Was du dir vielleicht überlegen solltest: Ist die Situation so, dass du dich vor den verbalen Angriffen deiner Mutter schützen willst (also ähnlich wie Reh es vorgeschlagen hat, wobei ich die von ihm vorgeschlagene Methode für mehr als fragwürdig halte) oder bist du vielleicht einfach auf der Suche nach einer Lösung?
Du sagst, du hast schon viele Wege angetestet, mit der Situation umzugehen. Und an dem Punkt, an dem Schoki essen und mit Freunden reden nicht mehr helfen kann, könnte man überlegen, sich woanders Hilfe zu suchen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Wenn du Schutz brauchst und der Druck zuhause wirklich zu groß ist, solltest du es vielleicht tatsächlich mal beim Jugendamt versuchen. Ganz leicht würde das sicher nicht, damit du bei einem Auszug unterstützt würdest, müssten schon trifftige Gründe vorliegen. Aber das hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum einen natürlich von den Beamten selber und zum anderen - so blöd das in dieser Situation klingen mag - wie du dich selber verkaufst. Dazu komm ich aber später nochmal.
Der andere Weg wäre, sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Wie es scheint, seid ihr momentan nicht in der Lage, euer Problem selbst aus der Welt zu schaffen. Und das ist der Punkt, an dem es vielleicht sinnvoll sein könnte, sich Hilfe von außen zu holen.
Ich kenne das zB in Form von Familienberatungsstellen. Du könntest z.B. dort einen Termin machen und mit dem zuständigen Psychologen/Sozialpädagogen ein Gespräch führen. Oder auch mehrere. Zum einen könntest du dir da wirklich alles von der Seele reden, zum anderen hättest du jemanden, der dir beim reflektieren und sortieren deiner Gedanken hilft.
Und irgendwann könnte man dann ein begleitetes Gespräch führen: Deine Mutter und du, der Berater fungiert dann sozusagen als Gesprächsleiter.
Eine andere Möglichkeit wäre es, sich einen neutralen Gesprächsleiter aus eurem gemeinsamen Umfeld zu suchen, mit dem beide Seiten einverstanden sind. Und dann kann man überlegen, ob man ein ergebnisorientiertes Gespräch sucht (z.B. das man Regeln für das weitere Zusammenleben festsetzt) oder ob Ursachenforschung schon ausreichen kann, um die Situation zu entschärfen (d.h. ein Bewusstsein für die Beweggründe des jeweils anderen schaffen und dadurch einen sensibleren Umgang miteinander möglich machen).
Noch eine Alternative ist, die Sache komplett selbst in die Hand zu nehmen. Das erfordert aber einiges an Stärke und Selbstsicherheit. Du könntest dich mit deiner Mum an einen Tisch setzen, man setzt gemeinsam Gesprächsregeln fest und dann bekommt jeder Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen und vor allem zu sagen, wie er sich
fühlt. Wichtig ist natürlich, dass man einander ohne Unterbrechungen zuhört (auch wenn einem etwas arg aufstößt, was der andere sagt). Und nachdem jeder seinen Teil gesagt hat, nimmt man sich ne Stunde Zeit und jeder für sich schreibt einfach mal auf, was er bereit wäre, an sich oder seinem Verhalten zu ändern und was er vom anderen in dieser Hinsicht erwartet. Es ist überraschend, wieviele Dinge sich da übereinstimmen werden

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Kommunikation ist alles. Aber es kommt natürlich sehr stark darauf an, wie offen ihr beiden für diese Art von Gesprächsführung seid. Es muss schon auf beiden Seiten eine gewisse Motivation vorhanden sein, damit sowas funktionieren kann.
Wenn die Situation im Moment aber wirklich dermaßen verfahren sein sollte, dass du keine andere Möglichkeit siehst, als auszuziehen, würde ich dir empfehlen, dir Unterstützung zu suchen. Am besten eine erwachsene Person, die deine Situation nachvollziehen kann und dich in deinen Aussagen über die Situation zuhause und in deinen Motiven bestätigen kann. Wenn es eine solche Person für dich nicht gibt, kann ich auch hier nur noch einmal auf die Familienberatung verweisen. Die werden dich da zwar nicht in den Armen nehmen, dafür haben die aber meistens nen recht guten Draht zu den Jugendämtern und sind auch bereit, dich auf deinem Weg zu begleiten, soweit sie es eben können und dürfen.
Was ich dir aber unbedingt ans Herz legen will: Tu irgendwas. Und zwar so bald wie möglich. Kurzzeitig kann man dir zwar Sachen wie Sport etc. pp zum Aggressionsabbau empfehlen (das macht definitiv auch Sinn), aber letzendlich hast du da ein Problem, dass richtig angepackt werden will. Also Kopf hoch, berat dich vielleicht nochmal ausführlich mit ner Freundin über die Möglichkeiten und schaut gemeinsam, was für dich der im Moment sinnvollste Weg ist. Und dann packs an.