Psychosen, somato-psychische Störungen, die durch einen starken Persönlichkeitsabbau gekennzeichnet sind. Es handelt sich um einen allgemeinen Begriff, der sich in der psychologischen bzw. psychiatrischen Praxis in den verschiedenartigsten Ausformungen zeigen kann. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen endogenen (anlagebedingten) und exogenen Psychosen. Zu den endogenen Psychosen werden die Schizophrenie, die Manie und die manisch-depressive Psychose (Zyklothymie) gerechnet. Auch bei einer Depression kann es sich um eine endogene Psychose handeln. Die organischen und psychischen Ursachen sind zumeist unbekannt. Mögliche Ursachen sind Störungen des Stoffwechsels oder der Neurotransmitter. Exogene Psychosen haben ihre erkennbaren Ursachen in Hirnverletzungen oder in Erkrankungen des Nervensystems, die u. a. auf Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Vergiftung sowie auf Drüsenstörungen zurückgeführt werden können. Sie können außerdem durch künstlich herbeigeführte Zustände (z. B. Alkohol- oder Drogenrausch) ausgelöst werden.
Schizophrenie, Bezeichnung für eine Gruppe von psychischen Störungen, die durch eine Reihe unterschiedlicher Symptome gekennzeichnet ist.
Wörtlich bedeutet der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff gespaltene Seele. Entgegen verbreiteter Annahme besagt Schizophrenie jedoch nicht, dass der Patient als gespaltene Persönlichkeit wie zwei verschiedene Personen handelt. Erst im 20. Jahrhundert wurde Schizophrenie von anderen Psychosen unterschieden. Nach 1997 veröffentlichten Daten leiden in Deutschland rund 60 000 Menschen an Schizophrenie.
2 SYMPTOME
Die Symptome der Schizophrenie, von denen nicht unbedingt alle bei einem Patienten auftreten, äußern sich im Denken, in Wahrnehmung, Gefühlen, Motorik und zwischenmenschlichen Beziehungen. Denkstörungen werden möglicherweise als Unfähigkeit logische Verbindungen zu knüpfen oder durch die Entwicklung von Wahnvorstellungen beobachtet. Halluzinationen, besonders akustischer Art, sind die am häufigsten auftretenden Wahrnehmungsstörungen. Beispielsweise hört der Patient, wie seine Gedanken laut ausgesprochen werden, oder er hört Stimmen, die Befehle erteilen oder Kommentare abgeben. Die gefühlsmäßigen Reaktionen auf bestimmte Situationen erscheinen entweder abgestumpft oder unangemessen. Motorische Störungen können sich als Katatonie äußern (ein seltenes Krankheitsbild, bei dem der Patient in äußerer Bewegungslosigkeit verharrt) oder häufiger als offenbar unbeabsichtigte, erregte Bewegungen, die ein Wiederholungsmuster aufweisen. Die Beziehungen zu anderen Menschen sind in der Regel gestört, häufig weil der Patient dazu neigt, sich zurückzuziehen.
Schizophrenie entwickelt sich fast immer vor Erreichen des mittleren Lebensalters. Typischerweise tritt der erste Schub der Krankheit in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter auf, meist gefolgt von weiteren Krankheitsschüben. Diese äußern sich durch Beeinträchtigung der Arbeitsleistung und der sozialen Beziehungen, in der schwindenden Fähigkeit, für sich selbst sorgen zu können, sowie in einem oder mehreren der oben erwähnten Symptome.
Eine einfache Auflistung der Symptome kann jedoch nicht vermitteln, wie verheerend Schizophrenie wirkt. Sie ist eine der schwersten Geisteskrankheiten. Das eigentümliche Verhalten und die Sprechweise eines Schizophrenen mögen bei Mitmenschen verlegenes Lächeln auslösen, doch sind diese Symptome Ausdruck schwersten Leidens. Die Unfähigkeit, seine eigenen Gedanken zu ordnen und zu kontrollieren, der Zustand, durch eine andere Wahrnehmung der Wirklichkeit isoliert zu sein und von körperlosen Stimmen kommandiert zu werden, all dies macht Schizophrenie zu einer beängstigenden und vereinsamenden Störung.
3 URSACHEN
Kernspintomographie Mit Hilfe der Kernspintomographie wurden im Gehirn Schizophrener strukturelle Anomalien beobachtet.CNRI/Science Source/Photo Researchers, Inc.
