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Diskussion: Fotografie = Kunst?


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Felicitas
Alt 05.12.2007, 22:59   #1
Standard Diskussion: Fotografie = Kunst?

Der Begriff der Kunst hat sich über viele Jahrhunderte ständig geändert, wurde erweitert und neu ausgelegt. Wer sich über die verschiedenen Auslegungen von Kunst zu verschiedenen Epochen belesen will ist an der Stelle mit Wikipedia ganz gut beraten.

Auffällig ist aber stets, dass etwas als Kunst bezeichnet wird, wo der Künstler durch Interpretation der Realität diese darstellt. Bei der Malerei ist es schon von der Sache an sich aus gar nicht möglich die Realität so abzubilden wie sie wirklich ist/war, die Darstellung ist immer der selektiven Wahrnehmung und Interpretation durch den Künstler und dessen handwerklichen Fähigkeiten geprägt. Gleiches auch bei Bildhauerei, Theater und Literatur. Die Literatur zum Beispiel kann die Realität wie sie war/ist gar nicht abbilden, da es oft schlichtweg an eindeutigem Vokabular fehlt. Es sind die bildenden Künste die die Maßstäbe und Richtlinien für den Begriff der Kunst vorgeben.

Ein zweiter Ansatz "Kunst" zu definieren führt über den Begriff der Industrie. Die Individualität, Einzigartigkeit und das Maß der Reproduktionsfähigkeit wird oft als Indikator für Kunst verwendet. Ein Bild von einem Maler ist einzigartig. Selbst der selbe Maler wird dieses Bild nicht 100%ig noch einmal herstellen können. Selbst in Radierungen gibt es kleine Unterschiede. Ein Bildhauer wird eine Statur niemals ein 2. mal genau identisch herstellen können. Ein weiter Punkt an der Stelle ist, dass ein "Kunstwerk" im klassischen Sinn immer nur an einem Ort in der Welt gesehen werden kann. Das Publikum muss zu dem Kunstwerk.

Die Fotografie bringt da nun einiges durcheinander und fordert eine neue Definition des Kunstbegriffes. Zum einen kann die Fotografie (aber zum Beispiel auch Filme) die Realität so abbilden wie sie wirklich ist. Zumindest ist die Möglichkeit hierfür viel größer als bei den klassischen bildenden Künsten. Natürlich ist auch die Fotografie und der Film einer gewissen Selektion durch den "Macher" unterworfen, Bildauschnitt und Blickwinkel sind immer selektiv. Zum anderen widersprechen Fotografie und Film aber auch dem anderen Punkt der Kunst: der Einzigartigkeit. Fotos und Filme können quasi beliebige reproduziert werden und sie sind für den Betrachter ortsunabhängig. Zugespitzt wird das in Bezug auf die Fotografie natürlich bei der digitalen Fotografie. Auch werden Fotos und Filme zu Massenware und damit zu Industrieware. Es erscheint logisch warum sich Vertreter der bildenden Künste gegen die Fotografie und den Film als Kunst wehren. Als die Stimmen laut wurden, dass Fotografie keine Kunst sei weil sie die Realität genau abbilden konnte, kam seitens der Fotografen eine Bewegung auf die schlichtweg alle Fotos unscharf machten. Nun ist nicht mehr die Realität genau wie sie ist abgebildet, sondern sie wurde "verfremdet". Auch im Film gab es solche Bewegungen. Ein weiterer Punkt ist auch jener der eingangs erwähnt wurde: die handwerklichen Fähigkeiten des "Machers". Der Maler schafft durch seine Hand, durch die Führung des Pinsels usw. und das Enstehen ist an eine gwisse Zeit geknüpft (mal mal ein Bild in einem Bruchteil einer Sekunde), der Fotograf drückt auf den Knopf.

Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr schreiben, aber ich will es mal an der Stelle belassen und die Frage in den Raum stellen:

Ist (digitale) Fotografie Kunst? Was macht sie zur Kunst? Unter welchen Umständen ist sie vllt keine Kunst?

