Man höre und staune, aber ich hab auch ein bisschen damit zu kämpfen, allerdings nur im privaten Umfeld. Die "Gewalt" richtet sich dann nicht gegen andere, sondern gegen Gegenstände, und auch wegen völlig belangloser Kleinigkeiten. Im Laufe der Zeit ist das aber viel besser geworden, wobei es schwierig ist zu sagen, weshalb genau. Ich versuch einfach mal zu beschreiben, was sich allgemein hinsichtlich meiner Einstellung geändert hat...
Zum Beispiel hab ich mich längere Zeit damit beschäftigt, was im Leben wirklich zählt bzw was wichtig sein sollte. Nicht dass ich das wegen der Aggressionen gemacht hätte, aber ich hatte bzw habe immer noch sone Phase, wo ich mir darüber halt Gedanken mache. Dabei bin ich zB auch zu der Einsicht gelangt, dass Aggression zunächst mal ein natürlicher Ansporn dafür ist, was für seine Ziele zu tun, und zwar vor allem die Ziele, die einem irgendwie "Erfüllung" geben.
Ich war lange Zeit ziemlich unentschlossen, was ich überhaupt machen will (beruflich), und musste auch privat erstmal zu mir selber finden, also was ich überhaupt will - bezogen auf Freunde, Freundin, Hobby, usw... Das für sich war dann schonmal ne Menge wert, und je näher ich zum Ziel kam, oder bloss zu dem Punkt wo ich wirklich anfange für ein Ziel zu arbeiten, desto entspannter wurde ich. Mit anderen Worten: Unzufriedenheit mit sich selber ist ein grosses Stichwort bezüglich Aggressionen.
Auch wenn das ein bisschen blöde klingt, kann man Aggressionen mit sonem erhitzten Dampfkessel in nem Kraftwerk vergleichen. Wenn die heisse Luft zielgerichtet raus kann, wird sie konstruktiv genutzt, und wenn nicht, fliegt das ganze Ding irgendwann in die Luft. Das geniale am Menschen ist nur, dass der Kessel nicht kaputt bleibt

. Hitze wird immer erzeugt, wie gesagt, zunächst mal als positiver Ansporn... quasi als natürlicher Antrieb des Menschen, was aus seinem Leben zu machen.
Wenn man sich dann drüber im Klaren ist, dass die Ursachen der Wutausbrüche eigentlich garnicht so wichtig sind, nimmt man der Wut auch ne Menge Energie. Ich kann zB bei nem Computerspiel ziemlich sauer werden, aber wenn ich mir klarmache, dass ich eigentlich nur aus Langeweile gezockt hab und das für mein Leben eher hinderlich als förderlich ist, kann ich meine Aufmerksamkeit direkt davon weglenken und mich mit was anderem beschäftigen.
Frust, der evtl aus früheren Misserfolgen kommt, festigt natürlich irgendwie die Einstellung, dass alles entweder sofort und richtig zu klappen hat, oder aber dass es scheisse ist. Umso ärgerlicher, wenn es ne Verpflichtung ist, der man nicht aus dem Weg gehen kann. Mit der Zeit (der Unzufriedenheit) stellt man sich immer weniger neue Aufgaben, weil man frustriert von den letzten ist, weil man Angst vorm Versagen hat, oder einfach nur, weil man keine Lust hat, sich schon wieder aufzuregen. Da liegt dann auch der Weg aus der Zwickmühle heraus. Erstens sollte man sich also neue Ziele setzen, nachdem man sich überlegt hat, was einem wirklich was geben könnte. Zweitens braucht es natürlich Motivation. Die resultiert allerdings zu nem grossen Teil alleine daraus, dass man gewillt ist, etwas bedeutendes in seinem Leben zu ändern/verbessern.
In gewisser Weise ist das sone Art Gesprächstherapie (mit sich selber) und Verhaltenstherapie (Verfolgung neuer Ziele). Die Ziele müssen dabei garnicht so grossartig, sondern hauptsächlich sinnbringend sein. Jeder Mensch braucht das Gefühl, in seinem Leben voranzukommen, und nicht ewig auf der Stelle zu treten geschweige denn rückwärts zu laufen.
Ergo ist mein persönlicher Ansatzpunkt, um Wutausbrüche besser in den Griff zu kriegen, eine Verbesserung der Lebensqualität, und garnicht die Wut-Situation selber. Ich bin fest überzeugt, dass es nur Symptombekämpfung ist, wenn man sich bei seinen Anstrengungen überwiegend auf die Wutausbrüche ansich konzentriert, denn sie sind nur ein Zeichen dafür, dass insgesamt was nicht stimmt.