Denke, Sorgenkind, aber ich muss doch schon wieder ein bisschen was Längeres schreiben...
Also es ist ja so mit den Schmerzen... wenn jemand auf Schmerzen wartet, oder der festen Überzeugung ist, dass etwas wehtun wird, dann wird er diese Schmerzen auch spüren. Die Intensität ist also eine Frage des Kopfes, da bin ich mir sicher. Weiterhin... es kommt sehr drauf an, wie man mit Schmerzen umgeht, wenn man sie tatsächlich hat. Wenn man von der Sonne geblendet ist, weiss man, dass es bald vorbeigeht, blinzelt ein bisschen, aber anstatt Angst davor zu haben, freut man sich auf den Sonnenschein. Deswegen, also weil man den Gewinn an Lebensqualität direkt "vor Augen hat", kommt einem die Umgewöhnungsphase weitaus weniger schlimm vor.
Streiche während des Entzugs kann einem das Gehirn natürlich immer spielen, gerade bei einer die Psyche so stark verändernden Droge wie Heroin. Man könnte zB denken, dass das Leben ohne die Droge nie wieder lebenswert sein kann, weil man das Gefühl hat, auf etwas zu verzichten, und weil es einem gerade etwas dreckig geht. Die Wahrheit ist aber, dass man MIT der Droge auf etwas verzichtet, nämlich Lebensqualität, Achtung und Respekt vor sich selber, normale menschliche Empfindungen, usw... das ist etwas, was man sich sehr bewusst machen sollte, bevor man einen Entzug beginnt, damit man sich das in schlechten Zeiten wieder vor Augen halten kann. Man sollte sich auch daran erinnern, wie schlecht es einem MIT Heroin ging, und sich fragen, ob man so die restlichen Jahre seines Lebens (die wahrscheinlich weitaus weniger sein werden als ohne Heroin) verbringen, oder ob man lieber sein Leben in Freiheit leben möchte.
Ich behaupte mal weiterhin, dass der Entzug rein körperlich betrachtet nicht schlimmer als ne Grippe ist... der Unterschied ist bloss, dass man vor dem Entzug viel mehr Angst hat. Bei der Grippe weiss man ganz sicher, dass sie irgendwann vorbei ist, beim Entzug macht man sich dagegen grosse Sorgen, wie man überleben soll, bzw ob man das Leben je wieder lebenswert finden kann.
Allerdings raubt einem Heroin auch alle Energie, jeden Mut, jegliches Vertrauen in sich selbst, die/den/das man braucht, um mit seinen normalen Problemen, die übrigens jeder Mensch mehr oder weniger hat, fertig zu werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Heroin langfristig nicht nur die Probleme NICHT verdrängt (wegen des Gewöhnungseffekts, man braucht immer mehr, und irgendwann bedeutet Mehr=Tod), sondern es raubt einem auch komplett die natürliche Fähigkeit, mit Problemen umzugehen und sie zu überwinden. Wenn man Probleme nicht angeht, holen sie einen immer wieder ein, und sie werden jedes Mal schlimmer... insofern ist Heroin eine Flucht, die man nicht gewinnen kann, die einen sogar wortwörtlich umbringt. Angriff war schon immer die beste Verteidigung, vor allem wenn der Rückzug vom Gegner ausgenutzt wird, weiter aufzurüsten

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Doch obwohl das alles so einfach klingt, würde ich dir dringend empfehlen, einen stationären Entzug zu machen. Dort erhältst du wahrscheinlich psychologische Unterstützung, dir wird gut vor Augen gehalten, was die Droge mit Menschen anrichtet, und du hast zumindest für die erste Zeit einen festen Tagesablauf, nach dem du leben kannst und der dir über die Anfangszeit hinweghilft bzw dich von den Schmerzen etc ablenkt.
Du solltest dir vor Augen halten, dass du MIT Droge insgesamt immer mehr verlierst (also zB an Lebensqualität), und du OHNE Droge eine Menge zu gewinnen hast. Und Agakhan hat recht, dass es dir nach nur 8 Monaten viel leichter fallen wird, davon loszukommen, als anderen, die schon jahrelang dabei sind. Der Grund ist ganz einfach: Du hast die Zeit ohne Heroin noch so gut in Erinnerung, weisst noch genau, wie du früher ohne Heroin glücklich sein und das Leben geniessen konntest, so dass dein Zustand MIT Heroin für dich noch eher der neue und ungewöhnliche ist. Du kannst einfach besser mit deinem früheren Leben OHNE Heroin vergleichen, und ich bin mir sicher, dass - wenn man dich fragen würde "Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, bis dahin bevor du angefangen hast... würdest du wieder anfangen?" - du mit Sicherheit "Nein, nie im Leben" sagen würdest. Deine Erinnerung an ein Leben ohne Heroin ist noch so präsent, dass es dir viel leichter fallen wird, nochmal von Neuem daran zu glauben

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