Schuld. Du ertrinkst an ihr.“, äußerte sie sich.
Ich verstand den Sinn nicht der dahintersteckte.
Doch noch keine Sekunde darüber nachgedacht, grellte erneut ein Blitz auf.
Diesmal erwachte ich jedoch erst, als mich jemand aufweckte.
Und so nahm meine Odyssee einen weiteren Verlauf.
Ich saß auf einem Stuhl umgeben von einem Ring aus Feuer.
Vor mir eine sehr attraktive Frau, die sich fast unbekleidet über den Boden rollt.
Langsam kroch sie auf mich zu und fragte: „Bist Du mein Neuer?“
Ohne Kontrolle über mich zu haben, nickte ich und stimmte zu – ungewollt.
Als sie mich erreicht hat, steht sie auf und setzt sich auf meinen Schoss.
Wild beginnt sie ihre Lippen auf die meinen zu pressen.
Ich erwidere den Kuss und komme nicht von ihr los.
Die Lust lässt mich die zuvor erlebten Schmerzen vergessen.
Dann steht sie auf und nähert sich den Flammen.
Mit dem Rücken zu mir entkleidet sie sich und sagt: „Willst Du mich spüren?“
Mein Geist bleibt sitzen, mein Körper geht zu ihr. Und ich sehe mich sie ins Feuer rammen.
Mein anderes Ich dreht sich zu mir und sagt diabolisch lachend: „Du wirst sie nicht berühren!“
Ihre Schmerzschreie dringen aus dem Hintergrund und brennen sich in mein Hirn.
Ihre Haut verbrennt, Fingernägel schmilzen, Augäpfel zerplatzen bei der Hitze.
Dieses grausam Schauspiel und das Leid treibt mir Angstschweiss auf die Stirn.
Plötzlich kommt mein zweites Ich auf mich zu, während ich immer noch sitze.
Als er mich erreicht hat, beugt er sich zu mir herab.
„Gerade habe ich dein Verlangen gekillt.“
Vor Wut will ich ihn treten doch verfehle ihn knapp.
„Deine Wut richtest Du gegen Dich selbst, doch sie wird niemals gestillt.“
„Ich bin das Böse in Dir. Das was Du immer verbergen willst.
Mich kannst Du verletzen, weil ich ein Teil von Dir bin.
Das Du damit aber nur mein böses Verlangen stillst,
dass will Dir anscheinend aber nicht in den Sinn.“
Ich sagte: „Was willst Du von mir. Etwa mich vernichten?“
Doch er schüttelt bloss den Kopf und lacht über mich.
„Du armer Wicht, weißt rein gar nichts über meine Absichten.
Ich kann Dich nicht vernichten. Ich will die Kontrolle über Dich.“
„Ich habs satt im Hintergrund zu stehen. Du lässt mich nie frei.“
Dann zog er ein Messer aus seinen Sachen hervor.
„Das wird Dir jetzt weh tun, doch dein Schmerz ist mir einerlei.“
Er trat nah an mich heran und ragte das Messer über seinen Kopf empor.
Ich schloss die Augen, wollte gar nicht erst sehen was er tut.
Er rammte mir das Messer ins Bein und schnitt ein Stück Fleisch heraus.
Wieder erlitt ich Schmerzen. Und erneut floss mein Blut.
Ich wagte einen Blick, doch die Wunde sah schrecklich aus.
Doch schlimmer als die Wunde, war das was er tat.
Er aß mein rohes blutiges Fleisch wie ein wildes Tier.
Als er es gegessen hatte, hatte er sofort sein Messer wieder parat.
Ich schloss die Augen erneut und hoffte das ich mein Bewusstsein verlier.
Aber zu meiner Verwunderung geschah rein gar nichts.
Ich öffnete die Augen und fand mich erneut in Dunkelheit vor.
Nur ganz weit in der Ferne war das Flackern eines kleinen Lichts.
Plötzlich erschien die dunkle Stimme und schrie mir ins Ohr:
„Verstehst Du langsam den Sinn von all dem?“
Ich erwiderte: „Ihr wollt mich nur quälen. Es gibt keinen Sinn.“
„Wer sagt schon Lernen sei angenehm?
Doch diese Lektionen musst Du lernen.“, sagte die Stimme weiterhin.
Gefesselt auf dem Stuhl zapple ich hin und her.
Doch plötzlich lösen sich die Fesseln und ich bin frei.
„Für die anderen Lektionen brauchst Du keine Fesseln mehr.
Von nun ziehst Du durch die Dunkelheit an deinen Lektionen vorbei.“
„Ich will aber weg. Will endlich nach Hause.“
„Dann setze deinen Weg fort - und zwar schnell.
Je länger Du wartest und machst Pause,
desto länger bist Du hier – und das generell.“
„Einen kleinen Tipp geb ich Dir aber noch: Verlass Dich auf deine Sinne.“
So zog ich dann durch die Dunkelheit.
Da alles gleich aussah, wusste ich nicht wo ich beginne.
Das Schwarz um mich schien unendlich weit.
Doch dann trat mir ein faulig süsser Duft in die Nase.
Neugierig folgte ich ihm durch das Dunkel, folgte einzig dem Duft.
Ich erreichte einen leicht erhellten Sumpf, von dem kamen die Gase.
Um und in ihm waren Leichen. Sie verpesteten die Luft.
Ein ekliges Schauspiel, voller Maden zerfressenen Toten.