Wissenschaftler sind sich darin einig, dass keine Einzelursache Schizophrenie erzeugt. Sie ergibt sich eher aus der Wechselwirkung biologischer, psychologischer und kultureller Faktoren – wie dies bei der Entwicklung einer normalen Persönlichkeit der Fall ist. Weltweit liegt die Häufigkeit zwischen 0,01 und 3 Prozent. Die Störung kommt in manchen Familien gehäuft vor: Bei nahen Verwandten eines Schizophrenen ist die Wahrscheinlichkeit, an dieser Störung zu erkranken, größer als beim Rest der Bevölkerung. Kinder schizophrener Eltern werden selbst zu 10 Prozent schizophren. In der Wissenschaft wurde lange Zeit erörtert, ob diese vermehrte Häufigkeit auf Vererbung oder auf die Erziehung durch persönlichkeitsgestörte Eltern zurückzuführen ist.
In den letzten Jahren gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Schizophrenie mit einer ererbten genetischen Störung in Zusammenhang stehen kann. Ist z. B. ein eineiiger Zwilling schizophren, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch der andere Zwilling (der genau die gleichen Gene besitzt) daran erkrankt, zwischen 35 und 58 Prozent. Ob jedoch dabei eine biochemische oder neurologische Störung oder ein Enzymdefekt vererbt wird, ist noch offen. Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Ausprägung des vererbten Faktors bei der Schizophrenie individuell verschieden ist. Wie 2001 in der Zeitschrift Molecular Psychiatry berichtet wurde, identifizierten Würzburger Forscher auf Chromosom 22 ein Gen (WKL1), das mit katatoner Schizophrenie in Verbindung zu stehen scheint.
Die psychologische Forschung konnte eine Reihe besonderer Bedingungen des Umfelds feststellen, die bei Schizophrenie auftreten: beispielsweise eine Störung der familiären Kommunikation. Allerdings sind sich die Experten noch nicht sicher, ob diese Verständigungsstörung Ursache oder Folge der Schizophrenie ist. Ein gestörtes Familienleben, das häufig mit Armut einhergeht, wurde ebenfalls mit Schizophrenie in Verbindung gebracht. Außerdem kann Armut bei werdenden Müttern zu einer Vernachlässigung ihrer Gesundheit führen, was sich wiederum negativ auf die Gesundheit des Ungeborenen auswirkt.
Die Hirnforschung entdeckte einige Hinweise auf organische Ursachen der Schizophrenie. So kann Dopamin, einer der chemischen Überträgerstoffe oder Neurotransmitter des Gehirns, bei Schizophrenen in ungewöhnlich hohen Mengen vorhanden sein. Nach einem 2000 in den Proceedings of the National Academy of Sciences publizierten Bericht gibt es im Gehirn Schizophrener vermutlich nicht nur mehr Dopamin, sondern auch mehr Dopaminrezeptoren als bei Gesunden. Außerdem konnten mit modernen Scanning-Methoden wie Computertomographie (siehe Radiologie) und Kernspintomographie strukturelle Anomalien in einigen Gehirnbereichen untersuchter Schizophrener festgestellt werden. Britische Forscher berichteten 2000 im American Journal of Psychiatry, mit Hilfe der Kernspintomographie hätten sie festgestellt, dass Gehirne Schizophrener kleiner seien und abnorme Schläfenlappen aufwiesen; derartige Veränderungen seien auch bei der manisch-depressiven Psychose festzustellen. 2001 teilten US-amerikanische Forscher in den Proceedings of the National Academy of Sciences mit, bei jugendlichen Schizophrenen breiteten sich die durch den Abbau von Hirnmasse gekennzeichneten Gehirnschäden im Lauf der ersten fünf Jahre nach Einsetzen der Symptome über das gesamte Gehirn aus; Jugendliche mit den größten Hirnschäden wiesen die schlimmsten Symptome auf. Wie israelische Forscher 2001 in derselben Zeitschrift mitteilten, lassen sich durch Blutuntersuchung möglicherweise Hinweise auf Schizophrenie entnehmen. Da bei Schizophrenen eine übersteigerte Aktivität des Neurotransmitters Dopamin vorliegt, haben die Nervenzellen Betroffener besonders viele Rezeptoren für diesen Botenstoff. Im Blut der Kranken lässt sich nach Erkenntnis der Wissenschaftler im Vergleich zu Gesunden ein Mehrfaches an Erbmaterial (Boten-RNA) für einen bestimmten Dopamin-Rezeptortyp nachweisen. Dies könnte künftig die bislang nur durch Verhaltensbeobachtungen mögliche Diagnose auf Schizophrenie erleichtern.
