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Krafttraining

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Blade
Alt 20.05.2005, 10:02   #1
Standard Krafttraining

Hi Leute,

ich denke mal vielen die etwas trainieren wollen fehlt es an Grundlagen. Das gilt vorallem für die, die alleine zu Hause trainieren. Ich möchte daher gern ein bissel was Theorie erzählen um ein paar Irrtümer aus der Welt schaffen oder auch grundsätzliche Fragen zu beantworten.

Wie funktioniert der Muskel?

Der Muskel ist vereinfacht formuliert aus Bündeln von Muskelzellen aufgebaut. Eine einzelne Muskelzelle bezeichnet man auch als Muskelfaser , weil sie im Verhältnis zu ihrer Dicke sehr lang ist. In einer Muskelzelle sind es parallel liegende Eiweißfäden , die sich unter Energieaufwand zusammenziehen (kontrahieren). Man unterscheidet dicke Myosin- und dünnere Aktinfilamente im Muskel. Deneben gibt es noch weitere Filamente, die für das Grundverständnis der Muskelkontraktion allerdings zweitrangig sind und im weiteren nicht vertiefend erwähnt werden. Genannt seien hier z.B. die für die Dehnungsspannung mitverantwortlichen Titinfilamente.

Zu einer Muskelkontraktion kommt es dann, wenn ein elektrisches Signal (Reiz) über einen Nerv am Muskel ankommt. Ein Nerv versorgt unterschiedlich viele Muskelfasern. Eine Nervenfaser und die Muskelzellen, die von ihr versorgt werden, bezeichnet man als motorische Einheit , den Übergang von Nerv auf Muskel als motorische Endplatte .

Kommt ein elektrisches Signal an der motorischen Endplatte an, bilden die parallel liegenden Eiweißfäden Querbrücken, indem sich die Myosinköpfchen an die Aktinfilamente heften und eine Spannung entwickeln. Ist diese Spannung höher als der äußere Widerstand, wandern die Fäden ineinander. Für diese Arbeit brauchen die Muskelzellen Energie in Form von ATP, einer Phosphorverbindung, die als Energieträger im Körper vorkommt. Folgen mehrere Kontraktionen aufeinander, wird das muskeleigene ATP knapp und muss im Rahmen der Energiebereitstellung neu gebildet (synthetisiert) werden.

Erscheinungsformen der Kraft

Versucht man die Erscheinungsformen der Kraft zu strukturieren, so wird man als erstes auf den Begriff der Maximalkraft stoßen. Nach Schmidtbleicher 1987 stellt sie den höchsten willkürlich realisierbaren Kraftwert dar. Wird diese Kraft gegen einen unüberwindbaren Widerstand aufgebracht, spricht man von der statischen Maximalkraft . Wenn die Last gerade noch so bewegt werden kann, spricht man von der konzentrischen Maximalkraft , die immer niedriger sein muss als die statische, in den meisten Fällen 10 bis 15 Prozent. In diesem Zusammenhang lässt sich auch eine exzentrische Maximalkraft messen. Dabei wird der Muskel während einer maximalen Kontraktion gedehnt. Dieses Kraftmaximum liegt bis zu 40 Prozent höher als das statische. So erklären sich Intensitätsangaben in Trainingsplänen, die über einhundert Prozent liegen. Der Trainierende arbeitet mit Hilfe eines Partners, der ihm in der konzentrischen Phase der Bewegung hilft.

Beispiel Bankdrücken: Rolf schafft es, 100 Kilogramm einmal sauber zu stemmen. Um exzentrisch zu trainieren legt er beispielsweise 120 Kilogramm auf und versucht mit aller Kraft, das Absinken des Gewichtes zu verhindern. Dabei erreicht er Intensitäten, die seine statische Maximalkraft übertreffen. Sein Partner hilft ihm, das Gewicht wieder in die Ausgangsposition zurück zu bewegen und dann folgt die nächste Wiederholung.

Die Maximalkraft, die ein Muskel willkürlich aufbringen kann, ist hauptsächlich abhängig von:
- Seinem Querschnitt (Dicke der Muskelzellen, morphologischer
Aspekt)
- Der Anzahl der Muskelfasern, die erregt werden (=Rekrutierung) und
- Der Frequenz der eingehenden Signale (=Frequenzierung, neuronale
Aspekte)

Die zweite Dimension der Kraft, nämlich die Reaktivkraft , ist für den Fitnessbereich weniger erheblich und kommt deshalb in diesem Beitrag nicht weiter zur Sprache.

