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von IRONIE war nirgendwo die rede.
ok, vllt auf anderer verbaler ebene.
ich gebe zu bedenken, dass die türkei rein von ihrer kultur her sich an vielen ecken und enden von deutschland unterscheidet. das sollte für niemanden etwas neues sein. die familie als soziale institution hat da einen viel höheren stellenwert als bei uns in deutschland. zwar gab es das bei uns mal, aber es ist uns im zuge der individualisierung abhanden gekommen. das mag vor- und nachteile haben. zB. ist es in der türkei häufig üblich, das kinder kein zimmer für sich allein haben, sondern mit x geschwistern sich ein zimmer teilen. darin sehe ich verschiedene vorteile. zum einen wird das konfliktverhalten anders entwickelt, zum anderen fördert das auch soziale fähigkeiten im umgang miteinander.
was hat das nun mit dem knast zu tun. ich warf ein, dass ich der form der gruppeninhaftierung durchaus vorteile ansehen kann, natürlich unter bestimmten vorraussetzungen, wie eben das unterbinden von gewalttaten untereinander seitens der aufseher. um das zu verdeutlichen zog ich einfach mal das beispiel einer jugendherberge heran. ich vermutete dass sich da jeder reinversetzen kann, aber vermutlich schon nicht mal das. wenn man beim beispiel jugendherberge bleibt, dann ist es da, je nach einrichtung, durchaus üblich, in einem großen zimmer zusammen zu sein, mit nur einer sanitären anlage. wer einmal alleine einen trip nach spanien gemacht hat und da in einer jugendherberge nächtigte weiß, dass es zum einen passieren kann dass kein anderer im zimmer deutsch spricht, zum anderen dass man da mit x wildfremden menschen zusammen ist.
nun ist natürlich der große unterschied dass man in eine jugendherberge freiwillig geht, in ein türkisches gefängniss wohl eher unfreiwillig. das ist auch nicht zu bestreiten, es ging lediglich darum ein beispiel zum verdeutlichen zu finden dass viele nachvollziehen können (bezogen auf "so viele in einem raum" und "nur eine sanitäre anlage").
so zurück zum türkischen jugendgefängnis. wir deutschen, die gern überwiegend in kleinen familien und meist kleingestricktem umfeld und oftmals auch kleinen horizonten aufwachsen, stellen uns es natürlich grausam vor auf einmal in eine kultur zu geraten in der wert auf familie und wert auf "viele menschen, viele soziale kontakte" gelegt wird. allerdings sehe ich darin vorteile. nehmen wir mal an, der junge muss noch 4 jahre in der türkei bleiben und seine strafe in diesem gefängnis verbüßen. spekulativer fall nr 1: er kommt auf eine 2 mann zelle und kann mit seinem mitinsassen gar nichts anfangen, hat angst vor ihm. und er kann ihm nicht ausweichen. hat keine chance zuflucht bei anderen zu finden. sich vllt anderen anzuschließen. die türkischen behörden würden diesen weg der gruppeninhaftierung doch nicht wählen, wenn sie die 30 insassen nicht unter kontrolle hätten. wenn die sich gegenseitig die köpfe einschlagen würden, dann verstehe ich ja die zweifel an dieser art der inhaftierung. was ist nun also so schlimm daran, dass der junge trotz inhaftierung soziale kontakte aufbauen kann, kontakte zu menschen die vllt genauso viel angst haben wie er, mit denen er vllt karten spielen kann, sich durch gestik und n bissl englisch verständigen kann? wieso wäre es sinnvoller ihn mit so wenig wie möglich menschen zusammen zu inhaftieren? vllt gehört es auch einfach nur zur türkischen vorstellung von (re)sozialisierung dass jugendliche eben nicht isoliert inhaftiert werden, sondern sich den konflikten einer gruppe stellen sollen und lernen sollen damit umzugehen.
was mich tierisch nervt ist diese ansicht "diese mittelalterliche türkei, wie sie den deutschen jungen quälen und wie sie bei petting sexuellen mißbrauch vermuten können".
italien, die ähnliche kulturelle aspekte in bezug auf gruppenzusammengehörigkeit und zusammenleben haben würde kein schwein als hinterwäldlerisch, nicht-westlich und unmodern bezeichnen. aber die türkei! die nervt uns ja eh mit ihren türken die bei uns sind und die sich einfach nicht unserer kultur anpassen wollen.
einfach mal n bissl mehr weitblick, ein bisschen mehr offenheit für andere kultur und vllt ab und an der wille auch positive seiten zu sehen.
natürlich hat der junge angst, natürlich ist das für ihn kein urlaubsaufenthalt, aber das wäre es auch nicht für ihn wenn er in einem deutschen gefängnis sitzen würde. sicherlich macht die entfernung und distanz noch mehr angst. das bestreitet keiner, aber gerade deswegen finde ich es sogar sinnvoll wenn er durch so einen gemeinschaftsraum kontakt zu anderen ausländern bekommen kann, die ja ähnliches empfinden müssen.
nachtrag: beim durchlesen ist mir aufgefallen, dass man wohl nur mit gutem willen den zusammenhang zwischen familie und inhaftierung erkennen kann. ich versuche das nochmal leichter zu erklären. wenn ein türkischer junge in einer großen familie, mit vielen sozialen kontakten, vllt auf engem raum aufwächst, das zur kultur gehört derartig viele soziale kontakte auch auf engem raum zu haben, dann ist es verständlich, dass sich diese grundzüge der kultur auch in ein gefängnis ausweiten. dass auch dort wert darauf gelegt wird dem inhaftierten viele soziale kontakte zu ermöglichen und das es als ein positiver (völlig normaler) bestandteil der inhaftierung angesehen werden kann.
und von dir reh, hätte ich so viel horizont erwartet zu erkennen was ich sagen will. dass ich das nun gerade für dich erklären sollte empfinde ich als schockierend.
vllt lieg ich aber auch völlig falsch mit meiner theorie (nicht ironie, theorie), sondern dieses gefängnis hat einfach nicht genug geld um die inhaftierten modern nach westlichen standards in kleinen gruppen bis 4 mann unterzubringen.
dieser kulturelle denkansatz dient lediglich dazu vllt dazu zu animieren, nicht nur auf die bild, zeitungen die sich auf die bild berufen, pro7 und rtl zu stützen, sondern selber ein bisschen nachzudenken. es ist eine theorie. nicht mehr und nicht weniger. aber für alternative denkansätze und theorien ist hier leider oftmals nicht die richtige plattform.
ABER, das Mädel ist in dieser Sache, durch vorspielung falscher Tatsachen, auch kein einfaches Opfer. Sie hat sich somit indirekt an der Tat als Täterin beteiligt. Auch wenn sie nicht wusste womit ihre Alterslüge und der Abend enden wird, aber das wusste Marco ja auch nicht.
in deutschland würde ein 13jähriges mädchen auch nicht zur verantwortung gezogen werden, denn in deutschland ist man erst mit vollendung des 14. lebensjahres strafmündig.