Auffallend viele Schizophrene wurden im Winter geboren
Nach einer 1997 veröffentlichten Untersuchung eines US-amerikanischen Forschers ist seit langem bekannt, dass auffallend viele Schizophrene im Winter geboren wurden. Die Ursache, so der Forscher, liege möglicherweise darin, dass eine unmittelbar nach der Geburt erlittene Virusinfektion eine Prädisposition für Schizophrenie erzeuge. Das Risiko, nach zwei bis drei Jahrzehnten an Schizophrenie zu erkranken, steige um das Siebenfache, wenn unmittelbar nach der Geburt eine Virusinfektion wie Mumps oder Schnupfen auftrete. Möglichlicherweise führe die Infektion zu geringfügigen Hirnschäden. Sicher sei allerdings, dass eine Virusinfektion allein keine Schizophrenie auslöse. Wie deutsche und US-amerikanische Forscher 2001 in den Proceedings of the National Academy of Sciences berichteten, wurden bei 30 Prozent der an akuter Schizophrenie und bei 7 Prozent der an chronischer Schizophrenie leidenden Patienten in der Hirnflüssigkeit aktive Viren nachgewiesen. Das Erbmaterial dieser Viren sei bei allen Menschen vorhanden; es werde bei Schizophrenen aus unbekannten Gründen aktiviert.
4 BEHANDLUNG
Die beste Wirkung bei der Behandlung schizophrener Symptome wird mit psychoaktiven Arzneimitteln erzielt. Diese Medikamente stehen seit Mitte der fünfziger Jahre zur Verfügung und ermöglichten es schizophrenen Patienten erstmals, frei von überwältigender Angst und beunruhigenden Symptomen zu leben. Diese Mittel werden nicht nur bei akuten Schizophrenieschüben eingesetzt, sondern auch zur Vorbeugung künftiger Anfälle. Diese medikamentöse Therapie bringt jedoch auch Nachteile mit sich. Es können Nebenwirkungen wie Benommensein oder trockener Mund sowie Langzeitfolgen auftreten. Einige Patienten entwickelten nach jahrelanger Behandlung mit antipsychotischen Arzneimitteln das so genannte dyskinetische Syndrom. Dabei handelt es sich um eine motorische Fehlfunktion (Bewegungsstörung), die hauptsächlich Mund, Zunge und Mimik betrifft. Diese Nebenwirkung ist besonders schwerwiegend, da es für das dyskinetische Syndrom bisher keine Behandlung gibt und die Störung möglicherweise auch nach Absetzen der psychoaktiven Medikamente anhält. Es spricht zudem nicht jeder schizophrene Patient auf antipsychotische Arzneimittel an, einige scheinen gar keine Medikation zu benötigen. Im Allgemeinen wird dann eine Art der Psychotherapie angewendet. Auch Patienten die psychoaktive Arzneimittel erhalten können psychotherapeutisch behandelt werden, um ihnen bei der Bewältigung von sozialen und beruflichen Schwierigkeiten zu helfen, die sich möglicherweise aus ihrer Krankheit ergeben.
Manie (von griechisch mania: Raserei, Wahnsinn), Psychose mit folgenden Symptomen: extreme Antriebssteigerung, überschwängliche bis hektisch-gereizte Stimmung, übersteigerter Rededrang (häufig gestillt durch die Erzählung für wahr ausgegebener und für wahr gehaltener, bizarr konstruierter Phantasiegeschichten), nicht selten bis zum Größenwahn gesteigerte Selbstüberschätzung, deutlich eingeschränktes Urteilsvermögen, Ideenflucht und Triebsteigerung, häufig auch Hang zur Verschwendung.
Die Manie tritt überwiegend phasenweise als Teil der bipolaren manisch-depressiven Störung (siehe Depression) auf. Während das Schlafbedürfnis in der depressiven Phase meist auffallend gesteigert ist, ist es in der Manie in der Regel stark verringert. Die Ursachen der Manie sind bislang noch nicht hinlänglich geklärt. Bei der medikamentösen Behandlung werden die besten Erfolge mit Lithiumcarbonat (siehe Lithium) erzielt.
Von der Manie zu unterscheiden sind die so genannten Monomanien wie Kleptomanie oder Pyromanie.