Geändert von Felicitas (05.12.2007 um 23:24 Uhr).
 
 
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Cassandra
Alt 05.12.2007, 23:29   #2
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Auf jeden Fall Ja. Nicht jeder kann ein gutes Bild schießen. Dabei geht es ja um den Blickwinkel. Mann muss es sehen können. Den Moment, die Perspektive usw. Fotografien von Künstlern haben immer etwas besonderes eine besondere Atmosphäre. Sie geben einem ein Gefühl und lassen dich darüber nachdenken. Versetzen dich in eine andere Welt. Genauso leuft es doch mit Gemelden ab.
Im Endeffekt gibt es die Fotografie vielleicht oft, aber der Künstler wird nie wieder das gleiche Foto schießen können.
 
 
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Felicitas
Alt 06.12.2007, 00:59   #3
Standard

ok, ich bin auch der meinung dass fotografie durchaus kunst sein kann und auch mit der üblichen definition von kunst bei den bildenen künsten übereinstimmen kann.

allerdings nicht unbedingt der akt der fotografierens ansich, sondern der moment der entwicklung bzw. nachbearbeitung macht für mich ein foto zur kunst. wer schon einmal selber bilder entwickelt hat weiß um die möglichkeiten die man beim prozess des entwickelns hat die das ergebnis sehr verändern können. oftmals ist genau das dann auch der punkt an dem ein foto "einzigartig" wird. es geht weniger darum den moment der abgebildet wurde nicht mehr reproduzieren zu können, sondern eher das ergebnis an sich. und von fotos kann man bei dm nun mal soviele abzüge bestellen wie man will. aber ein foto das per hand und nicht maschinell (industriell) entwickelt wird, ist so auch erst mal nicht reproduzierbar. mal n bruchtteil einer sekunde früher aus der entwicklungsflüssigkeit genommen, mal kürzer auf das fotopapier belichtet - all das meine ich. bei der digitalen fotografie wird die möglichkeit der nachbearbeitung dann noch vielfältiger und an der stelle kommt auch wieder der oben erwähnte zeitfaktor ins spiel: ein foto nachzubearbeiten, oder besser zu bearbeiten, kann stunden, ja sogar tage in anspruch nehmen. selbst wenn die aufnahme nur ein "knips", ein druck auf die taste war, so ist bei der analogen fotografie der prozess der entwicklung und bei der digitalen fotografie der prozess des nachbearbeitens doch das, was bei den bildenden künsten dem "durch den maler, seiner hand und dem pinsel" entspricht. und nun kommt der punkt der gegen diese klassische definition von kunst spricht: wenn das werk dann erst mal fertig ist, kann es massenartig verbreitet werden. das internet bietet dahingehend ja unbegrenzte möglichkeiten. und das steht dem ursprünglich begriff der kunst entgegen, der davon ausgeht oder ausging dass der betrachter zum kunstwerk kommen muss und nicht das kunstwerk zum betrachter. ein analoges foto, das noch so aufwendig entwickelt wurde um es einzigartig werden zu lassen, kann zwar ansich vllt nicht reproduziert werden, aber es kann eingescannt werden und so verbreitet werden und es kann auch auf fotopapier ausgedruckt werden so dass es schwer wird orginal und kopie zu unterscheiden. das ölgemälde lässt sich auch einscannen, aber ein ausdruck davon wird spätestens bei der haptik dem orginal nicht mehr gerecht.

aber ich stimme dir zu, die fähigkeit "zu sehen" oder vllt auch zu "arrangieren" hat sicher nicht jeder und vllt wird fotografie dadurch schon zur kunst. vllt auch nicht - nicht jeder kann mathe und deswegen gehört mathe vllt im übertragenen sinn zur "kunst", aber noch lange nicht im eigentlichen sinn.

