Da ich dieses Jahr zum ersten mal nach Jahren wieder die Schulbank drücke, bekomme ich so einge Änderungen am deutschen (respektive bayrischen) Schulsystem am eigenen Leib zum Spüren. Irgendwie gefällt es mir aber nicht, dass von diesen Dingen ein Großteil der Gesellschaft nichts erfährt. Deswegen möchte ich über einige markante Dinge gerne eine kleine Diskussion ins Leben rufen.
Vorerst möchte ich aber noch meine Betriebswirtschaftslehrer zitieren, denn mit einer Aussage hat er mich überzeugt.
"Deutschlands einzigster Rohstoff ist und bleibt die Bildung". Ausgegeben wird für Bildung im Lande knapp 1% des Bruttoinlandsproduktes...
Hier also die Punkte, die mir momentan so einfallen:
G8 = Das achtstufige Gymnasium. Viele Jahre galt die 13. Klasse in Bayern als Garant für ein qualitatives Abitur. Im Hinblick darauf "wettbewerbsfähig" zu werden, war aber die Auflage sowohl in Gymnasium als auch im Studium das ein oder andere Jahr einzusparen. Der momentane Effekt daraus ist, dass der vorhandene Stoff nun gänzlich in der 12. Klasse behandelt werden muss. Man sagt dazu lapidar "es wird durchgeprügelt". Da es auf der FOS und BOS aber noch eine 13. Klasse gibt, bzw. diese dort sogar erst geschaffen wurde, und darüber genauso ein vollwertiges Abitur zu erlangen ist, gehen die meisten Eltern dazu über, ihre Kinder bereits fühzeitig über Realschule/FOS zum Abitur zu bringen, einfach um unnötigen Stress in der Oberstufe zu vermeiden. Wo liegt also der letzliche Sinn? Oder wird das Gymnasium so nur mehr einer Bildungselite vorbehalten bleiben, die auch fähig ist sich eine sehr stressige 12. Klasse zu leisten? Meiner Meinung nach verliert einfach nur das Abitur an notwendiger Qualität. Dürfte sich auch Notentechnisch auswirken.
Einführung von Kopfnoten. In Sachsen und nun auch in Nordrhein-Westfalen bereits in Gesetze gegossen, alle anderen Bundesländer werden sich anschließen. Anstatt einer schriftlichen Bemerkung auf dem Abschlußzeugnis gibt es nun vor den eigentlichen fachlichen Noten direkt im Kopf eines jeden Zeugnisses eine sogenannte Kopfnote. Damit sollen
Social Skills bewertet werden und minder begabten Schülern zumindest ein gutes Verhalten attestiert werden können. Sinn des Ganzen ist, im Vorstellungsgespräch gleich ersichtlich machen zu können, wer ein Einzelkämpfer (=nicht einstellungswürdig) oder ein Teamworker ist. Leider lässt das restliche Schulsystem kein Teamwork zu. Wie also das ganze bewertet werden soll ist nicht sicher und schon garnicht festgelegt. Ich steh dem Ganzen kritisch gegenüber, weil z.B. auch besonders betont wurde, dass z.B. die "Ehrfurcht vor Gott" nicht nur vermittelt sondern z.b. über diese Note auch bewertet werden kann und sicher auch wird. Nein das stammt jetzt nicht aus nem bayrischen Schulgesetz, sondern aus NRW... Auf jeden Fall wird derjenige der nicht konform ist auch nicht mit einer guten Kopfnote rechnen können. Diese Freiheit die ein Schüler gegenüber einem Arbeitnehmer hat, fällt dann weg. Zur Kopfnote zählt nämlich nicht nur Mitarbeit oder Betragen sondern eben der komplette Eindruck. Auch gibt es dann einen Zwang zumindest eine Grundfreundlichkeit zu "spielen", wie man es im Berufsalltag ebenfalls tun muss. Alles sehr kritisch und mit hohem Frustpotential versehen. Ich betone nochmals, dass es keine festen Kriterien für die entstehende Kopfnote gibt. Dafür steht sie aber über allen anderen fachlichen Noten.
Büchergeld/Studiengebühren. Sicher für Viele der Knackpunkt. Hier wird z.b. ab Sommersemester 2007 pro Semester 500.- verlangt. Gleichzeitg schafft man das Bafög ab und verweist auf unattraktivere Kredite der Deutschen Bank. Wer also heute studieren will ist zwangsweise unverhältnissmässig hoch verschuldet, wenn er dann mit 30 "raus" kommt, muss aber neben dem fordernden Studium (da es Bachelor zu sein hat wurde ebenfalls viel Stoff auf wenig Zeit komprimiert) ein oder zwei Minijobs annehmen um sich über Wasser zu halten. Eine Einstellung nach dem Diplom..äh ich meine Bachelor ist auch ganz und gar nicht Garantiert. Dagegen ist das Büchergeld an den Schulen natürlich lächerlich, weil Betragsmässig sehr gering, trotzdem aber eine Maßnahme der selben Güte. Man (Schülder/Student) bezahlt einen bestimmten Betrag, weis aber nicht wem dieser zu gute kommt oder ob seine Verwendung überhaupt an irgendeinen Zweck gebunden ist.
Ich bezweifle nicht dass Gebühren in einer bestimmten Höhe den Hochschulen oder staatlichen Schulen unter die Arme greifen können. Es ist aber äusserst problematisch wenn dadurch Verschuldungen und Mehrbelastungen entstehen oder es gar letztlich nur darum geht den Staatshaushalt zu sanieren. Das ist jetzt gar nicht so weit hergeholt. Stoiber hat die Einführung dieser Gebühren in Bayern nur deshalb so strikt forciert weil er im Bund immer mit ausgeglichenem Länderhaushalt glänzen möchte. Da ist klar, dass Zahlungen an die Schulen und Hochschulen unterbunden werden und stattdessen von den Schülern/Studenten selbst zu tragen sind. Für Lehrmittel fehlen meiner Schule so ungefähr 20.000.- im Jahr, die sich der Freistaat nun spart. Die Schüler würden 45.000.- an Gebühren berappen... würden, denn bezahlt hat bislang keiner von uns. Im Moment fehlt das Geld einfach nur.
Abschaffen des Grundkurs/Leistungskurs-Systems. Eine Interessante Sache. Ich weis nicht mit welcher Intention das angeleiert wurde, aber die einzelnen Bundesländer bauen jetzt auch systematisch die Kurse in den Gymnasien ab. Verpflichtend sind dann fürs Abitur Deutsch, Mathe + Fremdsprache + anderes Fach. So genau hab ich mir das nun nicht angeschaut, weil ja sicherlich auch wieder Länderabhängig. Finde ich genauso problematisch, da es dann nicht mehr die Möglichkeit gibt einzelne Schüler in genau den Punkten zu fördern oder aufblühen zu lassen, die ihnen liegen. Die Abinoten werden stattdessen wieder sehr in die Mittelmässigkeit abdriften. Für mich ein klarer Rückschritt. Vielleicht kann mich hier ja jemand mit irgend einem Proargument versorgen. Sinn machts für mich einfach garkeinen. Ausser mal wieder eine gewisse Ersparniss.
Ich bin mir sicher ich hab jetzt den ein oder anderen Punkt vergessen, das werd ich demnächst dann einfach nachholen. Auch enthalten meine Diskussionsansätze überwiegend Contrastandpunkte, was durch meine Eigene Meinung zustande kommt.
