edit: Vorsicht... ellenlanger Text!
Also ich hatte vor gut 2 Monaten etwas, das in dieselbe Richtung ging... wobei ich aber nicht all deine Symptome hatte, und auch nicht in der Intensität, die es anscheinend bei dir hat. Es wurde allerdings auch nach ein paar Tagen schlimmer, und ich wusste, dass man schulmedizinisch sowieso nix feststellen würde. Frag nicht, warum ich das wusste... aber es war mir halt intuitiv klar (vermutlich, weil ich unbewusst schon längst den/die Auslöser erkannt hatte).
Bevor es losging, kamen aber erstmal paar kleinere Hörstürze. Nach dem letzten bin ich sogar zum Arzt gegangen (normalerweise würde ich nie zum Arzt gehen), der nichts feststellen konnte, mir aber durchblutungsfördernde Tabletten verschrieben hat. Ich also angefangen, das Zeug zu nehmen (auch eigentlich total gegen meinen Instinkt), und nach 3 Tagen ging es dann richtig los. Der Hörsturz war zwar weg (subjektiv), aber plötzlich wurde mir während der Arbeit schwindelig, und ne Minute später etwa hatte ich nen sehr seltsamen Schmerz im Kopf, durch den ich fast kollabiert wäre. Emotional war das für mich, als wäre im Kopf irgendeine Barriere, eine Schutzmauer der Stärke, oder wie auch immer man das nennen will, innerhalb einer Sekunde niedergerissen worden. Ich war wie benommen und musste mich arg zusammenreissen, um nicht auf der Stelle loszuheulen, was aber nur einige Minuten angehalten hat. Während ich also draussen hinter der Firma auf ner Bank sass, kamen plötzlich Emotionen über Dinge hoch, die mich zwar in gewisser Weise belastet haben, aber objektiv gesehen eigentlich nicht soo wild sind, zB dass es in meinem Leben nicht vernünftig voran geht (ewiges Warten auf nen Studienplatz, schon seit Jahren), oder über meine extrem energieraubenden Arbeitskollegen, in deren Gegenwart ich mich quasi immer zusammenreissen musste um ihnen nicht die Meinung zu sagen.
Das ganze dauerte ungefähr 10 Minuten, und danach waren erstens die Symptome weg, und zweitens war ich RICHTIG befreit und gelöst. Mit anderen Worten: Selbst wenn diese Probleme nicht die Ursache waren, hat mir dieser "Stich" im Kopf und das Fallen der Barriere erheblich geholfen. Am selben Tag bin ich auch zur Vernunft gekommen und hab gegen die Empfehlung des Arztes aufgehört, diese durchblutungsfördernden Medikamente zu nehmen. Kurze Zeit später lief auch mein Vertrag in der Firma aus und ich hab das Angebot (man könnte es fast schon betteln nennen) zu verlängern abgelehnt.
Während ich in der Firma war, haben sich meine Alltage zunehmend so entwickelt, dass ich unausgeschlafen zur Arbeit gegangen bin, nach der Arbeit (16.30 Uhr, um 5 Uhr musste ich immer aufstehen) hundemüde war, meist aber noch nicht direkt schlafen gegangen bin, sondern mich an den Laptop gesetzt habe, um zumindest noch einige Stunden aufzubleiben. Zu anderen Dingen hätte ich sowieso nicht ansatzweise Lust gehabt, weil ich wie gesagt viel zu müde war. Meine Arbeitstage bestanden übrigens zu 95%aus Sitzen in nicht gerade ergonomischer Haltung. Am Wochenende hab ich mich dann auch kaum bewegt, weil ich mich von der Woche erholen wollte und jede körperliche Anstrengung zuviel fand. Zusammengenommen hab ich mich also fast ein halbes Jahr lang kaum bewegt.
Nun sind diese Beschwerden, diese Benommenheit, dieses Gefühl von Sich-fremd-sein aber nicht verschwunden, nachdem mein Vertrag ausgelaufen war. Mir wurde dann klar, wie wenig ich mich bewegt hatte, und fing dann an, jeden Tag zumindest ein bisschen was Anstrengendes zu machen... zB 10min Joggen oder ne gewisse Strecke schnell mit dem Fahrrad zu fahren. Auch Krafttraining mit Hanteln hab ich langsam wieder angefangen. Ich kam mir wirklich vor, als hätte ich davor in Schwerelosigkeit gelebt, denn objektiv gesehen war meine körperliche Fitness völlig miserabel, um es mal freundlich auszudrücken. Wie gesagt, ich hab mich aufgerafft, während dieser Benommenheit und nachdem ich noch nen kleinen Hörsturz hatte mit meinem Training anzufangen, weil ich von Durchblutungsstörungen ausgegangen bin als Ursache meiner körperlichen Beschwerden.
