*stirnunzel*
gleich vorweg, ich hab die meisten antworten nicht gelesen, ich würd mich nur darüber aufregen

, also geh ich mal nur auf dich ein...
zunächst erst einmal: ich verstehe euch beide, ich kann euer beider verhalten gut nachempfinden und finde bei
keinem etwas das man verurteilen könnte.
ich werde meinen post auch nicht mit großen weisheiten und ratschlägen beginnen, sondern erst mal n bissl ausm nähkästchen plaudern.
an meiner letzten beziehung hingen 5 jahre. 5 jahre emotionen, gefühle, kampf, schmerz, aber auch 5 jahre in denen es viele wunderschöne zeiten gab. ich bin mittlerweile 23, als die beziehung endete war ich 21. vom alter her und auch von der dauer her kann man durchaus parallelen zu euch ziehen. aber parallelen lassen sich noch an anderen stellen finden.
ich war damals seine erste freundin. die erste mit der er schlief, die erste die er an seinem leben teilhaben ließ. und von anfang an, über die ganzen 5 jahre hinweg hatte ich einen gedanken "er wird irgendwann wissen wollen ob "das alles war" und etwas anderes ausprobieren wollen". und so gut ich in gedanken diese ihm unterstellten gedankengänge nachvollziehen konnte, sie machten mich zu einem extrem ängstlichem menschen, zu einem der sich sehr auf ihn fixierte, der klammerte und auch von ihm einforderte zu "klammern". ich gab meine freunde auf und lebte nur noch für ihn und die beziehung. ließ es zu dass er mein bester freund wurde, dass sich mein alltag auf ihn ausrichtete. und ich glaubte glücklich zu sein. überhaupt stellt man mit ein paar jahren abstand zu dem ganzen fest was man nicht alles so geglaubt hat, glauben wollte. irgendwann kam dann natürlich DAS gespräch über freiheit und freiräume, über mangelndes vertrauen. das hat mich nun nicht so sehr umgehauen, damit hatte ich gerechnet. ich nahm mir damals sehr vor an mir zu arbeiten, nahm mir vor zu vertrauen. von da an schwieg ich oft. ich äußerte meine zweifel nicht mehr, ließ ohne etwas zu sagen zu wenn er abends allein weg wollte, ließ es zu um ihm zu zeigen "ich vertraue dir". vertraut habe ich der beziehung nicht, aber ich hab es wegen der beziehung nicht mehr kommuniziert. ich weiß nicht ob er es jemals gemerkt hat dass dieses neugewonnene vertrauen nur ein durchaus gelungenes theaterstück war, er schien zumindest glücklicher zu sein. ab und an brachen meine zweifel hervor und sofort tat es mir leid dass ich sie nicht unterdrücken konnte.
zu der zeit begann ich die beziehung und ihn sehr genau zu beobachten. doch was ich sah wollte ich nicht sehen. ich hab es gut 2 jahre geschafft mir eine heile-welt-perfekt-nach-außen-beziehung einzureden, das was ich sehe zu verdrängen. ich war nicht glücklich in der beziehung, ich sah sachen die ich nicht sehen wollte, erlebte sachen die ich nicht erleben wollte, erlebte einen partner, den ich eigentlich nicht erleben wollte. es war ein leben zwischen "wissen wie scheisse alles läuft" und "nicht wollen das es endet". zu viele jahre hingen dran, zu viele träume, zu viele wünsche, zu viel erlebtes. wenn man diese 5 jahre in relation mit dem alter setzt, dann sind das ein viertel meines lebens gewesen, man ist quasi zusammen aufgewachsen, hat sich an einander gewöhnt, hat sich an das traumschloss gewöhnt dass man in gedanken gebaut hatte. und genau da war das schlagwort: gewohnheit.
man hatte einen festen alltag. man sah sich täglich, sicherlich ein zugeständnis seinerseits mir gegenüber, aber vermutlich auch gewohnheit seinesseitens. ich war halt immer da, er war immer da, man hatte ein gemeinsames leben und zumindest ich spinnte im kopf schon die nächsten jahre.
als ich 19 war, hätte ich das erste mal das was ich sah, in die richtige reaktion umwandeln sollen. wir hatten zusammen abi gemacht, dann hatte er zivildienst, ich hatte ein jahr praktikum in einer werbeagentur. danach wollten wir beide studieren. er ging an die FH, ich studierte nicht. ich wollte etwas studieren dass es in meiner heimatstadt nicht gab, hatte zusagen von anderen unis. aber er wollte daheim bleiben. er wollte bei mama bleiben. er wollte aus seinem mama-nest nicht ausbrechen. also verzichtete ich aufs studieren und begann in meiner heimatstadt eine lehre. als ich anfang des 3. lehrjahres beschloss bei meinen eltern auszuziehen war für mich völlig klar das wir zusammen ziehen. in der nähe seiner eltern von mir aus. er wehrte sich dagegen. und schon wieder reagierte ich nicht auf das was ich sah. ich sah es, wusste es zu deuten, wollte es aber nicht deuten. als der mietvertrag unterschrieben wurde trennte er sich von mir. es war wie bei euch dass ich mich völlig selbst aufgegeben hatte und in einer großen aktion, mit vielen tränen versuchte ihn wieder zurückzubekommen. was dann passierte verdränge ich heute noch gern, das waren schmerzen an die will ich mich heute noch nicht erinnern. auf jeden fall - 2 wochen später war final schluss. durch einen gemeinsamen bekannten erfuhr ich dass er schon eine neue freundin hatte, ein jahr später wohnte er mit ihr zusammen.
