huhu, das folgende interview ist zwar schon 2 jahre alt, aber trotzdem erschreckend aktuell und informativ... wenn ich das lese bin ich echt froh, nichts mehr mit dem ganzen dreck zu tun zu haben *puh* aber die typen sind zum teil doch schon ziemlich durch würd ich sagen. also leute, wehret den anfängen, lasst euch den mist ja aus dem körper! und jetzt viel spaß beim lesen, eure kommentare dazu würden mich auch sehr interessieren...
mfg turi
"Das ist einfach animalisch"
Die Ecstasy-Konsumenten Andy, Basti, Ela und Engin über durchgefeierte Wochenenden, Gedächtnisausfälle und Techno-Musik
SPIEGEL: Andy, Basti, Ela, Engin, wie viele Ecstasy-Tabletten habt ihr bisher im Leben genommen?
Engin: 90 Tabletten, ab und zu Speed, vier Pappen, also LSD-Trips, und eben Kiffe.
Ela: Das ist ja nicht viel. Ich feiere seit dreidreiviertel Jahren jedes Wochenende durch. Das sind jedes Mal 20 Pillen. Das ist mittlerweile ziemlich enorm geworden.
Basti: Ich habe in fünfeinhalb Jahren 2500 Stück genommen, seit einem halben Jahr aber nichts mehr.
Andy: Ich bin seit 1991 dabei. Ich fange schon damit an, dass ich morgens im Bett kiffe, damit ich für meine Arbeit als Altenpfleger besser drauf bin. Ich schätze, ich nehme über 100 Ecstasy-Tabletten im Monat. Ich bekomme da schon Mengenrabatt. Dazu kommen drei Pappen am Wochenende und zwei mittwochs. Ich trinke immer Sekt dazu oder einen schönen Rotwein. Manche trinken Jägermeister dazu.
Ela: Das ist ja ekelhaft.
Andy: Doch, das wirkt wunderbar.
Ela: Alkohol macht ein ganz anderes Gefühl, das passt nicht zu Ecstasy. Außerdem vertrage ich Rotwein nicht. Wenn ich trinke, habe ich mich nicht unter Kontrolle. Wenn ich Drogen nehme, habe ich mich dagegen unter Kontrolle.
SPIEGEL: Wie viel gebt ihr am Wochenende für Drogen aus?
Engin: Unterschiedlich. Wenn man ganz spontan in eine Disco geht und hat nichts in der Tasche, dann ist es klar, dass man 20 Mark für eine Pille zahlt. Aber wenn man vorher seine Leute anruft und dann noch Mengenrabatt kriegt, kostet jede nur sechs, sieben Mark.
SPIEGEL: Und wie viele Tabletten muss man dazu abnehmen?
Engin: Bei einem Preis von sechs, sieben Mark: ein paar hundert.
SPIEGEL: Das ist dann Drogenhandel.
Engin: Ja gut, das ist Dealerei, aber ...
Andy: Ich gebe 800 Mark im Monat für Drogen aus. Von dem Geld habe ich was gehabt. Das ist besser, als wenn ich damit ein Auto finanzieren würde. Außerdem sehe ich jeden Tag auf der Station, wie es ist, wenn man alt ist. Da lebe ich lieber jetzt.
SPIEGEL: Wie sieht so ein durchgefeiertes Wochenende aus?
Ela: Ich arbeite freitags abends von elf Uhr bis frühmorgens in einer Bar. Da nehme ich eine halbe Ecstasy-Tablette, um wach zu bleiben. Dann ziehe ich mit meinen Freunden von einem Chill-out zum nächsten, manchmal bis zum Montagmorgen. Bei den Chill-outs ist es extrem: Da wird reingehauen, was so kommt. Egal ob es Ecstasy, Speed oder Koks ist.
SPIEGEL: Macht das Feiern ohne Drogen keinen Spaß?
Basti: Wenn man Ecstasy nimmt, geht die Musik direkt in deinen Kopf rein. Techno und Drogen gehören für mich zusammen.
