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19.03.2005, 10:36
# 61 Dorfklub – Panschwitz…
Durch meinen damaligen besten Freund Stefan bin ich auf diesen Klub aufmerksam geworden. Er sagte mir, dass da immer die besten Feten im Umkreis stattfinden. Anfangs war ich der Meinung, er hätte Recht. Das hat sich mittlerweile geändert.
Als ich das erste Mal dort ankam, fand ich ziemlich coole Leute vor, die meine damalige Meinung unterstützten. Wir hörten gute, laute Musik und tranken viel Alkohol. Der Abend war angenehm und lustig. Ich lernte viele neue und nette Menschen kennen. Wir unterhielten uns über diverse Dinge wie Spaß am Leben und natürlich auch über die schönste Nebensache der Welt. Sex. Man redete gemeinsam über Frauen und wie man sie rumkriegt. Als es dann langsam spät wurde, müsste ich leider schon nach hause und bin mit dem Moped gen Heimat gefahren. Am nächsten Tag fragte ich Stefan, ob ich noch einmal kommen könne. Er sagte ja und versprach mir noch eine Überraschung. Völlig aufgeregt, fragte ich meine Eltern, ob ich dieses Mal bis zum nächsten Morgen dort bleiben kann. Ich erinnere mich jetzt noch an die Worte meines Vaters :“ Wenn du Semmeln mitbringst“. In Panschwitz angekommen, sah ich Stefan mit einer Bon in der Hand winkend. Er rief mir zu :“ Überraschung“. Anfangs völlig enttäuscht von ihm bat ich ihn das Ding wegzulegen und mir zu erklären, was das soll. Er sagte zu mir ich soll endlich mein Leben genießen und nicht so spießig sein. Er überredete mich, auch ein paar Züge zu nehmen. Ich habe ihm vertraut und dachte mir, dass da wohl nicht dabei wäre. Ich nahm ein paar Züge vom Joint und fühlte aber nichts. Ich fragte ihn, was da drin ist und warum ich nichts merke. Er antwortete, dass man Hanf in geringen Mengen nicht merkt. Ich rauchte also die ganze Tüte fast allein auf. Das war wohl ein Fehler. Nach etwa einer halben Stunde merkte ich, wie einzelne Körperteile nicht ganz so wollten wie ich. Als ich dann langsam merkte, dass sich etwas tut, fragte ich Stefan, ob das normal ist, da ich ja vorher noch nie Kontakt mit solchen Drogen hatte. Er sagte, dass es absolut normal sei und dass der geile Rausch nicht lange auf sich warten lässt. Er hatte Recht. Da ich meinen Körper kaum noch unter Kontrolle hatte, bin ich aus dem Haus gerannt und habe so ziemlich alles ausgekotzt was ich den ganzen Tag gegessen hatte. Weil es mir so schlecht ging bin ich wieder in den Klub gekrochen um Jacke und Helm zu nehmen, weil ich wieder nach hause wollte. Stefan hinderte mich Gott sei dank daran auf das Moped zu steigen. Ich stelle mir immer wieder die Frage ob ich an diesem Abend heil zuhause angekommen wäre.
Als er mich dann überredet hat, doch hier zu schlafen, bin ich wieder mit rein gegangen und habe mich in einem Nebenraum aufs Ohr gehauen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, habe ich mich von allen verabschiedet und bin mit dröhnendem Kopf nach hause gefahren. Ich war nach einer Woche wieder dort und habe wieder geraucht, in der Hoffnung, dass es dieses mal nicht so schlimm wird. Und doch war es fast wieder so. Ich war ziemlich oft da und in den Sommerferien 2003 fast jeden Tag. Als Stefan mich eines Abends anrief, sagte er dass er was neues habe und ich es auch mal ausprobieren soll. Gesagt, getan… Als ich dort ankam fand ich schon einige Freunde total high rumtanzen. Ich fragte Thomas was das sein soll. Er sagte Speed. Er hat mir dann noch weiterhin erklärt, dass man da keine extremen Nachwirkungen hat. Da habe ich es halt mal ausprobiert. Der Rausch war von einem anderen Stern und mein Kater am nächsten Morgen leider auch. Doch da ich ab diesem Tag so überzeugt von diesen ganzen Drogen war, fuhr ich immer öfter dort hin und ich bemerkte nicht, dass ich diese ganze Dorgengeschichte nicht mehr unter Kontrolle habe. Ich war süchtig und richtig