Aufgedunsen, fahl und verfault lagen sie da.
Auf einem Schild stand: „Zutritt ist hier gänzlich verboten.
Wagt es nicht. Hier herrscht Lebensgefahr.“
Dennoch hatten es diese Tölpel versucht.
Hätten sie dem Schild doch bloss Beachtung gegeben.
Vielleicht ist dieser Sumpf verflucht.
Vielleicht wären sie dann sogar noch am Leben.
Doch plötzlich hörte ich hinter mir ein lautes Knurren.
Ich drehte mich um und sah einen Wolf mit glühend roten Augen.
Das laute Knurren wandelte sich in Zähne fletschen mit leisem Surren.
Die Angst vor dem Biest schien mir die Vernunft auszusaugen.
Ich rannte plötzlich tiefer in den Sumpf, ohne an die Worte vom Schild zu denken.
Schnellen Schrittes lief mir das Monstrum hinterher.
Plötzlich blieb ich im Morast stecken und es schien als wolle mein Schicksal mich ins Unglück lenken.
Um dem Biest zu entkommen, gab es keine Chance mehr.
Doch der Wolf war verschwunden und ich spürte wie ich sank.
Da meldete sich die dunkle Stimme lachend: „Hab ich Dir Angst eingejagt?“
Ich antwortete nicht, doch ich merkte, dass ich hilflos ertrank.
Die Stimme: „Du hast Dich in den tödlichsten aller Sümpfe gewagt.“
Sie fuhr fort: „Dieser Sumpf ist deine Seele. Ein großer heruntergekommener Ort.
Das es hier so aussieht, bist Du selber Schuld, denn Du liessest es dazu kommen.
Alle Toten die Du hier siehst sind durch Dich gestorben, somit ist es Mord.
Weil Du niemanden an Dich ranlässt, hat ihnen der Sumpf deiner Seele das Leben genommen.
Zum Selbstschutz hast Du dieses Biest auserkoren.
Es treibt die Menschen in ihren Tod.
Das Biest ist dein Misstrauen – aus Vertrauensbruch geboren.
Siehst Du jetzt, dass Du bist in Not?
Ich zeigte Dir, dass Du deine Träume getötet hast, in Form von Kinderleichen.
Ich zeigte, dass Du an deiner Schuld ertrinkst und dass Du deine Lust getötet hast.
Ich zeigte, dass dein böses Ich die Überhand über Dich gedenkt zu erreichen.
Dein böses Ich frisst Dich förmlich auf, und dein „Misstrauensmonster“ hast Du dir selbst verpasst.
Kurz um, so kann es nicht weitergehen.
Die letzte Lektion steht Dir allein bevor.
Nur Du kannst sie allein bestehen.
Schaffst Du es, dann gehe durch das nun offene Tor.“
Daraufhin erscheint das Tor durch welches ich in diese Odyssee eintrat.
Doch immer noch steckte ich im Sumpf und ging unter.
Ich fragte: „Welche letzte Lektion habt ihr für mich parat?“
Als Antwort kam: „Ich glaube Du wirst es nicht schaffen und das macht mich munter.“
Ein lautes diabolisches Lachen hallte in der Dunkelheit.
„Du hast Dir dein eigenes Grab geschaffen.“, sprach er weiter.
„Und wenn Du jetzt stirbst, tut es mir nicht einmal Leid.“
Ich sagte: „Was muss ich tun? Ich denke nicht, dass ich scheiter.“
„Du musst nur deinem Sumpf entkommen. Und wenn Du es nicht schaffst, wird dein Tod auch meiner sein.“
Nach diesem Satz offenbarte mir die Stimme ihr Gesicht. Und ich war verwundert als ich in mein eigenes sah.
Die Stimme sagte: „Ich bin dein wahres Ich. Und wenn Du nichts tust sind wir tot.“, und liess mich allein.
Der Morast stand mir bis zum Hals und ich konnte mich kaum noch rühren. Mein Tod schien unausweichlich – gar ganz nah.
Machtlos konnte ich nur noch folgendes ausrufen, bevor ich völlig verschwand:
„Ich will nicht sterben. Ich will leben. Ich werde mich ändern. Versprochen.“
Doch dann versank ich, und in meiner Furcht schossen tausende Gedanken durch meinen Verstand.
Ich erkannte meine Fehler. Erkannte alles was ich damit hab zerbrochen.
Und gerade als ich dachte alles sei zu spät weil mich die Dunkelheit des Todes umringt,
grellt wieder ein Blitz auf. Und ich sehe mich am Boden liegen.
Umringt von Ärzten, von denen einer den Defibrilator ausklinkt.
Ein anderer sagt: „Glück gehabt! Ich sagte wir würden ihn wieder ins Leben kriegen.“
Ich wurde von einem Auto angefahren, wie sich später herausstellt.
Doch obwohl ein Unfall eigentlich Pech ist, war es für mich ein Glücksfall.
Mit dem Tod vor Augen und dem Erlebten, habe ich mein Leben umgestellt.
Die Dunkelheit die in mir herrschte, hat nur noch die Wirkung eines mahnenden Nachhall.
Dunkelheit macht Angst. Erst recht in der Seele.
Doch ich habe meine Nyktophobie besiegt.
Ich lasse nicht mehr zu, dass ich mir selbst damit Lebensfreude stehle,
denn es ist mein Wille zu Leben, der nun nicht mehr der Dunkelheit obliegt.
Ende |