Ela: Eigentlich ist die Musik schon die Droge, aber mit der Pille kombiniert ist das ein Wahnsinnsgefühl. Wenn ich eine Pille nehme und auf der Tanzfläche stehe, dann habe ich so ein Glücksgefühl, da ist mir alles um mich herum egal.
Andy: Das ist einfach animalisch.
SPIEGEL: Besser als Sex?
Ela: Das kann man nicht miteinander vergleichen. Wobei ich überhaupt keinen Bock auf Sex habe, wenn ich auf Droge bin. Ich suche nur Nähe. Wir machen immer Rudelkuscheln: Da liegen zehn Mann in einem Bett, alles drunter und drüber. Es ist tierisch entspannend, bei jemandem im Arm zu liegen.
SPIEGEL: Und warum geht das nicht ohne Drogen?
Engin: Das ist doch etwas ganz anderes.
Andy: Die Leute sind verklemmt, zu spießbürgerlich und zu egoistisch. Wenn wir zusammenliegen, dann sind wir eine Gemeinschaft. Wenn einer kein Geld hat, wird das auch akzeptiert, dann heißt es nicht, du kriegst nichts. Das ist wie in einer Familie.
Ela: Bei uns steuert auch jeder etwas bei.
Basti: Das stimmt ja so auch nicht. Ihr könnt doch nicht bestreiten, dass die Drogen manche verändern. Die geben ihr ganzes Geld für Tabletten aus und kommen dann dauernd an und fragen: Hast Du nicht was? Die leihen sich überall Geld, um Drogen zu kaufen.
SPIEGEL: Was passiert, wenn ihr zu viele Drogen genommen habt?
Basti: Wenn du overdosed bist, dann verraffst du halt irgendwelche Sachen. Dann bist du nicht mehr so ganz da und checkst es nicht mehr. Schickst jemanden los zum Kaffeekaufen und der kommt zurück mit einem 80-Kilo-Schinken: Der sah so geil aus, den musste ich kaufen. Das sind so verplante Aktionen, die sind echt lustig. Das gibt's im normalen Leben nicht.
SPIEGEL: Schlaft ihr am Wochenende?
Basti: Nee. Ich schlafe nicht eine Minute. Das geht durch bis Sonntagabend.
Andy: Ich bin nach dem Wochenende immer noch fit. Manchmal geh ich noch feiern bis Montagfrüh und dann sofort zur Arbeit. Das ist perfekt.
Ela: Ehrlich? Also, das ist mir nicht möglich. Ich habe durch das Feiern die Schule vernachlässigt. Das spürt man schon.
SPIEGEL: Wissen eure Eltern Bescheid?
Basti: Wenn mein Papa den SPIEGEL liest, dann gibt's Ärger.
Ela: Meine Mutter weiß eigentlich alles, aber ich glaube nicht, dass ihr bewusst ist, wie extrem ich das so handhabe mit den Drogen. Muss sie ja auch nicht.
SPIEGEL: Wie war es denn beim ersten Mal für euch?
Ela: Das war mit 17. Ich habe zwei Pillen auf einmal genommen, das war für mich ein unheimlich schönes Gefühl. Ich war ziemlich hemmungslos. Ich habe in der Kneipe auf Heino getanzt! Und ich habe geredet wie verrückt, ob das die Leute interessiert hat oder nicht, das war mir völlig egal.
Basti: Genau: ein Laberflash.
Ela: Das Tollste fand ich, dass man so intensiv die Nähe zu den anderen Menschen spürt. Ich hatte vorher zweieinhalb Jahre vor allem gekokst. Ich zieh jetzt auch noch ein paar Nasen, wenn ich feiere, aber ich nehme überwiegend Ecstasy, weil ich damit besser klarkomme.
Engin: Anfangs habe ich mich die ganze Woche auf Freitag gefreut. Nach einer Weile war es aber nicht mehr so lustig. Partys ohne Drogen fand ich total langweilig.