mal eine andere frage an die schüler unter euch: ihr habt oder hattet ja sicherlich alle kunstunterricht. wurde da jemals geklärt was kunst eigentlich ist? wird bei euch über fotografie gesprochen? bei uns war es früher so dass kunst neben dem praktischen teil, hauptsächlich kunstgeschichte war und da wirklich klassische kunst von romantik über expressionismus und kubismus - ihr kennt das. als ich neulich auf der homepage meiner alten schule war, sah ich, dass mittlerweile das thema fotografie in den unterricht mit aufgenommen wurde. ist das bei euch auch so? wäre das ein indikator dafür dass fotografie nun wirklich als selbstständige kunstform akzeptiert wird?
 
 
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Panacaea
Alt 07.12.2007, 17:06   #4
Standard

Fotografie ist definitiv Kunst, aber heutzutage eben auch einfach Trend. Internetportale wie deviantart und ähnliche haben scheinbar in jedem 2. Fotoapparatbesitzer den Amateurfotografen geweckt. Ich finde da muss man dann schon unterscheiden. Ich bin selber Mitglied bei einem solchen Fotoportal (allerdings nicht deviantart - ist mir zu überlaufen) und ich könnte wirklich manchmal an die Decke gehen, wenn ich zum 33. Mal am Tag ein total simples Foto von einer Rose oder ähnlichem sehe. Das ist einfach absolut overdone, wenig kreativ und ohne Witz. Ich selbst gebe relativ viel Geld für Fotografie aus, besitze eine ziemlich gute Ausrüstung und investiere möglichst viel Zeit in die Fotografie, lese viel darüber, versuche verschiedene Techniken zu erlenen etc... Trotzdem finde ich nicht, dass eine gute Kamera oder besonders tiefgehende Techniken wichtig sind, um Fotografie zur Kunst werden zu lassen. Ich habe schon Bilder gesehen, die waren einzigartig obwohl sie zum Beispiel mit sehr billigen Kameras gemacht waren. Trotzdem weiß jeder der eine gute Kamera besitzt welche Möglichkeiten das natürlich bietet. Der Kreativität sind quasi kaum Grenzen gesetzt, ich persönlich halte (noch) nicht allzu viel von Nachbearbeitung am PC, die Effekte und Funktionen meiner Kamera nutze ich allerdings gerne.
Die Kunst an sich besteht für mich darin, das Motiv zu entdecken (und wenn möglich eben nicht die Rose an Nachbars Hecke) und es dann gekonnt in Szene zu setzen, sprich: sich vor allem Gedanken über den Einsatz von Licht machen ("Fotografie ist malen mit Licht"), über die Bildkomposition, Mögliche Effekte wie Rauschen durch hohe ISO oder unnatürlich hoher/niedriger Weißabgleich oder ähnliches und eine bestimmte Gesamtwirkung rüberzubringen. Das alles heißt natürlich nicht, dass nicht auch ein Schnappschuss seinen Reiz haben kann. Alles in allem muss für mich aber doch etwas hinter dem Bild stecken, ein Gedanke, eine Idee. Ein Foto muss mir etwas erzählen wenn ich es ansehe. Eine Geschichte, ein Wort, eine Einstellungen, einen Gedanken, ein großes Fragezeichen... irgendwas.
 
 
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Reh
Alt 09.12.2007, 00:41   #5
Standard

Wenn Fotografie die Wirklichkeit so abbildet, wie sie ist, dann ist das keine Kunst. Siehe z.B. Urlaubsbilder. Das sind Momentaufnahmen für die Erinnerung, wer wird da von Kunst sprechen?
Künstlerische Fotografie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eben nicht die Realität abbildet wie sie ist, sondern Bilder erzeugt, die von unserer alltäglichen Wahrnehmung abweichen und uns ohne das Medium Fotografie teilweise gar nicht zugänglich wären. In diesem Punkt sehe ich keine Unterschiede zur Malerei oder anderen "klassischen" Kunstformen.
So sieht jedenfalls meine Laienmeinung aus.

