So Kinder, ich hab beschlossen, mal nen kleinen Vortrag über Grundlagen der menschlichen Gefühlswelt, Moral und Philosophie zu halten... wer keine Lust hat zu lesen, soll nach unten scrollen und nur die allerletzte Zeile anschaun

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Zunächst mal hat es doch einen Sinn, dass der Mensch bestimmte Gefühle entwickelt, Bedürfnisse und Wünsche hat, nach etwas streben will. Was ist nun also mit dem Fremdgeh-Gedanken? Im Focus habe ich mal über eine grössere Studie gelesen, die sich genau mit dem Thema befasst hat. Wenn ich mich richtig erinnere, sind weit mehr als 50% der Befragten (Männer genauso wie Frauen) schonmal fremdgegangen, und davon sind die meisten wiederum Wiederholungstäter. Wer nun an das grundsätzlich Schlechte im Menschen glaubt, kann auch hier aufhören zu lesen (denn ich glaube an das grundsätzlich Gute und baue meine Argumentation darauf auf)... daran dass er nach Weiterentwicklung strebt, sicher manchmal falsche Wege einschlägt, aber diese auch einschlagen "muss", um daraus zu lernen.
Also was sagt uns diese Studie zunächst mal? Sie sagt, dass sehr viele Menschen sich früher oder später, in emotionalen Krisenzeiten bzgl ihrer Beziehung, oder einfach nur aus der Lust heraus, fürs Bett Abwechslung wünschen von ihrem festen Partner. Wahrscheinlich sind es sogar weit mehr als die o.g. 50%, da nicht alle ihren Wunsch in die Tat umsetzen, also würd ich mal 80% tippen. Sicher entwickelt sich der Wunsch danach oft ohne konkrete Absicht, sondern erst wenn eine Gelegenheit da ist, aber er scheint zur NATUR DES MENSCHEN zu gehören. Nun hat man also 2 Möglichkeiten: Man lebt es aus, oder man unterdrückt es. Nun halte ich Ehrlichkeit für etwas grundlegend Wichtiges, dh man erreicht im Idealfall mit seinem Partner ein Übereinkommen, dass gelegentliches Fremdgehen erlaubt ist. Ausnahmslos treu zu sein halte ich in jedem Fall eher für ein kulturelles Phänomen bzw Erziehungssache.
Betrachten wir mal die Fremdgänger... den meisten tut es zwar anschliessend leid, aber sie sind gleichzeitig der Überzeugung, dass es ihnen gut tut bzw getan hat. Sie fühlen sich in der Zwickmühle, weil sie sich schämen, sich als Betrüger fühlen. Gleichzeitig ist der Wunsch aber grösser, so dass es trotzdem passiert. Einige sagen auch, dass der Seitensprung ihrer festen Beziehung sehr geholfen hat - ob es nun um die Wertschätzung für den Partner geht, die sich verstärkt hat, oder um irgendwas anderes.
Anarch hat Recht damit, wenn er sagt, dass Freundschaft nicht weit von Liebe entfernt ist. Im Grunde ist beides sogar dasselbe, nur dass es sich anders äussert... beides ist eine Form der Liebe. Warum also haben die meisten Leute kein Problem damit, Freunde zu teilen, aber ein grosses Problem damit, ihren festen Partner nur für eine einzige Nacht abzugeben? Warum kommen die Leute nichtmal auf die Idee, dass man selber etwas davon hat, dass der Partner fremdgeht? Verlustangst spielt da eine (zu) grosse Rolle, denke ich. Klar, der Sex mit dem anderen könnte besser sein, aber warum soll er deswegen gleich ein besserer Partner fürs Leben sein? Und abgesehen davon erfährt eine Beziehung durchs Fremdgehen eine Art "Prüfung". Wenn die Beziehung dem standhält, ist sie umso stabiler... wenn sie kaputtgeht, wäre sie wahrscheinlich sowieso (auch ohne Seitensprung) irgendwann kaputtgegangen oder zumindest vorübergehend unglücklich verlaufen. Am Ende soll also eine Beziehung doch am Sex (mit dem Seitensprung-Partner) scheitern, obwohl Sex doch nie die Hauptbasis für die Partnerschaft war? Ich erkenne die Logik darin nicht. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Sex immer mit Emotionen einhergeht, gehören doch zu einer festen Partnerschaft weit mehr und viel intensivere Gefühle.
