Ok, ich will mal die Gerüchteküche ein bisschen aufräumen...
Zitat von engelchen86 Viele wissen nicht das Gebährmutterhalskrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren ist. Die Ursache dafür ist nicht erblich sondern immer ein bestimmter Virus das sogenannte humane Papillomavirus.
Stimmt nur fast. Bei 99,7% der Frauen mit Zervixkarzinom (Gebärmutterhals-Tumor) wurde ein HP-Virus entdeckt. Auch ist es relativ sicher, bei diesem Zusammenhang anzunehmen, dass HPV den Krebs (mit) verursacht. ABER: Die Impfung schützt nicht definitiv vor einem Zervixkarzinom... dazu gleich mehr...
Zitat von shortcut gegen den virus, ders auslöst, er wird zu 70% vom mann übertragen
Mir ist schleierhaft, woher du diese 70% nimmst. Fakt ist, dass etwa 70% der Beziehungspartner von Frauen, die eine HPV-assoziierte Gebärmuttererkrankung haben, ihrerseits auch eine entsprechende Erkrankung haben. "Erkrankung" bedeutet dabei weder Krebs, noch dass 70% der Männer infiziert sind. Und es bedeutet schon garnicht, dass man - wenn man einmal infiziert ist - immer infiziert bleibt. Auch dazu später mehr.
Zitat von shortcut Bei mir würde die Impfung nix bringen. hatte schon Sex, auch ohne KOndom, von daher habich den Virus schon in mir.
Das ist noch viel grösserer Unsinn. Es existieren zwar keine Statistiken dazu, wieviele Männer infiziert sind, aber sehr wohl, wieviele Frauen etwa:
- 25% der unter 30jährigen
- 8% der über 30jährigen
Komisch? Nicht wirklich, denn die Viruserkrankung heilt normalerweise selbstständig innerhalb (maximal) eines Jahres in über 98% der Fälle. Auch gibt es überhaupt keine Grundlage zu behaupten, dass jede Frau, die ohne Kondom Sex hatte, den Virus in sich trägt. Wenn das so wäre, läge die Infektionsrate wahrscheinlich bei etwa 90%. Und dass soviel weniger Frauen über 30 HPV-infiziert sind, liegt auch nicht daran, dass sich Millionen von Frauen ihre Gebärmutter haben entfernen lassen, sondern daran, dass (wie gesagt) die Viruserkrankung meist selbstständig heilt.
Nun zum HPV selbst... es gibt zig mutierte Varianten des Virus (weit über 100), und davon sind die meisten nach aktuellem Wissensstand nicht krebserregend. Sie lassen sich also grob unterteilen in "gute" und "böse" Mutationen.
Die Impfung verhindert die Ausbreitung von genau 4 Varianten des HPV, davon sind 2 Varianten "böse". Diese 2 "bösen" Varianten findet man bei etwa 70% der Frauen, die an einem Zervixkarzinom erkrankt sind... der Rest ist Träger von anderen "bösen" Mutationen des Virus.
Soweit ich weiss, gibt es keine Statistiken darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit Krebs entsteht, wenn man HPV-infiziert ist, aber die Wahrscheinlichkeit ist sicherlich nicht weit von 0 entfernt, wenn man sich Selbstheilungsrate und Anteil der "bösen" HP-Viren anschaut.
Fassen wir zusammen:
1) Nur einige HPV-Arten scheinen Krebs zu verursachen
2) Über 98% aller Infektionen heilen selbstständig
3) Die Impfung schützt - was die "bösen" Varianten angeht - nur vor 2 Virenarten, die für 70% der Tumore verantwortlich sind
4) WELTWEIT erkrankten im Jahr 2002 nachweislich ca 500000 Frauen an Gebärmutterkrebs, in Deutschland 6500. Zum Vergleich: Jährlich erkranken jedes Jahr etwa 130000 Frauen NUR IN DEUTSCHLAND an einem Herzinfarkt.
Was schliessen wir nun aus alledem? Ich für meinen Teil finde, dass die Panikmache völlig überzogen ist, und hauptsächlich bestimmte Pharmafirmen ein unglaubliches Kapital aus der Angst vor Krebs schlagen wollen. Ich halte es sogar für möglich, dass gerade diese bewusst erzeugte Angst mehr Todesfälle verursacht als eine HPV-Impfung verhindern könnte.
Aber wenn wir mal versuchen, die Impfung als gute Sache zu betrachten, bleibt immer noch der fade Beigeschmack, dass sie nicht annähernd vollständig schützt, sondern nur vor etwa 70% der Zervix-Krebserkrankungen, und das auch nur im Moment. Der Virus wird weiter mutieren, und es werden sich Resistenzen gegen dem Impfstoff ausbilden. Wenn man also jetzt einen 70%igen Schutz erhält, hat man vielleicht in 20 Jahren nur noch einen 10%igen Schutz - wenn überhaupt, weil die 4 Virenvarianten, gegen die der Impfstoff schützt, möglicherweise in Deutschland ausgerottet werden.
Man könnte natürlich fragen "Aber wieso sollte ich mich nicht impfen lassen, das gibt für die nächsten Jahre wenigstens eine erhöhte Sicherheit." Klar, so kann mans sehen, nur sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Auch sollte man bedenken, dass es noch keine Langzeitstudien über den Impfstoff gibt. In den Studien zu Gardasil (einem der Impfstoffe) haben Frauen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren teilgenommen, und sie wurden nicht länger als 4 Jahre lang nachbeobachtet. Das "übliche" Alter für Zervixkarzinome ist aber 45-55.
Ich hoffe, ich konnte etwas gesunden Menschenverstand in die Diskussion bringen und vielleicht die eine oder andere zum Nachdenken bewegen

. Achja, und kommt mir bitte nicht mit "Du kannst das nicht nachvollziehen, du bist keine Frau"... ich würde genauso argumentieren, wenn es um Prostata oder Hoden oder wwi gehen würde.