geil drauf immer wieder härtere Sachen auszuprobieren. Als fast ein Jahr vergangen ist, fragte ich Stefan, ob er mir noch etwas besseres verschaffen könnte. Da wir keine stärkeren Sachen mehr kannten außer Tabletten und Medizin, sagte er nur ein Wort: „Hero“. Ich fragte ob er Heroin meint. Ja. Anfangs sehr skeptisch, wegen den großen Risiken, sagte ich aber trotzdem dass es ein paar Spritzen besorgen soll. Nächsten Tag sagte er mir per Telefon, dass er nicht so viel Geld hat, um das Zeug zu bezahlen. Also wartete ich, bis wieder Schule ist und habe dann immer im Sportunterricht meine Mitschüler beklaut. Als ich endlich genug Geld zusammenhatte, sagte ich Stefan bescheid, dass er das Zeug bestellen soll. Völlig aufgeregt bin ich wieder hingefahren und habe mir den Mist gleich in die Arme gejagt. Schon nach wenigen Minuten wurde ich und Stefan schon schläfrig und total benommen. Kurze Zeit darauf merkte ich schon, dass ich mich kaum noch bewegen konnte. Ich war praktisch wie gelähmt. Ich wurde panisch und bekam kaum noch Luft. An weiteres kann ich mich nicht mehr erinnern. Freunde sagten mir am nächsten Morgen, dass ich auf dem Boden gelegen habe und vor Schmerzen geweint und geschrieen habe. Das war nicht so toll. 3 Tage darauf merkte ich dass mein Körper völlig verrückt spielt. Ich habe gedacht, dass es vielleicht irgendwelche Nachwirkungen sind. Doch als ich nächsten Tag kaum noch klar denken konnte, war mir klar, dass ich von diesem Zeug abhängig bin. Also beklaute ich meine Eltern und andere Leute um noch einen Flasch zu kaufen. Das wurden dann insgesamt 5 Sätze, die ich mir gab. An den 6. hätte ich mich wohl fast nicht mehr erinnern können. Ich wäre tot. Ich habe zum Glück gewartet, bin Stefan fertig mit fixen war, als ich etwa eine halbe min. nach ihm ansetzte. Ich hatte die Nadel schon im Arm, als Stefan auf einmal ohnmächtig vom Sessel nach vorn fällt. Völlig verängstigt zog ich die Nadel wieder raus und eilte ihm zur Hilfe. Ich rüttelte und schrie ihn an. Als er wieder halbwegs zu sich kam rief ich um Hilfe und habe mit seinem Handy einen Krankenwagen alarmiert, da ich allein war. Noch bevor der Krankenwagen da war, wurde er immer wieder ohnmächtig und fiel zurück in meine Arme. Er bekam immer wieder Anfälle, verkrampfte und schlug um sich. Er fing an zu weinen und öffnete kurz seine Augen. Alles war still. Er sah mich mit völlig glasigen Augen an und sagte: „ voll ins goldene“(Goldener Schuss). Als dann noch Blut durch seinen Mund kam bin ich völlig panisch geworden und rief nochmals um Hilfe. Niemand kam. Er bat um Ruhe, blickte mich an und sagte: „ Bruder…ich liebe dich“. Diese letzten Worte werde ich nie vergessen. Kurz darauf schloss er die Augen und starb in meinen Armen. Ich weinte, schrie und fluchte laut. Der Krankenwagen und die Polizei kamen etwa 20 min. später. Sie konnten ihn nicht mehr retten. Blutverschmiert ging ich raus und fiel zu Boden. Kurze Zeit später gab mir ein Polizist die Hand und half mir auf. Er schaffte mich nach hause. Völlig unzurechnungsfähig vor Leid musste ich mir mit anhören, wie der Polizist meinen Eltern berichtete, was passiert ist. Sie waren sehr enttäuscht gewesen. Ich bekam eine Anzeige, wegen Besitz von BTM.
Ich sollte für 8 Wochen nach Dresden gehen, um eine Entziehungskur durchzuführen und um meine Probleme zu überwinden. Ich wurde schon nach 3 Wochen entlassen, weil ich seit diesem Vorfall weiß dass Drogen einfach nur scheiße sind und weil ich mit den Patienten dort und den Leuten im Klub nichts mehr zu tun haben wollte.
Kurz nach der Gerichtsverhandlung wurde der Klub geschlossen und die Mitglieder ebenfalls zum Entzug geschickt.
Ich hoffe, dass ich einige Leute dazu bewegen kann einzusehen, dass Drogen absolut nichts als schlechtes bringen.
Es war mein bester Freund. Dieses furchtbare Leid wünsche ich keinem anderen zu. |