Weiter zu "guten Freundschaften" zwischen Hetero-Mann und Hetero-Frau (und dem Sex darin)... meine Meinung ist: Die reinen guten Freundschaften gibt es nicht... zumindest nicht auf Dauer ohne sexuellen Aspekt. IRGENDWANN wird zwischen solchen Freunden immer mehr passieren als rein Freundschaftliches. Meine Erfahrung sagt mir, dass in guten Freundschaften früher oder später immer mindestens einer von beiden mehr will. Wenn der andere nicht will, geht die Freundschaft daran zugrunde - wenn der andere auch will, kann es die Freundschaft erhalten. Es kann auf diese Weise sogar aus Freundschaft richtige Liebe werden, denn - wie wir uns erinnern - ist beides nicht allzu weit voneinander entfernt. In dem Fall, dass eine Freundschaft ANSCHEINEND WEGEN des Sex kaputtgeht, war die Freundschaft nie für die Ewigkeit bestimmt, denn es gab entweder "moralische" Bedenken, die eh mit der Zeit belastend geworden wären (zB wenn einer von beiden ne Beziehung eingeht), oder die Freundschaft ist einem ganz plötzlich doch nicht mehr soviel wert, nachdem der Sex schlecht war. Letzteres lässt vermuten, dass es nie gänzlich um die Persönlichkeit des andern ging, sondern auch um Sexuelles. Und zu guter Letzt: Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau, in der nie mehr passiert, ist auch nie so intensiv, dass man sie als wirklich gute Freundschaft bezeichnen könnte.
Nun zu deiner Rolle, stern... der des Dritten im Bunde

... es war ja nicht so dass sich einer von euch beiden dem anderen irgendwie aufgedrängt hätte oder ihn überredet/verführt hätte, sondern ihr kamt im Laufe des Chats jeweils aufeinander zu, so dass man sagen kann "Ihr wollt es beide von euch aus". Das ist im Normalfall alles, was dich zu interessieren braucht. Ein nicht-normaler Fall wäre, wenn du vorher genau wüsstest, dass der andere es nur aufgrund psychischer Probleme mit sich selbst oder aus reiner Boshaftigkeit will, und du ihn entweder vor sich selbst beschützen müsstest oder ihn nicht bei seiner Aktion (wenn er zB eigentlich garkeinen Sex mit dir will, aber meint, seiner Freundin unbedingt wehtun zu müssen) unterstützen willst. Beides trifft wohl nicht auf dich zu. Da du seine Freundin nicht kennst, ist sie nicht dein Problem. Ihr hättet euch gefunden, ob mit oder ohne ne Beziehung zwischen denen. Du bist nicht Mutter Teresa, und solltest das Interesse eines Unbekannten nicht über deins und das deines besten Freundes stellen. Wie im ersten Absatz erläutert, kommt ihr das wahrscheinlich sogar zugute, indem entweder deren instabile Beziehung kaputtgeht (lieber Ende mit Schrecken, usw...), oder er sie nach seinem Seitensprung mehr zu schätzen weiss.
So wie ich das also sehe, steht eurem Sex nichts mehr im Wege... ganz im Gegenteil, es spricht sogar jede Menge dafür, also WARUM SOLLTEST DU ES NICHT AUSPROBIEREN? Vielleicht bleibt es beim einen Mal und kann auf sich beruhen, vielleicht lebt ihr danach 50 Jahre lang glücklich zusammen, weil euch erst dieser "Funke" gefehlt hat, um euch auch emotional näherzukommen. Das einzige, was du vermeiden solltest, ist tatsächlich eine lange Affaire mit starken Gefühlen (quasi eine Parallelbeziehung). Erstens, weil es dir selber auf Dauer schaden würde, zweitens weil er in dem Falle zuviel Weichei wäre, mit seiner Freundin nen Schlussstrich zu ziehen, und daher dir auch zuviel Weichei wäre, drittens weil Geheimnistuerei auf Dauer extrem energieraubend und unerfüllend ist. Fehlt nur noch meine versprochene letzte Zeile...
Mach es!
