Hi!
Ich stehe seit dem 6. September 2004 als Lehramtsanwärter im Vorbereitungsdienst zum II. Staatsexamen und bin Beamter (auf Wiederruf) des Landes NRW.
Mit 37 Jahren ist das mein 3. Beruf, den ich absolviere. Ich bin bereits gelernter Augenoptiker und Diplom-Designer (FH) der Fachrichtung Kommunikationsdesign (früher nannte man den Studiengang Grafik Design / Visuelle Kommunikation).
Mein Studium habe ich bei der Bezirksregierung Köln als I. Staatsexamen für das Lehramt anerkannt bekommen und nun bin ich Lehrer an einer Realschule und unterrichte in den Fächern Technik und Kunst.
Meine ehemalige Berufstätigkeit als angestellter Art Director bei einem Unternehmen im Bereich TV-Videoproduktion (Werbung) habe ich nach mehr als 10 Jahren gerne aufgegeben, denn der Stress und viele unbezahlte Überstunden in der Kreativbranche haben mich als Mensch fast aufgefressen!
Nie wieder zurück in die freie Marktwirtschaft! Als Lehrer habe ich endlich den Job gefunden, der meiner Natur entspricht.
Meine Erfahrungen als freier Dozent an einer Fachhochschule kommen täglich zum Einsatz und gestalten nicht nur den Unterricht im Sinne der Schüler/innen.
Ich bin fest der Überzeugung, dass man heute mehrere Berufe lernen muss um den richtigen Job zu finden!
Alles, was zählt, ist der Wille zum Erfolg!
Viel Glück und Ausdauer!
Indigo
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Nachtrag von Indigo:
Niemand sollte bei der Berufswahl frühzeitig aufgeben oder sich von einer schlechten Konjunkturlage von seinen beruflichen Zielen abbringen lassen. Nicht immer funktioniert der direkte Weg, ein Beruf zu ergreifen. Viele Erfahrungen sind nötig um einen Beruf zu finden, in dem man über viele Jahre glücklich werden kann. Traumberufe gibt es eh nicht.
Selbst im Vorbereitungsdienst zum II. Staatsexamen (Lehramt) habe ich mehrere Kollegen/innen im Alter von über 50 Jahren mit vielen Jahren Praxis im In- und Ausland, die ihren "unsicher" gewordenen Job in der Wirtschaft zugunsten einer "sicheren" Anstellung im Staatsdienst aufgegeben haben und damit goldrichtig liegen! Auch sie haben sich dafür entschieden, eine zusätzliche Qualifikation zu erwerben um den Lehrerberuf nicht nur national sondern auch international(!) ausüben zu können.
Der Staatsdienst bietet nur eine von vielen Optionen für Akademiker. Die heutigen Zeiten verlangen von Berufstätigen Flexibilität und stetige Weiterbildung. Die Bewerber aus unterschiedlichsten Fachrichtungen mit unterschiedlichen akademischen Qualifikationen stehen inzwischen Schlange um eine der freien Stellen für ein Lehramt zu erhalten. Es ist daher wichtig, dass ich meinen Schülern/innen frühzeitig vor Augen führe, dass Abitur und Studium zwingend notwenig sind, wenn man im Wettbewerb um einen gut honorierten Arbeitsplatz bestehen möchte, auch wenn viele Schüler in der Klassen 9 und 10 die Notwendigkeit dafür nicht sehen und lieber "Popstars" werden wollen.
Na klar, dass wollten manche Lehrer aus meiner Generation sicher auch, als sie noch zur Schule gingen, aber die Realität ist umbarmherzig und holt jeden Träumer ein – früher oder später! Wer schlechte Noten im Abschlusszeugnis hat, erhält im Wettbewerb kein Gnadenbrot und schon gar kein Mitleid! Nur wer durch Leistung glänzt, hat zumindest noch eine Auswahl an beruflichen Möglichkeiten. Für den Rest bleiben die schlecht bezahlten Jobs, die Menschen mit guter Ausbildung und Verstand niemals machen werden! Doch mit Vernunft kann man der Jugend nicht kommen, denn dann kämpft man mit Windmühlen. Jeder sollte sich nur vor Augen führen, was er mit seinen Noten im Job erreicht und schnell wird klar werden, dass sich ein "sehr gut" stets positiv auszahlt, ein "mangelhaft" oder "ungenügend" hingegen auf Probleme hinweist! Trotz vieler schlechter Noten geben Schüler das Lernen auf und verfangen sich in ihrer persönlichen Weltansicht und glauben allen Ernstes, sich damit einen Gefallen zu tun. Sie rebellieren gegen Eltern und Lehrer und später auch gegen "das System". Doch die Ablehnung der Vernunft schadet nur den Schülern! Lehrer haben ihr monatliches Auskommen und kaum noch berufliche Sorgen in der Zukunft.
So erstaunte es einen meiner Schüler sichtlich, als ich berichtet habe, dass ich mir für den Ego-Shooter "Half Life 2" einen neuen PC kaufen werde. Er dachte wohl, dass Lehrer nur Bücher lesen und außer Schule keine anderen Interessen haben. Offensichtlich wissen viele Schüler nicht, wie unbekümmert einfach das Leben als Lehrer bzw. Beamter sein kann, doch auch wir mussten dafür viel tun und viel lernen, was uns nicht immer geschmeckt hat! Na und? Da muss man eben durch! Stets war das Ziel in der Schule, in der Berufsausbildung und im Studium gleich: Nur wer die besten Noten und Qualifikationen hat, kommt im Leben weiter!
Und so ist es schon fast ein Witz, wenn ich eine Klassenarbeit zu einem Technik-Thema schreiben lasse, für die Schüler über Wochen pauken müssen (was sie selbstverständlich nicht interessierte), während ich vorne am Lehrerpult sitze und in aller Ruhe in einer PC-Zeitschrift die Testberichte von "Half Life 2" lese und mich auf den neuen Computer freue.
Ungerecht? Nein!
Ich habe es mir verdient!
Jede "Freiheit" hat ihren Preis. Bei mir waren es Disziplin und Fleiß (über viele Jahre)! Wäre ich noch in meinem ehemaligen Beruf als Diplom-Designer tätig, dann hätte ich für Dinge wie "Half Life 2" kaum die Zeit! Als Lehrer kann ich mich jedoch wieder um meine frühen Hobbies aus Studententagen kümmern und habe dabei sogar noch eine Menge Fun!
Viel Glück in der Schule und im Job!
Strengt Euch an und lernt den ganzen Mist, auch wenn Ihr keinen Bock darauf habt! Wer hat das schon? Es liegt nur an Euch, den Kram sinnvoll zu verwenden! Nur die Noten zählen!
Gruß von Indigo
>>>be a teacher! be a hero!<<<