Wir hatten in der Oberstufe übrigens Schwerpunkt Fotografie für ein halbes Jahr.
 
 
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ElLute
Alt 09.12.2007, 11:10   #6
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Für mich ist die Kunst in der Fotografie zum richtigen Zeitpunkt den Auslöser zu drücken. Der Rest ist das (u.a. künstlerische) Handwerk, das dazugehört.
 
 
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EiskalteFee
Alt 14.12.2007, 16:49   #7
Standard

ich finde auch dass fotografie kunst ist.
allerdings gehört dazu für mich nicht nur das nachbearbeiten sondern auchd er akt des fotografierens.
es gilt perspektive zu wählen, zu arrangiere, den richtigen moment abzuwarten, mit licht zu arbeiten etc.
jedoch kann man das schon wieder nicht verallgemeinern. ich denke zb bei aktfotografie ist licht extrem wichtig, während man bei streetfotografie selten einfluss darauf nehmen kann (is ja nunmal auch tageszeit abhängig)
etc etc etc
ich bin ein großer fan der nachbearbeitung von bildern, jedoch denke ich, dass um ein gutes bild *herzustellen* eine grundlage vorhanden sein muss und zwar ein gutes bild.

noch dazu denke ich, dass ein wirklich guter fotograf auch ein stück weg talent braucht. man kann die grundregeln zwar erlernen, aber man muss ein auge haben, wie es wirkt und ich denke nicht, dass jeder soetwas hat (ich will jetz nich behaupten ich hätte dieses talent oder so).meiner ansicht nach, sieht man in den fotoportalen viele hobbyknipser die, meiner ansicht nach, weder gefühl für bildaufbau haben noch bildwirkung.
 
 
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baedr
Alt 14.12.2007, 17:44   #8
Standard

Kunst kommt immer noch von können, und bei der Fotografie gibt es viel zu können. Man kann zwar auch mit einer Handycam ein gutes Bild schießen, aber ein überzeugenderes Kunstwerk wird ein Photograf nur schaffen können, wenn er blende, belichtung, objektiv, filter etc selbst wählen kann, und je nach Situation unterschiedlich einsetzen kann. Auch bei einem Portrait gehört es dazu, dem zu fotografierenden subjekt eine angenehme Umgebung und ein gutes Klima zu schaffen, damit die Person locker und natürlich wirkt. Bei der Entwicklung kann man dann natürlich nochmal einzelne stellen des Abzuges mit der hand verdecken, oder stärker nachbelichten lassen. Unter diesem Aspekt ist der fertige Abzug auch nicht mehr reproduzierbar.
Wenn Fotografie die Wirklichkeit so abbildet, wie sie ist, dann ist das keine Kunst.
Wenn das Bild exakt die Atmosphäre einfängt, einen Moment richtig festhält, so dass man ihn beim betrachten des Bildes wieder ein bisschen durchlebt, dann ist das meiner meinung nach schon kunst...

Zur Kunstdefinition: Ich halte Musik ebenfalls für Kunst. Und ob Musik versucht die Wirklichkeit darzustellen, darüber lässt sich streiten, genauso gilt das für abstrakte Gemälde.
 
 
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Felicitas
Alt 15.12.2007, 11:44   #9
Standard

Zitat von baedr
Wenn das Bild exakt die Atmosphäre einfängt, einen Moment richtig festhält, so dass man ihn beim betrachten des Bildes wieder ein bisschen durchlebt, dann ist das meiner meinung nach schon kunst...
hehe, war eure kunstlehrerin auch so eine die ständig gesagt hat "kunst kommt von können, wenn es von wollen käme würde es wunst heißen"?

wenn man den atmosphärepunkt hinzu nimmt, dann fallen aber auch zig tausend handy schnappschüsse aus dem urlaub mit in den kunst begriff. wogegen hier ja einige widersprochen haben.
 
 
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