Depression (Medizin), (lateinisch depressio: das Niederdrücken), psychische Störung, die durch Gefühle der Wertlosigkeit, Traurigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit und durch Schuldgefühle gekennzeichnet ist.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und der Technischen Universität Dresden berichteten 2000, 7 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 65 Jahren litten an einer behandlungsbedürftigen depressiven Erkrankung. Man unterscheidet in der Psychiatrie zwei Formen: Die reaktive Depression tritt als Folge bestimmter Ereignisse auf (z. B. dem Verlust eines geliebten Menschen), geht aber in ihren Symptomen weit über die normalen Formen der Traurigkeit hinaus. Sie klingt jedoch meist nach einer gewissen Zeitspanne wieder ab. Die endogene Depression hingegen besteht in lang anhaltender und schwerer Traurigkeit ohne erkennbaren Grund. Als Ursache werden biochemische Störungen vermutet. Als Folge beider Depressionsformen können zahlreiche Begleitsymptome auftreten, beispielsweise Schlaf- und Essstörungen, Initiativelosigkeit, Selbstbestrafung, Rückzugstendenzen, Antriebslosigkeit bis hin zur völligen Erstarrung (Stupor). Depressive sind je nach Schwere ihrer Erkrankung latent oder akut selbstmordgefährdet. Die Krankheit trifft Männer und Frauen aller Altersgruppen und aller Gesellschaftsschichten, wobei Frauen (möglicherweise aufgrund ihrer sozialen Rolle) häufiger betroffen sind. Bereits im Altertum waren Depressionen als so genannte Melancholie bekannt, über deren Behandlung allerdings (wie bei seelischen Störungen überhaupt) Ratlosigkeit herrschte. Heute werden allgemein die Lebensumstände der modernen Industriegesellschaft mit ihren negativen Aspekten wie Vereinzelung, Wertverlust, Stress etc. für den signifikanten Anstieg depressiver Erkrankungen mitverantwortlich gemacht. Allerdings dürfte dieser Anstieg nicht unwesentlich auf eine verbesserte Diagnostik bzw. ein geschärftes Problembewusstsein bei Ärzten wie Patienten zurückzuführen sein.
2 FORMEN
Die monopolare depressive Störung ist durch ausschließlich depressive Episoden gekennzeichnet. In der bipolaren manisch-depressiven Erkrankung wechseln sich depressive und manische Episoden ab. Diese auch als Schübe bezeichneten Phasen treten vor allem im Zusammenhang mit bestimmten Formen der Schizophrenie auf. Bei der so genannten „Major Depression” und der depressiven Phase der manisch-depressiven Erkrankung herrscht Niedergeschlagenheit vor, auch wenn die Patienten sich dessen vielleicht gar nicht bewusst sind. Kennzeichnend ist, dass sie alles Interesse an ihren gewohnten Aktivitäten verlieren. Symptome sind u. a. Schlafstörungen (Durchschlafstörungen), Appetitverlust oder Heißhunger, Konzentrationsunfähigkeit, Entscheidungsunfähigkeit, verlangsamtes Denken, Energieverlust, Gefühle der Wertlosigkeit, Schuldgefühle und Gefühle der Hoffnungs- und Hilflosigkeit, verringertes sexuelles Interesse sowie Suizidgedanken.
In der manischen Phase der bipolaren Erkrankung kann der Patient gehobener, überschwenglicher oder reizbarer Stimmung sein. Die Betroffenen verhalten sich bizarr und teilweise sozial nicht akzeptabel. Weitere Symptome sind u. a. übertriebene Redseligkeit, Gedankenflucht, Ablenkbarkeit, Mangel an Urteilsvermögen, Größenwahn und verringertes Schlafbedürfnis.
3 AUFTRETEN
Vieles deutet darauf hin, dass die Anlage zu einer depressiven Störung vererbt wird (siehe Genetik). In Familien, in denen bereits eine depressive Erkrankung verzeichnet ist, ist die Wahrscheinlichkeit, eine depressive Störung zu entwickeln, größer als im Durchschnitt der Bevölkerung. Der höhere Anteil von Frauen an depressiven Störungen kann biologisch begründet sein oder aber damit in Zusammenhang stehen, dass die weibliche Geschlechtsrolle Gefühle der Passivität und Hilflosigkeit begünstigt. Die Statistiken, denen zufolge mehr Frauen als Männer unter Depressionen leiden, können zumindest zum Teil auch dadurch erklärt werden, dass diese Störung bei Männern häufig nicht diagnostiziert wird, obwohl sie vorhanden ist, da Männer bei Problemen nicht so schnell Hilfe suchen wie Frauen.