Zum Glück bin ich jemand, der sehr schnell körperliche Fitness bis zu nem gewissen Grad aufbaut, und schon einige Tage später hatten sich diese Symptome in Luft aufgelöst. Leichtsinnig wie ich war hab ich dann Pausen eingelegt, also Tage, an denen ich dann nix gemacht und doch wieder den ganzen Tag krumm und schief aufm Sofa vorm Laptop gesessen hab. Und siehe da - nach 2 Tagen kam schon die Quittung in Form von den zu Genüge beschriebenen Symptomen. Also hab ich wieder mit dem regelmässigen Training angefangen, um zumindest auf ein gewisses niedriges Niveau zu kommen, was körperliche Fitness angeht. Das hat schätzungsweise 2 Wochen gedauert, aber mittlerweile kann ich durchaus wieder ne Woche am Stück nur vorm Laptop sitzen (was ich letzten Monat auch gemacht hab), ohne dass es mir gleich dreckig deswegen geht.
Mein Fazit ist also, dass mangelnde Bewegung zumindest die Ursache der körperlichen Beschwerden war, bzw meine sehr unausgeglichene Lebensweise über Monate hinweg. Nun hat natürlich alles seinen Ursprung in der Psyche. Ich gehe für mich persönlich davon aus, dass psychische Belastungen (und damit meine ich keine, die einer Therapie bedürften) der Grund für meine Bewegungsunlust waren, und teilweise noch sind, und gleichzeitig der Grund dafür, dass ich sehr selten Lust habe rauszugehen oder mich zu bewegen. Im Grunde sind die Emotionen, die an diesem einen Stichtag hervorgekommen sind, wahrscheinlich genau das, was im Endeffekt auch die "Faulheit" auslöst. Man kann das mit der Bewegungsunlust sogar sehr wörtlich nehmen, wenn man es auf die Psyche bezieht... nämlich dass mangelnde geistige Entfaltung ihren Ausdruck darin gefunden hat, dass ich auch körperlich immer lethargischer werde.
In gewisser Weise ist das natürlich ein Teufelskreis, denn wer erstmal schlapp ist, hat normalerweise auch keine Lust, sich zu irgendwas aufzuraffen, was das Leben verändern könnte, aber genau letzteres musste und muss ich für mich in Angriff nehmen, um auch allgemeine Lustlosigkeit an Bewegung, an anderen Menschen, am Leben, an der Liebe, etc, loszuwerden. Ich warte zwar immer noch bis Mitte August, ob ich dann endlich meinen lang ersehnten Studienplatz bekomme, bevor ich mein Leben umgestalte, aber ich weiss jetzt schon, dass wenn ich wider Erwarten keinen kriegen sollte, sich ne Menge tun wird in meinem Leben. Ich weiss zwar noch nicht genau, was, aber es läuft sicherlich auf einige verrückte Spontanideen hinaus. In jedem Fall seh ich dem Studienplatz-Bescheid positiv entgegen, denn egal wie er ausfällt, wird sich mein Leben danach drastisch ändern

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Man könnte natürlich argumentieren, es wäre dumm von mir, nicht jetzt schon mit dem Umkrempeln anzufangen, und damit läge man garnicht so verkehrt, aber ich halte mich bis dahin mit der Gewissheit über Wasser, dass ich meine Grundproblematik zumindest zum grössten Teil erkannt habe, und darüber hinaus durch regelmässige (wenn auch insgesamt immer noch nicht allzu häufige) Bewegung.
Ich will mir natürlich nicht rausnehmen, meine Situation jetzt komplett auf dich zu übertragen, denn dafür sind die Ursachen in der Psyche mit Sicherheit viel zu vielseitig, aber vielleicht erkennst du dich ja in der einen oder anderen Schilderung hier wieder und kannst etwas damit anfangen. Dein Zustand ist in jedem Fall "heilbar", und du hast es auch noch selber in der Hand. Es erfordert, je nachdem was evtl für Umstellungen auf dich zukommen, bestimmt mehr Mut als bei mir, aber sollten bei dir die Ursachen ähnliche sein, bist du auch schon ein Stück "tiefer gesunken" als ich vor gut 2 Monaten, und musst vielleicht drastischere Massnahmen ergreifen, dein Leben wieder lebenswert zu gestalten. Genauso wenig wie das hier alles auf dich zutrifft, hat mein Monolog hier natürlich auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn ich hab hier frei Schnauze geschrieben und bin schon froh, wenn man als Leser nen ungefähren Zusammenhang erkennt

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In diesem Sinne... alles Gute! (ich fühl mich grad, als hätte ich mich als Schwuler geoutet *lol*)