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Mein Freund - Depressionen, BL,...? Ungewissheit :'(


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Leelie
Alt 02.05.2008, 23:36   #1
Unglücklich Mein Freund - Depressionen, BL,...? Ungewissheit :'(

Hallo,

mir ist klar, dass niemand eine Ferndiagnose stellen kann aber vielleicht kann mir jemand helfen, das alles besser zu verstehen?
Mal ganz von vorne... Ich bin im Sommer zwei Jahre mit meinem Freund zusammen. Er hat seit über zwei Jahren Depressionen, das steht fest. Auch wenn ich mein Wissen größtenteils nur aus Büchern bzw. dem Internet habe, fällt es mir schwer zu glauben, dass er wirklich "nur" Depressionen hat.
Zuerst einmal hat mein Freund große Probleme damit, jegliche Art von Gefühlen zu kontrollieren. Er kann nicht mit ihnen umgehen, sie nicht verarbeiten. Er neigt zu autoaggressivem Verhalten und zu Wutausbrüchen. Wenn er einmal wütend ist, dann rastet er entweder völlig aus und schreit irgendwen an, steigert sich in irgendwelche sinnlosen Diskussionen hinein, oder reagiert mit völliger Gefühlskälte. Da kann selbst ich (die er über alles liebt) in Tränen aufgelöst neben ihm sitzen und es interessiert ihn nicht. Er möchte das auch selbst gar nicht. In diesen Momenten ist er zwar eigentlich immer völlig davon überzeugt, Recht zu haben, kommt dann aber meist am nächsten Tag an und entschuldigt sich unter Tränen, und meint, sein Verhalten wäre falsch gewesen.
Er hat immer wiederkehrende Suizidgedanken und hat vor über zwei Jahren einen Selbstmordversuch unternommen.
Er ist oft unberechenbar. Wovon er in einen Moment überzeugt war, kann er kurze Zeit später alles völlig falsch ansehen.
Wenn er einmal wütend ist, kann man sagen was man will, er würde auf alles gleich reagieren. Man kann es ihm sozusagen nicht recht machen.
Er ist unheimlich leicht aus der Bahn zu werfen. Ein falsches Wort, eine plötzliche Erinnerung, und er ist für die nächsten Stunden vollkommen niedergeschlagen, will nicht reden und lässt sich nicht anfassen.
Er kann im einen Moment fröhlich sein, im nächsten völlig überdreht und dann wieder sehr niedergeschlagen.
Er ist extrem unruhig, kann kaum stillsitzen. Einerseits ist er sehr ruhig und sanft, andererseits aufgekratzt und reizbar.
Er kann sich nur schwer konzentrieren und ist fast immer krank. Irgendetwas hat er immer.
Er hat Minderwertigkeitskomplexe und große Schuldgefühle mir gegenüber. Immer wieder stellt er mir die Frage, warum ich ihn lieben würde, wie man jemanden wie ihn überhaupt lieben könnte. Er würde mir doch immer nur wehtun und ich würde wegen ihm leiden. Er macht sich teilweise noch Vorwürfe wegen Dingen, die zwei Jahre zurückliegen.
Er holt mir einerseits die Sterne vom Himmel und behandelt mich andererseits mit völliger Gefühlskälte. Er kann so eiskalt und abweisend sein.
Dennoch liebt er mich über alles. Als es ihm wieder einmal schlecht ging, habe ich ihn gefragt, ob er allein sein möchte, ob ich gehen solle. Daraufhin brach er in Tränen aus und meinte: "Du kannst mich doch nicht alleine lassen!"
Er wirkt meist so fröhlich und offen, aber innerlich ist er so kaputt.
Ist es wirklich möglich, dass das "nur" Depressionen sind? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Er war vor einem Jahr mal bei einer Beratungsstelle und der Sozialarbeiter dort sagte, dass er ihn nicht für depressiv hielt. So wie mein Freund das sagte, klang es, als hätte der Sozialarbeiter gemeint, mein Freund wäre psychisch gar nicht krank. Vielleicht meinte er aber auch nur, dass mein Freund etwas anderes als Depressionen hat. Da ich nicht dabei war, kann ich es nicht beurteilen.
Mein Freund war letzten Sommer/Herbst für sechs Wochen in teilstationärer Behandlung. Seitdem nimmt er auch Antidepressiva. Er ist jetzt zwar nicht mehr ständig niedergeschlagen, aber ansonsten scheint diese Therapie nicht sehr viel gebracht zu haben.
Vor zwei Wochen hat er sich dann freiwillig einweisen lassen und ist jetzt stationär in einer Klinik.
Ich hoffe so sehr, dass das endlich hilft.

