War es wirklich so schwer, zu verstehen, was ich mit Liebe gemeint habe, am Ende? Gerne nochmal: Die Bereitschaft, zu verzichten. Die Bereitschaft, den Vortritt zu lassen. Etc.
Nicht gemeint ist damit ein Defizit an Entschlossenheit, Wille, Meinung.
Es mag vielleicht etwas eigen klingen, aber macht man sich wirklich mal Gedanken über Liebe, wird das schnell plausibel.
Ich kann das an dem Beispiel von dir mal verdeutlichen:
Zitat von Ripper08 (oder sich gar nicht mehr veraendert und nach 5 Jahren immernoch vor dem Fernseher sitzt oder sich nach Ansicht des Partners in die falsche Richtung veraendert)
Partner merkt, dass seiner Partnerin irgendetwas nicht so gut gefällt. Dem Partner gefällt das aber, er würde das gerne so beibehalten (Hobby zum Beispiel - was eben seine Leidenschaft ist). Nun kommt die Liebe ins Spiel: Etwas dass mein eigenes Interesse ist kollidiert mit dem ihren. (Weil ich sie liebe) tue ich ihr den Gefallen. Ob einem das nun schwer fällt oder nicht ist eine andere Frage, tut man es von Herzen - aus Liebe - so ist es auch das: Liebe. (Wichtig: Das ganze ist normativ zu sehen. Grundsätzlich ist das in jeder Situation praktisch nicht möglich. Und vor allem: Es ist auch nicht einseitig zu begreifen! Zudem: Auch Missbrauchsverbot, also jemand will irgendetwas und versucht es mit dem Liebesargument durchzusetzen...)
Von Liebe 2.0 habe ich nun noch nichts gehört. Konzepte wie romantische, geborgene Liebe sind zumindest nicht sehr neu. Ich werde mal nach Artikeln über so etwas suchen.
Liebe und Partnerschaft trenne ich, beides schließt sich aber nicht aus. Einen Blick auf typische Beziehungen werfe ich gerne mit Dir (wir unterstellen einfach mal, es gäbe empirisch häufig vorkommende Beziehungen, die als Durchschnitt herhalten können - Meinen Beobachtungen und Erfahrungen zufolge ja). Also da sehe ich wirklich nicht viel Liebe. Kennenlernen, mitunter Dates - Sex - und hier kommt dann eine Beziehung bei raus, wenn sich beide dazu entscheiden. Es probieren wollen. In aller Regel herrscht da große Anziehung (Verliebtheitsgefühl), aber von "echter" Liebe wird da noch selten gesprochen. Da heißt es ja immer, die muss ja noch entstehen, kann ja noch gar nicht da sein. (Sehe ich anders, auch wenn man sich dann gern mal irrt... aber ich will nicht abschweifen).
Zitat von Ripper08 Partnerschaftliche Liebe ist sehr wohl an Bedingungen geknuepft. Schaut euch doch mal eine typische Beziehung an, wenn der Partner sich ploetzlich stark veraendert (oder sich gar nicht mehr veraendert und nach 5 Jahren immernoch vor dem Fernseher sitzt oder sich nach Ansicht des Partners in die falsche Richtung veraendert) oder sonstwie Scheisse baut stirbt die Liebe ab wie ein abgeschnuerter Zeh wenn man nichts dagegen unternimmt. Das Sexuelle Verlangen nach dem Partner erlischt und mit der Zeit auch die Liebe. Game Over. Reset.
Ich nehme an du meinst mit partnerschaftlicher Liebe die Gefühle, Anziehung. Wie auch immer, darüber, wir sollten vielleich hier nochmal trennen
Zitat von Ripper08 Eine Partnerschaft ist letztendlich eine Zweckgemeinschaft. Wer glaubt Liebe sei nicht an Bedingungen gebunden der hat ein riesen Brett vor dem Kopf.
zwischen Bedingung und Zweck. Das lässt sich sprachlich vermengen (z.B. Ich liebe dich nur unter der Bedingung, dass du dies und jenes mir gibts). Nehmen wir mal als Bedingung von Liebe, alles, was die Liebe und Zuneigung auslöst (Seelenverwandschaft, das gewisse etwas, Mr./Ms. Right... j/k, ich wollt nur ärgern, also ernsthaft: grob Anziehung und mitunter noch eine Prognose, dass es auch miteinander klappt). Da geht es freilich nicht ohne!
Also, dass Liebe bedingt ist, da besteht wohl Einigkeit.
Andersherum, also wozu Liebe da sein soll, da widerspreche ich folgendermaßen: Was Liebe aber fehlen sollte ist ein Zweck außer ihr selbst! Es gibt natürlich Sachen, denen sie je nach Liebesverständnis automatisch dient (Geborgenheit, Sicherheit (nicht finanz.!), Verständnis, Sex).
Insoweit ist dein Vergleich mit Mutterliebe gar nicht so schlecht. Das soll nicht wertend sein, aber insgesamt finde ich den Gebrauch von Liebe nach etwas strengerem Verständnis für nicht wenige Beziehungen nur teilweise gerechtfertigt.
Zitat von Ripper08 Das Leben schenkt euch nichts mehr, ihr muesst es euch holen und ihr muesst die beste Person werden, die ihr aus dem was ihr habt und erreicht zusammenbasteln koennt, damit sich ueberhaupt jemand zu euch hingezogen fuehlt und euch letztendlich lieben kann.
Schwer. Das ist eine verbreitete Ansicht. Die kritisiere ich nur ungerne. Das ist nahe an Leistung und selber was tun und so weiter. Ich habe nur "leider" "zum Glück" ein völlig anderes Weltbild. Mir wäre sowas zu pragmatisch. Das ist erstens Gleichmacherei (wenn es alle befolgten) Ich gebe zu, dass geht aus Rippers Beitrag nicht direkt hervor, zumal er doch schreibt man muss das beste aus einem selbst holen. Die Formulierung ist aber nur ein Weichmacher. Man weiß nie, wann das Optimum erreicht ist...
Außerdem findet sich so eine Einstellung mit angeblich unveränderlichen Dingen ab und fördert somit Konkurrenz, Ellenbogengesellschaft etc. und meint auch noch eine gedankliche Legitimation zu haben ala "So ist das Leben" und "Der stärkere siegt". Es gibt Menschen, die _freuen_ sich, dass die Welt/das Leben unfair und ungerecht ist, weil man genau das nutzen kann indem man "arbeitet", "sich verbessert". ...
Zitat von Ripper08 Wenn du ein einziges Wrack mit von vorn bis hinten negativen Eigenschaften bist, wird dich kein Mensch jemals lieben koennen, weder Frau noch Mann.
Das behauptet ja auch keiner. Aber niemand ist perfekt und niemand kann es werden. Ich sehe den Sinn nicht, das trotzdem zu versuchen. Nichts gegen Ehrgeiz - aber endlos? Das Gegenteil von Ehrgeiz und Eifer ist nicht Resignation sondern Zufriedenheit.
Geliebt werden können auch Kriminelle, Obdachlose, Glatzköpfige, Schwergewichtige, Blinde, Rollstuhlfahrer etc. Sowas hat verdammt nochmal mehr mit Liebe zu tun als Don Juan mit Authentizität, Selbstbewusstsein, Stärke, Wert und Zielen und Lady soundso mit schönster Optik und bestem Charakter.