Andy: Ich habe mich gleich total verliebt, das war das Wunderbarste. Aber ich bin ja flexibel, ich bin ja locker, ich kann mit mehreren Frauen zusammenleben. Ich war auch schon mit zweien beim Sektfrühstück im Bett zusammen, echt, und wunderbar, für mich ist das kein Problem, denn, ich sag mal, das kommt immer auf die Einstellung der Person selbst drauf an.
SPIEGEL: Kommt nach 60 Stunden Party der Absturz?
Ela: Ich kann drei, vier Tage feiern, komme runter, und alles ist in Ordnung. Wenn es aber vorher ein Problem gegeben hat, wird es mir dann viel bewusster. Es kommt viel näher an mich ran und ich werde depressiv. In diesen Momenten denke ich, aus, vorbei, jetzt ist wirklich Schluss damit.
Basti: Wir sind doch keine Junkies, wir nehmen Drogen zum Spaß. Ich habe Spaß mit der Droge, nicht die Droge mit mir. Wenn es umgekehrt ist, ist man süchtig. Man muss jederzeit in der Lage sein aufzuhören. Andy, ich bezweifle, dass du drei Monate lang ohne Drogen auskommst.
Andy: Ich habe mich für Big Brother beworben, und wenn ich angenommen werde, dann gehe ich rein und habe mich darauf eingestellt, dass es keine Drogen gibt. Ich könnte auch jetzt aufhören, aber wozu? Mein Leben wäre ohne Drogen genauso, aber nicht so fröhlich.
Basti: Jahrelang war ich von Montag bis Freitag in der Schule, und am Wochenende habe ich Drogen genommen, am Ende 30 Pillen. Ich musste alle halbe bis dreiviertel Stunde eine nachwerfen, weil ich sonst nichts mehr gemerkt habe. Da habe ich mich entschlossen: Jetzt ist Schluss.
Ela: Ich habe mir schon öfter gesagt, so, jetzt höre ich auf damit, aber schwuppdiwupp hatte ich wieder eine drin.
SPIEGEL: Macht dir das Sorgen?
Ela: Ich brauche das halt ab und an mal so. Weil ich dann aus dem ganzen Alltag raus will in eine ganz andere Welt.
Engin: Das ist die Sucht. Das weißt du.
Ela: Ja, klar. Und? Wir erleben andere Dinge, wir gelangen in andere Sphären, weil die Drogen bewusstseinserweiternd sind. Das werden andere Menschen nie erleben, und deshalb fürchten sie sich vor uns.
SPIEGEL: Für eine drogenfreie Gesellschaft seid ihr wohl nicht zu gewinnen?
Engin: Das geht doch gar nicht.
Basti: Nein. Aber für die Legalisierung von Drogen bin ich auch nicht. Ich war gerade am Wochenende in Amsterdam. Da stehen überall auf der Straße Junkies rum, die mit Drogen nicht zurechtkommen. Ich bin mit der Situation zufrieden, so wie sie ist. Wenn ich Drogen will, kann ich sie mir immer besorgen.
SPIEGEL: Hat jemand von euch mal Probleme mit der Polizei gehabt?
Engin: Nein, nie.
Ela: Ich auch nicht.
Andy: Neulich kamen die mit drei Mannschaftswagen zu einer Party mitten im Wald. Ich habe gemütlich im Auto gekifft und dachte, lass die mal machen.
SPIEGEL: Was wisst ihr über die gesundheitlichen Folgen von Ecstasy?
Ela: Ich weiß, dass Ecstasy nicht ungefährlich ist. Aber ich setze mich damit gar nicht so auseinander. Ich feiere einfach. Ich bin ein absoluter Fun-Mensch.
Engin: Mir ist schon klar: In der Szene gibt's viele, die zu viele Pillen geschluckt haben und nix mehr erreichen im Leben. Ich will studieren und brauche dafür einen klaren Kopf.