Ich weiß nicht, was für eine Antwort ich mich jetzt erhoffe... Ich wollte das einfach mal alles loswerden. Wenn irgendjemand etwas dazu zu sagen hat, würde ich mich freuen.
Danke fürs Lesen.

Liebe Grüße,
Leelie
 
 
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Pussycat
Alt 03.05.2008, 12:14   #2
Standard

Erstmal möchte ich sagen, dass du eine verdammt starke Frau bist....
für jemanden, der sich eigentlich schon lange aufgegeben hat, da zu sein und Halt zu bieten, zeigt wie stark deine Liebe ist!
Das ist denke ich das wichtigste in der ganzen Sache....er weiß da ist jemand, für den es sich zu Leben lohnt!

Er muss wieder zu sich finden...sein Selbst und sich akzeptieren lernen...verschiedene Schicksalsschläge, die er vllt in der Vergangenheit hatte....lernen zu verarbeiten!
Verdrängung bringt Unruhe im Inneren...und löst unkontrolliertes Verhalten aus!

Ich denke in der Therapie wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert werden...und diese wird dann Schritt für Schritt ant Akta gelegt!
Von Antidepressiva halte ich persönlich sehr wenig...sie bekämpfen Symptome, aber nicht die Ursache, was es um einiges verschlimmern kann!
Antidepressiva bewirken, dass es einem schwer fällt zu weinen oder andere Gefühle zu zeigen.....dass frisst einen Innerlich noch mehr auf!!

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen....das fremde Menschen dir zwar helfen können vieles neutraler und mal mit anderen Augen zu sehen...aber wirklich helfen kann man nur sich selbst! "An den eigenen Haaren aus dem Dreck ziehen" andere können nur unterstützende Hilfe bieten!
Ich sehe da wirklich sehr gute Chancen bei deinem Freund...er ist Selber auf "unterstützende Hilfe" zugegangen, will sich verstehen lernen....und merken was es heißt sich zu akzeptieren und respektieren!

Ich weiß nicht inwiefern hier eine stationäre Behandlung ratsam ist...mir würde das Freiheitsgefühl fehlen...was mich noch mehr einengen würde....und mich noch mehr die Kontrolle verlieren lassen würde!....Aber ich hoffe doch, dass du ihn immer besuchen kannst, damit er auch weiterhin nicht das Gefühl bekommt allein zu sein?!

Ich wünsche euch beiden alles, alles Gute.....es wird ein langer und harter Weg....
aber den werdet ihr meistern, dessen bin ich mir sicher!
 
 
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Felicitas
Alt 03.05.2008, 13:08   #3
Standard

und die ärzte auf station bzw. die der therapie kennen keine besser antwort als "depressionen"?

depressionen sind natürlich nur ein übergreifendes wort für allerlei symptome. partiell kam mir beim lesen deines posts noch das in den sinn was im volksmund "manisch depressiv" heißt, also bipolare störung. das passt aber nicht ganz an allen stellen deines posts. allerdings gibt es nicht _die krankheit_ mit _den_ symptomen die dann immer und bei jedem passt. solltest du jetzt bei wiki über bipolare störung lesen, dann lass dir sagen dass der bericht da nicht _ganz_ korrekt ist, er deckt nicht alle faszetten ab. zB. sagt der bericht nichts über diese minütlichen stimmungsschwankungen.

wie DU ihm helfen kannst kann ich dir nicht sagen. vermutlich kannst du ihm so gut wie gar nicht helfen. was natürlich immer hilft ist eine art grundruhe mitzubringen, geduld, beständigkeit. aber das ist für dich ein kraftakt. ein nicht zu unterschätzenden kraftakt. mit jmd zusammen zu leben der eine ausgeprägte psychische störung hat, gerade wenn sie den partner dann auch direkt betrifft ("er schreit mich an"), kostet viel energie und viel kraft. man muss selber ein starker mensch sein, ein selbstbewusster mensch. und selbst diese haben oftmals nicht genug kraft dafür.

wurde bei ihm mal ein eeg gemacht? wenn nein: er soll es sich einfordern!

ich wünsche dir viel kraft weiterhin, ABER (und das ist sehr wichtig): vergiss dich selbst nicht. wenn du nicht mehr kannst, dann nicht aus mitgefühl bei ihm bleiben, sondern an dich denken und einen schlussstrich ziehen. keinem ist geholfen wenn die krankheit von ihm 2 personen kaputt macht.

ps: wie alt seid ihr? was macht ihr (schule/ausbildung/arbeiten/studium/arbeitslos)?
 