als er sich von mir trennte geschahen quasi 2 dinge. ich war zum einen kurz "lebensunfähig". ich erinner mich kaum noch an die tage danach, ich lebte diese tage nicht wirklich, schwebte so durch die welt, funktionierte auf arbeit, nahm aber nichts wahr. was mich damals wachrüttelte waren freunde. freunde die ich jahre zuvor aufgegeben hatte seinetwillen. als ob sie sich abgesprochen hätten war ich auf einmal keinen tag mehr allein. ständig war irgendjmd um mich herum, ständig war jmd der mir zuhörte da, ständig jmd der etwas mit mir unternahm. am anfang nahm ich das alles kaum wahr, aber ziemlich schnell begann ich wieder zu leben. ich ließ erstmals das was ich in der beziehung sah zu und das half mir sehr mit der trennung von 5 jahren fertig zu werden. ich redete über das was ich sah und es wurde mir scheiss egal wie sehr ich ihn damit in den dreck zog. seine eigene cousine war für mich da, bestätigte mir das was ich sah. das wovor ich mich so sehr fürchtete, das alleinsein, kam nicht. ich war nicht allein. und das ist so eine sache für die ich meine freunde so sehr schätze. sie waren immer für mich da, haben es mir nie übel genommen dass ich sie jahrelang vernachlässigt habe, sie waren sofort da als ich sie brauchte. das war der moment in dem ich lernte was freundschaft bedeutet.
wie auch immer, ich denke mal du kannst lange texte ab

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ich vermute bei euch ein paar sachen. zum einen vermute ich, dass sie eben aus genau dieser gewohnheit, nicht die stärke hat dich aufzugeben, obwohl ihr das was sie sieht eigentlich nicht gefällt. es würde ihr weh tun wenn du dich trennst, aber ich glaube sie wäre erstaunlich schnell darüber hinweg, weil sie dann endlich das was sie sieht und das was ihr nicht gefällt zulassen könnte. ähnliches auch bei dir. du hängst an den vielen gemeinsamen schönen stunden und vor allem hängst du an dem luftschloss dass du dir im laufe der zeit mit ihr aufgebaut hast. das kann ich nachvollziehen. vorallem kann ich nachvollziehen dass diese gewohnheit so stark ist, dass man sie kaum von liebe unterscheiden kann. was ihr beide gerade nicht könnt, was ich keinem von euch vorhalten werde, das was ihr seht zulassen. ihr seht was schief läuft, ihr seht beide eigentlich dass es so nicht weiter gehen wird, aber könnt beide noch nicht die konsequenzen daraus ziehen. ICH werde dir jetzt hier nicht sagen "trenn dich von ihr, sie ist doof". oh nein. darauf wirst du eh nicht hören (was dein letzter post so schön zeigt). du wirst weiterhin deinem bauch und deinem herzen folgen und für außenstehende ist das ende des weges eigentlich ziemlich klar abzusehen. und für dich eigentlich auch, aber wie gesagt, du lässt das was du siehst vermutlich auch nicht zu gerade. genausowenig wie sie. und egal was jetzt hier irgendjmd anonymes schreibt, du wirst deinen verstand weiterhin unterdrücken. also lassen wir das völlig ok sein.
als mein ex sich von mir trennte, rief ich eine arbeitskollegin an. überhaupt habe ich in der nacht viel telefoniert. sie saß gerade mit anderen arbeitskollegen aus ihrer abteilung in einer kneipe, sagte ich solle dazu kommen, ich bin in die stadt gefahren. sie kam mit mir kurz raus und sagte damals etwas dass ich auch dir weitergeben werde: "wenn ihr wirklich füreinander bestimmt seid, dann werden sich eure wege wieder kreuzen". egal was dazwischen passiert. unsere wege haben sich nicht mehr gekreuzt, wobei ich glaube dass sie auch nicht von einem zeitraum von ein paar wochen sprach, sondern von einem zeitraum von ein paar jahren. ich habe bis heute nicht zugelassen dass sich unsere wege noch einmal kreuzen. einmal kurz, aber in dem moment hatte er menschlich total versagt.
um zum ende zu kommen. ich hatte nach der trennung die ein oder andere affaire. und so im nachhinein tat mir das ganz gut. seit anderthalb jahren bin ich wieder in einer beziehung. und diese beziehung gab mir auf anhieb 2 sachen: zum einen zog er sofort bei mir ein, zum anderen brachte er mich zum studium. er wechselte seinen studienort um mit mir zusammen an einem anderen ort zu studieren. das sind genau die 2 sachen die ich in meiner alten beziehung verdrängt hatte, die ich zwar sah, aber nicht sehen wollte. und mein jetziger partner gab sie mir. einfach so. weil ich ich bin. und da hörten dann die fragen auf. die frage nach dem "was wäre wenn?" auch in bezug auf eine der nachfolgenden affairen. ich mache heute ein paar sachen anders als damals. zum einen sehe ich nicht mehr so viel. ich habe aufgehört jeden wimpernschlag zu sehen und zu deuten. zum anderen lasse ich die sachen die ich sehe zu und wäge sie für mich ab. aber als wichtiges wohl: ich bin ich. und er lässt mich ich sein. ich brauche nichts aufgeben weil er alles mit mir zusammen geht.
"wenn ihr wirklich zusammen gehört, werden sich eure wege wieder kreuzen". wir gehörten von anfang an nicht zusammen. das zu erkennen hat jetzt aber gut 7 jahre gedauert. und es hat viel kraft gekostet.
es tut mir leid dass ich dir jetzt nicht sage was du tun sollst. das tue ich bewusst nicht, das einzige was ich dir quasi auf den weg geben will ist, das was du siehst zuzulassen und nicht zu verdrängen. alles andere wird sich dann ergeben, lass es einfach geschehen.