Hallo,
mir ist klar, dass niemand eine Ferndiagnose stellen kann aber vielleicht kann mir jemand helfen, das alles besser zu verstehen?

Mal ganz von vorne... Ich bin im Sommer zwei Jahre mit meinem Freund zusammen. Er hat seit über zwei Jahren Depressionen, das steht fest. Auch wenn ich mein Wissen größtenteils nur aus Büchern bzw. dem Internet habe, fällt es mir schwer zu glauben, dass er wirklich "nur" Depressionen hat.
Zuerst einmal hat mein Freund große Probleme damit, jegliche Art von Gefühlen zu kontrollieren. Er kann nicht mit ihnen umgehen, sie nicht verarbeiten. Er neigt zu autoaggressivem Verhalten und zu Wutausbrüchen. Wenn er einmal wütend ist, dann rastet er entweder völlig aus und schreit irgendwen an, steigert sich in irgendwelche sinnlosen Diskussionen hinein, oder reagiert mit völliger Gefühlskälte. Da kann selbst ich (die er über alles liebt) in Tränen aufgelöst neben ihm sitzen und es interessiert ihn nicht. Er möchte das auch selbst gar nicht. In diesen Momenten ist er zwar eigentlich immer völlig davon überzeugt, Recht zu haben, kommt dann aber meist am nächsten Tag an und entschuldigt sich unter Tränen, und meint, sein Verhalten wäre falsch gewesen.
Er hat immer wiederkehrende Suizidgedanken und hat vor über zwei Jahren einen Selbstmordversuch unternommen.
Er ist oft unberechenbar. Wovon er in einen Moment überzeugt war, kann er kurze Zeit später alles völlig falsch ansehen.
Wenn er einmal wütend ist, kann man sagen was man will, er würde auf alles gleich reagieren. Man kann es ihm sozusagen nicht recht machen.
Er ist unheimlich leicht aus der Bahn zu werfen. Ein falsches Wort, eine plötzliche Erinnerung, und er ist für die nächsten Stunden vollkommen niedergeschlagen, will nicht reden und lässt sich nicht anfassen.
Er kann im einen Moment fröhlich sein, im nächsten völlig überdreht und dann wieder sehr niedergeschlagen.
Er ist extrem unruhig, kann kaum stillsitzen. Einerseits ist er sehr ruhig und sanft, andererseits aufgekratzt und reizbar.
Er kann sich nur schwer konzentrieren und ist fast immer krank. Irgendetwas hat er immer.
Er hat Minderwertigkeitskomplexe und große Schuldgefühle mir gegenüber. Immer wieder stellt er mir die Frage, warum ich ihn lieben würde, wie man jemanden wie ihn überhaupt lieben könnte. Er würde mir doch immer nur wehtun und ich würde wegen ihm leiden. Er macht sich teilweise noch Vorwürfe wegen Dingen, die zwei Jahre zurückliegen.
Er holt mir einerseits die Sterne vom Himmel und behandelt mich andererseits mit völliger Gefühlskälte. Er kann so eiskalt und abweisend sein.
Dennoch liebt er mich über alles. Als es ihm wieder einmal schlecht ging, habe ich ihn gefragt, ob er allein sein möchte, ob ich gehen solle. Daraufhin brach er in Tränen aus und meinte: "Du kannst mich doch nicht alleine lassen!"
Er wirkt meist so fröhlich und offen, aber innerlich ist er so kaputt.
Ist es wirklich möglich, dass das "nur" Depressionen sind? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Er war vor einem Jahr mal bei einer Beratungsstelle und der Sozialarbeiter dort sagte, dass er ihn nicht für depressiv hielt. So wie mein Freund das sagte, klang es, als hätte der Sozialarbeiter gemeint, mein Freund wäre psychisch gar nicht krank. Vielleicht meinte er aber auch nur, dass mein Freund etwas anderes als Depressionen hat. Da ich nicht dabei war, kann ich es nicht beurteilen.
Mein Freund war letzten Sommer/Herbst für sechs Wochen in teilstationärer Behandlung. Seitdem nimmt er auch Antidepressiva. Er ist jetzt zwar nicht mehr ständig niedergeschlagen, aber ansonsten scheint diese Therapie nicht sehr viel gebracht zu haben.
Vor zwei Wochen hat er sich dann freiwillig einweisen lassen und ist jetzt stationär in einer Klinik.
Ich hoffe so sehr, dass das endlich hilft.
Ich weiß nicht, was für eine Antwort ich mich jetzt erhoffe... Ich wollte das einfach mal alles loswerden. Wenn irgendjemand etwas dazu zu sagen hat, würde ich mich freuen.
Danke fürs Lesen.
Liebe Grüße,
Leelie