MEMENTO
USA 2000
R: Christopher Nolan
B: Christopher Nolan
K: Wally Pfister
D: Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano, Stephen Tobolowsky
Länge: 116 Min.
Start: 13. Dezember
Verleih: Helkon (Buena Vista)
www.helkon.de
Das Spiel mit der Erzählform gehört in der Literatur beinahe zum
Alltag. Im Film, vor allem beim gängigen Kinofilm, sind die Möglichkeiten
durch veränderten Erzählmodus die herkömmliche Sicht auf die Dinge zu
variieren, auf Grund der Wahrnehmungsgrenzen des Zuschauers, wesentlich
engere Fesseln gelegt. Christopher Nolan geht mit seinem Thriller "Memento"
sicherlich an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Betrachters und heimste
für seine Risikobereitschaft nicht nur allenthalben Kritikerlob ein, sondern
erzielte damit sogar einen veritablen Indiependenterfolg.
Nicht nur, dass der Film in szenischen Schüben einen Mordfall
rückwärts erzählt, jeder neuer Schritt zurück stellt auch alles vorher
Gesehene in Frage. Leonard Shelby (Guy Pearce, der eloquente Ermittler aus
"L.A. Confidential") heißt der Held des Filmes, dem der Zuschauer auf eine
mysteriöse Motivsuche für seine Handlungsweisen folgt. Gleich zu Beginn des
Filmes wird man Zeuge eines kaltblütigen Mordes, den eben jener Leonard
Shelby an dem unglückseligen Teddy verübt. Doch die Tat wird auf der
Leinwand zurückgedreht und der eben noch zerberstende Kopf fügt sich wieder
zusammen.
Die Rolle rückwärts beginnt und katapultiert den Zuschauer schon
bald in eines ähnlichen dramatischen Zustand der Desorientierung, in dem
sich Leonard Shelby auf Grund eines Hirndefektes permanent befindet. Shelby
leidet unter einem gestörten Kurzzeitgedächtnis, das sich Begebenheiten nur
für Minuten merken kann. Um sich zu behelfen, hat der ehemalige
Versicherungsvertreter ein System von Fotografien, Karten, Notizen
entwickelt, an Hand dessen er sich durch ein Leben als Momentaufnahmen
bewegt. Die allerwichtigsten Botschaften zieren als Tattoos seinen Körper,
vorneweg der Satz, der ihn unentwegt antreibt: "Find him and kill him". Er
gilt dem Mörder seiner Frau, deren Tod jenen traumatischen Zustand bei
Shelby ausgelöst hat. Vielleicht folgen wir aber auch keinem Opfer, sondern
sind nur Zeuge, wie ein Psychopath seine Sicht der Dinge schildert. Denn
jeder neuer Schritt in die Vergangenheit stellt das zuvor Gesehene in Frage.
Die Personen, denen Leonard auf seiner Reise in die Vergangenheit begegnet,
helfen sie ihm, oder nutzen sie seinen Zustand nur aus? Gab es überhaupt
jenen Mord an Leonards Frau, oder hat Leonard am Ende sie sogar selbst
getötet? Der ständige Wechsel von Identifikation und Abscheu gegenüber dem
Protagonisten, verstärkt diesen Reiz des Ungewissen nur noch.
Christopher Nolan hegt offensichtlich ein Interesse an der
Wahrheitssuche, ohne sonderlich darauf erpicht zu sein, sie zu finden. Dem
Zuschauer bleibt da nicht anderes übrig, als ständig sämtliche Puzzleteile
neu zu ordnen. Er wird in die Reflexionen des Filmes über die
(Un)-Möglichkeiten, bei dem sich der wirkliche Spaß erst im Nachhinein
einstellt. des Erinnerns aktiv mit einbezogen. Und obwohl die
einzelnen Szenen, durch ihre klare Struktur und die schnörkellose
Inszenierung, das Memorieren erleichtern, wird das Filmeschauen mitunter zum
mühseligen Unterfangen
Wohl über keinen Film der letzten Zeit, kann man sich nach dem
Besuch des Kinos so wunderbar die Köpfe heiß reden, wie über "Memento".