SPIEGEL: Hamburger Ecstasy-Forscher haben jetzt belegt, dass Ecstasy im Gehirn giftig wirkt und Nervenenden zum Absterben bringt. Der Effekt ist umso schlimmer, je mehr Pillen jemand in seinem Leben geschluckt hat.
Andy: Ja, ja, die Droge macht nur dumm ...
Basti: Alkohol, Zigaretten - in größeren Mengen macht dich jede Droge kaputt. Aber ich bin nur für mich selbst verantwortlich, und ich weiß, was ich tue. Ich heule doch in 50 Jahren nicht rum, wenn ich umkippe, weil irgendwelche Hirnregionen nicht mehr funktionieren.
Engin: Ich finde, dass die Drogen einen verändern, und zwar ziemlich krass, ohne dass man das zunächst merkt. Wenn ich vergleiche, wie mein Gehirn und das Denken vor den Drogen waren und wie es jetzt ist, dann ist das ein riesengroßer Unterschied.
SPIEGEL: Zum Beispiel?
Engin: Ich hatte ein viel besseres Gedächtnis. Ich wusste immer, was ich in den letzten Tagen zu welcher Uhrzeit getan hatte. Das ist heute nicht mehr so. Aber auch das Verhalten ändert sich.
SPIEGEL: Inwiefern?
Engin: Positiv und negativ. Man wird sensibler. Wenn man beispielsweise von seiner Freundin verlassen wird, kommt man damit schlechter klar.
Ela: Das kenne ich auch.
Engin: Andererseits habe ich eine viel liebere Art bekommen. Die Droge färbt auf das normale Leben ab: Ich bin auch offener und kontaktfreudiger geworden.
SPIEGEL: Basti, haben die fünfeinhalb Jahre Konsum körperliche Schäden hinterlassen?
Basti: Ich merke keine. Auch das Gedächtnis wird wieder besser. Es hat aber drei, vier Monate gedauert, bis ich das Gefühl hatte, wieder voll auf der Höhe meiner geistigen Leistungsfähigkeit zu sein.
SPIEGEL: Manche Langzeitkonsumenten von Ecstasy können rechts und links nicht mehr unterscheiden.
Basti: Ich bin einer von denen, ich meine rechts und sage links. Aber ich bin früh genug ausgestiegen. Wer zu viel schluckt, der ist durch. Von den Drogen gefressen. Der lebt dann ganz für sich in Phantasiewelten und meint, das sei schön und toll. Aber der kommt da nicht mehr raus. Ich kenne einige von denen - die haben Aussetzer, Ticks, Wortdreher und viele Marotten. Wer durch ist, ist verloren.
SPIEGEL: Ela, du hast gerade dein Abitur gemacht. Hast du in der Prüfungszeit Drogen genommen?
Ela: Ich habe extrem viel gefeiert, weil ich solche Prüfungsangst hatte. Ich wollte mich dem ganzen Thema entziehen, aber das hat natürlich nicht so geklappt.
Engin: Das ist ziemlich gefährlich.
SPIEGEL: Ist ein Beruf vereinbar mit deinem Lebensstil?
Ela: Der Alltag und das Feiern sind zwei verschiedene Welten. Ich werde es reduzieren, aber ich mache auf jeden Fall weiter. Es ist einfach zu schön.
Engin: Früher oder später muss man aufhören - entweder freiwillig oder zwangsmäßig mit Therapie.
Basti: Für mich ist das abgeschlossen. Anfangs dachte ich: Was die normalen Leute so machen, Billard, Café, das ist doch schreiend langweilig, aber jetzt geht's. Das macht mir wieder Spaß.
Andy: Ich will mit 60 auch noch feiern gehen, auf 'ne witzige Parade mit 'ner witzigen Frisur. Nee, ich denke überhaupt nicht daran aufzuhören. Feiern ist super. Ich sehe keine Nachteile darin. Schau dir die Leute an, die nicht feiern. Die sitzen am Wochenende zu Hause rum und gucken fern - was soll das denn?
SPIEGEL: Andy, Basti, Ela, Engin, wir danken euch für dieses Gespräch.