Ich hatte mal mit einer Ex darüber gesprochen, was Liebe ausmacht und warum ich mich in sie verliebt hätte. Was dabei wichtig ist: Sie hat gesagt, für sie wäre das alles nur eine intensive Affäre gewesen, sie sei nicht in mich verliebt gewesen - ich war es aber in sie.
Ich hab dann eine Latte von Sätzen losgelassen, in denen es darum ging, sich in einer Beziehung nicht verstellen zu müssen, gegenseitiges Geben und Nehmen usf. und hab auch ihre Stärken vorgehoben, die ich mochte, aber auch die Schwächen ("Macken") angesprochen, die ich auch mochte - eben das einzigartige Wesen, das sie ausmacht.
Irgendwann ging mir die Puste aus und sie konnte mit dem auftrumpfen, wozu ich noch nicht kam, es zu sagen.

Anhand ihrer aktuellen Situation mit ihrem "Neuen" hat sie versucht, zu erklären, was bei ihr in der Liebe wichtig ist. Z.B., dass sie ihre Liebe gefunden hätte, dieser aber wohl bald auswandern würde. Sie meinte, sie könnte nun versuchen, ihm komplett den Kopf zu verdrehen, so dass er bei ihr bleibt. Aber sie würde seinen Traum nicht kaputtmachen wollen, in dem sie wohl nicht vorkommt, weil er auch dort eben glücklich wird. Und dass sie in ihm ihren Gegenpart gefunden hätte, das hätte sie gleich gemerkt.
Nun, bevor wir uns getrennt hatten, habe ich aufgrund meiner Liebe genau das getan - ich hab ihr den nötigen Freiraum gegeben, den sie zu diesem Zeitpunkt brauchte/wollte, dennoch habe ich ihr in dieser Zeit nach wie vor unmissverständlich gezeigt, was ich für sie empfinde. Sarkastisch gesehen könnte man nun sagen, dass sie den Freiraum, den ich ihr gegeben hatte, dazu genutzt hat, sich einen anderen zu angeln...
Zudem meinte sie auch, ich müsse noch die Liebe zu mir selbst finden, um Liebe geben zu können. Fand ich ein wenig abgedroschen. Und dass ich generell noch nicht genügend Beziehungs-/Affärenerfahrung hätte, um eine feste Beziehung einzugehen. Naja, so kann man es sich auch einfach machen. Sie war eben in der günstigen Position, so etwas zu sagen zu können und die Weise zu geben, da sie mich ja verlassen hat.
Ab wieviel Affären und Beziehungen soll man denn für eine feste Beziehung bereit sein? Nach so einer Argumentation gäbe es wohl nie feste Beziehungen. Da gibt es doch keinen Zähler - irgendwann fängt man eben mit einer Beziehung an, weil man verliebt ist und hofft dass es lange anhält. Es gibt ja auch Menschen, die sind schon in relativ jungen Jahren lange mit ihrem Partner zusammen (nebenbei bemerkt: bin 30 Jahre alt und hatte bisher tatsächlich noch keine langjährige Beziehung). Man muss ja auch zu einem gewissen Teil dazu bereit sein, an einer Beziehung zu arbeiten - solange bis man weiss, dass eine Trennung unausweichlich ist. Anstatt gleich zum Nächsten ins Bett zu hüpfen. Nur, weil man keinen Partner hat bzw. noch keine langjährige Beziehung hatte, heisst das ja noch nicht, dass man beziehungsunfähig ist. Genauso ist man nicht zwingend beziehungsfähig, nur weil man einen Partner hat. Es gibt genug unglückliche Paare.
Hmmm, nun, in unserem Fall hat sich das sowieso ein wenig anders gestaltet, weil sie angeblich sowieso nicht in mich verliebt war. So gesehen führe ich hier einen "asymmetrischen Kampf"
Im Prinzip bin ich mit ihr darüber im Grossen und Ganzen darüber einig, was Liebe ausmacht, auch inklusive der Freiräume, die man einem Partner geben soll und dem passenden "Gegenpart". Allerdings: ist das nicht ein wenig idealistisch und romantisiert dargestellt? So schön das alles auch klingt, aber spielen dann vielleicht nicht doch andere Faktoren eine grössere Rolle als wir es zugeben (wollen)? Pheromone, der bessere Sex, der reichere Mann, die schönere Frau...