Hachja .. Erinnerungen werden wach. Das war bei mir haargenau so. Hauptfächer mindestens 2, Nebenfächer mindestens 3. Alles andere wurde nieder gemacht im Gegenzug das überdurchschnittliche nicht beachtet. Was mich aber noch mehr ankotzte war die Tatsache, dass bei meinem Bruder Hauptfächer mindestens 3 und Nebenfächer mindestens 4 angesagt war. Und wenns mal schlechter war, wars halt so - hat kaum einen interessiert, wogegen bei mir ein riesen Theater war. Begründung: "Er ist auf der Real, du aufm Gymnasium, also hast du auch mehr zu leisten.^^
Mit hats vor jeder Klausurrückgabe schon gegraut, ob ich wohl den Erwartungen meiner Eltern gerecht werde oder mir wieder stundenlang anhören muss, wie blöd ich sei. Denn bei mir wars wirklich so, ich hab lange nicht wirklich für mich gelernt, sondern für sie. Denn es waren ihre Ansprüche denen ich gerecht werden musste. Ich hatte schon richtig Bammel mit ner "schlechten" Note heimzugehn. Schon ein minus hinter ner 2 war zu viel. "Warum NUR .... " - so begann immer der Standardsatz. Der Schnitt konnte bei 4 sein, ich hatte ne 2- und es gab Terror, weils ne 2 sein musste. "Du sollst dich nicht am Schnitt orientieren, du bist nicht der Schnitt, du hast besser zu sein." Toll, wenns alle verhaun kanns ja vielleicht auchmal an der Klausur gelegen haben aber nee^^. Dass ich dennoch bis auf 2 Fächer immer zu den besten gehörte spielte ja keine Rolle. Sowas war mir jahrelang unverständlich und motiviert hats natürlich nicht. Im Gegenteil.
So kam es dann, dass ich ab Ende der 11 meine Null-Bock-Phase entwickelt habe. Warum soll ich mich für sie anstrengen, wenn ichs ihnen doch nie Recht machen kann. Ab da wurden Klausurtermine verschwiegen und es sind kaum mehr Noten durchgedrungen. Am Anfang wurde oft nachgehakt, doch ich hab mich immer irgendwie rausgewunden, bis es langsam in Vergessenheit geriet. Nur die Arbeiten, die man unterschreiben lassen musste, wurden ab und an vorgelegt - nach und nach aber eher die Unterschrift gefälscht. Anfangs hab ich immer frühmorgens vor der Schule meinen Pa unterschreiben lassen, der war nicht so streng - zwar nicht begeistert aber er hat nicht ewig drauf rumgehackt. Er hat zwar nachgefragt, ob meine Ma davon wüsste, ich hab geflunkert und bejaht und somit war das erledigt. Nur fiel ihm halt auch auf, dass ich immer häufiger "ganz plötzlich" vergessen habe die Klausur daheim vorzuweisen und das Heft dringend an dem Tag wieder abgeben musste, mir aber noch ne Unterschrift fehlte. Und so hat er bei meiner Ma auch nachgehakt, womit wieder Trouble war, denn natürlich wusste sie von allem nichts.^^
Was aber auch interessant war ist, dass meine Ma verweigert hatte ihre Unterschrift unter eine Arbeit zu setzen, die nicht ihren Ansprüchen genügte. So hat generell die guten immer meine Ma unterschrieben, mein Pa durfte bzw. musste sein Kreuzchen bei den schlechten setzen.
Von der 12-13 habe ich eigentlich nur noch die Halbjahreszeugnisse vorgelegt und mir dann eine längere Standpauke angehört. Das Punktesystem war aber auch mein Glück, sie wussten anfangs nicht, wie das aus den anderen Noten abgeleitet wurde und so waren 9 Punke bei mir z.B. noch ne 2. Ich hab weniger gemacht als die Jahre zuvor - das geb ich zu, ich hätte einiges mehr leisten können. Aber diese ständige Peitsche im Rücken hat mir jegliche Motivation genommen und ich hatte auch keinen Spaß mehr am lernen. Bis auf einige Fächer, die mich wirklich interessierten. So wurden die Noten in einigen Fächern schlechter, weil ich mich bei Desinteresse am Fach nicht wirklich damit beschäftigte und es meinen Ansprüchen genügte, einfach nicht schlechter als der Schnitt zu sein. In den interessanten Fächern kämpfte ich dagegen um die Spitze und ich war hin und wieder stolz auf meine eigene Leistung.