Untersuchungen zufolge kann die Anlage zur Depression auch mit einer übermäßigen Empfänglichkeit gegenüber dem Neurotransmitter Acetylcholin im Gehirn zusammenhängen. In der Haut einer Reihe depressiver Patienten wurde eine stark erhöhte Anzahl von Rezeptoren für Acetylcholin gefunden. Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis berichteten 1999, der Hippocampus, eine Gehirnregion, die für Gedächtnis und Lernen von Bedeutung ist, sei bei Depressiven deutlich kleiner. Wie Mitarbeiter der Duke University in North Carolina 2000 berichteten, könne eine Depression auch durch einen unbemerkt gebliebenen Schlaganfall ausgelöst werden; dies betreffe insbesondere über 50-jährige Patienten. Andererseits sind depressive Patienten nach einem Bericht der University of Michigan relativ häufig von Schlaganfällen betroffen, offensichtlich weil Depressionen die Arteriosklerose beschleunigen.
4 BEHANDLUNG
Echtes Johanniskraut Das Echte Johanniskraut ist an Weg- und Waldrändern häufig anzutreffen. Es beginnt ungefähr am Johannistag, dem 24. Juni, zu blühen. Seine Inhaltsstoffe werden u. a. gegen Entzündungen und Depressionen eingesetzt.Douglas P. Wilson/Frank Lane Agency/Corbis
Die Behandlung depressiver Störungen erfolgt überwiegend medikamentös, häufig begleitet von einer Psychotherapie. Man hat Zusammenhänge mit der Dysfunktion zweier wichtiger Transmittersysteme im Gehirn gefunden (Serotonin und Noradrenalin). Behandelt werden diese Störungen hauptsächlich mit zwei Medikamentengruppen: trizyklische bzw. tetrazyklische Antidepressiva und Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer, MAOH). Bei der Behandlung mit Letzteren muss eine bestimmte Diät eingehalten werden, da die MAO-Hemmer mit dem in Käse, Bier, Wein, Hähnchenleber und anderen Nahrungsmitteln vorkommenden Tyraminen interagieren und außerdem eine Erhöhung des Blutdruckes bewirken. Die trizyklischen Antidepressiva erfordern keine spezielle Diät, können aber das Herzgewebe schädigen. Sie wirken, indem sie die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin durch die Nerven hemmen, so dass diese Botenstoffe länger wirken können. Ein weiteres, in den letzten Jahren verstärkt verschriebenes Medikament zur Behandlung depressiver Störungen ist Fluoxetin (Fluctin), das die Wiederaufnahme von Serotonin im Gehirn hemmt. Gegen eine Langzeitgabe von Fluoxetin spricht jedoch eine erhebliche Suchtgefahr sowie die – wie bei allen Antidepressiva – nicht zu vernachlässigenden Nebenwirkungen. Nach einem 1999 in der Zeitschrift New Scientist erschienenen Bericht wurde möglicherweise ein neuer Wirkmechanismus von Fluoxetin aufgedeckt: Das Präparat regte im Tierversuch das Wachstum neuer Hirnzellen an, so dass sich der bei Depressiven verkleinerte Hippocampus unter dem Einfluss des Mittels regenerieren könnte. Für die Behandlung der manisch-depressiven Erkrankung hält man die Medikation mit Lithiumsalzen, einem verbreiteten Mineralstoff, für die wirkungsvollste Behandlung zur Vorbeugung gegen manische Schübe. Allerdings muss die für den Patienten notwendige Dosis individuell exakt bestimmt werden. Lithium beeinflusst die Nerventätigkeit, indem es die Konzentration des Neurotransmitters Glutamat reguliert. Wie US-amerikanische Forscher 2001 im American Journal of Psychiatry berichteten, können Placebos bei der Behandlung Depressiver ähnlich wirksam sein wie echte Medikamente. Nach der Einnahme von Placebos wurde eine Aktivierung bestimmter Bereiche der Hirnrinde nachgewiesen, nach der Einnahme von Antidepressiva nahm bei einer Vergleichsgruppe jedoch die Aktivität in dem betreffenden Bereich ab.
Die Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. für Neurochirurgie der Universität Bonn berichteten 2001 über die Behandlung von Depressionen mittels einer Vagusnerv-Stimulation (siehe Nervensystem). Dieser Nerv, der u. a. Blutdruck und Herzfrequenz steuert, wird bei der Behandlung in regelmäßigen Abständen mittels einer feinen Elektrode stimuliert. Die Mediziner implantieren dem Patienten dazu einen Schrittmacher im Brustbereich unter die Haut; von diesem Gerät führt eine Leitung zum Vagusnerv am Hals. Durch die Stimulation werden sowohl die Durchblutung bestimmter Hirnareale als auch die Ausschüttung solcher Neurotransmitter beeinflusst, die bei Depressionen eine Rolle spielen. Die Vagusnervstimulation hat sich bereits bei bestimmten Formen der Epilepsie bewährt.
ich hoffe das reicht fürs erste