Kraftdefizit und autonome Reserve

Die Maximalkraft stellt, wie oben beschrieben, die Kraft dar, die willkürlich mobilisiert werden kann. Die durch elektrische Stimulation experimentell maximal messbare Kraft wird als Absolutkraft bezeichnet und ist immer etwas höher als die willkürlich erreichbare Maximalkraft. Die Differenz aus beiden Werten bezeichnen Trainingswissenschaftler als Kraftdefizit , welches individuell sowie von Muskel zu Muskel unterschiedlich ist. Bei speziell Krafttrainierten ist das Kraftdefizit geringer ausgeprägt als bei Untrainierten. Daraus lässt sich schließen, dass spezielles Krafttraining einen höheren Wirkungsgrad der vorhandenen Muskulatur bewirkt. Auch austrainierte Athleten können nicht ihre gesamte Muskelmasse nutzen. Ein gewisses Kraftdefizit wird als autonome Reserve immer bleiben und kann, wenn überhaupt, nur unter extremen Stressbedingungen oder in Gefahrensituationen unwillkürlich mobilisiert werden. Das Kraftdefizit spiegelt die willkürliche Aktivierungsfähigkeit wider. Schmidtbleicher 1987 versteht unter der willkürlichen Aktivierungsfähigkeit das Zusammenwirken von Rekrutierung und Frequenzierung (s.o.) im Sinne einer maximalen Kraftentfaltung.

Die Fähigkeit, die vorhandene Muskelmasse maximal zu nutzen hängt demnach vom Zusammenspiel zwischen Muskel- und Nervensystem ab.

Betrachtet man die Erscheinungsformen der Kraft, so nimmt die Maximalkraft eine übergeordnete Position ein. Weitere Erscheinungsformen wie Schnellkraft und Kraftausdauer sind ihr untergeordnet und werden nachhaltig von ihr beeinflusst. Unter Schnellkraft kann die Fähigkeit verstanden werden, einen möglichst großen Impuls in der zur Verfügung stehenden Zeit zu realisieren (Schmidtbleicher 1987). Ebenso wie die Reaktivkraft spielt auch die Schnellkraft mit ihren Komponenten Start- und Explosivkraft für das Fitnesskrafttraining eine untergeordnete Rolle und erweist sich eher in leichtathletischen Sprung- und Wurfdisziplinen als leistungsbestimmend.


Was dieser Beitrag verdeutlichen soll:

Die Fähigkeit, hohe Kraftwerte aufzubringen hängt nicht von der Dicke des Muskels allein ab und im Umkehrschluss nicht jede Art von Krafttraining den Muskel dicker werden lässt, aber trotzdem zu Anspassungen in Form von Leistungssteigerungen führen kann. Es stellt sich nun die Frage, welches die Mechanismen sind, die den Muskel dicker werden lassen und welche Anpassungen man mit welchen Trainingsmethoden erreichen kann.


Sooooo.... ich denke das reicht an Grundlagen fürs erste.
Zu Trainingsmethoden werde ich auch mal was berichten.

Gruß Blade
 
 
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shredder
Alt 20.05.2005, 14:45   #2
Standard

Cooler Beitrag!


Jetzt hab ich mal ne andere Frage:

ich versuche jetzt schon seit längeren
einen Spagat hinzukriegen.

Ich trainiere auch eifrig, aber irgendwie will sich der Erfolg nicht so recht einstellen.

Kann den prinzipiell jeder einen Spagat schaffen?

Hast irgendwelche Tipps oder Erfahrungsberichte zwecks Dehnen.
Hat ja was mit Muskeln und Sehnen zu tun also denke ich das ich bei dir an der richtigen Adresse bin.
 
 
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Blade
Alt 20.05.2005, 15:27   #3
Standard

Hi shredder!
Klar, da ich mich selbst auch mit dem Thema beschäftigt habe. Ich würde dich nur bitten einen extra Beitrag hier zu eröffnen. Da es nicht zu dem Thema Krafttraining passt.
Danke im voraus.

Gruß Blade
 
 
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n00b
Alt 21.05.2005, 10:46   #4
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Geil Blade. Respekt, you are my hero
 
 
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