Da ich jedoch nicht wirklich an vielen Fächern interessiert war, war mein Abizeugnis dann nicht so der Renner aber mit 2,7 noch durchaus akzeptabel. Auf das Zeugnis im ganzen war ich absolut nicht stolz, da ich wusste, dass ich mehr hätte rausholen können, wenn ich nur gewollt hätte. War ansich schon ne doofe Einstellung, ne Trotzreaktion, wie man sie in dem Alter nicht haben sollte, aber im Nachhinein sieht man vieles anders.
Dann kam noch etwas, was mich persönlich sehr gekränkt hat. Als ich auf der Abschlussfeier das Zeugnis in Händen hielt, sagten mir meine Eltern, wie stolz sie auf meine Leistung wären und dass ich den Abschluss gepackt habe. Normalerweise hätte mich das freuen müssen, jedoch bin ich an dem Punkt schier am Boden zerstört gewesen.

Jahrelang hast du versucht ihnen alles Recht zu machen und nie wurde es gewürdigt, nie war es gut genug - ganz gleich wie froh man über seine eigene Leistung war. Und dann wechselst du in den Sparmodus, tust nur noch das nötigste, bist von dir selbst nicht wirklich überzeugt und unzufrieden mit dem Ergebnis und dann .... dann kommt jemand und zeigt dir seine Anerkennung. Dann, wenn du es alles andere als verdient hast.

Irgendwie habe ich das bis heute nicht wirklich verdaut.
Mittlerweile studiere ich und auch wenn ich mich nicht mit jedem Nebenfach anfreunden kann, so häng ich mich doch rein, um eine gute Note zu haben. Denn ich möchte später einen Abschluss haben, auf den ich selbst stolz sein kann. Was die anderen sagen ist mir heutzutage ziemlich gleichgültig, ob sie mich würdigen oder nicht - was solls. Hauptsache ich bin mit mir selbst zufrieden und weiß, dass ich gute Leistungen bringe - auch wenn andere das nicht so sehen. Denn ich mache das Studium nicht für die anderen, ich mache es für mich. Und ich lasse mir meinen Stolz nicht mehr nehmen.
@Sili
Ich weiß nicht wie streng das bei dir abläuft, doch da du scheinbar auch deinen Kopf durchsetzen willst und ziemlich gefrustet bist, möchte ich dir einen Rat mitgeben. Mache nicht den gleichen Fehler wie ich und lass dich von anderen runter machen oder gar in die falsche Richtung verleiten. Gerade wenns die eigenen Eltern sind ist dies leider oftmals schwer zu ignorieren. Das was du aus eigenem Antrieb schaffst, das ist das, was dich stark macht. Darauf kannst du stolz sein und allein das zählt.
Daher folge deinem eigenen Weg und lass ihn dir nicht von anderen vorschreiben.
Aber tue dies bitte nicht, indem du etwas machst, was du später einmal bereust. Wenn du jetzt z.B abgehst, dann hast du vielleicht den Notenstress hinter dir, aber dir stehen weniger Perspektiven offen. Wenn du sicher weißt, dass du damit damit auf Dauer leben kannst und zufrieden bist, dann wäge diese Möglichkeit tatsächlich ab. Wenn du jedoch Zweifel daran hast und es kein Hindernis gibt, dass du das Abi packst, dann kämpf dich weiter durch und mach anschließend dein Ding.
"It's better to be hated for what you are, than to be loved for what you're not."
Es ist unangenehm, wenn man verzweifelt um Anerkennung anderer ringt. Doch glaub mir, es ist schlimmer, wenn man die Achtung vor sich selbst verliert und sich eines Tages womöglich Vorwürfe macht, dass man mehr hätte erreichen können und ganz wo anders sein könnte.
Es wird jetzt wie in der Zukunft immer jemanden geben, der deine Leistung nicht zu schätzen weiß. Hauptsache
du weißt sie zu schätzen, denn
du musst später einmal mit dem Ergebnis leben - nicht deine Eltern und auch sonst niemand anderes.