 
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Leelie
Alt 03.05.2008, 14:03   #4
Standard

Vielen Dank für eure Antworten!

Ich bin sehr froh, dass mein Freund sich für diese Therapie entschieden hat... er hat sich lange dagegen gewehrt, vor allen Dingen wollte er nie stationär in eine Klinik. Das hat sich dann allerdings geändert wegen einigen Konflikten zu Hause. Ich stimme der Ärztin in der Klinik zu, die meinte, er bräuchte erstmal Abstand.
Er ist nach ein paar Tagen auf eine offene Station verlegt worden, d. h. dass er während seiner Freizeit rein und raus kann wie er möchte. Theoretisch gesehen kann er auch übers Wochenende nach Hause. (Seine Mutter möchte allerdings nicht, dass er nach Hause kommt wenn sie nicht da ist. Sie hat Angst, dass er sich etwas antun könnte. Das würde er nicht, aber ich kann ihre Sorge verstehen.)
Ich besuche ihn ca. drei Mal pro Woche und wir telefonieren eigentlich täglich.
Er weiß, dass er mich immer anrufen kann.

So eine richtige Diagnose hat er eigentlich noch nicht bekommen. Sein Therapeut meinte auch, sie würden erstmal an den Zielen arbeiten, die sie sich gesetzt haben. Vielleicht kommt dann auch irgendwann eine Diagnose zustande. Finde ich auch besser, als ihm nach zwei Wochen irgendeinen Stempel aufzudrücken.
Ich habe selbst mal überlegt, ob er an einer bipolaren Störung leiden könnte. Ich habe sehr viel darüber gelesen, bin dann aber zu dem Schluss gekommen, dass es unwahrscheinlich ist. Viele seiner Symptome treffen auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung zu (sagt selbst meine Mutter, und sie ist Borderlinerin), aber das diagnostizieren überlasse ich dann doch lieber den Ärzten.

Was mir besonders schwer fällt, ist mit seinen Wutausbrüchen umzugehen. Wir arbeiten da gerade an Strategien. Zum Beispiel dass ich ihn darauf aufmerksam mache, wenn er wieder gereizt ist (er selbst merkt das nicht) und er dann erstmal rausgehen und sich beruhigen kann.
Es gibt auch einige Dinge, die in unserer Beziehung vorgefallen sind, über die es mir wichtig ist, mit ihm zu sprechen. Allerdings führt das oft zu Schuldgefühlen seinerseits und Niedergeschlagenheit. Deshalb ist es schwer für mich, zu entscheiden, über was ich mit ihm reden soll und über was nicht.
Ich hoffe, dass ich einmal mit zu einem Therapiegespräch kommen kann und der Therapeut mir auch einen Rat geben kann.

Ein EEG wurde bei ihm gemacht. (Zufälligerweise hat er ausgerechnet heute auch eins.)

Ich versuche, mich selbst möglichst nicht zu verlieren. Aber ich merke, dass es mir manchmal schwer fällt.

Mein Freund ist 18 und ich werde diesen Monat 17. Wir gehen beide aufs Gymnasium in die 11. Klasse. Da er ja momentan nicht zur Schule gehen kann, wird er das Schuljahr wiederholen müssen. Die Lehrer hatten schon vor seinem Therapiebeginn kaum eine Möglichkeit ihn zu bewerten, weil er sehr oft krank ist und extrem viele Fehlstunden hatte (ca. 30-40%).
Es ist wohl das beste für ihn, auch erstmal von dem ganzen Schulstress wegzukommen und auch seine gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Und wenn es ihm durch die Therapie dann besser geht, dann wird er wohl auch wieder die Kraft haben, die Schule in den Griff zu bekommen.
Natürlich ist es blöd für ihn, dann mit 18 bzw. 19 in der 11. Klasse zu sein, aber in seinem jetzigen Zustand hat er eh kaum eine Chance, dem Leistungsdruck stand zu halten.
 
 
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Dreamrat
Alt 04.05.2008, 10:35   #5
Standard

Hey, ich kenne das selber, weil ich selbst davon betroffen bin. Ich habe nicht nur mit mir selber Probleme sondern mein Freund ist auch sehr dreppresiv. Nun zu dir, ich finde es gut von dir, dass du so zu ihm stehst, auch das dein Freund in Behandlung ist, ich weiß auch, das es ein langer Weg ist. Es wird höhen und tiefen geben, aber man lernt nie aus und wenn man dann auf die Ursachen kommt und sich öffnen kann, kann man sich helfen und es wird alles leichter und man lernt mit der Zeit damit umzugehen und sein Verhalten zu ändern. Man darf die Hoffnung und den Glauben an sich und an dem Freund wo man liebt niemals aufgeben. Nur achte darauf, das du dir nicht zu viel auflastest, gönn dir trotz allem auch Pausen und achte auch auf dich. Ich wünsch euch alles gute und denke mir das ihr es schaffen werdet.

lg Dreamrat
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 05.05.2008, 22:48   #6
Standard

Viele Symptome die du beschrieben hast, kenne ich auch: Aus einer eigenen Partnerschaft - die Diagnose meiner damaligen Freundin hieß Borderline. Allerdings wenn du mich fragst; es ist relativ egal wie man eine Störung nennt. Das hilft meist auch nicht weiter. Therapien sollten auch nicht als Wundermittel gesehen werden. Sei also nicht enttäuscht, falls sie so schnell nichts bringen sollten.

Er kann im Momement kein großes Vertrauen zu dir aufbauen, das ist normal. Diese Worte mögen hart klingen, aber es sollte dir bewußt sein, damit es keine Abhängigkeits-Beziehung wird. Das braucht es auch nicht werden, wenn du liebst und Geduld hast.

Wie seid ihr zusammen gekommen? Was magst du an ihm?
 
 
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Farya
Alt 06.05.2008, 13:13   #7
Standard

mhm.. mir drängte sich auch zuerst die bipolare Störung auf.. aber das sollte man wirklich Ärzten überlassen.. muss aber dringend Dreamrat's Kommentar nochmal unterstreichen - vergiss dich selber darüber nicht... für ihn da zu sein ist das Eine, aber schnell vergisst man sich dabei!! Achte bitte wirklich auch auf dich und das was du willst.. lass ihn / seine Krankheit und die Sorge darum dich nicht regieren..

F.
 
 
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Leelie
Alt 09.05.2008, 21:14   #8
Standard

Danke für eure Antworten!

Ich versuche, mich davon zu distanzieren, aber das ist nicht so einfach... Aber ich mache auch etwas mit Freunden und gehe jetzt wieder regelmäßig zur Jugendberatung.

Borderline kann man ausschließen, hat sein Therapeut gesagt.

@ShakeTheDisease: Das ist etwas kompliziert... Ich war damals gerade in die 9. Klasse gekommen und hatte zwei neue Mitschüler mit denen ich mich angefreundet habe. Und das waren Freunde von ihm. Er hat dann übers Internet Kontakt zu mir aufgenommen und wir haben uns gut verstanden. Ich bin dann seine Tanzpartnerin geworden und vier Monate später habe ich mich in ihn verliebt. Er war da gerade erst wenige Wochen von seiner Freundin getrennt und hing noch sehr an ihr (das war auch die Zeit wo er versucht hat sich umzubringen). Deshalb sind wir erst im Sommer 2006 zusammengekommen.
Was ich an ihm mag? Vieles... Die Art, wie er mich ansieht, wie er mich berührt. Dass er so einfühlsam ist, dass ich ihm vertrauen kann, dass er ehrlich ist. Wie er nachts im Halbschlaf die Arme um mich legt, sein großes Bedürfnis nach Zuneigung, die Art wie er mit Kindern umgeht. Dass man mit ihm so toll rumalbern aber auch über ernste Themen sprechen kann. Ich mag seine großen Augen (ich kenne niemanden der so große Augen hat wie er), seine weichen glänzenden Haare, die kleinen kaum erkennbaren Sommersprossen auf seiner Nase... Dass er mir Geschichten schreibt und Bilder malt und für mich kocht und mir ein Kissen in Herzform genäht hat (ohne Nähmaschine!) und dass er stundenlang mit mir spazieren geht.
Da gibt es so vieles...
 
 
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